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Fokus in der Krisenkommunikation

Fokus in der Krisenkommunikation
Foto by pixabay.com

Autor*innen: Dominik Godat & Elfie Czerny

Mit diesen 10 Kommunikationselementen stärken Sie die Hoffnung und die Zuversicht Ihrer Mitarbeitenden, gerade auch in schwierigen Zeiten.

«Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.» Wir alle kennen dieses Sprichwort. Doch gerade in Krisenzeiten vernachlässigen wir dieses Prinzip oft. Und dann wundern wir uns, dass die Mitarbeitenden nicht hoffnungsvoller und zuversichtlicher agieren. Dies muss nicht sein. Mit einem klaren Fokus in der Kommunikation können wir positive Dialoge im Unternehmen fördern.

Lassen Sie sich nicht von der Krise verführen!

Krisensituationen zeichnen sich vielfach dadurch aus, dass es schnell gehen muss. Alle wollen Informationen. Mitarbeitende wollen wissen, wie es weitergeht. Als Führungskraft müssen Sie kommunizieren. Und dies obwohl Sie oft selber noch nicht wissen, was Sache ist. Viele Führungskräfte lassen sich in solchen Situationen von der Situation verführen. Sie kommunizieren zwar rasch, doch oft wenig gezielt.

Kommunizieren Sie gezielt!

Studien der Mikroanalyse1 zeigen, dass dem, was kommuniziert wird, eine entscheidende Bedeutung zukommt. Was wir kommunizieren, beeinflusst, wie im Unternehmen weiter über die Situation gesprochen wird. Deshalb lohnt es sich zu überlegen, welche Gespräche Sie im Unternehmen in dieser Situation mehr sehen wollen. Wählen Sie negative Inhalte aus, wird anschliessend oft auch vorwiegend negativ über die Situation gesprochen. Kommunizieren Sie positive Aspekte, entsteht in Zukunft eher ein positiver Dialog. Mit Ihrem Kommunikationsfokus fördern Sie die Gespräche der Zukunft. Darum ist es zentral, dass Sie gezielt wählen, was Sie kommunizieren.

Wählen sie aus!

Sie haben auch in schwierigen Situationen die Wahl, worauf Sie Ihren Kommunikationsfokus legen. Sie können Ihre Kommunikation entlang der Zeitachse definieren. Und Sie können den Fokus inhaltlich auf Funktionierendes oder auf nicht-Funktionierendes legen.

Abb.1: Die gewählten Kommunikationsfokusse machen den Unterschied

So entstehen grundsätzlich vier Kommunikationsfokusse2:

  1. Nicht-Funktionierendes in der Vergangenheit (unten links), z.B. Schwierigkeiten in letzter Zeit
  2. Nicht-Funktionierendes in der Zukunft (unten rechts), z.B. die Sorgen für die Zukunft
  3. Funktionierendes in der Vergangenheit (oben links), z.B. überraschende Lösungen
  4. Funktionierendes in der Zukunft (oben rechts), z.B. ein attraktives Zukunftsbild

Während die beiden unteren Kommunikationsfokusse eher einen negativen Dialog aufrechterhalten, kommunizieren Sie mit den beiden oberen Fokussen Zuversicht und Hoffnung. Wählen Sie, was Sie kommunizieren und insbesondere, welchen Anteil die einzelnen Kommunikationsfokusse einnehmen sollen.

10 Kommunikationselemente für mehr Hoffnung und Zuversicht!

Stärken Sie hoffnungsvollere und zuversichtlichere Gespräche in Zukunft mit diesen 10 Kommunikationselementen:

Funktionierendes in der Vergangenheit

1. Sprechen Sie darüber, wie Sie gemeinsam schwierige Situationen gemeistert haben!
Welche Situationen haben Sie als Team schon gemeinsam gemeistert? Die Erinnerung an die damaligen Erfolgshandlungen geben Zuversicht und möglicherweise Ideen, was davon in der jetzigen Situation hilfreich sein könnte

2. Betonen Sie das, was bereits in eine gute Richtung geht!
Keine Situation ist nur schlecht. Es gibt immer schon Elemente, die funktionieren und in eine gute Richtung gehen. Was funktioniert in der schwierigen Situation trotzdem noch? Wo zeigen sich vielleicht schon Varianten, die auch in dieser Situation funktionieren?

3. Schätzen Sie die Leistung Ihrer Mitarbeitenden!
In schwierigen Situationen müssen Mitarbeitende vielfach eine Sonderleistung erbringen. Sprechen Sie Ihren Mitarbeitenden gerade auch jetzt Wertschätzung für das bisher Geleistete aus. Loben Sie dabei nicht nur die Leistung, sondern auch die Anstrengung.

4. Sprechen Sie Ihre Dankbarkeit aus!
Gerade wenn es nicht einfach ist, merken wir vielfach, wofür wir trotz allem dankbar sind. Teilen Sie Ihren Mitarbeitenden mit, was Sie dankbar macht. Dies stärkt die Beziehung zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitenden.

5. Teilen Sie Ihre eigene Zuversicht!
Was stimmt Sie zuversichtlich? Oft stärken die gemachten Erfahrungen der Vergangenheit unsere eigene Zuversicht. Und wenn wir unsere Zuversicht teilen, dann erhöht sich vielfach auch die Zuversicht unserer Mitarbeitenden.

6. Feiern Sie auch kleine Erfolge!
Wenn es nicht optimal läuft, sehen wir oft die vielen kleinen Schritte, die wir zuvor gegangen sind, nicht mehr. Doch kleine Erfolge können eine grosse Wirkung entfalten. Halten Sie deshalb einen kurzen Moment inne und machen Sie auch kleine Erfolge sichtbar.

Funktionierendes in der Zukunft

7. Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden an Ihren Hoffnungen teilhaben!
Die eigene Zuversicht nährt sich vielfach auch aus der Erkenntnis, dass Veränderung ständig stattfindet und keine Situation für immer so bleibt. Welche Zukunftsaussichten geben Ihnen Hoffnung? Wo zeigen sich schon Silberstreifen am Horizont? Teilen Sie Ihre Hoffnungen für die Zukunft mit Ihren Mitarbeitenden

8. Führen Sie Ihre Vision aus!
Wie stellen Sie sich die Zukunft vor? Ein attraktives Zukunftsbild gibt vor allem dann Hoffnung, wenn es eine bessere Zukunft aufzeigt, die gemeinsam erreicht werden kann. Je klarer und detaillierter das Zukunftsbild ist, desto besser können sich Mitarbeitende daran orientieren. Dies gilt vor allem dann, wenn Mitarbeitende sich dazu einbringen konnten.

9. Entdecken Sie Zeichen von Fortschritt!
Was könnte Ihnen in nächster Zukunft zeigen, dass Sie auf dem Weg zu Ihrem attraktiven Zukunftsbild sind? Was könnten Zeichen sein, dass Sie Fortschritte erzielen? Laden Sie Ihre Mitarbeitenden ein, diese Zeichen von Fortschritt zu entdecken. Und teilen Sie die Zeichen, die Sie entdecken.

10. Nehmen Sie sich kleine nächste Schritte vor!
Kleine nächste Schritte haben den Vorteil, dass Sie oft leichter und schneller erreicht werden können. Dies stärkt die Zuversicht in die Machbarkeit. Und kleine Schritte geben Hoffnung, dass eine Verbesserung möglich ist. Dies vor allem auch dann, wenn Sie auf Funktionierendem in der Vergangenheit aufbauen. Machen Sie kleine nächste Schritte sichtbar.

Welche dieser 10 Kommunikationselemente sind für Sie besonders nützlich? Und welche Wirkung könnten diese auf Ihre Mitarbeitenden haben? Teilen Sie Ihre Entdeckungen mit uns in den Kommentaren hier unten!

Elfie Czerny und Dominik Godat führen gemeinsam das Zentrum für Lösungsfokussierte Gesprächsführung und leiten den Fachkurs Lösungsfokussierte Führung  an der Hochschule Luzern.

1 Die 4 Kommunikationsfokusse basieren auf der Studie von Jordan/Froerer/Bavelas (2013) und wurden als Dialogic Orientation Quadrant von Haesun Moon von der University of Toronto entwickelt.

2Vgl. z.B. Jordan, Sara/Froerer, Adam/Bavelas, Janet (2013). Microanalysis of Positive and Negative Content in Solution-Focused Brief Therapy and Cognitive Behavioral Therapy Expert Sessions. Journal of Systemic Therapies, Vol. 32, No. 3, 2013, pp.46–59.

Healing, Sara/Bavelas, Janet (2011). Can Questions Lead to Change. An Analogue Experiment. Journal of Systemic Therapies, Vol. 30, No. 4, 2011, pp. 30–47.

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