«Wie ist diese Kennzahl genau definiert? Aus welchen Quellen stammen die Daten?» Die Antworten auf solche Fragen finden sich in den Metadaten. Wie bringt man sie direkt und verständlich zu den Nutzenden? Ein Praxisbeispiel zeigt: Wenn Metadaten direkt im Dashboard erscheinen, werden Kennzahlen verständlicher, Rückfragen seltener und zentrale Indikatoren eher genutzt.
Von Samuel Kost, Teilnehmer des CAS Data Governance
Qualitätskriterien, Durchlaufzeiten und die Zufriedenheit von Kundinnen und Kunden: Fast alles wird heute mit Kennzahlen gemessen und in Berichten und Dashboards visualisiert. Eine Zahl sagt aber oft noch wenig aus. Damit sie ihre Informationskraft entfalten kann, muss sie in einen Kontext gesetzt werden.
Metadaten liefern diesen Kontext: Sie beschreiben, wie eine Kennzahl berechnet wurde, welche Datenquellen genutzt wurden und welche Einschränkungen allenfalls gelten. Erst mit klaren Metadaten werden Kennzahlen nachvollziehbar, vergleichbar und vertrauenswürdig.
Der Beitrag bringt ein oft unterschätztes Thema auf den Punkt: Erst der richtige Kontext macht Kennzahlen zu verlässlichen Entscheidungsgrundlagen.
Sascha Roth, Co-Programmleiter CAS Data Governance
Es genügt aber nicht, Metadaten in einem Katalog zu erfassen. Sie müssen den Personen, welche die Informationen nutzen, auch möglichst leicht und verständlich zugänglich sein.
Besonders wichtig ist dies dort, wo es Self-Service-Möglichkeiten in der Business Intelligence (BI) gibt. Wenn es einfacher ist, eine Kennzahl selbst zusammenzubasteln, als die Definition der bestehenden Metrik zu finden, dann wählen viele diesen Weg, ganz nach dem Motto «Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast».
Das Resultat ist schwer durchschaubares Zusammenspiel von Indikatoren. Niemand weiss mehr genau, ob unter derselben Bezeichnung auch wirklich dasselbe gemeint ist.
Mit dieser Situation war auch die Arbeitslosenversicherung (ALV) konfrontiert, als sie sich daran machte, die Führungskennzahlen für die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zu modernisieren.
Eine Anforderung war daher klar: Die Kennzahlen müssen in einem Fachglossar dokumentiert werden und für die Nutzenden leicht zugänglich sein. Bei der Modernisierung der Führungskennzahlen für die RAV suchte die ALV deshalb nach einem Weg, diese Metadaten direkt im Dashboard sichtbar zu machen.
Die ALV nutzt als BI-Lösung Strategy (früher MicroStrategy). Wie bei anderen BI-Plattformen können in Strategy für alle Objekte kurze Texte in einem Tooltip hinterlegt werden. Für die wichtigsten Fachmetadaten reicht das nicht: Der Platz ist zu knapp und die Darstellung zu beschränkt. Ein anderer Weg musste gefunden werden.
Ein Feature, das Strategy gerne in ihren Verkaufsgesprächen hervorhebt, ist die sogenannte HyperIntelligence®. Dabei werden BI-Inhalte eingeblendet, wenn man beispielsweise in einer Webapp mit der Maus über ein vorher definiertes Stichwort fährt – etwa über einen Unternehmensnamen oder über eine Produkt-ID.
Dieses Feature nutzte die ALV für einen anderen Zweck als ursprünglich vorgesehen. Die fachlichen Metadaten der Metriken speicherten die Product Owner in eine eigene Tabelle. Dabei achteten sie darauf, für die Nutzenden verständliche Informationen bereitzustellen.
Danach erstellten sie mit HyperIntelligence® Steckbriefe mit den wichtigsten Angaben. Die Bezeichnungen der Kennzahlen dienten dabei als Stichworte. So werden die Steckbriefe jedes Mal angezeigt, wenn man mit der Maus über den Namen einer Kennzahl fährt.

Das Resultat wird von allen Seiten sehr geschätzt: Die Transparenz wurde erhöht, Führungspersonen müssen weniger Fragen beantworten oder mangels Wissens weiterleiten. Die Steckbriefe stehen nur für zentral bereitgestellte Indikatoren zur Verfügung. Selbst gebaute Kennzahlen lassen sich weiterhin nutzen, aber ohne diese verständliche Dokumentation direkt im Frontend.
Es stellt sich die Frage, warum diese Funktion nicht bereits standardmässig in BI-Plattformen integriert ist. Ein zentraler Pfeiler der Data Governance ist das Metadatenmanagement. Es ist breit anerkannt, dass Metadatenmanagement den Wert und die Nutzbarkeit von Daten deutlich erhöht.
Daher ist es erstaunlich, dass auf der «letzten Meile» eine nutzendenfreundliche Darstellung dieser Kontextinformationen keine Selbstverständlichkeit ist.
Auch Branchenanalysen deuten darauf hin, dass eine integrierte Darstellung von Metadaten im Analysekontext noch kein Standard ist: Im diesjährigen Gartner-Bericht zu den kritischen Fähigkeiten für Analytics- und BI-Plattformen (nur mit Login verfügbar) wird eine solche Funktionalität lediglich bei einem Anbieter ausdrücklich erwähnt (SAP Business Data Cloud).
Der Wert von Metadaten ist unbestritten. Doch ihn bis zu den Nutzenden zu bringen, ist nicht einfach und gelingt oft nur über Umwege.
Welche Erfahrungen hast du gemacht? Schreib mir im Kommentarfeld, wie deine Lösung aussieht.
Nachtrag: Am 26. November 2025 fand in Zürich der AI+BI Summit von Strategy statt. Ein Programmpunkt war: Wünsch dir was! Und welches Feature erhielt am meisten Stimmen?

Hinweis: Dieser Blogbeitrag wurde im Rahmen eines Leistungsnachweises für das CAS Data Governance verfasst. Er wurde geprüft und redaktionell aufbereitet.
Veröffentlicht am: 19. März 2026
Samuel Kost arbeitet beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO im Leistungsbereich Arbeitsmarkt/Arbeitslosenversicherung. Unter anderem ist er Product Owner der Führungskennzahlen für die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Er bloggt im Rahmen des CAS Data Governance der Hochschule Luzern – Informatik.
Daten wirksam im Unternehmen nutzen: Das CAS Data Governance richtet sich an alle, die Daten im Unternehmen gezielt steuern und sinnvoll nutzen wollen. Sie lernen, firmeninterne Daten mit Open Government Data zu verbinden und daraus neue Lösungen zu entwickeln.
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