Sarah Hauser leitet seit dem 1. September 2025 das Informatik-Departement der Hochschule Luzern. Sie führt über 300 Mitarbeitende und entwickelt mit ihnen den «I-Spirit» der Aufbaujahre mit neuer Energie weiter. Ein Gespräch über Führung, Wandel und den Blick nach vorn.
Sarah Hauser: Dass ich früher aufstehe – und dass ich es sogar geniesse (lacht).
Ich übernehme heute deutlich mehr politische Aufgaben. Ich treffe häufiger Entscheidungsverantwortliche, Partner sowie Vertretende von Wirtschaftsverbänden. Ich bin an Konferenzen. Unser Departement ist stark gefragt. Wir bearbeiten relevante aktuelle Themen. Das wird von aussen wahrgenommen. Es macht mich stolz, wie kompetent unsere Mitarbeitenden auftreten.
Ich engagiere mich seit vielen Jahren für die Informatik-Ausbildung, -Weiterbildung und -Forschung an Fachhochschulen. Die Informatik war lange untervertreten. Die Hochschule Luzern hat 2016 mit einem ersten eigenen Informatikdepartement wichtigen Raum geschaffen – das hat mich angezogen.
Seit fünf Jahren bin ich als Vizedirektorin dabei. In dieser Zeit sind wir stark gewachsen. Ich sagte schon vor fünf Jahren: «Diese Geschichte möchte ich fortschreiben». Für mich war klar: Wenn ich ein Departement leiten möchte, dann dieses.
Mir war es wichtig, meinen Rollenwechsel offen anzusprechen. In der Departementsleitung haben wir darüber gesprochen und diesen Übergang bewusst gestaltet.
Ein echtes Highlight war unser jährliches Departementsseminar Anfang September, kurz nach meinem Start als Direktorin. An diesem Tag widmeten wir uns dem Thema Künstliche Intelligenz – fachlich fundiert, technisch und gesellschaftskritisch.
Am Abend spielten Mitarbeitende als bunt gemischte Band auf. Das hatte für mich starken Symbolcharakter für unser lebendiges, diverses Departement.

Er steht für die Kultur unseres Departements: offen, beweglich und mutig. Dieser gemeinsame Geist begleitet uns seit den Aufbaujahren und trägt viele «Go-for-it»-Entscheidungen.
Meine vorübergehende Doppelrolle. Ich leite die Direktion und führe gleichzeitig noch die Ausbildung. Es hilft sehr, dass wir die Verantwortung breit abstützen. Wir sind ein Team. Die Departementsleitung, die Studiengangleitenden und die administrativen Mitarbeitenden ziehen mit und übernehmen Verantwortung.
Ein wichtiger Moment zu Beginn meiner Amtszeit als Direktorin war die Neubesetzung der Ausbildungsleitung. Ab 1. März übernehmen Barbara Scheuner und Frederick Egli in Co-Leitung. Ich freue mich, dass wir diese Schlüsselrolle so überzeugend besetzen können.
Seit der Gründung 2016 wuchs das Departement von 69 auf heute 301 Mitarbeitende und von 521 auf mehr als 1’300 Studierende. Gestartet mit 12 Weiterbildungsangeboten und 406 Teilnehmenden umfasst das Portfolio heute 97 Angebote mit rund 1’000 Teilnehmenden pro Jahr. Die Forschung ist etabliert und trägt heute rund 20 Prozent zu einem Gesamtumsatz des Departements von 50 Millionen Franken bei.
Ich führe situativ. Ich agiere je nach Aufgabe und Person in unterschiedlichen Rollen: Ich coache, inspiriere, setze Ziele, fordere Deadlines ein oder nehme mich bewusst zurück. In den letzten Jahren habe ich sehr verschiedene Menschen geführt – von jungen Mitarbeitenden bis zu erfahrenen Professorinnen und Professoren, von der Administration bis zur Forschung. Die Mitarbeitenden wissen, was mir wichtig ist. Zugleich gebe ich den erforderlichen Teams den nötigen Raum. In diesem Stil habe ich die letzte Klausur der Departementsleitung moderiert und gut zugehört.
In meiner Rolle als Direktorin habe ich heute mehr Raum und auch den Auftrag, gezielt Beziehungen nach aussen und innen zu pflegen. Ich führe Antrittstreffen mit Mitgliedern des Konkordatsrats, mit Vertretenden von Wirtschaftsverbänden sowie mit den Direktionen anderer Fachhochschulen durch. Diese Begegnungen sind Gold wert: Wir erfahren, wie wir als Departement von aussen wahrgenommen werden und wo unsere Chancen liegen.
Ich bin zudem Teil der Hochschulleitung. Dort denken wir Themen für die ganze HSLU, nicht nur für ein Departement. Die Zusammenarbeit ist wertschätzend und sorgfältig.
Künftig achten wir noch stärker auf die kulturelle Komponente. Wir diskutieren offen, denken nach vorne und probieren Neues aus.
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Gegensatz. Viele verbinden Agilität und Flexibilität mit kleinen Einheiten. Unser Departement zeigt jedoch, dass eine grosse Organisation ebenso beweglich bleiben kann. Wir schaffen innerhalb des Departements bewusst kleinere Strukturen, die das Agile ermöglichen: Wir bündeln Kompetenzen und schaffen Teams.
Wir treiben zudem unsere Organisationsentwicklung in Forschung, Lehre und Weiterbildung laufend voran. Die Departementsleitung nimmt sich dafür regelmässig Zeit und passt die Organisation iterativ an.
Künftig achten wir noch stärker auf die kulturelle Komponente. Wir diskutieren offen, denken nach vorne und probieren Neues aus. Diese Haltung prägt unser Departement seit den Aufbaujahren. Wir setzen uns mit den grossen Fragen auseinander und bleiben zugleich neugierig und experimentierfreudig. In diese Kultur investieren wir bewusst.
Neu kommt hinzu: Wir brauchen mehr Raum und Ressourcen für Führungsarbeit. Bei unserer Grösse und den vielen Entwicklungsprojekten ist das notwendig.
Selbstverantwortung – und die Bereitschaft, Verantwortung weiterzugeben. Dazu bieten wir interne Weiterbildungen für Führungskräfte an. Diese werden wir bewusst ausbauen. Mir geht es um «Leading by example». Wir schaffen Vertrauen, wir stärken Mitarbeitende und wir geben ihnen Wirkungsraum.
Für die nächsten Jahre stehen zwei Themen im Zentrum: unsere Kulturarbeit und die Weiterentwicklung des Berufsbilds Informatik.

Wir gestalten beispielsweise 2026 unser Wertebüchlein neu und orientieren uns dabei an den Transformational Skills. Sie stärken den bewussten Umgang mit Veränderung, Verantwortung und Zusammenarbeit.
Für die nächsten Jahre stehen zwei Themen im Zentrum: unsere Kulturarbeit und die Weiterentwicklung des Berufsbilds Informatik. Wir arbeiten bereits daran und müssen noch stärker darin werden, Transformation zu gestalten – auch die eigene.
Die Arbeitsstellen in den Unternehmen verschwinden durch KI nicht einfach. Vielmehr verschieben sich Aufgaben.
Die Stellen in den Unternehmen verschwinden nicht einfach. Vielmehr verschieben sich Aufgaben. Mitarbeitende schreiben wahrscheinlich weniger Code, sie überarbeiten, optimieren und steuern ihn vermehrt. Das prägt das neue Berufsbild.
Der Fokus verschiebt sich. Bisher sprachen wir vor allem darüber, wie wir ausbilden und wie Künstliche Intelligenz die Lehre verändert. Jetzt wird wichtiger, was das Berufsbild der Informatik künftig ausmacht.
KI verändert dieses Berufsbild deutlich. Inhalte, die KI generieren kann, lassen sich heute schon ersetzen. Unternehmen generieren Code und kämpfen danach oft mit Qualität und Wartbarkeit. Genau dort entstehen neue Kompetenzen: Informatikerinnen und Informatiker prüfen Code, richten Systeme auf ein Ziel aus und steuern die Qualität. KI liefert Bausteine, aber der Mensch definiert die Richtung.
Wir gestalten das Berufsbild der Informatik aktiv mit. Dafür haben wir ein Projekt gestartet, das eigene Zukunftsbilder der Informatik entwickelt.
Über unsere Forschung und Studierendenprojekte stehen wir in engem Austausch mit der Industrie. Wir sehen direkt, welche Fragen Unternehmen beschäftigen. Wir verstehen uns als First Mover und gestalten Veränderungen mit.
Unser Vorsprung zeigt sich unter anderem in unseren Kompetenzzentren in den Bereichen Applied AI, Information and Cyber Security und Immersive Realities.
Die HSLU war die erste Schweizer Hochschule, die ein eigenes Departement für Informatik geschaffen hat. 2026 feiern wir zehnjähriges Bestehen. Unser Vorsprung zeigt sich unter anderem in unseren Kompetenzzentren. In den Bereichen Applied AI, Information and Cyber Security und Immersive Realities bündeln wir Ausbildung, Weiterbildung und Forschung. In diesen Themen waren wir schweizweit die erste Fachhochschule mit eigenen Bachelor-Studiengängen und haben uns auch in Weiterbildung und Forschung früh profiliert.
Gleichzeitig arbeiten wir an neuen Themen, die erst entstehen. Wir erkennen sie im Austausch mit Studierenden und Unternehmen. Unser Ziel ist klar: am Puls der Zeit bleiben und mutig vorangehen.
In unserem Innovationslabor für Lehre, dem Edu-I-Lab, entwickeln wir neue Formen von Lehren und Lernen.
Wie verändert KI Lehre und Lernen in Ihrem Departement?
Wir können auf unsere eigene Fachexpertise zurückgreifen. Wir haben früh mit KI gearbeitet und viele gute Praxisbeispiele gesammelt. Auch der interne Austausch ist etabliert.
In unserem Innovationslabor für Lehre, dem Edu-I-Lab, entwickeln wir neue Formen von Lehren und Lernen. Dort prüfen wir etwa, wie KI in Prüfungen unterstützen kann oder als Coach wirkt. Die Erfahrungen aus diesem Labor bilden die Grundlage für grössere Veränderungen. Unser Vorgehen hat sich bewährt: Wir erproben Neues und spiegeln unsere Erkenntnisse in einer Peer-Gruppe.
Kritisches Denken wird immer wichtiger. Studierende müssen hinterfragen, wo ein Output herkommt.
Kritisches Denken wird immer wichtiger. Die HSLU Informatik hat dafür schon im Frühling 2023 ein interdisziplinäres eigenes Modul zu Critical Thinking eingeführt. Studierende müssen hinterfragen, wo ein Output herkommt. Sie brauchen Wissen im Umgang mit Datenschutz. Sie brauchen ein Bewusstsein für Verzerrungen und digitale Bubbles.
Ich spreche bewusst von «schon» 15 Prozent. In einzelnen Studiengängen liegt der Anteil deutlich höher, etwa beim Bachelor International IT-Management bei über vierzig Prozent.
Informatik bietet spannende Wege für alle. Wir haben im Departement viele ausgewiesene Expertinnen, die dies vorleben. Das Interesse bei Mädchen und jungen Frauen ist da. An unseren MINT-Events erleben wir, wie engagiert sie in Robotik, KI oder Cyber Security eintauchen.
In einzelnen Studiengängen liegt der Anteil weiblicher Studierender bereits bei über vierzig Prozent.
Mich beeindruckt, wie gut wir innerhalb der HSLU zusammenarbeiten. Ein aktuelles Beispiel ist die Co-Studiengangleitung im Master-Studiengang Data Science mit dem Departement Wirtschaft ab Herbst 2026. Darüber hinaus arbeiten wir mit weiteren Departementen zusammen, etwa in gemeinsamen Studienangeboten mit Design Film Kunst, Technik & Architektur und Musik. Wir fördern diesen Weg konsequent.
Der Standort Rotkreuz bringt uns mit neuen Partnern zusammen. Die XUND, der Zentralschweizer Berufsbildungsverband und das Bildungszentrum für Gesundheits- und Pflegeberufe, zieht neu zu uns in die Suurstoffi. Bereits vor Ort ist seit 2025 die Kantonsschule Rotkreuz, die weiterwächst.
Sehr positiv. Wir stehen in engem Austausch mit den Unternehmen und Verbänden der Zentralschweiz. Führungskräfte aus diesen Firmen suchen aktiv den Kontakt zu uns und wollen mit uns zusammenarbeiten. Sie kommen zu uns vor Ort für Workshops, Forschung, Beratung, Lehre und Veranstaltungen wie Community im Gespräch, SecTalks, die Crypto Valley Conference oder etwa die Swiss Digital Finance Conference.
Das zeigte sich auch kürzlich bei der Konferenz unseres Applied AI Centers. Die Veranstaltung war rasch ausgebucht und zog viele namhafte Gäste an. Das Interesse an gemeinsamen Projekten ist gross.
Als Ort, an dem die Vielfalt der Informatik sichtbar und erlebbar wird. Wir decken das ganze Spektrum ab: beispielsweise von KI-Anwendungen im Alltag über Wirtschaftsinformatik, Virtual Reality und Robotik zum Ausprobieren bis hin zu Forschung in Krypto-Technologien.
Wir stehen für digitale Transformation, die in kleinen und mittleren bis grossen Unternehmen gelingt. Wir zeigen, dass Informatik zugänglich ist – für Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.
Wir verstehen uns als Zukunftsgestaltende. Wir sind «Shaper». Schwierige Themen nehmen wir ernst und packen sie an.
Mut. Wenn ich nach draussen schaue, sehe ich viele Entwicklungen, die Menschen verunsichern: belastende Nachrichten oder die schnelle Transformation durch KI. Trotzdem – oder gerade deshalb – brauchen wir Mut.
Wir im Departement verstehen uns als Zukunftsgestaltende. Wir sind «Shaper». Diesem Anspruch wollen wir gerecht werden. Schwierige Themen nehmen wir ernst und packen sie an. Die politische Schweiz und ihr vielfältiges Bildungssystem sind resilient und anpassungsfähig. Darum gehen wir auch 2026 unseren Weg mutig und konsequent weiter.
Von: Gabriela Bonin
Veröffentlicht am: 14. Januar 2026
Ist mit dem Informatik-Departement seit Jahren vertraut: Am 1. September 2025 übernahm Sarah Hauser von ihrem Vorgänger René Hüsler die Leitung des Informatikdepartements. Nach fünf Jahren als Vizedirektorin und Verantwortliche für die Ausbildung ist sie mit der Organisation bestens vertraut. Die Informatikprofessorin wirkte bereits in den vergangenen Jahren aktiv an wichtigen Neuerungen und Entwicklungen mit. Hier geht’s zur Medienmitteilung über den Führungswechsel.
Aus- und weiterbilden: Die Hochschule Luzern – Informatik bietet Bachelor- und Master-Studiengänge, anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung sowie Weiterbildungsangebote der Informatik und Wirtschaftsinformatik auf einem Campus.
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