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KI-Philosophie-Serie: Ist künstliche Intelligenz intelligent?

KI-Philosophie-Serie: Ist künstliche Intelligenz intelligent?
Wesen, die kommunizieren und spielen können, gelten als intelligent. Doch was für eine Intelligenz ist das eigentlich, die wir bei der KI vorfinden oder in Zukunft vorfinden werden? (Bildquelle: Getty Images)

KI, Kunst und Kritik: Studierende schreiben Essays über philosophisch-ethische Fragen rund um die Künstliche Intelligenz (KI). Etwa über die Frage, ob es uns Menschen zusteht, unsere Intelligenz als überlegen anzuschauen. Mehr dazu in dieser fünften Folge unserer 8-teiligen KI-Philosophie-Serie.

Von Josef Rittiner, Student des Studiengangs Artificial Intelligence & Machine Learning

Unsere menschliche Intelligenz ist offensichtlich real. Wir haben sie über Millionen von Jahren gemeinsam mit unseren Körpern und letztlich auch mit unseren Kulturen entwickelt. Der gesamte Globus ist von den technologischen Fortschritten bedeckt, die mit Hilfe des menschlichen Intellekts ermöglicht wurden. Es gibt kaum einen Ort auf der Erde, der nicht in irgendeiner Weise von der Menschheit beeinflusst wurde. Viele Tiere, von den Primaten und Vögeln bis zu den Tintenfischen, zeigen ebenfalls deutliche Anzeichen von Intelligenz. Sie benutzen Werkzeuge, kommunizieren und spielen. Obwohl keines von ihnen den Planeten mit Gesellschaften und Infrastrukturen überzogen hat, halten wir Tiere zwar oft für sehr intelligent, aber doch für weniger intelligent als uns selbst. So fremdartig uns Tiere auch erscheinen mögen: Wir wissen, dass auch sie Emotionen empfinden können.

Tun die Menschen nicht auch genau das, wozu sie programmiert wurden?

Maschinen hingegen haben sich nicht so entwickelt wie wir und die Tierwelt. Wir haben sie erschaffen. Sie tun genau das, was wir ihnen auftragen. Sie haben weder einen freien Willen noch ein Bewusstsein. Selbst die meisten Algorithmen, die wir als Künstliche Intelligenz bezeichnen, halten wir nicht wirklich für intelligent. Wir sehen in ihnen lediglich komplexe Algorithmen, die knifflige Probleme lösen. Wir könnten sagen, dass sie Intelligenz simulierten oder den Anschein von Intelligenz hätten. Diese sei aber nicht real.

Doch wer sind wir, zu sagen, was real ist und was nicht? Wie können wir feststellen, wann etwas wirklich intelligent ist und wann nicht, solange auch die Wissenschaft noch keine eindeutige Definition dafür hat? Noch gibt es nämlich keine allgemeingültige Definition der Intelligenz. Wie können wir feststellen, ob etwas empfindungsfähig ist, wenn wir noch nicht einmal genau wissen, was genau ein Bewusstsein ist und wie es entsteht?

Die KI durchläuft eine Evolution – so wie auch wir Menschen.

Durchlaufen KI-Algorithmen nicht auch eine Form der Evolution? Nicht die typische biologische, sondern eine technologische. Die Methoden, die am besten funktionieren, haben überlebt und entwickeln sich weiter, während die anderen in der Vergangenheit bleiben, genau wie beim Überleben des Stärkeren und Intelligenteren.

Könnte man nicht sagen, dass die Umwelt uns Menschen «erschaffen» hat? Wir wurden so gestaltet und angepasst, dass wir in unsere Umgebung passen. Wir optimierten uns, um die besten Überlebenschancen zu haben. Maschinen tun dasselbe, nur durch einen anderen Prozess. Sie werden – von uns – angepasst und optimiert, um ihre Aufgaben bestmöglich zu erfüllen.

«Gehört zur Intelligenz nicht auch ein Bewusstsein?»: Dieses Video erklärt die Unterschiede zwischen menschlicher Intelligenz, sogenannt schwacher oder starker Künstlicher Intelligenz und Superintelligenz.

Tun wir denn nicht auch genau das, wozu wir programmiert wurden? Wir wurden entwickelt und optimiert, um uns zu vermehren und zu überleben. Und genau das haben wir getan – wie eine Maschine. Das Gedankenexperiment «paperclip maximizer» des schwedischen Philosophen Nick Bostrom zeigt: Eine intelligente Maschine, die für die Produktion von Büroklammern gebaut würde, würde so viele Klammern produzieren, wie sie kann. Sie würde alles in ihrer Macht Stehende tun, um diese Aufgabe so lange wie nur irgendwie möglich zu erfüllen.

Wir Menschen tun indes auch Dinge, die nicht der unmittelbaren Zielerfüllung dienen, weil wir unsere eigene Programmierung «missverstehen» und nicht, weil wir nicht mehr an sie gebunden sind oder uns von ihr gelöst haben.

Wann also ist eine Intelligenz tatsächlich real und wann ist sie nur eine Simulation?

Frage in die Runde: Was denken Sie zu dieser Frage? Bitte schreiben Sie Ihren Kommentar hier zuunterst in die Kommentarspalte.

Veröffentlicht am 7. November 2022

Lesen Sie weitere Folgen unserer KI-Philosophie-Serie:

Josef Rittiner
Josef Rittiner

Josef Rittiner studiert Artificial Intelligence & Machine Learning. Er ist Vollzeitstudent und hat seine ersten zwei Semester abgeschlossen.

Da er sich schon immer für philosophische Fragen interessierte, fand er auch das Philosophie-Modul sehr ansprechend, insbesondere im Zusammenhang mit KI und Machine Learning. Beruflich möchte er sich in Richtung Robotik und die Aerospace-Industrie bewegen und sehen, wie KI in diesen Bereichen eingesetzt werden kann.

KI-Philosophie-Serie: Der obenstehende Beitrag wurde ihm Rahmen des Bachelor-Studiengangs Artificial Intelligence & Machine Learning geschrieben. Er wurde geprüft, redaktionell aufbereitet und ist Teil einer 8-teiligen Blog-Serie mit bestbenoteten Essays von Studierenden.

Der betreffende Studiengang nimmt die Implikation der Technik ernst. Daher lernen die Studierenden nicht nur, KI einzusetzen, sondern diese auch nachhaltig, sicher und ethisch verantwortbar umzusetzen. Als Basis dafür dient unter anderem ein Philosophie-Modul unter der Leitung von Peter A. Schmid und Orlando Budelacci. Die Hochschule Luzern setzt dabei auf Interdisziplinarität: Dieses Modul zeigt beispielhaft, wie sich drei Departemente – Informatik, Soziale Arbeit und Design & Kunst – fachübergreifend einem Zukunftsthema zuwenden.

Lesetipp: Im September 2022 erscheint Orlando Budelaccis Fachbuch «Mensch, Maschine, Identität. Ethik der Künstlichen Intelligenz» im Schwabe Verlag. Dieses Buch beleuchtet die Komplexität und Fülle der gewichtigen Umgestaltungen der Gegenwart durch die Technologie der Künstlichen Intelligenz. Es basiert auf seinen Lehrveranstaltungen und verdankt viele Anregungen den Studierenden des Bachelor-Studiengangs Artificial Intelligence & Machine Learning. Budelacci beschreibt KI als Hoffnung und Gefahr. Er setzt sich philosophisch und mit ethischen Überlegungen damit auseinander.

Holen Sie sich einen Bachelor: Der zukunftsweisende Studiengang Artificial Intelligence & Machine Learning legt seinen Fokus auf die Schlüsseltechnologien der Künstlichen Intelligenz. Hier holen Sie sich das Rüstzeug für die steigende Nachfrage der Wirtschaft nach Fachkräften in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik. Geleitet wird der Studiengang vom langjährigen KI-Experten Donnacha Daly.

Bilden Sie sich weiter: Im CAS Digital Ethics Management lernen Sie, wie Sie mit Wertesystemen und nachhaltigen Handlungen die Digitalisierung vorantreiben. Digitale, KI-basierte und datengesteuerte Lösungen sind die Grundlage für viele Geschäftsmodelle. Das CAS bietet Werkzeuge und Methoden, um diese Lösungen nachhaltiger, sicherer und werteorientierter zu realisieren. Hier sehen Sie das Info-Video zum CAS.

Blick in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz: Folgen Sie unserer Twitter-Seite: Dort verfolgen und kommentieren Expertinnen und Experten der Hochschule Luzern die neuesten Entwicklungen im Bereich der KI.

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    1 Kommentare

    Markus Müller

    Der Prozessor eines Computers macht nichts, solange er nicht mittels ausdrücklichem Befehl dazu aufgefordert wird. Man kann den Prozessor anweisen, im Falle dass eine Anweisung die nicht logisch ist, eine Rückmeldung in Form einer Ausgabe machen, dass die Anweisung nicht logisch ist und demzufolge nicht ausgeführt werden kann. Aber ohne ausdrückliche Anweisung wird er auch dies nicht tun! Wir können Programme oder Anweisungen so umfangreich gestalten, dass wir als Menschen kaum mehr oder manchmal gar keinen Durchblick mehr haben. Wenn dann der Computer uns nicht die Rückmeldung gibt, welche wir von ihm aufgrund unseren Eingaben erwarten, kann das den Eindruck erwecken, der Computer verfüge über eine eigene Intelligenz anstelle "nur" ein fleißiger Arbeiter, welcher Programmzeilen. nach Anweisung ab- und verarbeitet. Beispiel einer einfachen PHP-Anweisung: '8' AND date('H') < '22') { echo 'Es is Freitag, Samstag oder Sonntag und nach 8 Uhr am Morgen und vor 22 Uhr am Abend.'; } else { echo "Es is NICHT Freitag, Samstag oder Sonntag nach 8 Uhr am Morgen und vor 22 Uhr am Abend sondern Freitag, Samstag oder Sonntag vor 8 Uhr."; } } else { echo "Es is NICHT Freitag, Samstag oder Sonntag nach 8 Uhr am Morgen und vor 22 Uhr am Abend."; } ?> Die Komplexität und damit auch Fehleranfällgkeit der Anweisung kann mit deren Umfang unter Umständen exponentiell wachsen!

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