Erstmals hat das Departement Informatik dieses Jahr den Impact Award verliehen. Der neue Preis zeichnet Bachelor- und Masterarbeiten mit ökologischem, sozialem oder gesellschaftlichem Effekt. Die Jury kürte Daniela Hager für eine Plattform die Frauen in der IT- und Tech-Branche vernetzt, sowie Raffaele Amplo für einen Chatbot, der die Bevölkerung auf die Mitwirkung bei Energieprojekten vorbereitet.
«Heute kommt es nicht mehr nur darauf an, wie wir Technologie bauen, sondern welche Projekte wir umsetzen», sagte HSLU-Direktorin Sarah Hauser in ihrer Eröffnungsrede an der Diplomfeier vom 28. August. Genau darum geht es auch beim neuen Impact Award: Bachelor- und Masterarbeiten auszeichnen, die Technologie so einsetzen, dass sie eine positive Wirkung schafft.
Das Departement überreichte den Preis im Rahmen dieser Diplomfeier der internationalen Studiengänge, denn beide Preisträger:innen stammen aus den englischsprachigen Studienangeboten International IT Management und Master of Science in IT, Digitalization & Sustainability.

Daniela Hager will mehr Frauen für die IT- und Tech-Branche gewinnen und ihnen dort einen festen Anlaufpunkt bieten. Dafür hat sie in ihrer Bachelorarbeit eine digitale Plattform entwickelt. Diese bündelt Mentoring, Networking, Karriereförderung und Sichtbarkeit für Frauen in der Schweizer Tech-Welt an einem Ort. Sie hat dafür ein Konzept geschrieben und ein funktionsfähiges MVP gebaut. Authentifizierung, Onboarding und geschützte Community-Bereiche hat sie technisch umgesetzt und mit Nutzerinnen getestet und verfeinert.
Es gibt noch zu wenige Vorbilder. Deshalb will ich Frauen zeigen, die schon in der IT arbeiten.
Daniela Hager, Gewinnerin Impact Award
Die Jury überzeugte vor allem der Beitrag zur Geschlechtergleichstellung und die praktische Umsetzbarkeit: Aus einer Bachelorarbeit ist ein einsatzbereiter Prototyp entstanden, der realistisch weiterentwickelt werden kann.
Ihr Thema spiegelt Daniela Hagers eigenen Werdegang. Sie startete das Studium als Kindergärtnerin, machte eine KV-Lehre und rutschte per Zufall in die Digitalisierung im HR-Bereich. Dort entdeckte sie ihr Interesse an der Schnittstelle zwischen IT und Business.
Was sie antreibt, ist der Mangel an sichtbaren Vorbildern in der Branche: «Statistisch gesehen trauen sich Frauen in bestimmten Situationen weniger zu als Männer. Es gibt noch zu wenige Vorbilder. Deshalb will ich Frauen zeigen, die schon in der IT arbeiten.» Sie sucht auch aktiv den Austausch mit bestehenden Strukturen. Sie war selbst Student Representative bei Women in IT, dem Verein von HSLU-Studentinnen, und will die Plattform bewusst als Ergänzung positionieren und mit bestehenden Angeboten zusammenarbeiten.
Für Daniela Hager ist die Bachelorarbeit erst der Anfang: Sie will das Projekt weiterführen, prüft aktuell eine Vereins-Gründung und baut ein Team auf.
Zusätzlich plant sie einen Podcast, in dem sie Frauen aus der Tech-Branche zu Wort kommen lässt. Sie sucht dafür Mitstreiterinnen, Mentorinnen und Frauen, die ihre eigene Geschichte im Podcast erzählen möchten.
Daniela Hager ist Founderin von WIT{CH} und Team Lead Cloud Systems Operations bei der Bison Schweiz AG.

Raffaele Amplo wählte bewusst ein Thema, das viel Impact haben könnte, gleichzeitig aber herausfordernd ist: die Energiewende. Er hat einen Chatbot entwickelt, der die Bevölkerung auf die Mitwirkung bei einem Energieinfrastrukturprojekt vorbereitet.
Der Chatbot macht komplexe Projektinformationen und Hintergrundwissen zur Windenergie zugänglich. Statt nur zu informieren, bezieht er die psychologische Ebene mit ein: Er hilft Bürgerinnen und Bürgern, Sorgen, Werte und Zielkonflikte zu reflektieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und sich auf kontroverse Diskussionen sowie Beteiligungsverfahren vorzubereiten. Dabei ist der Chatbot auf Neutralität ausgelegt. Er nennt seine Quellen und zeigt auf, wo Informationen fehlen.
Wenn meine Arbeit dazu beitragen kann, dass Bürgerinnen und Bürger sich bewusster einbringen und mitdiskutieren, dann wäre mein Ziel erfüllt.
Raffaele Amplo, Gewinner Impact Award
Die Jury würdigte den klaren, kritisch reflektierten Beitrag zur sauberen Energieversorgung und zum Klimaschutz sowie den Mut, ein gesellschaftlich umstrittenes Thema anzugehen. Entwickelt hat Amplo die Idee im Forschungskontext von Dr. Elke Kellner vom Departement Wirtschaft. Sie forscht zu Beschleunigungsverfahren bei Energieprojekten. «Wir wollten einen möglichst kontroversen Case wählen», sagt er. Windenergie sei dafür die richtige Wahl gewesen. Das Konzept liesse sich aber auch auf andere Energieprojekte wie beispielsweise Solarparks übertragen.
Zentral ist die Frage nach Vertrauen: «Entscheidend ist, transparent zu machen, wer ein solches Tool betreibt und welche Quellen verwendet werden. Ein Energieunternehmen wäre eventuell befangen», sagt Amplo. Er sieht Gemeinden als naheliegendste Trägerschaft für eine glaubwürdige Umsetzung.
Wie heikel das Thema tatsächlich ist, zeigte sich im Verlauf der Arbeit: Trotz mehrerer Gespräche und grossem Interesse sahen Energieunternehmen den Einsatz eines experimentellen KI-Tools in politisch sensiblen Projektverfahren als zu riskant an. Statt des geplanten Nutzertests führte Amplo Interviews mit NGOs und weiteren Stakeholdern aus dem Partizipationsumfeld durch und wertete den Chatbot qualitativ aus.
«Wenn meine Arbeit dazu beitragen kann, dass Bürgerinnen und Bürger sich bewusster einbringen und mitdiskutieren, dann wäre mein Ziel erfüllt», sagt Amplo.
Anderen, die eine ähnliche Arbeit schreiben wollen, gibt er mit: «An der Schnittstelle zwischen IT und Nachhaltigkeit gibt es sehr viele Use Cases mit Impact – das Bedürfnis ist gross. Mein Tipp: nicht auf einen Partner warten, sondern einfach loslegen und einen Prototyp bauen.»
Raffaele Amplo will das Projekt gemeinsam mit Dr. Elke Kellner weiterführen. Er sucht dafür aktiv einen Umsetzungspartner. Idealerweise eine Gemeinde, die ein Windenergie- oder Solarprojekt in einer frühen Planungsphase begleitet, bevor sich die Fronten verhärtet haben.
Beide Gewinnerprojekte suchen aktuell nach Unterstützung, um über die Abschlussarbeit hinaus Wirkung zu entfalten:
Daniela Hager sucht Mentorinnen, Mitstreiterinnen fürs Team und Frauen, die ihre Geschichte im geplanten Podcast erzählen möchten.
Raffaele Amplo sucht eine Gemeinde oder Organisation, die ein Wind- oder Solarenergieprojekt früh im Prozess plant und als Pilotpartnerin einsteigen möchte.
Interesse? Meldet euch bei ihnen oder unter impact@hslu.ch
Daniela Hager und Raffaele Amplo waren nicht allein: Insgesamt reichten 25 Studierende ihre Arbeiten ein, mit einer Begründung und Reflexion des eigenen Impacts. Die Arbeiten kamen aus sieben verschiedenen Studiengängen, von Digital Ideation über AI & Machine Learning bis hin zu Information & Cyber Security.
Das Themenspektrum war entsprechend breit: von fairen Diagnostik-Modellen in der Medizin über digitalen Nachteilsausgleich an Hochschulen bis zu Fragen wie: Wie lässt sich der Alltag von Demenzbetroffenen zuhause würdevoll und datenschutzfreundlich überwachen? Wie erreicht mobile Agrarberatung Kleinbäuer:innen in Nigeria? Wie erkennt man Deepfakes als forensisches Beweismittel vor Gericht? Die Bandbreite der bearbeiteten SDGs reichte damit von Gesundheit über Ernährung und Armutsbekämpfung bis hin zum Aufbau von Vertrauen in Medien und Institutionen.
Auch die Form der Arbeiten war vielfältig: Im Studiengang Digital Ideation entwickelte eine Gruppe zum Beispiel eine interaktive Installation mit Bild und Ton statt einer klassischen schriftlichen Arbeit. Sie zeigt, wie Social-Media-Algorithmen junge Menschen in Online-Communities hineinziehen können, die Essstörungen verherrlichen, und will damit sensibilisieren. In einem anderen Fall erweiterte eine Studentin ein bestehendes Forschungsmodell aus der Dermatologie.
Eine fünfköpfige Jury aus Dozierenden, Forschenden und Nachhaltigkeitsfachpersonen des Departements Informatik – Susanne Nicolic, Pascal Baumann, Martin Vogel, René Meier und Franziska Trefzer – beurteilte die Arbeiten nach SDG-Bezug, Innovationsgrad, Impact und praktischer Umsetzbarkeit. Das Kriterienraster wurde zudem von Barbara Roth, Verantwortliche der Fachstelle Nachhaltigkeit der Hochschule Luzern, geprüft. Auch die Note floss ein, war aber nicht allein ausschlaggebend. Die Bewertung war anspruchsvoll: Die Arbeiten unterschieden sich stark in Form und Thema und liessen sich kaum direkt vergleichen – auch wenn alle nach demselben Kriterienraster beurteilt wurden.
Am Ende glich die Jury ihre Bewertungen ab und sprach sich mit der Studiengangleitung ab, bevor sie die beiden Gewinnenden kürte.
Der Pilotjahrgang ist abgeschlossen, das Departement Informatik führt den Impact Award fort. Wir freuen uns auf die nächsten Arbeiten mit Wirkung.
Arbeite mit unseren Studierenden zusammen! Unternehmen und Institutionen können mit unseren Studierenden neue Technologien oder Geschäftsmodelle ausprobieren und Ideen auf ihre Umsetzbarkeit prüfen lassen.
Interessiert? Meld dich beim Impact Team!

Organisiert wird der Award vom Impact Team des Departements Informatik unterstützt durch die Fachstelle Nachhaltigkeit der Hochschule Luzern.
Mit dem Impact Award zeichnet das Departement Informatik Bachelor- und Masterarbeiten aus, die etwas bewegen – ökologisch, sozial oder gesellschaftlich. Studierende können sich selbst bewerben und ihre Arbeit einreichen.
Redaktionelle Verantwortung: Yasmin Billeter
Veröffentlicht: 10. September 2026
Das Impact Team des Departements Informatik setzt sich für mehr ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit im Hochschulalltag ein. Mit Projekten wie dem Impact Award oder dem Living Lab schafft es Anreize, Ideen mit positiver Wirkung zu entwickeln.
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