Beide Welten ganz verstehen: Nicola Künzli ist der erste Student, der «Digital Ideation Dual» absolviert. Innerhalb von viereinhalb Jahren wird er zwei Bachelorabschlüsse in der Tasche haben – einen in Design, einen in Informatik. Ein Porträt über kreative Umwege, Factory Games und die Symbiose zweier Welten.
Das Bachelorstudium Digital Ideation richtet sich an Menschen, die sich für digitale Technologien interessieren und gleichzeitig kreativ arbeiten wollen. Studierende entscheiden sich zu Beginn für einen Fokus – Design oder Informatik – und schliessen entsprechend an einem der beiden Departemente ab. Neu besteht die Möglichkeit, nach dem ersten Abschluss im Fokus Design auch den zweiten im Fokus Informatik zu absolvieren (oder umgekehrt) und so einen zweiten Bachelor zu erwerben.
Aufs Parkett gebracht hat dieses Modell Nicola Künzli. Er ist der erste Student, der den Weg des Digital Ideation Dual geht. Sein Ziel: beide Seiten wirklich verstehen.
«Schon am Assessment-Tag habe ich gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, den Informatik-Abschluss anzuhängen», erzählt Nicola Künzli. Drei Jahre später wurde dies Realität. Im Sommer 2024 schloss Nicola seinen Design-Bachelor ab und startete direkt mit dem Informatik-Studium. Dank seiner technischen Vorbildung und Anrechnungen aus dem ersten Bachelor konnte er den restlichen Teil des Informatik Bachelors in kurzer Zeit absolvieren.
Besteht er seine letzten Prüfungen in Mathematik, Information Security und angewandter Statistik, erhält er 2026 auch seinen Informatik-Bachelor.
Nicolas grosse Leidenschaft sind Factory Games. Das sind digitale Welten, in denen Spielende komplexe Produktionsketten entwerfen, optimieren und automatisieren. Maschinen erzeugen Ressourcen, aus denen wiederum neue Maschinen entstehen. Für seine Design-Bachelorarbeit entwickelte Nicola gemeinsam mit einem Studienkollegen ein Framework für ein solches Spiel.

Im dritten Semester seines Informatik-Studiums folgte das nächste Projekt: ein Fantasy-Factory-Game mit fliegenden Inseln, die langsam in ein schwarzes Loch driften. Spielende müssen durch den Bau von Fabriken die Inseln stabilisieren und immer komplexere Produktionsprozesse entwickeln. Eine spielbare Demo existiert bereits und Nicola arbeitet privat weiter daran.
Programmieren ist für mich selbst wie ein Factory Game.
Für ihn sind Factory Games mehr als Unterhaltung: «Programmieren ist für mich oft selbst wie ein Factory Game», erklärt er. «Man programmiert eine Funktion. Das ist eine Maschine, die etwas macht. Und diese Maschine ist mit anderen Maschinen verbunden.»
Design und Informatik gleichzeitig zu beherrschen, hat für Nicola einen Vorteil: «Wenn ich beim einen anstehe, kann ich wechseln.» Statt frustriert vor einem Programmierproblem zu sitzen, erstellt er UI-Menüs oder Assets. Bei kreativer Blockade geht’s zurück zum Code.
Gleichzeitig erfordert diese Doppelkompetenz Disziplin: «Man fokussiert sich auf zwei Teilgebiete. Dabei gilt es den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um beides zusammenzubringen.»
Trotz seiner Design-Ausbildung sieht Nicola sich heute stärker auf der Informatik-Seite: «Der Informatikteil liegt mir mehr. Er ist logischer und einfacher zu greifen.» Seine Stärke? Refinement statt Invention: «Wenn ich eine gute Idee habe, dann bin ich sehr gut darin, sie weiterzuentwickeln und zu verbessern.»
Sein berufliches Ziel ist eine Rolle an der Schnittstelle von Design, Informatik und Business, wo er Teams und Produktentwicklung zusammenbringt. Das nötige Organisationstalent bewies er bereits im Studium: Er leitete eine Elfergruppe aus Designern und Informatikerinnen – ein Rekord, denn üblicherweise liegt die maximale Gruppengrösse bei drei bis vier Personen. «Es hat gut funktioniert, und wir waren am Schluss auch als Team zusammen.»
Aktuell bewirbt sich Künzli auf Junior-Stellen im IT-Projektmanagement. «Es gibt Stellen, aber sie sind rar.»
Begonnen hat alles mit einer Konstrukteurlehre. «Das war nie wirklich das für mich», erinnert sich Künzli. Ein Berufsassessment empfahl ihm Digital Ideation. Nach einem gestalterischen Vorkurs startete er 2021 – zunächst mit Design. Wie in seinen geliebten Factory Games hat Nicola Künzli Schritt für Schritt ein System aufgebaut: Konstrukteurlehre, Vorkurs, Design-Bachelor, Informatik-Bachelor. Jedes Element erweitert das vorherige.
Jetzt steht der nächste Ausbau an: Neben Bewerbungen auf Junior-Stellen im IT-Projektmanagement arbeitet Nicola privat weiter an seinem Fantasy-Factory-Game. Die spielbare Demo existiert bereits, die Entwicklung läuft. Und er plant, berufsbegleitend einen Master in Business Administration anzuhängen.

Veröffentlicht am: 23. Januar 2026
Von: Yasmin Billeter

27 Jahre
Aus dem Glarnerland
Taucht seit seinem 9. Lebensjahr
Leidenschaft: Factory Games und Game Development
🎮 Sein aktuelles Projekt: SOLUM auf Steam

Der Bachelor-Studiengang Digital verbindet IT-Kenntnisse mit kreativer Praxis, um innovative User Experiences zu gestalten. Das Studienmodell Digital Ideation Dual ermöglicht es Studierenden, nach Abschluss des Fokus Design den Fokus Informatik zusätzlich in kurzer Studienzeit anzuhängen.

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