23. Februar 2026
Der Korruptionswahrnehmungsindex 2025 ortet ein besorgniserregendes Bild eines langfristigen Niedergangs der Führungskompetenz im Kampf gegen Korruption. Selbst etablierte Demokratien sind davon betroffen. Eine unentschlossene Führung führe zu schwächeren Standards und einer mangelhaften Durchsetzung von Vorschriften und mindere weltweit den Ehrgeiz der Antikorruptionsbemühungen. Wie schlagen sich die einzelnen Länder in diesem Kampf?
Von Susanne Grau
Transparency International (TI) veröffentlicht jährlich den Corruption Perceptions Index (CPI), welcher zeigt, wie die Korruption im öffentlichen Sektor im eigenen Land weltweit wahrgenommen wird. Auf einer Skala von 0 bis 100 werden die Länder in «sehr korrupt» bis «sehr sauber» eingeteilt, basierend auf einem System von maximal 13 verschiedenen Datenquellen, die von Expertinnen und Experten beurteilt werden.
Dänemark belegt seit nunmehr acht Jahren den ersten Rang, gefolgt von Finnland, Singapur, Neuseeland und Norwegen sowie Schweden und der Schweiz. Diese sieben Länder haben als einzige 80 oder mehr Punkte erreicht (Veränderung des Rangs und der Punkte im Vergleich zum Vorjahr in Klammer):
Der CPI 2025 umfasst 182 Länder, zwei mehr als im Vorjahr. Neu hinzugekommen sind Belize und Brunei Daressalam. Bei beiden Ländern sind nun wieder genügend, also mindestens drei, externe Datenquellen verfügbar, was ein Ranking im CPI ermöglicht.

Auch wenn die Länder an der Spitze unverändert gut platziert sind, hat sich keines in der Punktezahl verbessert. Im Gegenteil, Spitzenreiter Dänemark und die Schweiz haben gegenüber dem Vorjahr je einen Punkt verloren, Neuseeland sogar zwei Punkte. Neuseeland hat bereits zum vierten Mal in Folge 2 Punkte verloren. Gemäss Transparency International Neuseeland seien dafür Strafverfahren in den Bereichen Bestechung, Betrug, Missbrauch öffentlicher Mittel sowie Defizite bei der Lobbying-Transparenz und politischen Spenden verantwortlich. Neuseeland verfüge zudem über keine Anti-Korruptionsstrategie.
Die Schweiz hat seit 2015 schrittweise sechs Punkte verloren, was gemäss Transparency International Switzerland aufhorchen lasse. In der neuen Anti-Korruptionsstrategie des Bundes fehle beispielsweise die Förderung der Transparenz im Lobbying auf Verwaltungsebene. Auch wird das Fehlen einer eigentlichen Antikorruptionsbehörde bemängelt, welche mit genügend Autorität ausgestattet ist.
International betrachtet ist der Durchschnitt aller Länder um einen Punkt auf 42 zurückgegangen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung nach Regionen:

Die Region «Westeuropa & Europäische Union» umfasst 31 Länder, wovon fünf (Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Schweiz) zu den sieben besten im Gesamtindex zählen. Leider gibt es auch hier Länder, die die Marke von 50 unterschreiten: Malta (49), Slowakei (48), Kroatien (47), Rumänien (45), Bulgarien (40) und Ungarn (40).

Die Region gilt als am wenigsten korrupt, doch der Fortschritt stagniert. In 13 Ländern verschlechterte sich die Lage in den letzten Jahren, sieben konnten sich verbessern:

Gemäss Transparency International Grossbritannien gehörte das Land im Jahr 2017 noch zu den zehn besten Ländern weltweit, nun rangiert es zum dritten Mal in Folge auf Rang 20. Zu Besorgnis Anlass gebe der Wert von 70, welcher im Vergleich zum Vorjahr nochmals um einen Punkt zurückgegangen ist. Die Herabstufung sei insbesondere auf die Korruption in der Regierung und den öffentlichen Ämtern zurückzuführen: Grossspenden in der Politik, mangelhafte Transparenzpflichten für Lobbyisten sowie Vetternwirtschaft (Nebentätigkeiten von Abgeordneten; Ernennungsverfahren für das Oberhaus). Hinzu kämen nicht abreissen wollende politische Skandale, insbesondere die laufenden Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Ungarn hat gemäss Transparency International Ungarn das bisher schlechteste Ergebnis im CPI erzielt. Verantwortlich dafür sei das Versagen, Mängel im Rechtsstaat zu beheben und die systemische Korruption einzudämmen. Die systemische Korruption spiegle sich im organisierten Diebstahl öffentlicher Gelder wider, was als Hauptgrund für den anhaltenden wirtschaftlichen Niedergang des Landes bezeichnet wird.
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