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«Die Blockchain-Technologie ‹für das Gute› einsetzen»

«Die Blockchain-Technologie ‹für das Gute› einsetzen»
Die Blockchain-Technologie könnte uns im Web3 schon bald Privatsphäre und die Kontrolle über unsere Daten zurückgeben.

Von Yasmin Billeter

Prognosen von unseren Expertinnen und Experten Teil 5

Was ist im Bereich Distributed Ledger im Jahr 2022 zu erwarten? Unsere Expertin Alevtina Ackerer hofft auf mehr Web3-Projekte, sieht neue Chancen in Metaversen und hilft mit, dass Gesundheitsdaten dank Blockchain-Technologie sicherer verwaltet werden können.

Frau Ackerer, welche Entwicklung hat Sie im vergangenen Jahr überrascht?

Wie mein Kollege Marcel Harmann an dieser Stelle schon sagte, hat auch mich der Hype um NFTs und digitale Kunst überrascht. Jetzt ist es möglich, online eine tokenisierte Aktie eines Gemäldes von Picasso zu kaufen. NFTs können als Investition oder als Sammlerstück verwendet werden. Oder in blockchainbasierten immersiven 3D-Metaversen wie Decentraland oder Sandbox. Diese ermöglichen es den Spielenden, Grundstücke zu kaufen, sie zu Geld zu machen und das virtuelle Universum zu erkunden.

Wie würden Sie Ihr Fachgebiet ganz einfach erklären?

Mir gefällt der Vergleich der Blockchain mit einem Hauptbuch in der Buchhaltung: Das Hauptbuch hat mehrere Kopien. Wenn jemand versucht, etwas in der Vergangenheit zu ändern, muss er alle nachfolgenden Seiten in allen Kopien neu schreiben! Klingt schwierig, nicht wahr?

Das bedeutet der Begriff Metaverse

Der Begriff «Metaverse» wird von verschiedenen Seiten genutzt. Facebook definiert das Metaverse als «eine Reihe virtueller Räume, in denen Sie mit anderen Menschen, die sich nicht im selben physischen Raum wie Sie befinden, kreieren und erkunden können.» Auch Epic Games nutzte den Begriff, um sein Videospiel Fortnite zu beschreiben. Ebenso Krypto- und NFT-Begeisterte: In virtuellen, auf Blockchain-basierenden Welten wie Decentraland oder Sandbox können Nutzende Grundstücke kaufen und handeln, sich einfach mit Freunden treffen oder Geld verdienen. Klar ist: Das Metaverse ist kein einzelnes Produkt, das ein Unternehmen allein entwickeln kann. Genau wie das Internet existiert das Metaverse unabhängig davon, ob gewisse Unternehmen da sind oder nicht. Und es wird nicht über Nacht gebaut.


Was aus dem Science-Fiction-Bereich wird es in Ihrem Fachbereich bald geben?

Metaversen sind bereits eine Science-Fiction-Technologie im wirklichen Leben. Vor 30 Jahren schrieb Neal Stephenson einen Roman, in dem der Begriff «Metaversum» erstmals geprägt wurde. Ein Metaversum kann als ein Reich definiert werden, das ganze digitale Gesellschaften und Volkswirtschaften umfasst. Wer weiss, vielleicht findet das Herbstsemester bald in einem blockchainbasierten Metaversum statt, in dem die Studierenden Kurse belegen, um die nächste Stufe im «Spiel» zu erreichen.

Metaversen sind bereits eine Science-Fiction-Technologie im wirklichen Leben.

Was gilt es in Ihrem Fachbereich dieses Jahr anzupacken?

Fragen um die Privatsphäre und die Kontrolle über die Daten in der digitalen Welt werden immer drängender. Diese Fragen haben die Entwicklung von Web3 vorangetrieben – einem dezentralisierten und fairen Internet, in dem die Nutzenden ihre eigenen Daten, ihre Identität und ihr Dasein im Web kontrollieren.

Das bedeutet der Begriff Web3

Web3 ist ein dezentrales, autonomes, intel­ligentes Internet. Das heutige Internet ist geprägt von Plattformen wie Facebook und Youtube. Dezentrale Lösungen wie die Blockchain-Technologie, sollen dem Web3 zum Durchbruch verhelfen und zu viel mehr Demokratie führen. So, wie schon gegenwärtig die Kryptowährungen über das Potenzial verfügen, die finanzielle Macht von Zentralbanken zu brechen, könnten dieselben Technologien im Web3 auch die Macht von Konzernen brechen, welche gegenwärtig die Informations- und Kommunikationswelten dominieren.

Ich glaube, dass in diesem Jahr mehr und mehr Web3-Projekte realisiert werden. Diese werden nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch das Identitätsmanagement, die Bildung, das Gesundheitswesen und andere Bereiche unterstützen.

Web3 wird das Identitätsmanagement, die Bildung, das Gesundheitswesen und andere Bereiche unterstützen.

Was nehmen Sie sich fachlich vor? Und was ganz persönlich?

An der HSLU beschäftige ich mich hauptsächlich mit angewandter Forschung und der Betreuung von Studierenden bei Projekten im Zusammenhang mit der Blockchain. Im Frühjahrssemester werde ich zusammen mit Aaron Walsh, Direktor der Immersive Education Initiative und Dozent am Boston College (USA), einen Blockchain-Kurs (International Blockchain Lab) für Bachelor-Studierende unterrichten. Dieser wird einige der Web3-Konzepte abdecken. Ich bin auch als Beraterin tätig und beschäftige mich auch dort mit Themen im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie.

Im Finanzwesen schafft die Blockchain Vertrauen und senkt Gebühren, indem sie Intermediäre ersetzt oder abschafft. Im Gesundheitswesen optimiert sie Prozesse.

Mein Hauptinteresse liegt darin, die Blockchain-Technologie «für das Gute» einzusetzen. Ich möchte lehren und dabei helfen, die Technologie dort richtig anzuwenden, wo sie einen Nutzen bringt. Im Finanzwesen schafft die Blockchain Vertrauen und senkt Gebühren, indem sie Intermediäre ersetzt oder abschafft. Im Gesundheitswesen optimiert sie Prozesse. Beispiele sind die datenschutzgerechte Verwaltung von Gesundheitsdaten oder die Darstellung von Behandlungs- und Erstattungsrichtlinien als Smart Contracts.

Was ist ein typisches Vorurteil gegenüber Ihrem Fachgebiet?

Oft denken die Leute, weil ich mit Blockchain arbeite, besitze ich jede Menge Bitcoins, aber das stimmt (leider ;-)) nicht. Die Blockchain-Technologie geht weit über Kryptowährungen hinaus. Sie kann in verschiedensten Bereichen eingesetzt werden, und das wird bereits tagtäglich gemacht.

Was wollten Sie als Kind werden?

Als Kind wollte ich Ärztin werden, weil ich Menschen mit gesundheitlichen Problemen helfen wollte. Heute sind Gesundheitswesen und Technologie eng miteinander verknüpft. Ich glaube, dass der technologische Fortschritt (beispielsweise die Digitalisierung und Entwicklung von datenschutzfreundlichen Datenverwaltungstechniken für die Primärversorgung und Forschung) den Behandlungsprozess verbessern kann. Wenn ich zu einer solchen Verbesserung beitragen kann, die zumindest einer Person hilft, Daten im Zusammenhang mit ihrer chronischen Krankheit zu verwalten oder wichtige Medikamente schneller zu erhalten, wird mein Kindheitstraum wahr!

Zur Serie «Prognosen»: Expertinnen und Experten der Hochschule Luzern – Informatik geben einen Ausblick auf Entwicklungen in ihrem Fachgebiet.

An unsere Leserinnen und Leser: Welche Prognosen machen Ihnen Freude oder Sorge? Welche Entwicklungen streben Sie im Bereich Distributed Ledger Technology an?

Veröffentlicht am 12. Januar 2022

Unsere Expertin für Distributed Ledger Technology:

Alevtina Ackerer

Alevtina Ackerer ist Dozentin und Forscherin an der Hochschule Luzern – Informatik. Zu ihren Interessen gehören die verteilte Datenverwaltung im Kontext der Blockchain und kryptografische Lösungen, um Sicherheit und Datenschutz zu gewährleisten. Sie ist auch als Beraterin für Blockchain-Projekte bei Swisscom und Gilded tätig. Seit 2016 arbeitet sie zusammen mit der Stony Brook University und dem Stony Brook University Hospital in den USA an der Permissioned-Blockchain-Technologie für das Einwilligungsmanagement beim Austausch von Gesundheitsdaten für die Primärversorgung und die Forschung.

Angebote für Partnerfirmen: Prüfen Sie eine Partnerschaft mit unserem Blockchain Lab, einer Ausbildungsinfrastruktur für KMU zum Thema Blockchain, bei uns im Crypto-Valley Im Rahmen dieses Projekts soll eine physische und virtuelle Plattform geschaffen werden, welche der Industrie und weiteren Bereichen ermöglicht, sich auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlicher Tiefe mit der Blockchain- und der Distributed-Ledger-Technologie auseinanderzusetzen.

Bilden Sie sich weiter: Das CAS Blockchain vermittelt die Grundlagen der neuen digitalen Welt, die digitalen Geschäftsmodelle sowie die zahlreichen Möglichkeiten (Kryptowährungen, Smart Contracts usw.) der Blockchain-Technologie. Das CAS Digital Business Innovation vermittelt die Grundlagen des IT-Innovationsmanagements und der digitalen Business Transformation. Es zeigt auf, wie die digitale Innovation das Geschäft erneuern kann. Im Fachkurs Blockchain Technology erwerben Sie sich die Grundlagen zur Blockchain-Technologie und studieren Anwendungsfälle.

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