Studium

10. Oktober 2019

«Du gehst dort nicht nur zur Schule – du lebst auf dem Campus!»

«Du gehst dort nicht nur zur Schule – du lebst auf dem Campus!»
Patric Weber, Kevin Schuler und Yann Keiser tauschen sich über ihre Austauschsemester aus.

Ob Hongkong, San José oder London – ein Semester im Ausland bereichert das Studierendenleben und hält einige Überraschungen bereit. Patric Weber, Kevin Schuler und Yann Keiser berichten von ihren Erfahrungen.

Informatik-Blog: Hallo zusammen, wieso habt ihr euch für euer Auslandsemester entschieden?

Kevin Schuler: Ich habe seit der Lehre immer gearbeitet und wollte eine Pause. Um etwas komplett anderes zu erleben, bin ich für ein Semester nach Hongkong. Die Umgebung dort ist sehr grün und es ist ein guter Hotspot zum Weiterreisen, Campen und Wandern.

Yann Keiser: Das Silicon Valley spricht für sich. Ich wollte mein Englisch aufbessern und verstehen, wie die Leute dort ticken. Eigentlich hätte ich gerne an der international Project Experience teilgenommen. Da ich berufsbegleitend studiere, war dies aber nicht möglich und so habe ich es auf diesem Weg gemacht.

Patric Weber: Bei mir war es ähnlich. Ich bin nach London, weil die Stadt ein «Melting Pot» ist und dort Menschen aus verschiedenen Nationen zusammenkommen. Ausserdem hat mich das Universitätsleben der Briten fasziniert.

Was unterschied den Unterricht an der Gastuniversität von dem der Hochschule Luzern – Informatik?

Weber: An der London Southbank University war der Unterrichtsstoff weniger verdichtet als an der Hochschule Luzern und ich habe die 30 Credits (ECTS) mit weniger Mühe erreicht. Es wurde viel Eigeninitiative gefordert, was ich geschätzt habe. Dadurch hatte ich mehr Zeit, mich mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Ausserdem konnte ich Module belegen, die ich mir hier nicht zugetraut hätte – Machine Learning zum Beispiel.

Schuler: An der Hongkong Baptist University hatten wir keine klassischen Vorlesungen, sondern Unterricht in kleinen Klassen. Es waren praxisnahe Fächer und gute Lehrpersonen. Das Niveau war tiefer als in der Schweiz und es gab ein riesiges Sportangebot, für welches wir teilweise sogar Credits erhielten. Ich habe versucht Chinesisch zu lernen, dies fiel mir schwer.

Keiser: Ebenfalls an der San José State University war das Niveau einfacher. Allein schon die Anwesenheit gab ein paar ECTS-Punkte und 70 Prozent der Vornote konnte während des Semesters gemacht werden. Wir hatten spannende Referenten aus dem Silicon Valley und praxisnahe Fälle. Für eine Lektion im Innovationsmanagement durften wir beispielsweise bei Tesla hinter die Kulissen blicken.

Wie habt ihr gewohnt?

Schuler: Hongkong ist teuer; ich habe für 250 Franken vergleichsweise günstig in einem Studentenwohnheim-Zimmer mit einem Finnen zusammengewohnt. Das Zimmer war sehr einfach eingerichtet, hatte jedoch alles was es braucht.

Ich hätte auch in ein «international House» gehen können, habe mich jedoch bewusst entschieden, die WG mit drei Amerikanern zu teilen.

Yann Keiser

Weber: Ich wohnte in einem Haus für internationale Studierende in einer 8er-WG. Meine WG-Kolleginnen und -Kollegen waren aus Deutschland sowie Österreich und wir waren eine super Gruppe, die viel zusammen unternommen hat. 

Keiser: Ich hätte auch in ein «international House» gehen können, habe mich jedoch bewusst entschieden, die WG mit drei Amerikanern zu teilen.

Ist das Studierendenleben im Ausland anders?

Weber: Klar ist das Leben anders, wenn du nur ein Semester dort bist. Bei uns im Wohnheim gab es viele Partys. Anders als hier trafen sich die meisten Studierenden nach der Uni im Gym.

Schuler: Bei uns im Haus herrschte Alkoholverbot und Partys gab es keine. Die Chinesen trinken nicht viel und der Alkohol ist teuer. Wir, Exchange-Studierenden, hatten einen Chat und haben manchmal zusammen gekocht und eine Flasche Wein reingeschmuggelt. Ansonsten gingen wir für Partys auswärts. Was ich geschätzt habe, war das riesige und günstige Sportangebot.

Bei uns im Wohnheim gab es viele Partys. Anders als hier trafen sich die meisten Studierenden nach der Uni im Gym.

Patric Weber

Keiser: Der grösste Unterschied ist, dass wir hier nur zur Schule gehen, die Studierenden in den USA hingegen auf dem Campus leben. Es besteht eine riesige Infrastruktur mit Verpflegungsmöglichkeiten, Sport, Einkaufs- und Freizeitangebot. Wir haben auch ein Sportangebot – nur kennt das an der Hochschule Luzern – Informatik fast niemand.

Wie war der Kontakt mit den einheimischen Studierenden?

Schuler: Der Kontakt fand hauptsächlich während des Unterrichts statt. Die chinesischen Studierenden haben einen komplett anderen Rhythmus. Vor 4 Uhr morgens gehen sie nicht ins Bett, sondern spielen Fussball und andere Spiele in den Gängen des Wohnheims. Als wir sie darauf hingewiesen haben, waren sie zuerst etwas beleidigt, haben dann aber verständnisvoll reagiert.

Weber: In unserem Londoner Wohnheim waren nur internationale Studierende, in unserer Wohnung waren alle deutschsprechend. «Guided Experience» nennt sich das. Offenbar gab es immer wieder Probleme, wenn zu unterschiedliche Kulturen zusammenwohnen. Mit Einheimischen hatte ich in der Freizeit selten Kontakt.

Keiser: Ich habe viel Zeit mit zwei meiner amerikanischen Mitbewohner verbracht. Wir hatten ein geniales Zusammenleben und haben viel unternommen. Dies war extrem wertvoll, denn so konnte ich lokale Leute kennenlernen und mit ihnen etwas unternehmen. 

Was habt ihr kulinarisch entdeckt?

Schuler: In Hongkong gab es alles, so auch europäisches Essen. Vom chinesischen Essen war ich wenig begeistert, obwohl ich viel probiert habe: Oktopus am Stiel, Hühnerfüsse oder Froschschenkel zum Beispiel.

Vom chinesischen Essen war ich wenig begeistert, obwohl ich viel probiert habe: Oktopus am Stiel, Hühnerfüsse oder Froschschenkel zum Beispiel.

Kevin Schuler

Weber Ich war überrascht, was London an internationaler Küche zu bieten hat. Meine Mitbewohninnen und Mitbewohner waren immer auf der Suche nach dem nächsten Instagram-Motiv. So habe ich schon mal 50-60 Pfund für ein Sushi-Häppchen ausgegeben.

Keiser: In Amerika gibt es alles in allen Grössen – vor allem gross und nicht klein. Ich habe meist zuhause gegessen, wir hatten einen riesigen Kühlschrank.

Gab es ein besonders brenzlige Erlebnis?

Schuler: Während meines Aufenthalts hat ein Hurrikan gewütet. Ich war glücklicherweise gerade nicht in Hongkong, doch als ich zurückkam waren Strände, Wälder und Häuser zerstört.

Keiser: Ich wollte zu einer Party gehen, leider ereignet sich kurz davor eine Schiesserei. Es waren etliche Polizeiautos vor Ort und die Party war dann vorbei.

Und ein besonders schönes?

Keiser: Weil ich berufsbegleitend studiere, konnte ich viele Ausflüge unternehmen und zum Beispiel übers Wochenende der Küste hoch nach San Francisco fahren. Ich würde es jedem empfehlen, nicht nur zu lernen, sondern sich auch Zeit zu nehmen, um mit anderen etwas zu erleben.

Weber: Ich habe mit meiner WG-Gruppe Roadtrips gemacht und konnte es geniessen, Student zu sein. Da ich vorher immer nebenbei gearbeitet habe, kam ich in London zum ersten Mal in den Genuss nur studieren zu dürfen. Da wusste ich plötzlich, was Erholung heisst.

Habt ihr nach dem Auslandsemester etwas an euren Gewohnheiten geändert?

Weber: Ich habe meine Bachelorarbeit verschoben, weil ich es nicht viel gleichzeitig abschliessen wollte.

Ich gehe offener auf Menschen zu, lebe einfacher und bin toleranter.

Kevin Schuler

Keiser: Bei mir ist die Hemmschwelle gesunken Englisch zu reden – auch wenn es immer noch nicht perfekt ist. Ausserdem nehme ich alles etwas lockerer, wenn ich zum Beispiel im Stau stehe. Das Schönste war, als ich zurückkam und wieder Leitungswasser trinken konnte.

Schuler: Ich gehe offener auf Menschen zu, lebe einfacher und bin toleranter. Wenn du siehst wie andere Menschen leben, wird dir bewusst, welchen riesen Luxus wir hier haben.

Danke für das Gespräch!

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