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Was sie eint und trennt: Requirements Engineers und Business-Analystinnen

Was sie eint und trennt: Requirements Engineers und Business-Analystinnen
Unterschiedliche Berufsbezeichnung und doch vieles gemeinsam: Requirements Engineers und Business-Analystinnen (Bildquelle: Unsplash).

Wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Berufsgruppen? Lesen Sie hier, warum oft Fachpersonen, die beide Bereiche beherrschen, gefragt sind.

Von Alexandra Krimmer aus dem CAS Requirements Engineering  

In der Theorie unterscheiden sich die Begriffe «Requirements Engineering» und «Business-Analyse» sowie deren dazugehörige Berufsbezeichnungen klar. In der Praxis sieht das anders aus: Da wird die Berufsbezeichnung zwar eindeutig gesetzt, die Aufgabengebiete und Stellenbeschreibungen der beiden Berufe verlangen jedoch oft, dass eine Person beide Rollen einnimmt: jene eines Requirements Engineers und einer Business-Analystin.

Warum ist das so? Das ergibt sich aus den Aufgaben und Techniken eines Requirements Engineers und einer Business-Analystin.

Ermitteln, dokumentieren, prüfen und verwalten: die Arbeit eines Requirements Engineers

Die Kernaufgabe im Requirements Engineering liegt im systematischen Ansatz zur Spezifikation und zum Management von Anforderungen. Ein Requirements Engineer hat folgende Ziele: Er oder sie kennt alle relevanten Anforderungen der Stakeholder, versteht sie und dokumentiert sie

Daher bestehen seine oder ihre Herausforderungen darin, zu ermitteln, dokumentieren, prüfen und verwalten. Er oder sie sichtet und versteht also Prozesse, Systeme, Dokumente und die Wünsche der Stakeholder und kann sie ordnen. Requirements Engineers ermitteln alle Anforderungen, indem sie auf verschiedene Techniken zurückgreifen: Sie befragen unter anderem Stakeholder und setzen Kreativtechniken ein, wie etwa das Sechs-Hut-Denken oder die 6-3-5-Methode. Ihre Schlüsselkompetenz liegt in der Kommunikation mit allen entsprechenden Personen

Strukturen verstehen, Lösungen finden: Damit beschäftigt sich eine Business-Analystin

Die international gültige Definition des International Institute of Business Analysis beschreibt die Business-Analyse so: Sie ist die Summe der Aufgaben und Methoden zur Vermittlung zwischen Stakeholdern. Folgende Ziele verfolgt ein Business-Analyst oder eine Business-Analystin: Er oder sie versteht die Strukturen und Abläufe eines Unternehmens und empfiehlt Lösungen zur Verbesserung. Jede Person, die Business-Analyse-Aktivitäten ausführt, ist eine Business-Analystin oder ein Business-Analyst, egal welchen Titel diese Person trägt (International Institute of Business Analysis, BABOK Version 2 2009).

Daraus ergeben sich die fünf Haupttätigkeiten in der Business-Analyse. Diese sind im Vorgehensmodell der Gerstbach Business Analyse GmbH aufgeführt (siehe nachfolgende Darstellung von Ingrid und Peter Gerstbach, 2015):

Das Business-Analyse-Vorgehensmodell der Gerstbach Business Analyse GmbH (Quelle: Fachbuch «Basiswissen Business-Analyse», erschienen im Redline Verlag, 2015).

Die operative Phase in der Business-Analyse gleicht dabei den klassischen Techniken und Tätigkeiten des Requirements Engineerings. Für die strategische Phase wiederum nutzen Business-Analystinnen und -Analysten betriebswirtschaftliche Methoden, wie etwa die SWOT-Analyse, das Business Model Canvas oder Marktanalysen. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Kommunikation und die Vermittlung zwischen Projekten, Fach- und IT-Abteilungen (Ingrid und Peter Gerstbach 2019).

Ziele und Visionen erarbeiten: eine der grossen Gemeinsamkeiten
In diesen Arbeitsbereichen liegen die Gemeinsamkeiten der beiden Berufsgruppen:

  • im Anforderungsmanagement mit all seinen dazugehörigen Aufgaben,
  • im Stakeholder-Management,
  • in der Kommunikationsfähigkeit und der Vermittlung zwischen Fach- und IT-Abteilung,
  • in der Methodik: Beide Gruppen arbeiten mit klassischen oder agilen Methoden.
  • Bei den angewendeten Techniken: So etwa erarbeiten beide Berufsgruppen Ziele und Visionen, leiten Workshops, erstellen Personas oder erarbeiten verschiedene Modelle.

Strategisch aktiver: Business-Analyse setzt früher ein

Hierbei unterscheiden sich die Arbeitsbereiche der beiden Berufsgruppen:

  • Strategische Phase: Business-Analystinnen und -Analysten erarbeiten auf strategischer Ebene deutlich mehr als Requirements Engineers.
  • Tätigkeitsbereiche: Die vieldeutige Definition der Business-Analyse lässt darauf schliessen, dass der Tätigkeitsbereich einer Business-Analystin breitgefächert ist, während ein Requirements Engineer sich besonders auf das Anforderungsmanagement eines bestimmten IT-Systems konzentriert.

In der Praxis ist beides nötig

Dieser Beitrag zeigt, dass nebst den Unterschieden zahlreiche Gemeinsamkeiten bestehen. Darum wird in der Praxis oft beides verlangt und vorausgesetzt. Daher kommt es in der Praxis von Requirements Engineers und Business-Analystinnen und -Analysten darauf an, dass sie:

  • sich in ein Thema fachlich eindenken,
  • Anforderungen sauber dokumentieren,
  • analytisches Denken einsetzen,
  • transparent kommunizieren,
  • empathisch und dennoch zielorientiert arbeiten,
  • zwischen der IT-Abteilung und der Fachabteilung vermitteln,
  • die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden berücksichtigen.

Frage in die Runde: Welche Erfahrungen machen Sie? Wie ist es, wenn man beide Rollen einnimmt? Wir freuen uns über Kommentare.

Alexandra Krimmer
Alexandra Krimmer

Analyse und Kommunikation als Beruf: Alexandra Krimmer bloggt für unseren Weiterbildungs-Blog aus dem Unterricht des CAS Requirements Engineering. Sie arbeitet als Business-Analystin bei der Krankenkasse Sympany. Sie wählte dieses Blogthema, weil sie Klarheit darüber finden wollte, welche Qualifikationen in diesen beiden Berufsgruppen eigentlich nötig sind.

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