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Wie viele bin ich? Leben im digitalen Zeitalter

Wie viele bin ich? Leben im digitalen Zeitalter
Doppelte Wiedergabe des eigenen Daseins: Master-Absolventin Laura Zihlmann fotografiert sich im Spiegel.

Analog, digital, «phygital»: Master-Absolventin Laura Zihlmann beschäftigte sich für ihre Abschlussarbeit mit ihrem analogen und digitalen Dasein. Anhand einer multimedialen Installation machte sie dies greifbar. Dadurch wurde sie achtsamer und kritischer. Sie fordert mehr Schulung und Aufklärung für die digitalisierte Welt.

Das Thema hat mich aus eigenem Interesse gepackt. Tagein, tagaus betrachte ich mich selbst auf kleinen Kacheln in Online-Meetings. Ich poste Fotos auf Instagram oder erscheine als digitale Person in Messenger-Diensten. Ich bin vielschichtig präsent. Es existiert nicht mehr nur ein analoges, sondern auch ein digitales Dasein. In diesem hinterlassen wir Daten, Spuren und kleine Schnipsel unseres Selbst.

Es ist wichtig, Räume zu schaffen, in denen wir uns unserer eigenen analogen und digitalen Präsenz bewusstwerden.

«Phygital» zu sein bedeutet, dass Menschen sowohl in der physischen als auch in der digitalen Welt agieren. Wie gehe ich damit um? Wie verändert dies meine Selbstwahrnehmung, mein Sozialverhalten, meine Empfindungen? Und kann ich diesen phygitalen Raum fassbar machen?

Mit solchen Fragen befasste ich mich in meiner Abschlussarbeit für den Master Digital Ideation. Dazu habe ich recherchiert, Interviews geführt, Selbstexperimente gemacht und eine multimediale Installation erarbeitet.

Zehn Tage ohne Spiegel und ohne Internet

Für ein Experiment verzichtete ich zehn Tage auf alle Spiegel und schulte so meine Selbstwahrnehmung im analogen Raum. Zu Beginn war ich unsicher, doch nach drei Tagen fing ich an, mich selbst anders wahrzunehmen. Vielleicht weil ich nicht mehr kontrollieren konnte, wie ich aussah. Ich konzentrierte mich verstärkt auf mein «inneres Ich».

In einem anderen Experiment verzichtete ich zehn Tage auf das Internet. Dabei wurde mir klar, wie stark mein Alltag mit dem digitalen Raum verknüpft ist. Meine Social-Media-Kanäle waren mir nach zwei Tagen egal, meine Freundinnen und Freunde dort nicht. Die Beiträge der Menschen, denen ich auf Instagram folge, interessieren mich – die Anzahl Likes hingegen nicht. Meine persönliche Erkenntnis aus diesen Tagen: Die Zeit verstreicht anders ohne mein digitales Dasein.

Installation: sich selbst gegenüberstehen

Um dieses komplexe Thema greifbar zu machen, erstellte ich eine multimediale Installation, die es ermöglicht, sich selbst gegenüberzustehen.

Da ich als Grafik-Designerin wenig Programmier-Erfahrung habe, holte ich mir für diesen Teil der Installation Unterstützung. Diese interdisziplinäre Projektzusammenarbeit ist auch für meine jetzige Stelle wichtig. Sie befindet sich an der Schnittstelle zwischen Design und Informatik.

Kultur des digitalen Bewusstseins schaffen

Im analogen Raum werden wir seit Jahrhunderten an die Hand genommen und im besten Fall beschützt. Beispielsweise durch Eltern, die uns den analogen Raum von Kindesbeinen an erklären. Im digitalen Raum wird das oft versäumt. Und doch ist dieser digitale Raum heute omnipräsent. Dass Menschen versuchen, ihr Dasein anhand von Social-Media-Filter-Bildern zu definieren, sagt vieles aus. Etwa, dass unser digitales Dasein oft auf den Wünschen beruht, wie wir sein möchten.

Meine Masterarbeit zeigte ich an der Werkschau der Hochschule Luzern. Und im November 2022 wurde ich eingeladen, sie auch am World Usability Day – Schweiz zu präsentieren. Das bestärkte mich darin, dass es wichtig ist, Räume zu schaffen, in denen wir uns unserer eigenen analogen und digitalen Präsenz bewusstwerden.

Ebenso wichtig ist es, dass wir eine Kultur des digitalen Bewusstseins schaffen. Etwa dadurch, dass Lehrpersonen Schülerinnen und Schüler bei der Nutzung digitaler Technologien unterstützen. Sie sollen sie über deren Chancen und Risiken aufklären. Ich selbst bin und werde wohl immer vielschichtig präsent sein. Doch mein Umgang mit meinem eigenen Dasein ist bewusster und nachhaltiger geworden.

Protokoll von Yasmin Billeter
Veröffentlicht am 10. Januar 2023

Laura Zihlmann

UX-Designerin, Digital Artist und Troubleshooterin: Durch den Master Digital Ideation hat die Grafikdesignerin Laura Aïda Zihlmann gelernt, die Dinge nicht nur «schön zu machen», sondern ihnen auch einen Nutzen zu geben. Ihre Master-Arbeit lehrte sie, unterschiedliche Fähigkeiten zusammenzuführen, was heute auch ein zentrales Thema in ihrem Job als UX-Designerin für die Eventon AG. Kleine Grafik-Aufträge erhält sie über ihren Instagram-Account @lauraaida.

Der Bachelor Digital Ideation verbindet Design und Informatik. Das Studium bietet eine umfassende und projektbasierte Ausbildung rund um die Themen Web und Mobile, User Experience und Game.

  • Studierende arbeiten in Projekten an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, Design und Informatik, wie auch zwischen dem Jetzt und Morgen.
  • Informatik-Interessierte und kreative Programmierinnen und Programmierer mit Affinität zur Gestaltung studieren im Fokus Informatik – gestalterische Talente mit Affinität zur Technik im Fokus Design.
  • Absolventinnen und Absolventen verfügen über fundiertes Fachwissen und digitales Handwerk, um sich als Game Designer/Developer, Grafiker/in, UX Designer, Interaction Designer oder Web Designer/Developer zu verwirklichen.

Absolventinnen und Absolventen des Masters Digital Ideation bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Design und Informationstechnologie. Sie erwerben während des Studiums Kompetenzen in interdisziplinärer Projektzusammenarbeit, Analyse- und Entwurfsmethoden sowie eine selbstständige gestalterische Haltung.

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