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Digitale Themen vermitteln: Fachdidaktik Medien und Informatik

Wie funktioniert ein Algorithmus? Warum wirken Fake News glaubwürdig? Und warum muss man generative KI kritisch prüfen? Der berufsbegleitende Masterstudiengang Fachdidaktik Medien und Informatik vermittelt, wie digitale Medien und Technologien aufgebaut sind und wie man dieses Wissen verständlich weitergibt. Studentin Salome Guldener zeigt, wie sie das umsetzt.

Digitale Themen vermitteln: Fachdidaktik Medien und Informatik
Salome Guldener (rechts) und ihre Mitstudierenden im Masterstudiengang Fachdidaktik Medien und Informatik. Sie lernen, Inhalte aus Medien und Informatik so aufzubereiten, dass andere sie verstehen. (Bildquelle: Martin Vogel).

Von Claudia Hiestand

Salome Guldener studiert Fachdidaktik Medien und Informatik. Hinter dem berufsbegleitenden Masterstudiengang stehen vier Hochschulen. Das sind die Pädagogische Hochschule Schwyz, die Pädagogische Hochschule Luzern, die Universität Zürich und die Hochschule Luzern – Informatik. Was Salome Guldener in diesem Master lernt, wird später dort gebraucht, wo digitale Themen unterrichtet werden: in der Schule. Denn seit der Einführung des Lehrplans 21 sind die Inhalte des Modullehrplans Medien und Informatik fest im Unterricht verankert.

Vom Masterstudium in den Unterricht mit Kindern und Jugendlichen

Kinder lernen heute längst nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie setzen sich mit der Natur und der Gesellschaft auseinander und denken über Werte nach. Zunehmend befassen sie sich auch mit der digitalen Welt. Dabei geht es um Fragen wie: Wie funktionieren digitale Medien? Wie ordnet man Informationen ein? Wie versteht man Daten und Technologien? Themen, die viele Lehrpersonen in ihrer Ausbildung nicht gelernt haben. Und trotzdem wird von ihnen erwartet, dass sie diese Inhalte Kindern und Jugendlichen verständlich erklären. Wie gelingt das?

Mit dieser Frage beschäftigt sich Salome Guldener. Im Studium lernt sie, Inhalte aus Medien und Informatik so aufzubereiten, dass andere sie verstehen, sei es in der Ausbildung von Lehrpersonen, im Klassenzimmer oder in Bildungsprojekten.

Master Fachdidaktik Medien und Informatik: Aufbau, Inhalte, Zulassung

Der Master in Fachdidaktik Medien und Informatik verbindet Medienwissenschaft, Informatik und Pädagogik. Er wird gemeinsam von den Pädagogischen Hochschulen Schwyz (Gesamtleitung) und Luzern, der Universität Zürich und der Hochschule Luzern angeboten.

Die vier Hochschulen teilen sich die Inhalte: An der Universität Zürich und der Hochschule Luzern stehen die fachlichen Grundlagen in Kommunikationswissenschaften und Informatik im Zentrum. An den Pädagogischen Hochschulen Schwyz und Luzern geht es darum, wie diese Inhalte vermittelt werden können. Der Master dauert in der Regel drei Jahre.

Berufsbegleitend studieren

Die Lehrveranstaltungen finden meist an zwei Tagen pro Woche statt. Das ermöglicht es, Studium, Beruf und Privatleben zu verbinden. Voraussetzung ist ein Hochschulabschluss in Informatik, Medien- oder Erziehungswissenschaften oder ein Lehrdiplom. Auch andere fachverwandte Zugänge sind möglich. Mehr Informationen zum Studium und zur Anmeldung gibt es hier.

Der Master eröffnet viele Berufswege: Etwa Dozieren oder Forschen an pädagogischen Hochschulen, Arbeit an Fachstellen an der Schnittstelle von Schule und ICT oder die Entwicklung von Lehrmitteln oder Kursen in Unternehmen.

Studierende aus Informatik, Medien und Pädagogik lernen voneinander

Im Studium treffen unterschiedliche Hintergründe aufeinander. Jede Fachrichtung bringt unterschiedliche Stärken mit. Viele Studierende sind wie Guldener Lehrpersonen. Andere kommen aus der Informatik oder aus den Medienwissenschaften. Für Guldener ist genau das der Mehrwert. «Ich lerne von anderen Perspektiven und bringe meine eigene ein.»

In der Informatik werden Fähigkeiten vermittelt, die wir im Alltag ständig brauchen.

Ruedi Arnold, Studiengangleiter Master in Fachdidaktik Medien und Informatik, HSLU – Informatik

Im Klassenzimmer zeigt sich diese Lücke besonders im Informatikunterricht: «Viele Lehrpersonen fühlen sich unsicher und lassen das Thema deshalb eher weg», sagt Ruedi Arnold, Studiengangleiter an der HSLU. Wer selbst wenig Erfahrung hat, kann Schülerinnen und Schülern kaum Sicherheit geben. «Dabei geht es in der Informatik um Fähigkeiten, die weit über den Computer hinausgehen: logisch denken, Probleme Schritt für Schritt lösen, Abläufe verstehen. Fähigkeiten, die wir im Alltag ständig brauchen.»

Wie Kinder und Jugendliche digitale Medien verstehen und kritisch hinterfragen

Wenn Guldener im Bekanntenkreis erzählt, was sie studiert, erntet sie oft fragende Blicke. «Ich muss mein Studium eigentlich immer erklären», sagt sie. «Oft denken die Leute, ich lerne dort Tastaturschreiben oder den Umgang mit Excel.»

Wenn ich sage, was ich studiere, ernte ich oft fragende Blicke.

Salome Guldener, Studentin im Masterstudiengang Fachdidaktik Medien und Informatik

Tatsächlich befasst sich das Studium mit grundlegenderen Fragen: Wie funktionieren Suchmaschinen? Warum verbreiten sich bestimmte Inhalte besonders schnell? Was passiert mit unseren Daten, wenn wir digitale Angebote nutzen? Und wie lernen Kinder und Jugendliche, all das kritisch zu hinterfragen? «Das Spektrum ist sehr breit», so Guldener. Es reicht von Fake News und Cybermobbing über Programmieren bis hin zur Funktionsweise von Netzwerken und Datenstrukturen.

Vieles verändert sich ständig. Neue Plattformen kommen hinzu, Anwendungen verändern sich, und digitale Inhalte sehen heute anders aus als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig gibt es Grundlagen, die bleiben, vor allem in der Informatik. Zum Beispiel logische Abläufe, Strukturen und Prinzipien, auf denen digitale Systeme aufbauen. «Gerade deshalb ist es so wichtig, die Mechanismen hinter den digitalen Anwendungen zu verstehen», betont Guldener.

Warum Wissen über Daten, Algorithmen und KI wichtig ist

Studiengangsleiter Arnold sieht das genauso. «Es reicht nicht, Technologien einfach zu nutzen. Man muss begreifen, wie sie funktionieren und was sie bewirken.» Denn digitale Technologien prägen unseren Alltag. Sie beeinflussen, welche Inhalte wir sehen, welche Informationen wir wahrnehmen und wie wir Entscheidungen treffen.

Ohne Wissen über digitale Technologien wird es schwierig, sich an gesellschaftlichen Diskussionen zu beteiligen.

Ruedi Arnold, Studiengangleiter Master in Fachdidaktik Medien und Informatik, HSLU – Informatik

Wer weiss, wie Algorithmen arbeiten und wie Fake News entstehen, kann Informationen verlässlicher einordnen. Wer Zusammenhänge versteht, kann sich leichter ein eigenes Bild machen. Arnold sagt: «Ohne dieses Wissen wird es schwierig, sich an gesellschaftlichen Diskussionen zu beteiligen. Ich denke da etwa an Themen wie Datenhoheit, Künstliche Intelligenz oder die Plattformen von ‹Big Tech›.» Genau deshalb braucht es künftige Expertinnen wie Guldener. Sie hilft anderen, die digitale Welt zu verstehen.

Salome Guldener absolviert an der HSLU ein Praktikum. Im Mastermodul «Algorithmen, Daten & Programmieren» unterrichtete sie dabei die Studierenden vom aktuellen Jahrgang. (Bildquelle: Martin Vogel).

Von der Lehrerin zur Spezialistin für digitale Bildung

Guldener ist im Zürcher Säuliamt aufgewachsen. Nach der Matura studierte sie zunächst Erdwissenschaften an der ETH. Doch sie vermisste darin den Sinn, sagt sie rückblickend. Ein Zwischenjahr als Klassenassistenz brachte die Wende. Sie entschied sich für die Pädagogische Hochschule und absolvierte dort die Ausbildung zur Lehrerin. Bei ihrer ersten Stelle im St. Gallischen Amden wurde sie zur Ansprechperson für alles Digitale im Schulhaus. «Wenn etwas mit den Computern nicht funktionierte, kamen alle zu mir», erinnert sie sich. Also übernahm sie zusätzlich ein kleines Pensum als ICT-Supporterin im Schulhaus. «Das machte mir fast noch mehr Spass als das Unterrichten.» Guldener merkte: Sie will nicht nur unterrichten, sondern auch verstehen, wie man anderen digitale Themen beibringt. Darum will sie genau dort ansetzen, wo viele unsicher sind.

Logik im Unterricht: wie passendes Material für Lehrpersonen entsteht

In ihrem Praktikum, das sie an der HSLU absolviert, setzt Guldener diesen Anspruch konkret um: Gemeinsam mit Arnold arbeitet sie am Projekt LogicTraffic. Das ist ein digitales Lernangebot, das Arnold im Rahmen seiner Dissertation entwickelt hat. Schülerinnen und Schüler steuern dabei Ampeln an einer Kreuzung. Damit es keine Unfälle gibt, müssen sie logisch überlegen: Welche Ampel darf auf Grün schalten? Und welche muss gleichzeitig auf Rot bleiben?

So lernen sie Schritt für Schritt, wie logisches Denken und einfache Prinzipien des Programmierens funktionieren. Die Online-Umgebung zum Einstieg in die Aussagenlogik ist öffentlich zugänglich. Zwar gibt es eine Anleitung für die Schülerinnen und Schüler, aber die didaktische Einbettung in den Unterricht fehlte bisher. Damit ist gemeint, wie Lehrpersonen das Werkzeug so nutzen, dass die Jugendlichen wirklich etwas daraus lernen, und wie sie den Lernprozess begleiten können.

Genau daran arbeitet Guldener. Sie entwickelt Materialien für Lehrpersonen, damit diese LogicTraffic auch ohne vertiefte Informatik- oder Logikkenntnisse im Unterricht einsetzen können. Gleichzeitig beschäftigt sich die 30-Jährige mit künstlicher Intelligenz. In einem Projekt an der Universität Zürich entwickelt mit einem Team von Dozierenden einen Chatbot, mit dem Studierende und Lehrende ethische Fragen diskutieren können.

Salome Guldener bespricht mit ihrem Praktikumsbetreuer Ruedi Arnold, wie Lehrpersonen das Lernangebot LogicTraffic im Unterricht einsetzen können. (Bildquelle: Martin Vogel).
Welche Ampeln dürfen gleichzeitig grün sein, ohne dass es zu einem Unfall kommt? Schülerinnen und Schüler üben mit LogicTraffic logisches Denken. Salome Guldener entwickelt dazu Unterrichtsmaterial für Lehrpersonen.

Der Master eröffnet vielfältige Berufswege

Der Master in Fachdidaktik Medien und Informatik öffnet viele Türen. Ein grosser Teil der Absolventinnen und Absolventen arbeitet an Pädagogischen Hochschulen. Dort bilden sie Lehrpersonen weiter, entwickeln Programme oder sind in der Forschung tätig. «Heute hat jede Deutschschweizer PH solche Fachpersonen», sagt Arnold. Andere Absolventinnen und Absolventen gehen in Lehrmittelverlage oder arbeiten an digitalen Bildungsprojekten. Sie beraten Schulen, entwickeln neue Lernangebote oder bringen ihr Wissen in Fachstellen ein.

Man merkt, wie relevant das Thema für unsere Gesellschaft ist.

Salome Guldener, Studentin im Masterstudiengang Fachdidaktik Medien und Informatik

Guldeners künftiger Weg ist noch offen. «Ich möchte am Puls der Zeit bleiben.» Sie interessiert sich für Forschung und Entwicklung sowie für Projekte, die neue Lernformen ermöglichen. Würde sie das Studium wieder wählen? «Ja», antwortet sie ohne zu zögern. «Man lernt unglaublich viel Spannendes. Und man merkt, wie relevant das Thema für unsere Gesellschaft ist.»

Das Studium ist intensiv. Es braucht Zeit, Energie und ein unterstützendes Umfeld. Für Guldener ist trotzdem klar, dass sich der Einsatz gelohnt hat. «Ich habe gelernt, mir Dinge zuzutrauen, die ich vorher nicht gemacht hätte. Und ich weiss, dass ich auch anspruchsvolle Projekte durchziehen kann.»

Veröffentlicht am: 21. April 2026

Aus- und weiterbilden: Die Hochschule Luzern – Informatik bietet Bachelor- und Master-Studiengänge, anwendungsorientierte Forschung sowie Weiterbildungsangebote der Informatik und Wirtschaftsinformatik auf einem Campus.

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