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«Digitales Zentralbankgeld und dezentrale Finanzdienstleistungen nehmen Fahrt auf»

«Digitales Zentralbankgeld und dezentrale Finanzdienstleistungen nehmen Fahrt auf»
«Blockchain ist nicht nur eine Technologie, dahinter steht auch eine Philosophie»: Unser Experte Tim Weingärtner über die Faszination für sein Fachgebiet.

Von Gabriela Bonin

Prognosen von unseren Expertinnen und Experten: Teil 3

Welche Neuerungen stehen im Bereich Distributed Ledger Technology an? Unser Experte Tim Weingärtner spricht in diesem Interview über Ethereum 2.0, die Einführung der digitalen Identität und die Philosophie hinter Blockchain.  

Herr Weingärtner, was ist in diesem Jahr in Ihrem Bereich Distributed Ledger Technology zu erwarten?

Die nebst Bitcoin bekannteste Blockchain Ethereum führt demnächst umfassende Veränderungen ein. Aktuell hat die Transition auf Ethereum 2.0 gestartet. Angeheizt durch die enormen Kursgewinne des Bitcoin wird das Thema dezentrale Finanzdienstleistungen (Decentralized Finance/DeFi) an Fahrt gewinnen. Darunter versteht man ein Ökosystem im Blockchain-Bereich, welches digitale Finanzdienstleistungen ermöglicht. Ebenso gewinnt digitales Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency/CBDC) an Bedeutung. Und zwar nicht nur in China, sondern auch in der EU und der Schweiz. Wir werden ausserdem vermehrt Blockchain-Projekte von Konsortien sehen (B2B-Anwendungen). 2021 wird das Blockchain-Gesetz in der Schweiz rechtsgültig. Auf der technologischen Seite muss die Auslagerung von Berechnungen mittels Zero-Knowledge Proof im Auge behalten werden (siehe CAIRO).

Es wird anspruchsvoll, die digitale Identität voranzutreiben. Ich hoffe, dass die Blockchain basierte ID bald kommt.

Was wird es in Ihrem Fachgebiet auch im kommenden Jahrzehnt noch nicht geben?

Es wird nicht die eine Blockchain geben. Es wird weiterhin schwer sein, mit Blockchain Geld zu verdienen und Blockchain Business Cases zu entwickeln.  Es wird nach wie vor länderspezifische Regelungen geben, was den Einsatz der Blockchain Technologie erschwert. Ich hoffe, dass die Blockchain basierte ID bald kommt, also die Ausstattung der Bürgerinnen und Bürger mit einer digitalen Identität – auch wenn ich aufgrund des Föderalismus in der Schweiz meine Bedenken habe.

Worauf werden wir noch sehr lange warten müssen?

«Lange» ist in der IT relativ. In der Informationstechnologie gleicht ein Jahrzehnt bereits einer Ewigkeit. Sicherlich werden wir noch lange warten, bis wir Computerprogramme ohne Fehler haben werden.

Was ist der grösste Irrtum von Laiinnen und Laien in Ihrem Fachgebiet?

Bitcoin ist nicht Blockchain. Nicht in jeder Blockchain sind alle Daten öffentlich. Man irrt sich auch, wenn man denkt, Blockchain sei ein Teufelswerk, das primär dem Darknet diene. Oder wenn man sich vorstellt, Smart Contracts seien smart. Denn diese Computerprotokolle sind nicht klug oder intelligent im eigentlichen Sinne, sondern nichts anderes als Programme.

Bitcoin ist nicht Blockchain. Und Blockchain ist kein Teufelswerk.

Was wird 2021 die grösste Knacknuss?

Es wird anspruchsvoll, die digitale Identität voranzutreiben. Die Hochschule Luzern – Informatik hat dafür die Gründung des Vereins «Digital Identity and Data Sovereignty» (DIDAS) vorangetrieben.

Auch ist es aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin schwierig, für uns als Hochschule, Partnerfirmen zu finden, die mit uns Blockchain-Projekten machen möchten. Das ist vor allem deshalb schwierig, weil in gewissen Fällen Business Cases dahinterstehen müssen. Das ist mit Blockchain vorderhand nicht so einfach zu realisieren. Ausserdem haben viele Firmen in der aktuellen Lage oft ganz andere Probleme. Darum können sie Forschungsprojekte mit uns momentan nicht so gut vorantreiben.

Was fasziniert Sie an Ihrem Thema und warum stehen Sie dafür ein?

Blockchain ist nicht nur eine Technologie, dahinter steht auch eine Philosophie. Nämlich jene, dass man mit einer Technologie ein Ökosystem aufbauen oder unterstützen kann, welches Vertrauen zwischen den Partnerinnen und Partnern kreiert. Das macht die Sache komplex, aber auch spannend, da der Aufbau einen Prozess darstellt. Weiterhin erlaubt Blockchain die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine auf Augenhöhe.

Zur Serie «Prognosen»: Expertinnen und Experten der Hochschule Luzern – Informatik geben einen Ausblick auf Entwicklungen in ihrem Fachgebiet.
An unsere Leserinnen und Leser: Welche Prognosen machen Ihnen Freude oder Sorge? Welche Entwicklungen streben Sie im Bereich Distributed Ledger Technology an?

Veröffentlicht am 6.1.2021

Tim Weingärtner
Tim Weingärtner

Unser Experte für Distributed Ledger TechnologyTim Weingärtner ist Dozent und Forscher an der Hochschule Luzern – Informatik. Er leitet an unserer Hochschule das Blockchain Lab. Ebenso verantwortet er bei uns das «Smart-up»-Programm. Dieses hat zum Ziel, Studierende und Mitarbeitende zu motivieren und zu befähigen, ihre Geschäftsideen umzusetzen.

Angebote für Partnerfirmen: Prüfen Sie eine Partnerschaft bei uns im Crypto Valley mit unserem Blockchain Lab, einer Ausbildungsinfrastruktur für KMU zum Thema Blockchain. Im Rahmen dieses Projekts soll eine physische und virtuelle Plattform geschaffen werden, welche der Industrie und weiteren Bereichen ermöglicht, sich auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlicher Tiefe mit der Blockchain- und der Distributed-Ledger-Technologie auseinanderzusetzen.

Bilden Sie sich weiter: Das CAS Blockchain vermittelt die Grundlagen der neuen digitalen Welt, die digitalen Geschäftsmodelle sowie die zahlreichen Möglichkeiten (Kryptowährungen, Smart Contracts usw.) in Bezug auf die Blockchain-Technologie. Das CAS Digital Business Innovation vermittelt die Grundlagen des IT-Innovationsmanagements und  der digitalen Business Transformation. Es zeigt auf, wie die digitale Innovation das Geschäft erneuern kann. Im Fachkurs Blockchain Technology erwerben Sie sich die Grundlagen zur Blockchain-Technologie und studieren Anwendungsfälle.

 Lesetipp: «Blockchain – ist die Kette rostig geworden?»: Vor wenigen Jahren dominierte Blockchain die Schlagzeilen. Inzwischen ist es um die Technologie still geworden. Eine absehbare – und letztlich gesunde – Entwicklung, findet unser Blockchain-Forscher Alexander Denzler. Er leitet unsere Forschungsgruppe Blockchain & Smart Contracts.

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