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«Neue Systeme werden das Spitalpersonal entlasten»

«Neue Systeme werden das Spitalpersonal entlasten»
«Wir sind mitten im Ubiquitous Computing, in der Rechnerallgegenwart angelangt», sagt unser Experte René Meier.

von Gabriela Bonin

Prognosen von unseren Expertinnen und Experten: Teil 6

Welche Neuerungen stehen im Bereich Mobile and Smart Systems an? Unser Experte René Meier spricht in diesem Interview über die Zunahme an leistungsfähigeren, «intelligenteren» Systemen – die aber auch für verstärkte Skepsis sorgen werden.

Herr Meier, was ist in diesem Jahr in Ihrem Fachbereich Mobile and Smart Systems zu erwarten?

Mobile Plattformen werden immer noch leistungsfähiger: So nimmt zum Beispiel die Rechenleistung der Smartphones ständig zu. Ebenso werden Kommunikationskanäle leistungsfähiger, unter anderem wegen der Einführung des Mobilfunkstandards 5G.

Mehr und neue Datenquellen werden Informationen liefern. Das gilt auch für IoT-Geräte, also alles rund um das Internet der Dinge (Internet of Things). Diese Informationen werden unterschiedliche und weitere Aspekte unseres täglichen Lebens betreffen; privat wie auch geschäftlich. Sie werden die Erforschung von neuen intelligenteren Algorithmen und Systemen vorantreiben.

Dadurch werden neue unterstützende Dienste und Systeme möglich. Das betrifft etwa die Bereiche Gesundheit, Alter und Energie. Derzeit werden zum Bespiel Systeme entwickelt, welche bei der Überwachung von Patientinnen und Patienten in der Nacht mithelfen. Diese Systeme unterstützen das Personal in Pflege- und Altersheimen.

Was wird es in Ihrem Fachgebiet auch im kommenden Jahrzehnt noch nicht geben?

Einerseits schreitet die Entwicklung neuer individueller intelligenter Systeme und Dienste rasend schnell voran. Andererseits wurden die vor zwanzig Jahren für heute vorhergesagten Systeme und Ziele bei weitem noch nicht erreicht. Das gilt zum Beispiel für selbstfahrende Autos, intelligente autonome Roboter und integrierte Infrastrukturen. Diese widersprüchlichen Tendenzen dürften bestehen bleiben.

Worauf werden wir noch sehr lange warten müssen?

Auf die Kompatibilität von Daten über System- und politische Grenzen hinweg und auf weltweit komplett integrierte Infrastrukturen und Systeme. Ebenso wird es noch lange dauern, bis höchst komplexe autonome Systeme wie etwa fliegende Autos möglich sind.

Was ist der grösste Irrtum von Laiinnen und Laien in Ihrem Fachgebiet?

Dass sogenannt «intelligente» Systeme denken könnten. Dass Smartphones die einzigen mobilen Geräte seien. Denken Sie nur an Navigationsgeräte in unseren Autos, Smart Watches, Fitnessarmbänder und Tablets – all diese Systeme sind programmierbar und auch mobil. Hier liegt ein grosses Potenzial für Anbieter.

Im Weiteren unterschätzen Laien oft, wie komplex die Entwicklung und Instandhaltung von Softwaresystemen ist. Im Umgang mit Studierenden und möglichen Partnerfirmen muss ich auch zuweilen darüber schmunzeln, dass meine Ansprechpersonen denken, Professorinnen und Professoren seien nicht umgänglich; da irren sie aus meiner Professorensicht 😉.

Es wird schwierig, Lizenzgebühren und Unterhaltskosten von Software auf ein annehmbares Niveau zu bringen.

Was wird 2021 die grösste Knacknuss?

Es wird anspruchsvoll, die Akzeptanz von Mobile and Smart Systems bei möglichen Nutzerinnen und Nutzern weiter voranzutreiben. So sind etwa viele Fachpersonen im Gesundheitswesen diesen Technologien gegenüber skeptisch eingestellt. Es ist mir persönlich ein Anliegen, sie davon zu überzeugen, dass diese Systeme nicht unser Leben diktieren oder bestimmen sollen, sondern dass sie eine Unterstützung sein werden. Da gilt es, Vertrauen aufzubauen.

Eine weitere Herausforderung liegt in den Einschränkungen aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie: Diese erschweren es uns, Feldtests und User-Studien durchzuführen. Knacknüsse sehe ich auch in der zeitnahen Kommerzialisierung von prototypischen Lösungen. Zudem wird es schwierig, Lizenzgebühren und Unterhaltskosten von Software auf ein annehmbares Niveau zu bringen. Für unsere Partnerfirmen erzeugen diese hohe Kosten, die pro Jahr rasch einmal 10’000 oder 20’000 Franken ausmachen können. 

Computer werden in Zukunft überall sein. Sie treten in den Hintergrund und werden nicht mehr als Computergeräte wahrgenommen.

Was fasziniert Sie an Ihrem Thema und warum stehen Sie dafür ein?

Anfang der 90er-Jahre hat Mark Weiser, der damalige CTO des Palo Alto Research Centers (PARC) vorausgesagt, dass die Computer in Zukunft überall sein werden. Dass sie in den Hintergrund treten, nicht mehr als Computergeräte wahrgenommen und die Aktivitäten unseres täglichen Lebens unterstützen werden. Inzwischen sind wir mitten in seiner Vision des Ubiquitous Computing, der Rechnerallgegenwart angelangt. Mobile and Smart Systems leisten einen zentralen Beitrag hierzu. Ich finde es unglaublich faszinierend und ich bin sehr stolz darauf, dass meine Forschung dazu beitragen kann, Weisers Vision zu realisieren. Wir unterstützen und erleichtern dadurch das tägliche Leben vieler Menschen.

Zur Serie «Prognosen»: Expertinnen und Experten der Hochschule Luzern – Informatik geben einen Ausblick auf Entwicklungen in ihrem Fachgebiet.
An unsere Leserinnen und Leser: Welche Prognosen machen Ihnen Freude oder Sorge? Welche Entwicklungen streben Sie im Bereich Mobile and Smart Systems an?

René Meier
René Meier

Unser Experte für den Bereich Mobile and Smart Systems: René Meier ist Dozent und Forscher an der Hochschule Luzern – Informatik. Er unterrichtet unter anderem die Programmierung mit Python und betreut Bachelor- und Master-Arbeiten bei Wirtschaftsprojekten. Meier forscht im Bereich Mobile & Smart Systems. Er und seine Teammitglieder konzipieren, evaluieren und setzen intelligente Anwendungen um. Sie erforschen Software-Architekturen, entwickeln innovative mobile Lösungen mit Smart Devices, dem Internet of Things, Wearables und mobilen Web-Applikationen. Ebenso beschäftigen sie sich mit Smart Systems, Industrie-4.0-Lösungen, der intelligenten Analyse mobiler Informationen sowie dem Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Angebote für Partnerfirmen: Wollen Sie in Ihrem Unternehmen Geschäftsprozesse optimieren und dabei von mobilen System- oder Anwenderdaten profitieren? Die Forschenden der Hochschule Luzern – Informatik stehen Ihnen dabei zur Seite. Sie unterstützen Kundinnen und Kunden durch innovative Forschung und Entwicklung im mobilen und intelligenten Bereich. Sie konzipieren Anwendungen, evaluieren diese und setzen sie als Prototypen um.

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