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So gewinnen wir mehr Frauen für die Informatik

So gewinnen wir mehr Frauen für die Informatik
Wieso studieren Frauen an der Hochschule Luzern – Informatik? Das wollte Heidi Kölliker in ihrer Masterthesis wissen. Sie zeigt damit auf, wie die Hochschule Luzern aufgrund ihrer Erkenntnisse noch mehr Frauen für ein Informatikstudium begeistern kann. (Bild: zvg)

Von Yasmin Billeter

Die Wirtschaftsinformatikerin Heidi Kölliker bietet handfeste Anregungen, wie man mehr Frauen für ein Informatikstudium begeistert. Für ihre Masterarbeit an der Hochschule Luzern- Informatik hat sie Empfehlungen ausgearbeitet, die jetzt konkret umgesetzt werden.

Wie kann man den Frauenanteil in der Informatik erhöhen? Mit ihrer Masterarbeit trifft Heidi Kölliker einen Nerv der Zeit. Dies wird an der regen Diskussion nach der Online-Präsentation ihrer Master-Arbeit klar. «Ich freue mich, dass das Thema am Departement Informatik auf Interesse stösst», sagt Kölliker. Sie hat die Arbeit gerne geschrieben. Das Thema interessiert sie. Sie merkt aber auch, dass es in diesem Bereich noch viel zu tun gibt, sagt die 28-Jährige.

Den bislang niedrigen Frauenanteil nicht mehr hinnehmen

Als die Thalwilerin vor sechs Jahren ihren Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Luzern beginnt, gehört sie mit ca. 15 Prozent zu einer Minderheit. Auch im Jahr 2020 –  Kölliker schliesst bald den Master ab – macht der Frauenanteil an der Hochschule Luzern – Informatik gerade einmal 18 Prozent aus.

Trotz diverser Initiativen und Bestrebungen, den Frauenanteil in den MINT-Bereichen zu fördern, stagniert der Frauenanteil in Informatik-Studiengängen schweizweit auf niedrigem Niveau.
An der Hochschule Luzern – Informatik fallen vor allem die Bachelorstudiengänge Digital Ideation und International IT Management mit einem höheren Frauenanteil auf.

Ein höherer Frauenanteil führt zu besseren Ergebnissen

Im Beruf als Digital Business Analystin wie auch während des Teilzeit-Studiums merkt Kölliker, dass die Informatik primär männlich ist. Das spiegelt sich auch in den oft homogenen Teams wieder. «Studien zeigen jedoch, dass die Ergebnisse von gemischten Teams besser sind, als jene von gleichgeschlechtlichen», sagt Kölliker. So sei es nur logisch, dass auch in der Informatik der Austausch konstruktiver und die Ergebnisse besser würden, wenn die Vielfalt möglichst gross sei.

Wenn Frauen es besser wüssten, wären sie mehr begeistert.

Doch nicht nur diese Fakten bewegten sie dazu, sich dem Thema zu widmen. «Ich glaube, dass die Informatik viel mehr Frauen begeistern könnte, als es ihnen selbst bewusst ist.»

Informatik hatte ich nicht auf dem Schirm. Auch die Berufsberatung hat mich nicht darauf hingewiesen.

Auch bei Kölliker war die Hinwendung zur Informatik Liebe auf den zweiten Blick. Obwohl sie eher logisch denkend ist und Sprachen nicht ihr Ding sind, machte sie zuerst eine Lehre im Detailhandel. «Informatik hatte ich nicht auf dem Schirm. Auch die Berufsberatung hat mich nicht darauf hingewiesen.»

Sie vermutet, dass auch auf sie damals tief in der Gesellschaft verankerte Geschlechter-
stereotype einwirkten. «Diese sind ein häufiger Grund, weshalb Frauen sich gegen eine Karriere in der Informatik entscheiden.»

Auf das Wirtschaftsinformatik-Studium kam sie nach Lehre und Berufsmatura aus pragmatischen Gründen: «Es waren keine Französisch-Kenntnisse gefordert und die Berufsaussichten waren gut.»

Berufsperspektiven für Frauen wichtiger

Für ihre Masterarbeit hat Kölliker eine Umfrage unter Informatik-Studierenden der Hochschule Luzern durchgeführt. Diese zeigte, dass der ausschlaggebende Punkt für die Studienwahl bei Frauen wie bei Männern das Interesse am Thema ist.

Interessant: «Berufliche Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven» sind für die Frauen signifikant wichtiger bei der Entscheidung für ein informatiknahes Studium als für die Männer.

Weiter ergab ihre Umfrage, dass Frauen die online bereitgestellten Informationen der Hochschule Luzern als signifikant wichtigere Informationsquelle einschätzen als Männer.

Die Hochschule Luzern sollte ausführlicher informieren und die guten beruflichen Perspektiven herausheben.

Hier setzt Kölliker einige ihre Empfehlungen an. «Die Hochschule Luzern sollte ausführlicher informieren und die guten beruflichen Perspektiven herausheben.» So zum Beispiel mit Erfahrungsberichten und ausführlichen Beschreibungen der Berufsbilder, um zu zeigen, was man mit einem Abschluss alles erreichen kann. Ausserdem solllten die Studiengänge über alle Kanäle hinweg als erlernbar dargestellt werden. «Es muss klar werden, dass Studierende sich das notwendige Wissen und die Kompetenzen während dem Studium aneignen können und dabei unterstützt werden.»

Die Hochschule Luzern wird die Empfehlungen bis Ende Jahr umsetzen, versichert Judit Wolf von der Marketing-Abteilung. Kölliker freut sich, dass das Thema ernst genommen wird und ihre Vorschläge nicht in der Schublade verstauben.

Studienwahl: Die Weichen werden früh gestellt

Ihre Umfrage zeigte auch, dass Studierende, welche sich einmal für eine Fachrichtung entschieden haben, diese tendenziell beibehalten. Dabei können die Studierenden unbewusst die Weichen für die Studienwahl bereits Jahre zuvor stellen. Kölliker erstaunt dies. «Ich dachte, dass mehr Personen auf das Studium hin die Fachrichtung noch überdenken.»

Um den Frauenanteil in der digitalen Welt zu erhöhen, müsse also früh angesetzt werden. Es gelte vor allem jungen Mädchen die IT schmackhaft zu machen, sagt Kölliker.

Ich dachte, dass mehr Personen auf das Studium hin die Fachrichtung noch überdenken.

Dies deckt sich mit der Unesco-Studie «Cracking the Code». Demnach unterscheiden sich beide Geschlechter bis zu einem Alter von etwa elf Jahren kaum in ihrem Interesse an MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Danach beginnt die Prägung auf «typisch männliche, typisch weibliche Stereotype» zuzunehmen.

Hier spielen laut der Studie Eltern und Lehrer eine grosse Rolle. Speziell Letztere tendieren dazu, die individuellen Fähigkeiten von Mädchen und Jungen unterschiedlich zu bewerten. Dies führt dazu, dass das Interesse der Mädchen für IT sinkt. Im Alter von 15, 16 Jahren bricht es so stark ein, dass es nie wieder an jenes der Jungen anschliesst.

Am wirksamsten wäre es mit MINT-Angeboten Kinder anzusprechen, die jünger als zwölf Jahre alt sind.

Laut Kölliker sollten MINT-Angebot früh gefördert würden. «Am wirksamsten wäre es Kinder anzusprechen, die jünger als zwölf Jahre alt sind. Idealerweise sollten diese Angebote regelmässig, in kurzen Einheiten stattfinden.» Diese Empfehlung will René Hüsler, Direktor des Departements Informatik, weiterverfolgen. Ebenso will das Informatik-Departement einen weiteren Vorschlag von Kölliker aufnehmen: Es will Angebote erarbeiten, die angehende Studierende zu einem Studium befähigen. Dies könnte zum Beispiel in Form eines Vorkurses geschehen.

Mintförderung nur für Mädchen?

Mintförderung nur für Mädchen – bringt es das? Diesen Punkt hätte Kölliker gerne mit ihrer Umfrage bewiesen, sie hatte aber nicht ausreichende Daten. «Früher dachte ich, Mädchen und Jungen getrennt voneinander zu unterrichten, wäre Unsinn. Ich habe verschiedene Studien gelesen, die zeigen, dass Frauen, welche in geschlechtergetrennten Klassen unterrichtet wurden, sich häufiger für eine Informatik-Laufbahn entscheiden als jene aus gemischten Klassen. Nun bin ich mir da nicht mehr so sicher», sagt Kölliker.

Früher dachte ich, Mädchen und Jungen getrennt voneinander zu unterrichten, wäre Unsinn.

Nach Köllikers Online-Präsentation diskutierten auch die Teilnehmenden des Departement Informatik heftig über dieses Thema. Die Meinungen gehen auseinander: Die einen wünschen sich geschlechtergetrennte Angebote auf verschiedenen Ausbildungsstufen. Andere fürchten damit die Geschlechterstereotype noch weiter zu zementieren.

Vorbild für Mädchen und junge Frauen

Heidi Kölliker bleibt am Thema dran und engagiert sich in verschiedenen Gremien: Ob als Schiedsrichterin bei der World Robot Olympiad oder als Mentorin bei Scratch-Workshops – sie ist ein Vorbild für Mädchen und junge Frauen. Durch dieses Engagement hat sie auch ihre Leidenschaft für den Bildungsbereich entdeckt.

Im Herbst wird sie noch einen Master in Fachdidaktik Medien Informatik beginnen. «Ich habe gemerkt, dass mich auch der Bildungsbereich stark interessiert.» Wohin der Weg sie danach führt, ist noch offen. Zuerst wird sie sowieso ihre Ferien geniessen und mit dem Zug den Norden Europas bereisen.

Veröffentlicht: 18.08.2021

Frauenförderung in technischen Studienrichtungen ist ein Anliegen der Hochschule Luzern. Die Fachstelle Diversität unterstützt Studierende, Mitarbeitende und Dozierende zu Themen rund um Diversity: «Dazu gehören zum Beispiel Gleichstellungsfragen, Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie oder Fragen zur kulturellen Vielfalt». Unsere Beauftragte ist Ladan Pooyan-Weihs.

Gemeinsam mit der PHLU und der Universität Luzern werden weitere Massnahmen umgesetzt, um Frauen zu fördern. Dazu zählt der Leitfaden für Sprache und Bild sowie der Schutz vor sexueller Belästigung.

Für die Informatik begeistern

Die Hochschule Luzern Informatik engagiert sich zusammen mit dem Departement Technik und Architektur unter Youngtech@hslu für die MINT-Förderung. Dazu gehören die Robotik-Wettbewerbe First Lego League Junior sowie die World
Robot Olympiad
.

Die TechWeek@hslu richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe und bietet diesen während einer Woche Einblicke in die Welt der Technik und Informatik.

Die Scratch-Workshops finden eingebettet in anderen Angeboten, wie der TechWeek@hslu oder dem Ferienpass, statt. Dabei können die Kinder und Jugendliche selbst programmieren. Weiter ist die Hochschule Luzern – Informatik involviert in das Roberta Regio Zentrum.

Ebenfalls engagiert sich das Departement mit dem Projekt MINT unterwegs für die MINT-Förderung.

Studieren an der Hochschule Luzern – Informatik

Bachelor: Artificial Intelligence & Machine Learning, Digital Ideation, Informatik, Information & Cyber Security, International IT Management,  Wirtschaftsinformatik
Master:
Informatik, Wirtschaftsinformatik, Digital Ideation

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