bool(false)

Krankenakte 01000100 01000010 01001001

Krankenakte 01000100 01000010 01001001
Erlaubt den Durchblick für Gesundheitsfachleute: Das elektronische Patientendossier könnte die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen.

Von Ronnie Steiger aus dem CAS Digital Business Innovation

In der Covid-19-Pandemie zeigt sich erneut, dass der elektronische Datenaustausch zwischen Spitälern, Kantonen und Bund mangelhaft ist. Lesen Sie hier, warum der Autor die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) für überfällig hält. Und wie es funktionieren sollte.

Inmitten von Lockdowns und Contact Tracing gewinnen das Speichern, Verwalten und Teilen digitaler Echtzeit-Informationen laufend an Bedeutung. Dabei wird auch der Bedarf nach einem vertrauenswürdigen und schweizweit anerkannten elektronischen Impfausweis immer drängender. Unsere Spitäler müssen von veralteten Leistungserbringer-zentrierten Strukturen zu neueren Businessmodellen wechseln. Diese sollen sich an digitalen Ökosystemen orientieren und die Patientinnen und Patienten ins Zentrum stellen.

Es braucht neue integrative Lösungen

Für mich zeigt sich daher immer deutlicher, dass das EPD längst überfällig ist. Genauso wichtig wie das digitale Speichern von Gesundheitsinformationen ist auch der Datenschutz, der gewährleistet sein muss. Der Zugang zu den gespeicherten Informationen sowie deren Freigabe müssen vertrauenswürdig geregelt werden und für alle Patientinnen und Patienten korrekt funktionieren.  Ebenso für alle anderen Beteiligten: also für medizinisches Fachpersonal, zuweisende Stellen, Mitarbeitende am Spitalbett, Hausärzte oder andere Spezialistinnen.

Es braucht nun integrative Lösungen mit digitalen vernetzten Klinikinformationssystemen. Nur so kann das Potenzial des EPD künftig optimal genutzt werden.

Bislang verhindern veraltete Businessstrukturen und Geschäftsmodelle die digitale Transformation.

Bislang verhindern und verlangsamen veraltete Businessstrukturen und Geschäftsmodelle die digitale Transformation. Viele Hausärztinnen und Hausärzte führen ihre Patientendossiers noch handschriftlich und legen diese in altertümlichen metallenen Aktenschränken ab.

Zahlreiche Hürden auf dem Weg zum EPD

Auch harzt es bei der Akzeptanz in der Bevölkerung. Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist das digitale Speichern von persönlichen Daten ein kontrovers diskutiertes emotionales Thema. Der Widerstand gegen das EPD ist vorprogrammiert – zumal sich bei dessen Einführung die Schwierigkeiten häufen. Sie wurde mehrmals verschoben und ist von finanziellen Problemen begleitet. So hat etwa die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Zürcher Kantonsparlaments im März 2020 zahlreiche Mängel am EPD kritisiert.

Doppelspurigkeiten bei Behandlungen vermindern

Doch worum geht es eigentlich? Lesen Sie hier, was das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) vorsieht: «Mit dem elektronischen Patientendossier sollen die Qualität der medizinischen Behandlung erhöht und die Behandlungsprozesse verbessert werden. Ebenfalls soll die Einführung des EPDs zu einer Steigerung der Effizienz des Gesundheitssystems führen und Doppelspurigkeit von Diagnosen und Behandlungen vermindern. Patientinnen und Patienten sollen zusätzlich in ihrer Gesundheitskompetenz gefördert werden.»

Im folgenden Video ist alles knapp und einfach erklärt:

Was soll im EPD gespeichert werden?  

Das EPD umfasst die komplette Patientengeschichte einer Person. Es könnte eine Sammlung der wichtigsten medizinischen Daten enthalten wie beispielsweise Allergien, Krankheiten, Behandlungen, Röntgenbefunde, Medikationen, Austrittsberichte und mehr. Auch der zurzeit viel diskutierte Impfausweis soll darauf abgespeichert werden.

Das EPD würde es erlauben, dass man die gesammelten Informationen rund um die eigene Gesundheit überall abrufen kann: zu Hause, unterwegs oder in den Ferien (Quelle: eHealth Suisse).

Wer kann auf die sensiblen Daten zugreifen?        

In erster Linie die Patientinnen und Patienten. Sie können von all ihren vernetzten digitalen Geräten jederzeit und überall auf das EPD zugreifen – ob von zu Hause, unterwegs und sogar aus dem Ausland. Sie allein bestimmen und kontrollieren, wer ihre wichtigsten Gesundheitsdaten einsehen darf. Ich als Patient entscheide also selbst, mit wem ich mein persönliches digitales Patientendossier teile. So kann ich zum Beispiel meiner Hausärztin, meinem Physiotherapeuten oder einer anderen Person meines Vertrauens Zugriff auf meine meiner Daten erlauben. Ich entscheide, ob diese Person die kompletten Daten sieht oder nur einen Teil davon.

Ich als Patient entscheide selbst, mit wem ich mein persönliches digitales Patientendossier teile.

Kein Einblick für Arbeitgebende oder Krankenkassen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sowohl Arbeitgebende wie auch Krankenversicherungen keinen Zugriff darauf haben. Die Hoheit über die medizinischen Daten eines Patienten oder einer Patientin liegt immer bei ihm oder ihr selbst. Daher ist es (vorerst) freiwillig, ob man ein EPD eröffnen will oder nicht.  

Das elektronische Patientendossier wird durch den Zusammenschluss einzelner autonomer Projekte, sogenannter Stammgemeinschaften oder EPD-Gemeinschaften, angeboten und verwaltet. Diese Stammgemeinschaften vernetzen sich durch einen technisch-organisatorischen Verbund auf nationaler Ebene. 

Überblick der EPD- (Stamm-) Gemeinschaften in der Schweiz (Quelle: eHealth Suisse).

Der EPD-Start für die breite Bevölkerung erfolgt schrittweise. Nach aktuellem Stand dürfte dies wohl erst im Lauf des Jahres 2022 gelingen. Das schweizweit erste elektronische Patientendossier wurde im Dezember 2020 vom Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati am Kantonsspital Baden eröffnet. 

Frage in die Runde: Was ist Ihnen wichtig bei der Einführung eines elektronischen Patientendossiers?

Weiterführende Links zum Thema:

Veröffentlicht am 12.4.2021

Ronnie Steiger

Autor mit Einblick ins Gesundheitswesen: Ronnie Steiger bloggt für unseren Weiterbildungs-Blog aus dem Unterricht des CAS Digital Business Innovation. Er ist Senior Application Analyst und Medical Device Integration Lead am Luzerner Kantonsspital. Steiger arbeitet mit Passion an Entwicklungen im Bereich Data Health und ist fasziniert von neuesten digitalen Trends und Technologien.

Weiterkommen mit dem CAS Digital Business Innovation: In diesem Weiterbildungsprogramm erlernen Sie die Grundlagen der digitalen Business Transformation und des IT-Innovationsmanagements. Die Teilnehmenden profitieren von einer zukunftsorientierten Themenwahl sowie von einer guten Durchmischung der Dozierenden. Es unterrichten sowohl erfahrene Praktikerinnen und Praktiker wie auch Professorinnen und Professoren.

Gefällt Ihnen unser Informatik-Blog? Hier erhalten Sie Tipps und lesen über Trends aus der Welt der Informatik. Wir bieten Einsichten in unser Departement und bringen Storys von IT-Vordenkerinnen, Visionären und spannenden Menschen: Abonnieren Sie jetzt unseren Blog!

Im Weiterbildungs-Blog stöbern: Was lernen unsere CAS-Teilnehmenden? Was machen sie beruflich? In unserem Weiterbildungs-Blog erfahren Sie mehr. Hier bloggen aktuelle CAS-Teilnehmende aus ihren Weiterbildungsprogrammen heraus. Wir unterstützen und fördern die Bloggenden aktiv in diesem Qualifikationsschritt.

Beitrag teilen

  • Mail
  • Kommentare

    0 Kommentare

    Kommentar verfassen

    Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.

    Pin It on Pinterest