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Weiterbildung

Python lernen mit ChatGPT – ein Selbstversuch

Python lernen mit ChatGPT – ein Selbstversuch
ChatGPT als Lern-Coach: Man kann damit interaktiv Python kennenlernen. Im Selbstversuch erweist sich der KI-Chatbot als motivierend und hilfreich – solange man ihm nicht zu komplexe Fragen stellt.

Programmieren lernen mit ChatGPT: Wie unterstützt einen das KI-Tool beim Einstieg in die Python-Programmierung? Ein Selbstversuch zeigt: Die Interaktion mit dem Tool bringt einen weiter – wenn auch mit gewissen Abstrichen.

Von Jonas Pabst, Teilnehmer des CAS Business Intelligence & Analytics

Wie finde ich den Einstieg in die Python-Welt? Die Programmiersprache ist für mich Neuland. Im Rahmen meines CAS soll ich nun aber Python-Übungsaufgaben lösen. Bis vor kurzer Zeit wäre der Ansatz für mich klar gewesen: Ich hätte mir die Grundlagen anhand eines Fachbuchs oder Tutorials angeeignet. Konkrete Fragestellungen hätte ich gegoogelt. Das kennen wir alle – und es hätte bestimmt auch funktioniert.

Nun habe ich eine weitere Option: Generative KI-Tools können helfen. Das bekannteste davon ist der KI-Chatbot ChatGPT des amerikanischen Tech-Unternehmens OpenAI. Hilft mir diese Applikation bei meinen ersten Schritten mit Python? Bin ich mit der Hilfe von ChatGPT schneller und effizienter als mit den herkömmlichen Methoden?

Mit der bekanntesten Lösung ChatGPT fallen endlich die Hürden, die zum Beispiel Coding immer nur den Techies überlassen haben. Auch ohne Informatik-Hintergrund lohnt es sich, sich mit KI-Lösungen explorativ auseinanderzusetzen.

Programmleiter Oliver Gilbert zu diesem Blogbeitrag aus dem CAS Business Intelligence & Analytics

Diesen Fragen wollte ich mit einem Selbstversuch nachgehen – und wurde von ChatGPT positiv überrascht. Hier meine drei Erkenntnisse:

  1. Motivierend: ChatGPT liefert Code-Beispiele und Erklärungen

ChatGPT liefert zu Fragen im Zusammenhang mit einer Programmiersprache direkt Code-Beispiele. Das ist ein grosser Vorteil. Denn diese Code-Beispiele lassen sich einfach in den eigenen Code integrieren.

Natürlich finde ich auch mit einer Suchmaschine viele Beispiele. Es braucht hier aber in der Regel einen Schritt mehr: Ich muss die Suchresultate erst bewerten. Anschliessend suche ich auf der entsprechenden Webpage das effektive Codebeispiel. Mit ChatGPT war ich zumindest bei einfachen Fragestellungen deutlich schneller. Ein weiterer Vorteil: ChatGPT erklärt mir den Code immer auch direkt.

Ein einfaches Beispiel dafür, wie ChatGPT eine Frage beantwortet.  (Screenshot: Jonas Pabst)

Reicht die Erklärung noch nicht, hilft eine Rückfrage. ChatGPT gibt daraufhin zusätzliche Hinweise. Dies alles in wenigen Sekunden und in erstaunlich guter Sprachqualität. Dieser Ansatz war für mich motivierend und hat mir den Einstieg erleichtert.

Noch Fragen? Das KI-Tool ChatGPT stellt weitere Erklärungen zu Elementen im Code bereit. (Screenshot: Jonas Pabst) 

2. Game-Changer: Das Tool liefert interaktiv Input zum eigenen Code

Am meisten habe ich es geschätzt, dass ich meinen eigenen Code auf ChatGPT hochladen und ihn in der Interaktion mit dem Tool nutzen konnte. Dies geschieht ganz einfach, indem ich das relevante Code-Element einfüge. Dafür liegt das Maximum bei rund 500 Wörtern. Nach dem Upload erhalte ich vom Tool unaufgefordert Erklärungen zu meinem Input. Durch diese Funktion kann ChatGPT auch als Hilfestellung genutzt werden, um bestehenden Code besser zu verstehen.

Der Code kann nicht nur erklärt, sondern auch direkt erweitert oder angepasst werden. Alle Antworten von ChatGPT berücksichtigen den bisherigen Entwicklungsstand. Diese Option ist für mich ein Game-Changer: Ich erhalte damit eine konkrete Hilfestellung, welche mir weder ein Tutorial noch eine Suchmaschinenanfrage bieten kann.

Auf diese Weise kann man durch kontinuierliche Interaktion mit dem Chat-Tool eine bestehende Basis weiterentwickeln. Bei Fragen bezieht sich ChatGPT, wo es Sinn ergibt, immer auf den zuvor hochgeladenen Code. Diese Funktionalität kann auch genutzt werden, um Fehler im Code zu finden.

In meinem Selbstversuch hat dies erfreulich gut funktioniert. Es ist zu empfehlen, Problem-stellungen in Teilstücke zu unterteilen. So reduziert man die Komplexität.

3. Vorkenntnisse nötig: spätestens bei komplexen Fragestellungen

Natürlich ist ChatGPT noch nicht perfekt. Es gibt bei vielen Fragestellungen einen Interpretationsspielraum. Das Tool liefert meistens direkt ohne weitere Rückfrage eine Antwort. Diese führt aber nicht in jedem Fall zum Ziel. Es kann nicht jedes Problem lösen. Häufig gelingt es aber, mit gezielten zusätzlichen Inputs die Qualität der Antworten zu verbessern. Hilfestellungen zum effizienten Umgang mit ChatGPT gibt es im Netz schon viele. Zum Beispiel diesen Coder-Guide «Prompt-Strategien für bessere Ergebnisse».

Wird das Problem zu komplex oder läuft der Code nicht wie gewünscht, schafft man es trotz ChatGPT oder vergleichbarer Tools nicht, eine fehlerfreie Software zu schreiben. Spätestens dann braucht es Vorkenntnisse. Vorsicht ist auch geboten bei Antworten des Tools, die auf den ersten Blick perfekt aussehen, beim genaueren Hinschauen aber fehlerhaft sind. Es ist daher immer nötig, den Output kritisch zu prüfen.

Fazit: Trotz Schwächen ein Meilenstein – vor allem als Ergänzung

ChatGPT war zum Zeitpunkt meines Versuchs erst wenige Monate öffentlich nutzbar. Selbst in dieser frühen Version war die Qualität der Antworten in meinem Anwendungsfall schon erstaunlich gut. In der Interaktion zwischen Mensch und Computer stellt ChatGPT für mich einen Meilenstein dar.

Der Selbstversuch zeigte mir, dass ChatGPT bei verbreiteten Programmiersprachen eine grosse Hilfe ist. Es unterstützte mich gut beim Schreiben von Codes – zumindest, wenn die Fragestellungen nicht zu komplex waren.

Wirds komplexer? Dann Fachkurs besuchen: Im Fachkurs «Programmierung mit Python für alle» erwirbt man solide Grundlagenkenntnisse der Programmiersprache. Die Hochschule Luzern – Informatik bietet diesen Kurs einerseits als Online-Kurs mit einer Dauer von einer Woche an. Oder als Fachkurs vor Ort in Rotkreuz (Ein Kurstag).

Habe ich durch das Tool den Einstieg in eine Programmiersprache schneller und besser gefunden, als wenn ich mich mit Fachbüchern, Tutorials und Google schlau gemacht hätte? Das kann ich nicht abschliessend beantworten.

Die Erklärungen des Tools und die Möglichkeit von Rückfragen sind sicher eine grosse Hilfe. Die vorgefertigten Code-Beispiele verleiten aber dazu, sich nicht ausreichend mit den Grundlagen der Programmiersprache zu beschäftigen. Man lernt die korrekte Syntax nicht effektiv.

Ich sehe ChatGPT daher eher als hilfreiche Ergänzung zu den bisherigen Möglichkeiten. Das Tool zu testen, kann ich aber allen empfehlen.

Frage in die Runde: Welche Erfahrungen machst du beim Programmieren mit Hilfe von ChatGPT? Hast du zusätzliche Tipps? Bitte schreib deine Hinweise hier zuunterst ins Kommentarfeld.

Veröffentlicht am 17. Januar 2024

Hinweis: Dieser Blogbeitrag wurde im Rahmen eines Leistungsnachweises für das CAS Business Intelligence & Analytics verfasst. Er wurde geprüft und redaktionell aufbereitet.

Innovativ in der Digitalisierung und Elekro-Mobilität unterwegsJonas Pabst bloggt aus dem CAS Business Intelligence & Analytics. Er arbeitet als Spezialist für Digitalisierungsthemen im Team Energy Operations der simplee AG in Dübendorf ZH. Das ist ein Anbieter für Elektro-Mobilität und Lade-Infrastrukturen.

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Kommentare

1 Kommentare

David

ChatGPT hat mir im Schiurlaub innerhalb von 2 Tagen nebenher Phyton so weit beigebracht, dass ich eine portable Entwicklungsumgebung auf dem Laptop hatte und mit dieser eine Windows-Applikation mit GUI geschrieben habe, die per Web-Scraping Analysen durchführt. Die Erfahrung war UN. FASS. BAR. Das hätte auf dem bisherigen Weg Jahre gedauert.

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