Mitarbeitende nerven sich über Softwaresysteme, wünschen sich mehr Frauenförderung und Nachhaltigkeit – und träumen von Robotern auf dem Campus. Das sind Antworten auf Fragen zu digitaler Nachhaltigkeit, die Mitarbeitende der Hochschule Luzern – Informatik anonym abgegeben haben. Ehrlich, manchmal überraschend, manchmal unbequem.
Die Hochschule Luzern – Informatik (HSLU) hat ein internes Experiment gemacht. Während mehrerer Wochen stand am Departement eine sogenannte Open Question Wall: eine Stellwand mit fünf offenen Fragen zu digitaler Nachhaltigkeit. Mitarbeitende, Forschende, Dozierende und Studierende konnten vorbeigehen, einen Stift nehmen und ihre Gedanken auf Post-its aufschreiben.
Digitale Nachhaltigkeit fragt: Wie gestalten wir Technologie so, dass sie langfristig gut ist – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt?
Das umfasst ökologische Fragen wie den Energieverbrauch von Rechenzentren oder die Lebensdauer von Geräten. Aber auch soziale Fragen: Wer hat Zugang zu Technologie? Wer wird durch sie ausgeschlossen? Wessen Interessen bedient sie?
Am Departement Informatik der HSLU erforschen und erproben wir, was digitale Nachhaltigkeit im Alltag bedeutet – in Lehre, Forschung und auf dem Campus.
Die Antworten liessen sich grob in sechs Themenfelder clustern.
Dies war mit Abstand das grösste Cluster. Teams stürzt ab. Zoom funktioniert nicht. PCs sind zu langsam. Die Microsoft-Abhängigkeit wird als Problem wahrgenommen und gleichzeitig wissen alle, dass sie diese Tools täglich nutzen müssen. Eine Person brachte es treffend auf den Punkt: «The fact that many people seem to be against Microsoft and yet they are tools we are required to use.» Damit stehen die HSLU-Mitarbeitenden nicht allein: In ganz Europa suchen Regierungen und Institutionen gerade aktiv nach Alternativen zu US-amerikanischen Tech-Anbietern. Stichwort «Digitale Souveränität».
Es gibt eine Teams-Gruppe für Linux-Nutzerinnen an der HSLU – please join!
Künstliche Intelligenz war das zweite grosse Thema. Nicht als Hype, sondern mit echten Fragen: Was kostet KI wirklich an CO₂? Was passiert, wenn alle Sprachmodelle ähnlich denken? Wie stellen wir sicher, dass neue Technologien der Gesellschaft nützen und nicht nur Einzelnen? Das zeigt: Die Mitarbeitenden und Studierenden am Informatik-Departement haben keine Angst vor KI. Aber sie wollen sie nicht unkritisch konsumieren, sondern kritisch mitgestalten.
Reduced diversity of thought because of homogeneity of LLM outputs.
Ein Zitat, das zum Nachdenken anregt. Apropos: Der BullshitBench testet, ob LLMs auf unsinnige Fragen kritisch reagieren oder einfach mitspielen – und zeigt, dass Modelle sich hier durchaus unterscheiden. Die grundsätzliche Frage nach der Gedankenvielfalt bleibt trotzdem offen.
How can we control usage of emerging tech to be used for benefiting society and not individuals?
Der jährlich ersetzte Drucker. Der CO₂-Fussabdruck von Serverfarmen. Die Frage, ob das Informatik-Departement interpretierte (z.B. Python) oder kompilierte (z.B. C++) Programmiersprachen verwendet. Das sind kleine Gesten von Menschen, die im Alltag mitdenken.
Mehrere Stimmen wünschten sich mehr Frauenförderung und Gendergerechtigkeit. Eine Person schrieb: «I’m not technical, but I’d be happy to participate in discussions and creative solutions.» Dies zeigt: Viele Menschen am Departement haben Ideen und möchten aktiv mitgestalten.
Mehrere Stimmen wünschten sich dasselbe: dass bei jedem Forschungsprojekt von Anfang an gefragt wird, wie Nachhaltigkeit eingebaut wird. Nicht als Kür, sondern als Pflicht.
Include ways to ensure sustainability in projects.
Von Digital Detox über mehr Open-Source-Support bis zu Robotern auf dem Campus und einem Raum zur Regeneration während des Arbeitstags. Die Menschen haben Ideen und wollen mitgestalten.
Die Werkstatt mehr promoten mit 3D-Druck und einfachen Reparaturen.



Niederschwelligkeit funktioniert. Keine Plattform, kein grosser Aufwand und trotzdem kamen ehrliche, vielfältige Antworten zusammen. Das sagt etwas darüber aus, wie wir Partizipation am Departement gestalten könnte.
Anonymität hat zwei Seiten. Die fehlenden Namen auf den Post-its machten es schwieriger, Antworten nachzuverfolgen oder Gespräche weiterzuführen. Aber sie haben vielleicht auch erst ermöglicht, dass manche Dinge geschrieben wurden.
Methodik
Die Open Question Wall ist eine partizipative Methode aus dem Design Thinking. Eine Stellwand mit offenen Fragen wird an belebten Orten aufgestellt. Mitarbeitende antworten spontan, anonym, auf Post-its. Das Ergebnis ist kein repräsentatives Abbild, aber ein Einblick in das, was Menschen beschäftigt.
Die vollständigen Rohdaten und Cluster findest du in der Auswertung.
Darauf folgte eine Abstimmung. Am kürzlich erfolgten Richard-Stallman-Event und im 8. Stock des Departements. Das Ergebnis: Frust über digitale Tools und KI-Literacy haben die meisten Punkte bekommen. Was genau daraus folgt, ist noch offen. Aber die Ergebnisse fliessen in die weitere Arbeit des Living Labs und des Impact Teams ein.




Manches läuft bereits, ohne auf die Abstimmung zu warten: Der Post-it-Wunsch, die Werkstatt und den 3D-Druck sichtbarer zu machen, hat sich direkt in ein Event übersetzt. Das Impact Team hat kürzlich ein Repair Café mit 3D-Druck-Workshop veranstaltet.
Die Direktorin des Departements Informatik, Sarah Hauser, begrüsst solche niederschwelligen Intiativen: «Sie zeigen, dass Nachhaltigkeit bei uns nicht nur ein Thema für Berichte ist, sondern gelebte Praxis. Ich ermutige Mitarbeitende, Formate auszuprobieren und Fragen zu stellen.»
Weiterführende Links
Veröffentlicht: 27. März 2026
Von: Yasmin Billeter
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