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Die Blockchain-Brückenbauerin: Vernetzerin zwischen Forschung und Praxis

Sabrina Wollenschläger vernetzt Blockchain-Forschung mit Wirtschaft. Sie ist Co-Geschäftsführerin des Blockchain Zug – Joint Research Hubs und zeigt, wie die Hochschule Luzern (HSLU) und die Universität Luzern gemeinsam forschen und was Blockchain jenseits von Kryptowährungen wirklich kann.

Die Blockchain-Brückenbauerin: Vernetzerin zwischen Forschung und Praxis
Sabrina Wollenschläger verbindet Forschung, Wirtschaft und Technologie – als Co-Geschäftsführerin des Blockchain Zug – Joint Research Hubs.

Der Kanton Zug investiert 39.35 Millionen Franken in Blockchain-Forschung. Das ist ein starkes Signal für den Standort.

Was steckt hinter der Blockchain-Initiative?

Die Blockchain Zug Joint – Research Initiative setzt bei der Verbindung unterschiedlicher Forschungsperspektiven an. Die Universität Luzern baut mit dem Zug Institute for Blockchain Research (ZIBR) ein neues Institut auf, das Blockchain aus humanwissenschaftlicher und rechtlicher Perspektive erforscht und im Endausbau neun Professuren umfasst. Die HSLU intensiviert ihre seit 2016 aufgebaute Blockchain-Forschung. Dabei arbeiten das Departement Informatik und das Departement Wirtschaft interdisziplinär zusammen. Genau diese komplementäre Ausrichtung macht den besonderen Ansatz der Initiative aus.

Sabrina Wollenschläger verbindet die beiden Institutionen über die dritte Säule der Initiative: Als Co-Geschäftsführerin des Blockchain Zug – Joint Research Hubs bringt sie die Blockchain-Forschung der HSLU mit dem Zug Institute for Blockchain Research (ZIBR) zusammen. Sie koordiniert Forschungsaktivitäten, Kooperationen und strategische Entwicklungen zwischen beiden Seiten.

Sie forscht, lehrt und sorgt dafür, dass Wissen ankommt. «Das HSLU-Team zeigt für mich, warum interdisziplinäre Zusammenarbeit so wertvoll ist», sagt Wollenschläger. «Informatik und Wirtschaft verbinden hier langjährige Erfahrung, technologische Tiefe und starke Anwendungskompetenz. Genau daraus entsteht eine starke gemeinsame Forschungsbasis.»

So funktioniert die Blockchain Zug – Joint Research Initiative: Grundlagen – und angewandte Forschung für Wirtschaft, Gesellschaft und den Kanton Zug.

Beim Besuch auf dem Campus Rotkreuz beschreibt sie, was daraus seit dem Start der Blockchain-Initiative im Juli 2024 entstanden ist: 57 wissenschaftliche Publikationen, CHF 1.2 Mio. eingeworbene Drittmittel, rund 90 Beiträge in Fachpublikationen, 15 nationale und internationale Fachveranstaltungen, Blockchain-Themen in elf Bachelor- und Master-Modulen, neue Weiterbildungsprogramme sowie neun zusätzliche wissenschaftliche Stellen.

Das Blockchain-Team der HSLU – Informatik und Wirtschaft forscht gemeinsam über Departementsgrenzen hinweg. Sabrina Wollenschläger (5. von links) ist Co-Geschäftsführerin des Blockchain Zug – Joint Research Hubs.

Neben Grundlagenforschung zu Protokollarchitekturen, kryptografischen Verfahren und Post-Quantum-Security arbeitet die HSLU an einem breiten Spektrum von Blockchain-Anwendungen. Dazu gehören etwa digitale Vermögenswerte und Stablecoins, direkter Stromhandel zwischen Haushalten, fälschungssichere Bewertungen im Tourismus, digitale Bildungsnachweise sowie Vergütungsmodelle für Musik- und Buchnutzungen. «Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt der laufenden Forschungsaktivitäten», sagt Wollenschläger.

Dazu kommen Studien, die Blockchain technologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich einordnen: von FinTech- und Crypto-Asset-Studien bis hin zur Analyse der Wahrnehmung und Relevanz der Blockchain-Technologie in Bevölkerung und Wirtschaft. So entstehen nicht nur Forschungsergebnisse, sondern Entscheidungsgrundlagen für Unternehmen und Politik.

«Blockchain bietet im digitalen Zeitalter neue Ansätze, um digitale Werte, Daten und Entscheidungen selbstbestimmter zu organisieren. Umso wichtiger ist es, Potenziale, Grenzen und Voraussetzungen differenziert zu untersuchen», sagt Wollenschläger.

Die Blockchain-Technologie ist viel mehr als nur Bitcoin. Sie schafft Vertrauen und bietet breite Einsatzmöglichkeiten.

Die Vernetzerin

«Single Point of Contact» – so beschreibt Wollenschläger ihre Funktion. Wer im Raum Zug etwas mit Blockchain zu tun haben will, landet früher oder später bei ihr. Silos, also die Grenzen zwischen Departementen, Institutionen und Disziplinen, sprengt sie dabei bewusst. Sie versteht Innovation als Gemeinschaftsleistung: Wissen teilen, Perspektiven verbinden, Zusammenarbeit ermöglichen.

Mich treibt die Frage an, wie wir Menschen, Institutionen und Kompetenzen so verbinden können, dass daraus international wirksame Impulse entstehen.

«Mich treibt die Frage an, wie wir Menschen, Institutionen und Kompetenzen so verbinden können, dass daraus international wirksame Impulse entstehen», sagt sie. Eine Antwort darauf sucht sie im Gespräch mit Unternehmen, Forschenden und dem Kanton.

Wollenschläger sitzt in Beiräten und ist national wie international gut vernetzt. Ihr Engagement geht dabei weit über Konferenzen und Panels hinaus: Sie lehrt, hat unter anderem das erste Online-Programm SAS Einführung in Blockchain Technologies der deutschsprachigen Schweiz aufgesetzt, forscht selbst dazu, wie sich dezentrale Gemeinschaften organisieren und unterstützt die Blockchain-Forschungsprojekte der HSLU.

Vom Tourismus zur Blockchain

Wollenschläger hatte Blockchain nicht auf dem Karriereplan. Sie war rund zehn Jahre im Tourismus tätig und hatte bereits zwei Studiengänge abgeschlossen, als sie 2017 eher zufällig mit dem Crypto Valley in Berührung kam – und als Senior Consultant in einer Boutique-Beratung für FinTech- und Blockchain-Unternehmen einstieg.

«Das war eine unglaublich dynamische Zeit. Überall lag diese Aufbruchstimmung in der Luft», erinnert sich Wollenschläger. «Manchmal reichte eine Idee auf wenigen Seiten, und wenige Tage später wurde sie international diskutiert. Plötzlich sassen sehr junge Start-ups mit Millionenbeträgen, grossen Erwartungen und vielen offenen Fragen am Tisch.»

Mittendrin begleitete und unterstützte sie diese Start-ups; dort, wo Technologie, Strategie, Regulierung und Markt direkt aufeinandertrafen. Vom Thema Blockchain gepackt, vertiefte sie ihr Wissen berufsbegleitend mit einem Bachelor in Business Innovation und einem Master of Science in Blockchain & Digital Currency. Später forschte sie an der ZHAW zu DAOs.

Heute hat sie an der HSLU die für sie ideale Verbindung gefunden: Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen.

Brücken bauen braucht Zeit, vor allem jene in die Gesellschaft

«Die Technologie ist weit genug, um vieles zu ermöglichen. Die gesellschaftliche Einordnung steht allerdings vielerorts noch am Anfang», so Wollenschläger. Eine repräsentative HSLU-Studie vom Januar 2026 bestätigt das: Rund 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung kennen den Begriff Blockchain, aber tiefere Kenntnisse über dezentrale Systeme haben die wenigsten. Wer die Technologie versteht, beurteilt sie sachlicher. Und nimmt Risiken differenzierter wahr.

Die Technologie ist weit genug, um vieles zu ermöglichen. Die gesellschaftliche Einordnung steht allerdings vielerorts noch am Anfang.

Deshalb braucht es Forschung, die das grosse Bild sieht. Diese soll Blockchain nicht nur technologisch betrachten, sondern wirtschaftliche, rechtliche und humanwissenschaftliche Fragen gleichwertig einbeziehen. Gleichzeitig müssen Erkenntnisse aus der Forschung ihren Weg in Wirtschaft und Gesellschaft finden. In Formaten, die Wissen verständlich vermitteln und einordnen. Und dieser Austausch muss zurückwirken: Fragen und Bedürfnisse aus der Praxis sollen aufgenommen werden, damit Forschung dort ansetzt, wo echte Herausforderungen bestehen.

Genau das ist der gemeinsame Ansatz des Zug Institute for Blockchain Research der Universität Luzern und der HSLU.

Blockchain 2026: Zwischen Hype-Müdigkeit und echtem Fortschritt

Dass sich das Feld verändert hat, zeigt auch der aktuelle Crypto Valley Ecosystem & Top 50 Report, an dem die HSLU erstmals beteiligt ist. Für Wollenschläger ist das ein wichtiger Schritt: «Die Entwicklung des Ökosystems wird damit nicht nur aus Markt- und Unternehmensperspektive betrachtet, sondern stärker auch wissenschaftlich eingeordnet.»

Dass das Crypto Valley weiter wächst, bestätigen auch die Zahlen: 2025 zählt es 1’766 aktive Blockchain-Unternehmen. In über zehn Jahren ist hier ein weltbekannter Blockchain-Standort gewachsen. Hier haben einige der wichtigsten Blockchain-Netzwerke ihren Sitz. Nach den lauten Hype-Jahren geht es heute weniger um schnelle Schlagzeilen als um echte Anwendungsfälle, Forschung und die Frage, wo Blockchain tatsächlich Mehrwert schafft.

Blockchain muss sich künftig nicht nur an technischer Machbarkeit messen lassen, sondern an Akzeptanz, Relevanz, Verständnis und sinnvoller Anwendung in Wirtschaft und Gesellschaft.

Wollenschläger sieht darin keine Ernüchterung, sondern eine Reifung: «Während KI derzeit die öffentliche Aufmerksamkeit dominiert, arbeitet das Blockchain-Ökosystem weiter an Infrastruktur, Governance, regulatorischen Rahmenbedingungen, digitalen Vermögenswerten und neuen Organisationsformen.» Gerade dort zeige sich, worum es künftig stärker gehen muss: «Nicht nur um technische Machbarkeit, sondern um Akzeptanz, Relevanz, Verständnis und sinnvolle Anwendung in Wirtschaft und Gesellschaft.»

Was als Nächstes kommt

Die Blockchain-Initiative der HSLU will 2026 sichtbarer werden. Mit neuen Forschungsprojekten, stärkerer internationaler Vernetzung, mehr Austausch mit der Wirtschaft und Formaten, die Blockchain aus der Fachblase herausholen.

Inhaltlich rücken digitale Souveränität, dezentrale Infrastrukturen und die Verbindung von Blockchain mit künstlicher Intelligenz und weiteren Zukunftstechnologien stärker in den Fokus.

«Wir müssen Joint Research breiter denken», sagt Wollenschläger. «Nicht nur als Zusammenarbeit zwischen ZIBR und HSLU, sondern als Ansatz, mit dem wir Technologien, Branchen und Ökosysteme gezielt zusammenbringen. Denn neue Technologien entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn sie auch ausserhalb der Fachwelt verstanden und angewendet werden.»

Die Blockchain Zug – Joint Research Initiative

Die HSLU bringt angewandte Forschung ein und verbindet dabei Expertise aus dem Departement Informatik und dem Departement Wirtschaft mit seinen vier Instituten: Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ, Institut für Betriebs- und Regionalökonomie IBR, Institut für Kommunikation und Marketing IKM sowie Institut für Tourismus und Mobilität ITM. 
Die Universität Luzern ergänzt mit Grundlagenforschung in Soziologie, Recht, Politik und Philosophie. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei den Professorinnen und Professoren der Universität Luzern und der HSLU. Das Verbindungsstück ist der Joint Research Hub, co-geleitet von Sabrina Wollenschläger (HSLU) und Emiliano Chiera (Uni Luzern).

Das interdisziplinäre HSLU-Team besteht aus: Sarah Hauser, Christine Böckelmann, René Hüsler, Alexander Denzler, Tim Weingärtner, Chen Da Liu Zhang, Andreas Dietrich (IFZ), Thomas Ankenbrand (IFZ), Carlo Pugnetti (IFZ), Larissa Sundermann (IBR).

Weiterbildungen im Bereich Blockchain

Die HSLU bietet Weiterbildungen für Einsteigende und Fachleute: den CAS Blockchain, den CAS Crypto Finance & Cryptocurrencies sowie den MAS Blockchain & Crypto Assets, der schweizweit erstmals eine umfassende Weiterbildung auf Master-Stufe in diesem Bereich ermöglicht. Ergänzt wird das Angebot durch den SAS Einführung in Blockchain Technologies, das erste Online-Programm dieser Art in der Schweiz, das auf Deutsch und Englisch unterrichtet wird.

Von: Yasmin Billeter
Publiziert am: 11. Juni 2026

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