An der Hochschule Luzern gestalten Frauen Informatik und Technik aktiv mit. Diese sieben Studentinnen stehen für einen Wandel zu mehr Vielfalt. Als angehende Ingenieurinnen und Informatikerinnen ermutigen sie Interessierte, diesen Weg zu wählen – und zeigen: Frauen in IT und Technik sind gefragt.
Immer mehr Frauen entscheiden sich für Studiengänge in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Dieser Wandel zeigt sich auch an der Hochschule Luzern (HSLU). In einzelnen Studiengängen – etwa im Studiengang International IT Management – liegt der Anteil weiblicher Studierender bereits bei über 40 Prozent. Im Departement Technik & Architektur erreicht der Bachelor Medizintechnik | Life Sciences mit 44 Prozent den höchsten Anteil an Studentinnen.
Am 8. März feiern Frauen weltweit den International Women’s day. Auch die Hochschule Luzern engagiert sich mit folgenden Anlässen und Angeboten:

Doch Zahlen allein verändern keine Kultur. Entscheidend ist, wer sichtbar wird, wer Verantwortung übernimmt und wer andere mitzieht. So entsteht eine IT- und Tech-Kultur, in der Vielfalt Studium und Beruf prägt.
Genau hier setzen Studentinnen-Initiativen wie etwa «Women in IT» und «FEMgineers» an. Sie schaffen Räume für Austausch, holen Vorbilder aus der Praxis an die Hochschule und ermutigen jüngere Frauen, ihren Weg in IT und Technik zu gehen.
Diese Studentinnen warten nicht ab. Sie bringen Themen ein und verändern Strukturen.
Sarah Hauser, Direktorin Hochschule Luzern – Informatik
Sieben dieser Studentinnen stellen wir hier vor. Drei studieren am Departement Informatik, vier kommen aus dem Departement Technik & Architektur. Die angehenden Ingenieurinnen und IT-Expertinnen zeigen, warum Sichtbarkeit, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung für sie zentral sind. Sie wählen ihren Weg bewusst und gestalten IT und Technik mit – auch dort, wo Frauen noch untervertreten sind.
Sarah Hauser, Direktorin des Departements Informatik, erlebt dieses Engagement aus nächster Nähe: «An den Events der ‹Women in IT›-Studentinnen spüre ich, wie viel Energie und Gestaltungswille in dieser Generation steckt. Diese Studentinnen warten nicht ab. Sie bringen Themen ein und verändern Strukturen.»
Auch Sabine Sulzer, Vizedirektorin am Departement Technik & Architektur, freut sich, dass die T&A-Ingenieurinnen mit den FEMgineers einen eigenen Verein gegründet haben. So fördern sie den Austausch und die Vernetzung aktiv. Denn: «Der Ingenieurinnenberuf ist vielseitig, kreativ und kommunikativ – eine Aufgabe für Frauen und Männer. In gemischten Teams entstehen die besten Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit.»




In ihrer Kindheit in Griechenland reparierte sie den Familiencomputer und half Verwandten, wenn deren Geräte streikten. Schon früh entwickelte sie eine Begeisterung für Technik. Als Jugendliche kam sie in die Schweiz mit dem Ziel, eine Lehre als Informatikerin zu machen. Ihr Umfeld stand diesem Weg zunächst eher zurückhaltend gegenüber, doch sie liess sich davon nicht beirren und folgte konsequent ihrer Leidenschaft. Heute studiert sie Artificial Intelligence and Machine Learning an der Hochschule Luzern – Informatik. Im Rahmen dieses Studiums gründete sie den Verein Women in IT, um Räume für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Sichtbarkeit zu schaffen; insbesondere für Frauen, die sich in technischen Ausbildungs- und Arbeitsumfeldern oft allein fühlen. Ihr Credo: «Veränderung entsteht von unten».
Nach ihrer KV-Lehre erhielt sie die Gelegenheit, im HR-IT-Bereich einzusteigen. Der Wechsel in den Applikationssupport ergab sich ungeplant. Doch genau diese Erfahrung weckte ihr Interesse an IT-Systemen und legte den Grundstein für ihre weitere berufliche Entwicklung. Heute studiert sie Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Luzern und arbeitet parallel in einem Unternehmen. Im privaten Umfeld fühlt sie sich mit ihrer Berufswahl oft als Exotin, da viele ihrer Freundinnen in sozialen Berufen tätig sind. Dass sich noch immer wenige Frauen für die IT-Branche entscheiden, führt Bunk auch auf mangelndes Selbstvertrauen zurück. Ihrer Meinung nach glauben viele Frauen zu wenig an sich und ihre Fähigkeiten. Für Bunk braucht es in der Tech-Welt mehr Frauen in Führungspositionen: «Sie bringen neue Perspektiven ein, hinterfragen alte Denkmuster und verändern die Firmenkultur von innen.» Darum will sie später eine Führungsposition übernehmen und sie nutzen, um Veränderungen anzustossen: «Ich möchte zeigen, dass es auch anders geht und dass Frauen in der Informatik ihren Platz haben.»
In Portugal, wo sie aufwuchs, war Mathematik ihr Lieblingsfach – niemand fand das dort ungewöhnlich. In der Schweiz dagegen hörte sie bald, Mathe und Technik seien «Jungsfächer». Das hielt sie nicht ab. Sie machte eine Lehre als Informatikerin. Heute studiert sie Informatik an der HSLU und arbeitet nebenbei in einem Informatikunternehmen, «in dem Frauen gefördert und ernst genommen werden». Ausschlaggebend für ihre Berufswahl war der Besuch einer Informatikerin in ihrer Schulklasse. Lima sagt: «Mädchen brauchen weibliche Vorbilder. Zu sehen, dass auch Frauen diesen Weg gehen, hat mich motiviert.» Ihr Wunsch: «Die Volksschule soll Mädchen in Mathe und Technik nicht bremsen, sondern bestärken.» Darum engagiert sie sich schon heute für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Informatik: Sie besucht Schulklassen und erzählt von ihrem Werdegang. «Ich will Mädchen als Vorbild dienen und sie ermutigen, diesen Weg ebenfalls zu gehen – so wie es bei mir damals auch war.»



Als Kind half Karolina ihrem Vater oft beim Handwerken. Als Schülerin fielen ihr Mathe oder Physik leicht. Ihr war schon früh klar, dass sie später etwas Technisches studieren würde. Nach mehreren Jahren in leitenden Funktionen im Medizintechnikbereich entschied sie sich für ein Studium der Medizintechnik. Sie will ihr praktisches Wissen theoretisch vertiefen und weiterentwickeln. Besonders interessiert sie, wie Materialien und technische Prozesse die Eigenschaften medizinischer Geräte beeinflussen. Das Studium ergänzt für Piasecka ihre berufliche Praxis. Es eröffnet neue Perspektiven auf regulatorische Anforderungen und technische Zusammenhänge. Sie beschreibt den Weg als anspruchsvoll, aber lohnend. Ihr Blick auf ihre Tätigkeit als Ingenieurin auf den Ingenieurberuf ist realistisch: Herausforderungen gehören dazu, ebenso Momente des Zweifelns. Umso wichtiger sei es, sich selbst zu vertrauen und sich nicht vorschnell begrenzen zu lassen.
Vertraue dir selbst – du bist zu mehr fähig, als du denkst.
Karolina Piasecka, angehende Ingenieurin Medizintechnik
Ihre Faszination für Technik geht auf eine grundlegende Neugier zurück: dem Wunsch zu verstehen, wie die Welt funktioniert – von alltäglichen Geräten bis zu komplexen Systemen. Elektrotechnik erlebt sie als Feld, das sich ständig weiterentwickelt und in nahezu allen Lebensbereichen eine Rolle spielt. Besonders motivierend ist für sie die Verbindung von analytischem Denken, Innovation und Teamarbeit. Probleme durchdringen, gemeinsam Lösungen entwickeln und am Ende etwas Konkretes entstehen sehen – darin liegt für Lehmann der Reiz des Ingenieurinnenalltags. Ihr wichtigster Rat: Fragen stellen, dranbleiben und sich nicht verunsichern lassen. Ingenieurin werde man nicht durch Genialität, sondern durch Neugier, Ausdauer und Freude an technischen Zusammenhängen.
Ingenieurin wird man nicht, weil man ein Genie ist, sondern weil man neugierig dranbleibt und Freude an logischem Denken hat.
Sandra Lehmann, Elektronikerin, angehende Ingenieurin Elektrotechnik
Sie wusste früh, dass sie einen technischen Beruf ergreifen möchte, der analytisches Denken mit Planung verbindet. Ihre Ausbildung zur Gebäudetechnikplanerin führte sie rasch zu der Frage, wie technische Systeme im Hintergrund funktionieren – und welchen Einfluss sie auf Umwelt und Zukunft haben. Heute studiert sie Gebäudetechnik an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Besonders schätzt sie, dass es in der Gebäudetechnik selten einfache Antworten gibt. Technische Lösungen entstehen im Austausch, aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit ständig neuen Fragestellungen. Für Sakiri ist genau das die Stärke ihres Berufs als Ingenieurin: Man lernt nie aus, jede Aufgabe fordert neues Denken. Ihr Rat an Studentinnen ist entsprechend klar: Geduld haben, Fragen stellen, Unterstützung annehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln – auch dann, wenn der Weg anspruchsvoll ist.

Nach ihrer Lehre als Gebäudetechnikplanerin entschied sich Anja Gräub bewusst für ein Studium zur Ingenieurin, um nachhaltige und effiziente Lösungen aktiv mitzugestalten. Heute studiert sie berufsbegleitend Gebäudetechnik | Energie. Ihr neues Wissen wendet sie direkt in der Praxis an. In ihrem Arbeitsalltag plant sie unter anderem Fernwärmezentralen – Anlagen, die in ganz anderen Dimensionen gedacht werden müssen. Diese Verbindung von Theorie und Praxis macht das Studium für sie besonders spannend. Gräub ermutigt junge Frauen, sich nicht von Klischees leiten zu lassen: Technisches Denken sei keine Frage des Geschlechts. Entscheidend seien Interesse, logisches Denken und der Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Diese sieben Studentinnen engagieren sich nicht nur für die eigene Laufbahn. Sie zeigen, dass sich Rahmenbedingungen in MINT-Berufen aktiv mitgestalten lassen. Dazu gehören verlässliche Karrierewege, faire Entwicklungschancen und eine Arbeitskultur, in der unterschiedliche Lebensentwürfe Platz haben.
Gleichzeitig erleben sie, wie stark traditionelle Rollenbilder bis heute wirken. Entscheidungen über Karriere und Familie werden für Frauen oft früher und härter verhandelt als für Männer. In technischen Berufen gelten sie zudem noch immer häufig als Ausnahme. Für Haimoff ist klar: «Es braucht einen Kulturwandel, damit Frauen in MINT-Berufen als etwas ganz Normales gelten.» Auch Medizintechnikerin Karolina Piasecka möchte andere Frauen ermutigen. Ihr Rat: «Vertraue dir selbst – du bist zu mehr fähig, als du denkst.»
Aus Sicht der Studentinnen beginnt Veränderung dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. In Ausbildung, Studium und Arbeitswelt geht es darum, aufmerksam mit Erwartungen, Sprache und Vorurteilen umzugehen. Nicht als Schuldfrage, sondern als gemeinsame Aufgabe.
Darum engagieren sich die IT-Studentinnen im Informatik-Departement bei «Women in IT». Im Zentrum stehen Austausch, gegenseitige Stärkung und Sichtbarkeit. In Workshops, Gesprächen und Begegnungen mit Fach- und Führungspersonen aus der Praxis entstehen Orientierung, Vertrauen und neue Perspektiven.
Aus ähnlichen Motiven haben die angehenden Ingenieurinnen am Departement Technik & Architektur «FEMgineers» gegründet. «Damit wollen wir den Zusammenhalt von uns Frauen stärken», sagt Gebäudetechnik-Ingenieurin Anja Gräub. Die Gruppe organisiert Events für den gegenseitigen Austausch und Workshops – unter anderem zu Selbstverteidigung oder vertiefendem Wissen über den weiblichen Zyklus.
Wenn Studentinnen und erfahrene MINT-Frauen ins Gespräch kommen, wird sichtbar, was Peer-Engagement bewirken kann. Es geht um Rollenbilder, Verantwortung und darum, Wege aufzuzeigen, die realistisch und erreichbar sind.
An den vergangenen Events von «Women in IT» nahmen unter anderem folgende führende MINT-Frauen teil: Vanessa Viellieber (AMAG), die als Verantwortliche für Data & Advanced Analytics Transformationen in einem grossen Sektor der Schweizer Wirtschaft gestaltet. Shideh Rezaeifar (Microsoft) mit internationaler Strahlkraft für die Schweizer AI-Community und Forschung. Claudia Bruce-Quartey, Key Account Managerin bei Red Hat Schweiz, die sich als Mentorin für Frauen in der Tech-Branche einsetzt.


Von: Gabriela Bonin
Veröffentlicht am: 27. Februar 2026
Studieren, sich weiterbilden und forschen: Die Hochschule Luzern – Informatik bietet praxisnahe Bachelor- und Master-Studiengänge, Weiterbildungen und anwendungsorientierte Forschung an.
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