Die Hochschule Luzern – Informatik (HSLU) führt im November 2026 eine Studienreise nach Singapur durch. Im Fokus stehen FinTech, Blockchain, Digital Trust, Künstliche Intelligenz, Smart Nation und digitale Transformation. Für Urs Bolt, unseren Experten vor Ort, ist Singapur «der Innovations-Hotspot Südostasiens». Er zeigt, was sich dort lernen lässt.
Reisende landen am Changi Airport in Singapur. Bei der automatisierten Passkontrolle prüfen biometrische Systeme mit Gesichtserkennung ihre Identität. Wenige Minuten später sind sie draussen. Sie öffnen Grab, eine in Südostasien weit verbreitete Mobilitäts-App, bestellen ihre Fahrt und bezahlen digital.
Später nutzen sie für viele Dienste ihre digitale Identität, etwa Singpass, das nationale Log-in- und Identitätssystem Singapurs. Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt zeigt sich, wie eng Verkehr, Bezahlsysteme und digitale Zugänge miteinander verbunden sind.
Dieser erste Eindruck führt mitten in das Thema der HSLU-Studienreise. Für Urs Bolt ist er typisch für Singapur. «Ich erlebe Singapur als den Innovations-Hotspot Südostasiens», sagt er. Gemeint ist ein Ort, an dem digitale Lösungen den Alltag prägen, Unternehmen neue Anwendungen testen und Ideen schnell in die Praxis kommen.
Die HSLU-Studienreise findet vom 16. bis 20. November 2026 in Singapur statt. Sie wird von Oliver Gilbert und Jan Carlos Janke co-geleitet. Urs Bolt koordiniert das Programm vor Ort in Singapur.
Die Teilnehmenden besuchen Unternehmen, Hochschulen, Innovationsagenturen und Ökosystem-Organisationen. Dazu kommt das Singapore FinTech Festival. Themen sind FinTech, Blockchain, AI und Responsible Tech, Sustainable Finance und Green Finance sowie Digital Identity und Trust.
Die Reise richtet sich vor allem an Teilnehmende und Alumni aus Weiterbildungen der HSLU – Informatik und des IFZ der HSLU Wirtschaft. Externe Interessierte können sich ebenfalls bewerben.

In Singapur laufen viele Wege digital: Behördengänge, Zahlungen, Log-ins, Buchungen und Geschäftsprozesse. Wer vor Ort unterwegs ist, erlebt eine Stadt, in der Systeme eng miteinander verbunden sind. Für Menschen vor Ort gehört diese Dichte längst zum Alltag. Aber auch Besuchende nehmen sie sofort wahr.
Die Reise führt zu Orten, an denen digitale Lösungen im Einsatz sind: Unternehmen, Hochschulen, Innovationsagenturen und Innovationsnetzwerke. Ein Beispiel in Singapur ist der Handel. Unternehmen erstellen, prüfen und teilen Handelsdokumente digital statt auf Papier. So verbinden Systeme mehrere Partner entlang der Lieferkette. Das spart Zeit und reduziert Fehler.
Banken und Technologieanbieter bilden Vermögenswerte digital ab und wickeln Prozesse schneller ab. Zusammen mit Aufsichtsstellen testen sie solche Anwendungen in der Praxis.


In Singapur kommt Blockchain dort zum Zug, wo mehrere Partner Daten, Dokumente oder Vermögenswerte verlässlich austauschen müssen. Urs Bolt nennt drei typische Einsatzfelder: digitale Handelsdokumente, Finanzprodukte auf digitaler Basis und Lösungen rund um digitales Geld.
TradeTrust zeigt, wie sich Handelsdokumente digital prüfen und austauschen lassen. Banken testen tokenisierte Fonds und Anleihen. Die Monetary Authority of Singapore (MAS), die Zentralbank und Finanzaufsicht des Landes, prüft zudem digitales Geld für klar definierte Zahlungsprozesse.
Diese Beispiele zeigen, wo der Stadtstaat die grossen Erwartungen an Blockchain in praktische Anwendungen übersetzt: bei Handelsdokumenten, Finanzprodukten und digitalem Geld.
In Singapur spielt der Staat eine starke Rolle. Urs Bolt beschreibt ihn als «Enabler», Taktgeber und Regulator zugleich.
Über den den RIE2030-Plan investiert Singapur 37 Milliarden Singapur-Dollar in Forschung, Innovation und Unternehmen. Als weitere Beispiele nennt Bolt die Smart Nation Initiative für digitale Dienstleistungen und Infrastruktur sowie regulatorische Sandboxes der MAS. In solchen geschützten Testräumen können Unternehmen neue digitale Anwendungen unter klaren Bedingungen testen, bevor sie regulär eingesetzt werden.
Darin sieht Bolt einen deutlichen Unterschied zur Schweiz. Singapur kann digitale Programme zentraler planen und schneller testen. Die Schweiz setzt stärker auf Föderalismus, Mitsprache und breite Abstimmung. Das verändert das Tempo und die Art, wie digitale Entwicklung entsteht.
Auf der Studienreise begegnen die Teilnehmenden dieser Logik in Anwendungen, Gesprächen und Besuchen bei Unternehmen vor Ort.
Singapur positioniert sich als Zugang zu Südostasien mit mehr als 460 Millionen Internetnutzenden in der Region.

Singapur wirkt weit über den Stadtstaat hinaus. Als Drehscheibe für Südostasien verbindet es Märkte mit unterschiedlichen Sprachen, Regeln und Geschäftsgewohnheiten. Für Unternehmen reicht eine gute App oder Software deshalb oft nicht aus; sie brauchen Partner, Plattformen und lokale Zugänge. Genau das zeigt Grab: Die Plattform ist aus der Mobilität herausgewachsen und verbindet heute in vielen Ländern der Region Fahrten, Zahlungen, Essen und weitere Dienstleistungen.
Für die Teilnehmenden der Studienreise wird damit sichtbar, warum digitale Lösungen in Südostasien oft im Zusammenspiel von Technologie, Markt und Partnerschaften entstehen – und weshalb sich solche Modelle nicht einfach von einem Land ins andere übertragen lassen.
Singapur holte gegenüber dem Crypto Valley schnell auf. Es ist spannend zu sehen, wie sich dieses Ökosystem seither weiterentwickelt hat.
Georges Grivas, Themenfeldverantwortlicher Digital Business & Innovation
Singapur lässt sich nicht eins zu eins auf die Schweiz übertragen. Der Stadtstaat setzt stärker auf zentrale Ziele, Förderprogramme und Sandboxes; die Schweiz arbeitet föderaler und stimmt breiter ab. Für Georges Grivas, Themenfeldverantwortlicher Digital Business & Innovation, war der Eindruck bereits bei der ersten Studienreise nach Singapur vor drei Jahren deutlich: «Singapur holte im Vergleich zum Crypto Valley nicht nur schnell auf, sondern war bei digitaler Innovation in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft bereits sehr weit. Umso spannender ist es nun zu sehen, wie sich dieses Ökosystem seither weiterentwickelt hat.»
Für die Teilnehmenden der Studienreise geht es daher vor allem um eines: zu sehen, wie digitale Technologien dort in der Praxis umgesetzt werden – und welche Impulse sich in die eigene Arbeit übertragen lassen.

Veröffentlicht am: 2. Juni 2026
Von: Gabriela Bonin
Studieren und weiterbilden: Die Hochschule Luzern – Informatik bietet Bachelor- und Master-Studiengänge, anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung sowie Weiterbildungsangebote der Informatik und Wirtschaftsinformatik.
Im Beitrag erwähnt ist das CAS Crypto Finance & Cryptocurrencies. In dieser Weiterbildung lernen Teilnehmende, wie Blockchain, Kryptowährungen, DeFi und Digital Banking die Geschäftswelt verändern. Du verstehen zentrale Kryptothemen fachlich und können ihre Chancen, Risiken und Anwendungen einordnen.
Weitere Weiterbildungsprogramme im Bereich digitale Transformation, Daten und Blockchain:
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