Wirtschaftsinformatik ist mehr als die Quersumme von Informatik und Wirtschaft. Im Interview erzählt HSLU-Absolvent Gjon Berisha, warum genau diese Schnittstelle so spannend ist. Und weshalb er Erstsemestrigen eine «Programmier-Pille» empfiehlt.
Wer studiert was an der HSLU – Informatik, und wie fühlt sich das im Alltag an? In unserer Serie stellen wir in loser Folge Studierende und Absolvent:innen verschiedener Studiengänge vor. Diesmal mit Gjon Berisha, der im Juli 2026 seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abgeschlossen hat.
Immer wieder hörte ich: «Das sind die Studierenden, die sich weder richtig für Informatik noch für Wirtschaft interessieren. Deshalb machen sie von beidem ein bisschen.» Das stimmt nicht. In der Wirtschaftsinformatik studiert man nicht zwei Fächer halbherzig, sondern verbindet sie miteinander. Im Arbeitsalltag sind wir oft die Übersetzerinnen und Übersetzer zwischen beiden Welten. Und wir sind hautnah dabei, wenn ganz unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen.
Im Arbeitsalltag sind wir oft die Übersetzerinnen und Übersetzer zwischen beiden Welten.
Ziemlich oft und das tue ich auch heute noch. Meistens sage ich: Wir optimieren, professionalisieren und automatisieren Geschäftsprozesse. Dafür brauche ich technisches Verständnis. Genauso muss ich aber wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und erkennen, was Kundinnen und Kunden brauchen.
Im Studium kannst du mit einem Major einen Schwerpunkt setzen oder dich mit Wahlmodulen in eine Richtung entwickeln. Die Auswahl ist gross: von KI über Recht und Risikomanagement bis zu Finance, Systemarchitekturen oder Cloud-Technologie.
Ich habe erwartet, dass ich vor allem mit KV-Abgängerinnen und Informatikern studiere. Tatsächlich waren wir eine gut durchmischte Gruppe. In meiner Klasse sassen unter anderem ein gelernter Optiker, ein Zeichner und sogar Leute aus der Pflege. Auch beim Alter ist der Mix gross: Im ganzen Studiengang sind die Studierenden zwischen 18 und 45 Jahre alt. Die vielen Perspektiven sind ein grosser Vorteil. Denn auch im Beruf arbeiten wir mit ganz unterschiedlichen Anspruchsgruppen.
Die Terrasse mit Blick über Rotkreuz sollte man unbedingt gesehen haben. Aber der Campus hat noch mehr zu bieten: Im Sommer wird der Innenhof regelmässig zum Treffpunkt, zum Beispiel wenn die Studierendenorganisation STAIR eine Party schmeisst.
Die Serie «Smarter, Faster, Easier» hätte bestimmt Suchtpotenzial. Im Studium setzten wir uns intensiv mit Technologie auseinander und tauchten tief in diese Welt ein. Dabei fragten wir uns ständig: Wie kann ich das noch optimieren? Wie lässt sich der Prozess weiter vereinfachen? Das Ziel ist immer: besser, schneller, einfacher.
Serien und Informatik haben noch etwas gemeinsam: Man muss dranbleiben. Die Technologie entwickelt sich extrem schnell. In jeder Folge gibt es also etwas Neues zu entdecken.
Harzig war für mich das Modul «Modellieren». Zu Beginn des Studiums vermittelte es vor allem trockene Theorie, und ich sah den Nutzen noch nicht. Zwei Semester später wandten wir das Wissen auf einen konkreten Praxisfall an. Da wurde es plötzlich spannend. Hätte ich das nur früher gewusst!
Spätestens wenn man mit einem sechswöchigen Modul ins Silicon Valley reisen kann, sollte man die Alpaka-Farm vergessen. In Kalifornien entwickelten wir zusammen mit einem Unternehmen und den Behörden eine Waste-Intelligence-Lösung, um Food Waste im Bundesstaat zu reduzieren.
Spätestens wenn man mit einem sechswöchigen Modul ins Silicon Valley reisen kann, sollte man die Alpaka-Farm vergessen.
«Level für Einsteigende». Viele Interessierte haben Respekt vor den Informatik-Modulen. Doch das Studium startet auf einem Niveau, bei dem man auch ohne Informatik-Hintergrund mithalten kann.
Strukturiert arbeiten und komplexe Dinge herunterbrechen. Das wurde mir vor allem beim Programmieren bewusst: Wir lesen Code von oben nach unten und lösen Probleme in kleinen Einheiten, zum Beispiel Zeile für Zeile. Diese Schritt-für-Schritt-Denkweise hilft mir, komplexe Probleme zu verstehen und mit anderen Fachbereichen darüber zu diskutieren.
Eine «Programmier-Pille» für die tägliche Ich-kann-das-Dosis. Mir ist wichtig, dass sich alle dieses Studium zutrauen, egal mit welchem Hintergrund. Programmieren und Mathematik kann man üben. Das ist ähnlich wie beim Joggen: Am Anfang ist es streng, aber mit Training geht es immer besser.
Programmieren und Mathematik kann man üben. Das ist ähnlich wie beim Joggen.
Das Studium ist sehr zukunftsorientiert. Ich habe hautnah miterlebt, wie sich die Digitalisierung entwickelt. Dank diesem Überblick eröffnet mir die Wirtschaftsinformatik viele Karrieremöglichkeiten. Gleichzeitig konnte ich in vielen Projektarbeiten in ganz unterschiedliche Themen eintauchen. So fand ich heraus, worauf ich mich später konzentrieren möchte.

Gjon Berisha besuchte mehrere Info-Veranstaltungen, bevor er sich für diesen Studiengang entschied. Nach sechs Semestern gab der 27-Jährige im Frühsommer 2026 seine Bachelorarbeit ab. Darin entwickelte er ein Rahmenwerk für Beratungssituationen rund um Multifaktor-Authentifizierung. Daraus entstand ein Tool, das heute bereits in der Praxis im Einsatz ist.
Von: Michèle Rath
Veröffentlicht: 8. Oktober 2026
Aus- und weiterbilden: Die Hochschule Luzern – Informatik bietet Bachelor- und Master-Studiengänge, anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung sowie Weiterbildungsangebote der Informatik und Wirtschaftsinformatik auf einem Campus.
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