Immersive Technologies ist mehr, als mit der VR-Brille in Fantasiewelten einzutauchen. Im Interview erzählt HSLU-Student Sandro Vale, was den Bachelor zwischen Informatik und Game Design ausmacht. Er spricht über Technologie-Ären, Instant-Nudeln und hohe Ansprüche an sich selbst. Und er verrät, warum in diesem Studium das Denken «out of the box» besonders gefragt ist.
Wer studiert was an der HSLU – Informatik, und wie fühlt sich das im Alltag an? In unserer Serie stellen wir in loser Folge Studierende und Absolvent:innen verschiedener Studiengänge vor. Diesmal mit Sandro Vale aus dem Bachelor-Studiengang Immersive Technologies.
Die HSLU bietet den Studiengang erst seit Herbst 2024 an. Wer deshalb denkt, die Inhalte seien noch in der Findungsphase, liegt falsch: Die Studiengangleitung hat von Anfang an ein solides Fundament gelegt. Innerhalb dieses Rahmens reagiert sie laufend auf die neusten technologischen Entwicklungen.
Sehr oft. Zu Beginn sprach ich von einer Mischung aus Informatik, Game Design und Psychologie. Heute erkläre ich es genauer: Wir beschäftigen uns mit Game Design und spezialisieren uns auf Serious Games und immersive Erlebnisse. Dabei steht nicht die Unterhaltung im Vordergrund, sondern die Frage, wie Menschen etwas hautnah erleben oder eine Information wahrnehmen. Als Entwicklerinnen und Designer nehmen wir deshalb die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer ein. Genau diese Kompetenz eignen wir uns im Studium an.
Immersive Technologien
Das Adjektiv «immersiv» stammt vom lateinischen «immergere», also «ein- oder untertauchen». Mit immersiven Technologien gestalten Entwicklerinnen und Designer Erlebnisse, in die Nutzende eintauchen können. Häufig kommen dabei Augmented Reality (AR, dt. erweiterte Realität) und Virtual Reality (VR, dt. virtuelle Realität) zum Einsatz. AR reichert die echte Welt mit digitalen Elementen an (Beispiel: Pokémon GO). VR versetzt die Nutzenden komplett in eine computergenerierte Welt und blendet die reale Umgebung aus.
Serious Games
Serious Games (auch Impact Games oder Lernspiele) sind digitale oder analoge Spiele, deren Hauptziel nicht die reine Unterhaltung ist. Sie nutzen interaktive Spielelemente, um Wissen zu vermitteln, Fähigkeiten zu trainieren, Verhalten zu verändern oder Bewusstsein für gesellschaftliche Themen zu schaffen.
Im Vordergrund steht nicht die Unterhaltung, sondern wie Menschen etwas hautnah erleben.
Ich hatte mir ganz klischeemässig eine Gruppe von Gaming-Nerds ausgemalt. Heute studiere ich in einer internationalen Klasse: Meine Mitstudierenden kommen aus Indien, von den Philippinen, aus den USA, aus dem Oman und aus vielen weiteren Ecken der Welt. So verbessere ich mein Englisch und lerne, in internationalen Teams zusammenzuarbeiten.
Ebenso vielfältig sind die fachlichen Hintergründe. Einige bringen wie ich Erfahrung aus dem Handwerk mit: Ich habe acht Jahre als gelernter Elektriker gearbeitet. Danach holte ich die gestalterische Berufsmatura nach. Sie öffnete mir den Weg an die Hochschule und in ein neues Berufsfeld.
Mich fasziniert der Showroom im Gebäude des Immersive Realities Center. Dort stehen AR- und VR-Brillen aus fast allen Technologie-Ären: von aktuellen Modellen wie der «Meta Quest 3» bis zurück zum «Virtual Boy» von Nintendo aus dem Jahr 1995. Dieses Relikt zeigt, dass Entwicklerinnen und Entwickler schon damals versuchten, Spiele in 3D erlebbar zu machen. Der Raum macht deutlich, wie rasant sich unser Fachgebiet entwickelt. Er gibt wortwörtlich Einblick in die digitale Welt. Und er erinnert uns daran, dass wir die digitale Zukunft in vorderster Reihe mitgestalten.
Ich würde die sechs Staffeln, eine pro Semester, «Ikarus» nennen. Klingt vielleicht etwas dramatisch, steht aber für die Leidenschaft und das Engagement, die ich bei mir, meinen Mitstudierenden und den Dozierenden spüre. Immer wieder versanken wir in der Projekt-Tüftelei. Wir vergassen Pausen und Schlaf und merkten erst, dass wir der Sonne etwas zu nahe gekommen waren, als sie wieder über Rotkreuz aufging.
Wir merkten erst, dass wir der Sonne etwas zu nahe gekommen waren, als sie wieder über Rotkreuz aufging.
Mit viel Einsatz haben wir zum Beispiel das Spiel «Cave to Castle» entwickelt. Zu dritt bauten wir stundenlang am 3D-Modell, designten Tokens und programmierten. Der Aufwand hat sich gelohnt: Wir durften das Projekt sogar an der Fantasy Basel ausstellen.
Oft arbeiten wir parallel an mehreren Projekten. So lerne ich, mit Deadlines umzugehen, Prioritäten zu setzen – und rechtzeitig auf Pause zu drücken.





Da denke ich weniger an ein bestimmtes Fach als an die vielen Deadlines und meine hohen Ansprüche an mich selbst. Kreative Phasen lassen sich nicht erzwingen, schon gar nicht unter Zeitdruck. Mein ADHS verursacht zusätzliche Denkblockaden, und das kann sehr frustrierend sein.
Gleichzeitig erlaubt mir die sprunghafte Art meines Denkens, neue Perspektiven dort zu finden, wo sonst niemand hinschaut. Genau dieses «Out of the Box»-Denken schreiben wir in unserem Studium gross. Denn in unserem Fachgebiet suchen wir Lösungen auf einem breiten, offenen Feld. Heute weiss ich: Was ich lange als Defizit sah, macht mich zu einem guten Problemlöser – oder besser gesagt: zu einem Lösungsfinder.
In grosser, farbiger Schrift: «Kann Spuren von Überraschung enthalten.» Weil sich die Technologien ständig weiterentwickeln, passt die HSLU den Unterricht laufend an. Manche Module fallen weg, neue kommen dazu.
Jonglieren – nicht mit Bällen, sondern mit Aufgaben, Projekten und Deadlines. Ich kann heute Spiele entwickeln, 3D-Modelle bauen, Tokens designen und an interaktiven Anwendungen mitarbeiten. Die Superkraft, die mir im Alltag am meisten nützt, bleibt aber: Prioritäten setzen.
Ganz klar: Instant-Nudeln. Sie haben mich durch Projektphasen gebracht, in denen ich beim stundenlangen Tüfteln fast das Essen vergass. Was sonst noch ins Kit gehört, ist individuell: Kaffee, ein Spaziergang oder ein gutes Ordnungssystem. Wichtig ist, dass es dich an Pausen erinnert.
Das Studium gibt mir den Raum, mein technisches Know-how mit meiner gestalterischen Seite zu verbinden.
Für mich stehen die Leidenschaft und das Interesse an digitalen Welten im Vordergrund. Wer das mitbringt, kann sich hier verwirklichen. Das Studium gibt mir den Raum, mein technisches Know-how mit meiner gestalterischen Seite zu verbinden.

Nach der gestalterischen Berufsmatura träumte Sandro Vale davon, Game Designer zu werden. Heute ist er froh, dass er sich für Immersive Technologies entschieden hat. Der 27-jährige Lenzburger studiert Vollzeit und schätzt besonders die kreativen Projektarbeiten, in denen er Technik und Gestaltung verbindet.
Von: Michèle Rath
Veröffentlicht: 22. Oktober 2026
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