Sustainable Investments

Nachhaltige Fonds als Publikumsmagnet bei der Allokation von Neugeld

Nachhaltige Fonds als Publikumsmagnet bei der Allokation von Neugeld

Nachhaltige Fonds sind weiterhin ein Nischenmarkt. Umso erstaunlicher, dass sie den Neugeldzufluss in Schweizer Publikumsfonds beinahe vollständig dominieren. Und dies bereits seit mehreren Jahren in Folge. Jetzt überschreiten die «nachhaltig» verwalteten Vermögen erstmals die Billionengrenze. [1]

Autoren: Manfred Stüttgen, Brian Mattmann

In unserem letzten Blog-Beitrag haben wir gezeigt, dass nachhaltige Fonds – trotz des nunmehr über Jahre anhaltenden Wachstums – auf dem Schweizer Markt noch immer eine Nische sind: nur 22 Prozent resp. 2’155 Fonds positionieren sich klar als nachhaltig. Die deutliche Mehrheit aller Fonds in der Schweiz hingegen, 78 Prozent, positioniert sich als konventionelle Anlage. Im Folgenden richten wir den Fokus auf die Entwicklung der Vermögen und Neugelder der 2’155 nachhaltigen Schweizer Publikumsfonds.

Das nachhaltige Fondssegment knackt die Billionengrenze

Auch im siebten Jahr unserer Studienerhebung stellen wir fest, dass die Vermögen des nachhaltigen Fondssegments weiterhin stärker wachsen als die Vermögen ihrer konventionellen Pendants (Abbildung 1). So ist das nachhaltige Fondssegment um CHF 163 Mrd. grösser geworden, während die Vermögen des Universums konventioneller Fonds um CHF 87 Mrd. zurückgingen. Durch die Wachstumsunterschiede im Vergleich zum konventionellen Segment ist der Anteil nachhaltig verwalteter Vermögen per Mitte 2023 auf 18 Prozent gestiegen. Heute vereinen Nachhaltigkeitsfonds ein Gesamtvermögen in der Höhe von CHF 1’121 Mrd. und verwalten damit erstmals mehr als eine Billion Schweizer Franken. Trotz dieser Grösse machen die Nachhaltigen aber noch immer weniger als ein Fünftel des Gesamtmarkts aus, welcher ein Volumen von CHF 6’091 Mrd. umfasst. Nachhaltige Anlagen sind also auch gemessen am Vermögen noch immer erstaunlich weit entfernt vom oft behaupteten Mainstream der Vermögensanlage.

Abbildung 1: Das Vermögen nachhaltiger Fonds im Vergleich zu konventionellen Publikumsfonds in der Schweiz (in Mrd. CHF, jeweils per 30. Juni) [2]

Zwei Kräfte treiben das Vermögenswachstum nachhaltiger Fonds

Wir erkennen im Vermögenswachstum von Nachhaltigkeitsfonds zwei wesentliche Treiber (Abbildung 2).

  • Bestehende und neue Nachhaltigkeitsfonds: Die Abbildung zeigt, dass bestehende Nachhaltigkeitsfonds aufgrund positiver Performance (+CHF 21 Mrd.) und vor allem durch Neugeldzuflüsse (+CHF 67 Mrd.) stark gewachsen sind. Zudem steuerten neulancierte Nachhaltigkeitsfonds Vermögen in Höhe von CHF 16 Mrd. zum Wachstum bei. Die Vermögenszunahmen bestehender und neuaufgelegter Nachhaltigkeitsfonds erklären damit 57 Prozent des Gesamtwachstums (geschweifte Klammer in Abbildung 2). Dieser «organische» Wachstumstreiber ist besonders relevant, da er den Leistungsausweis bestehender Nachhaltigkeitsfonds beschreibt – speziell mit Fokus auf die Anziehung von Neugeld.
  • Umfirmierungen und Nachhaltigkeitsfonds mit neuer Vertriebszulassung: 43 Prozent des Gesamtwachstums werden dagegen durch Fondsumfirmierungen (+CHF 71 Mrd.) sowie durch Nachhaltigkeitsfonds, die neu eine Vertriebszulassung für die Schweiz erhalten haben (+CHF 8 Mrd.), verursacht. Innerhalb dieser «anorganischen» Wachstumskomponente ist speziell die Repositionierung konventioneller Fonds relevant. Im Vorjahr betrugen die Vermögen, die von einer konventionellen in eine nachhaltige Verwaltung überführt wurden, noch CHF 145 Mrd. – das ist rund doppelt so viel wie in der diesjährigen Betrachtungsperiode. Die neu als nachhaltig positionierten Fondsvermögen stellen damit – neben dem zuvor beschriebenen «organischen» Wachstum – einen zweiten wichtigen Wachstumstreiber im nachhaltigen Fondssegment dar, wenngleich sich dessen Bedeutung im Vergleich zum Vorjahr abgeschwächt hat.

Abbildung 2: Das Wachstum der Vermögen nachhaltiger Publikumsfonds (in Mrd. CHF und in Prozent, jeweils per 30. Juni) [3]

Das Nischensegment der «Nachhaltigen» zieht 91 Prozent des Neugelds

Nachfolgend werfen wir ein Schlaglicht auf die Neugeldzuflüsse, die Anleger über die letzten zwölf Monate neu in nachhaltige und konventionelle Fonds investiert haben (=Zuflüsse minus Abflüsse, Nettoneugeld). Abbildung 3 unterteilt im linken Balken das Gesamtangebot aller Publikumsfonds in der Schweiz per Mitte 2023 in das nachhaltige und das konventionelle Segment.

Abbildung 3: Gesamtmarkt aller nachhaltigen und konventionellen Publikumsfonds per Mitte 2023 (links, in Anzahl Fonds) sowie Nettomittelzuflüsse in die beiden Fondssegmente von Mitte 2022 bis Mitte 2023 (rechts, in Mrd. CHF) [4]

Demgegenüber zeigt der rechte Balken in Abbildung 3 das Nettoneugeld, das von Mitte 2022 bis Mitte 2023 in diese Fonds geflossen ist. Abbildung 3 zeigt den Hauptgrund, warum das Vermögenswachstum nachhaltiger Fonds so beträchtlich ist: Obschon nachhaltige Fonds im Schweizer Markt heute erst 22 Prozent des Gesamtangebots ausmachen (linker Balken), sind insgesamt 91 Prozent der totalen Nettomittelzuflüsse in dieses Fondssegment geflossen (rechter Balken). Die 2’155 in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Nachhaltigkeitsfonds vereinnahmen somit den Grossteil aller Nettomittelzuflüsse in Höhe von CHF 89 Mrd., die über die letzten zwölf Monate von Investoren neu in den Gesamtmarkt geflossen sind. Anleger bevorzugen bei Neuanlagen also Fonds, die sich dezidiert auf Nachhaltigkeitskriterien verpflichten.[5] Dieser Trend hält bereits seit 2019 an: Über die letzten vier Jahre verzeichnete der Schweizer Fondsmarkt Neugeldzuflüsse in der Höhe von kumuliert CHF 1’195 Mrd. Davon konnte das nachhaltige Fondssegment CHF 538 Mrd. – das entspricht 45 Prozent – für sich vereinnahmen. Dies ist insofern erstaunlich, da Nachhaltigkeitsfonds in diesen Jahren lediglich einen Marktanteil von sechs (2019) bis 22 Prozent (2023) für sich verbuchen konnten.

Nachhaltig vs. konventionell: höhere Mittelzuflussraten der Nachhaltigen und grösserer Anteil an Fonds mit positivem Neugeld

Im vorangehenden Abschnitt haben wir die absoluten Mittelzuflüsse analysiert. Abbildung 4 relativiert diese Grössenordnung der Zuströme und nutzt hierzu als Massstab die Wachstumsrate, also die Mittelzuflüsse über die vergangen zwölf Monate in Prozent des Gesamtvermögens am Ende eines Zeitraums (=Nettomittelzuflussraten).

Abbildung 4: Die Nettomittelzuflussraten auf dem Schweizer Fondsmarkt für den Gesamtmarkt sowie separiert in das nachhaltige und konventionelle Fondssegment (Berechnung: total Nettomittelzuflüsse von Mitte 2022 bis Mitte 2023 bezogen auf die Vermögensbasis der Fonds per Mitte 2023)[6]

Die linke Grafik in Abbildung 4 zeigt die verschiedenen Nettomittelzuflussraten, die sich aufgrund der Unterschiede in den Zuflüssen und Vermögenswerten ergeben. Der Gesamtmarkt aller Fonds verzeichnete eine Neugeldzuflussrate von 1.5 Prozent. Bezieht man die Zuflussrate separat auf das nachhaltige bzw. das konventionelle Fondssegment, werden die Unterschiede deutlich: während das nachhaltige Universum Neugeld in Höhe von 7.2 Prozent der Vermögen generieren konnte, betrug die Mittelzuflussrate im konventionellen Segment lediglich 0.2 Prozent. Das ist ein Unterschied von beachtlichen 7.0 Prozentpunkten.

Die rechte Grafik zeigt ausserdem den Anteil der Fonds in jedem Fondsuniversum, der netto Neugeld anziehen konnte, der also über eine positive Nettomittelzuflussrate verfügt. Im nachhaltigen Fondssegment verzeichneten 64 Prozent der Fonds über die letzten zwölf Monate positive Neugeldzuflüsse. Im konventionellen Fondsuniversum verfügten dagegen nur 37 Prozent der Fonds über eine positive Nettomittelzuflussrate.

Fazit

Obschon nachhaltige Fonds nach wie vor ein Nischensegment darstellen, ziehen sie einen Grossteil des Neugelds an und wachsen überproportional stark. Diesen Trend beobachten wir seit rund vier Jahren. Das zeigt, dass Investoren bei der Neuanlage von Kapital bevorzugt Fonds berücksichtigen, die sich klar zu Nachhaltigkeitskriterien bekennen. Wie wir in unserem nächsten Blog-Beitrag zeigen werden, profitieren allerdings nicht alle Nachhaltigkeitsfonds gleichermassen von diesem Wachstum. Innerhalb des Segments der «Nachhaltigen» gibt es beträchtliche Wachstumsunterschiede.


[1] Der Blog-Artikel stützt sich auf die «IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung», verfügbar unter https://hub.hslu.ch/sustainable. Die Studie wurde dankend unterstützt von: Goldman Sachs Asset Management, Robeco, Zürcher Kantonalbank, DWS, Graubündner Kantonalbank, Natixis Investment Managers, UBS, Vanguard, abrdn, AllianceBernstein, Amundi Asset Management, Candriam, Generali, INOKS Capital, iShares by BlackRock, Lombard Odier Investment Managers, Morningstar, OLZ, PGIM Investments, Schroders, Inrate, Thurgauer Kantonalbank und Investment Navigator.

[2] Vgl. Stüttgen/Mattmann (2023). IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung, S. 18. Zug: IFZ Eigenverlag. Verfügbar unter: https://hub.hslu.ch/sustainable/

[3] Vgl. Stüttgen/Mattmann (2023). IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung, S. 16. Zug: IFZ Eigenverlag. Verfügbar unter: https://hub.hslu.ch/sustainable/

[4] Vgl. Stüttgen/Mattmann (2023). IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung, S. 20. Zug: IFZ Eigenverlag. Verfügbar unter: https://hub.hslu.ch/sustainable/

[5] Wir untersuchen hier den Anteil der Zuflüsse, die Nachhaltigkeitsfonds vom Gesamtmarkt aller Fonds erfassen. Auf absoluter Basis sind die Neugeldzuflüsse in Nachhaltigkeitsfonds natürlich auch Schwankungen unterworfen: z.B. waren die absoluten Zuflüsse in Nachhaltigkeitsfonds in den beiden Vorjahren mit CHF 141 Mrd. (2022) resp. CHF 218 Mrd. (2021) noch deutlich höher.

[6] Vgl. Stüttgen/Mattmann (2023). IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung, S. 21. Zug: IFZ Eigenverlag. Verfügbar unter: https://hub.hslu.ch/sustainable/

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