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Robotik: «Menschen und Roboter werden enger zusammenarbeiten»

In Teil 8 unserer Zukunftsserie sieht Robotik-Experte Björn Jensen eine Zukunft voraus, in der Roboter ihre Umgebung besser erkennen und enger mit Menschen zusammenarbeiten. Er zeigt, welche Chancen darin liegen und warum solche Systeme zuverlässig arbeiten müssen. Die Serie «10 Jahre voraus» erscheint zum 10-Jahre-Jubiläum der Hochschule Luzern – Informatik.

Robotik: «Menschen und Roboter werden enger zusammenarbeiten»
Roboter-Arme prägen die Industrie. Künftig sollen Roboter flexibler reagieren, ihre Umgebung besser erfassen und enger mit Menschen zusammenarbeiten. (Illustration: Simon Gast, KI-unterstützt)

Zukunftsserie «10 Jahre voraus»: Teil 8

Industrieroboter arbeiten bereits seit Jahrzehnten in Fabriken. Meist folgen sie fest programmierten Abläufen und bleiben in klar abgegrenzten Bereichen. KI sowie humanoide und mobile Roboter verändern dieses Szenario grundlegend: Sie erfassen ihre Umgebung besser, passen sich neuen Situationen an und arbeiten enger mit Menschen zusammen.

Robotik-Experte Björn Jensen sieht darin eine der wichtigsten Entwicklungen der kommenden Jahre. Der Leiter des AI Robotics Lab der Hochschule Luzern – Informatik forscht daran, wie solche Systeme sicher und zuverlässig funktionieren.

Im Interview spricht er über Roboter in Spitälern und Betrieben, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – und darüber, wo wir technischen Möglichkeiten Grenzen setzen sollten.

Mehr über die HSLU-Serie «10 Jahre voraus»

Im September 2026 feiert die HSLU – Informatik ihr 10-Jahre-Jubiläum. Aus diesem Anlass blicken unsere Expertinnen und Experten in einer mehrteiligen Serie zehn Jahre voraus. Was verändert sich gerade, das viele noch unterschätzen? Welche Technologien könnten unseren Alltag in zehn Jahren prägen? Und welches heute noch kühne Szenario könnte Realität werden? Im Fokus stehen folgende Fachgebiete:

Porträt von Börn Jensen

Prof. Dr. Björn Jensen

Leitet das AI Robotics Lab der Hochschule Luzern – Informatik (HSLU) und lehrt Robotik. Er studierte Elektrotechnik mit Schwerpunkt Automation und Bildverarbeitung sowie Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Darmstadt. Anschliessend forschte er an der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) und promovierte dort zur Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern.

Herr Jensen, welche Entwicklung in Ihrem Fachgebiet sollten wir heute ernst nehmen?

Wir unterschätzen das Potenzial und die Möglichkeiten, die sich aus der Verbindung von KI und Robotik ergeben. Bei «Embodied AI» verbindet sich KI mit einem physischen System, etwa einem Roboter. Software, Hardware, KI und Robotik wachsen dadurch noch enger zusammen. Maschinen können autonomer handeln, komplexere Aufgaben bewältigen und enger mit Menschen zusammenarbeiten.

Embodied AI: Wie KI mit einem Körper wahrnimmt und handelt

«Embodied AI» bezeichnet künstliche Intelligenz, die mit einem physischen System verbunden ist, etwa mit einem Roboter. Sie nimmt ihre Umgebung über Kameras, Sensoren oder Mikrofone wahr. Dabei erfasst sie auch räumliche Zusammenhänge: Wo befinden sich Menschen und Gegenstände? Wie sind sie zueinander angeordnet? Danach verarbeitet das System diese Informationen und leitet daraus Handlungen ab. Ein Roboter kann so Gegenstände erkennen, sich im Raum bewegen oder auf Veränderungen reagieren. Solche Systeme müssen mit unvollständigen Daten, unerwarteten Situationen und physikalischen Grenzen umgehen. Das macht ihre Entwicklung anspruchsvoll.

Wir bewegen uns weg von starren, vorprogrammierten Industrierobotern. An ihre Stelle treten anpassungsfähige Systeme. Sie sollen sich auch in unübersichtlichen menschlichen Umgebungen zurechtfinden und mit Menschen und ihrer Umgebung umgehen können.

Roboter werden ihre Umgebung besser erfassen und ihr Verhalten an die Situation anpassen.

Grosse multimodale Modelle verarbeiten verschiedene Arten von Informationen, etwa Sprache, Bilder und Sensordaten. Dadurch sollen Roboter räumliche Zusammenhänge und menschliche Absichten besser erfassen. Statt nur festgelegte Abläufe auszuführen, können sie ihr Verhalten stärker an die jeweilige Situation anpassen.

Welche Anwendungen könnten Menschen in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren konkret nutzen?

Besonders wichtig wird die Interaktion zwischen Menschen und Robotern. Schon heute erkennen Systeme unsere Sprache oder Gesten. Künftig sollen Roboter auch besser erfassen, was ein Mensch als Nächstes tun möchte. So könnten sie gezielter unterstützen und sicherer mit uns zusammenarbeiten. Ein Beispiel aus unserem Lab ist eine «Robotic Scrub Nurse»: Da erkennt ein Roboter eine Geste und reicht der operierenden Person das gewünschte Instrument. Ein solches intuitives Zusammenspiel ist auch in anderen Anwendungen, wie etwa bei Rettungseinsätzen oder in der industriellen Fertigung, relevant.

Forschung und konkrete Anwendungen verbinden: Das AI Robotics Lab

Das AI Robotics Lab der Hochschule Luzern – Informatik verbindet künstliche Intelligenz mit Robotik. Björn Jensen leitet das Lab. Sein Team erforscht, wie mehrere Roboter navigieren und wie Maschinen ihre Umgebung wahrnehmen. Es entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Lösungen für Produktion und Logistik, mobile und kollaborative Roboter sowie Einsätze in anspruchsvollen Umgebungen.

Auch die Lehre gehört zum Lab: Es verantwortet den Major AI Robotics im Bachelor Informatik. So verbindet das Lab Forschung, Lehre und konkrete Anwendungen.

Welche Aufgaben könnten Roboter konkret in Betrieben und Einrichtungen übernehmen?

In Spitälern übernehmen Roboter bereits einzelne Aufgaben. Sie lagern zum Beispiel Medikamente und verteilen sie. Mobile Roboter dürften künftig häufiger Essen, Material, Wäsche oder Abfall durch Gebäude transportieren. So entlasten sie Mitarbeitende von langen Laufwegen. Ich hoffe, sie verschaffen ihnen so mehr Zeit für Aufgaben, bei denen es Menschen braucht.

Wir Menschen werden enger mit Robotern zusammenarbeiten.

Auch Hotels und Restaurants dürften solche Systeme häufiger einsetzen. Dort übernehmen Roboter bereits heute Transporte und zunehmend einfache, wiederkehrende Arbeiten.

In der Kreislaufwirtschaft sortieren Roboter bereits Abfälle. Künftig könnten sie Materialien noch genauer erkennen und wiederverwendbare Teile gezielt weiterverarbeiten. Drohnen übernehmen heute schon einzelne Transporte. In den nächsten Jahren dürften sie häufiger dringende Lieferungen ausführen oder schwer zugängliche Orte versorgen.

Welche hoffnungsvollen Zukunftsbilder diskutiert Ihre Fach-Community? 

In der Robotik sprechen wir oft von den drei «D»: dull, dirty und dangerous – also von eintönigen, schmutzigen oder gefährlichen Arbeiten. Gerade im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft und in der Logistik können Roboter solche Aufgaben für Menschen übernehmen.

Roboter übernehmen gefährliche, monotone oder körperlich belastende Arbeiten.

Ein Beispiel für gefährliche Einsätze ist EnRicH, ein europäischer Robotik-Hackathon für radiologische und nukleare Szenarien. Dort testen Forschungsteams zum Beispiel Roboter in realitätsnahen nuklearen Szenarien. Sie suchen Strahlenquellen, erstellen Karten von schwer zugänglichen Bereichen oder arbeiten mit radioaktivem Material.

Roboter für die drei «D»: dull, dirty, dangerous. Das HSLU-Video zeigt einen Roboterhund beim Einsatz in einem Tunnel. Solche mobilen Roboter können künftig dort helfen, wo Arbeiten eintönig, schmutzig oder gefährlich sind – etwa in schwer zugänglichen oder riskanten Umgebungen.

Roboter übernehmen zudem monotone oder körperlich belastende Arbeiten. Ich hoffe, dass Menschen dadurch mehr Zeit für Aufgaben gewinnen, bei denen Kreativität, Erfahrung und Urteilsvermögen gefragt sind.

Gleichzeitig lernen Menschen und Roboter immer besser, direkt zusammenzuarbeiten. Verbinden wir diese Entwicklung mit «Physical AI», entstehen Arbeitsplätze, an denen Roboter Menschen flexibel unterstützen, statt nur fest programmierte Abläufe auszuführen.

Embodied AI, Physical AI, autonome Systeme: Was ist der Unterschied?
  • Embodied AI verbindet KI mit einem physischen Körper, etwa einem Roboter. Dieser Körper ist Teil davon, wie das System seine Umgebung wahrnimmt, lernt und handelt.
  • Physical AI bezeichnet KI, die in der physischen Welt handelt und deren Gesetzmässigkeiten berücksichtigt – etwa Bewegung, Kräfte oder räumliche Beziehungen. Der Begriff überschneidet sich mit Embodied AI, setzt aber einen anderen Schwerpunkt.
  • Autonome Systeme können selbstständig Entscheidungen treffen und handeln, ohne dass jeder einzelne Schritt vorgegeben ist. Dazu nutzen sie unter anderem KI. Beispiele sind autonome Roboter oder selbstfahrende Fahrzeuge.

Kurz gesagt: Autonome Systeme handeln selbstständig. Embodied AI verbindet KI mit einem Körper. Physical AI betont das Handeln in und das Verstehen der physischen Welt.

Vertrauen entsteht nicht von selbst.

Welche kritischen Zukunftsbilder diskutiert die Fachwelt? 

Eine grosse Herausforderung ist die Sicherheit komplexer, lernender Robotersysteme. Klassische Robotersteuerungen beruhen stark auf mathematischen Modellen. Damit lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen berechnen und überprüfen, wie sich ein System verhält.

Bei lernenden Systemen wird das schwieriger. Ein Roboter könnte zum Beispiel einen ungeeigneten Bewegungsweg berechnen oder eine Situation falsch einschätzen. Im gemeinsamen Arbeitsraum mit Menschen kann das gefährlich werden. Anders als bei einem gewöhnlichen Softwarefehler kann das Menschen unmittelbar körperlich gefährden.

Deshalb brauchen wir neue Ansätze, die lernende Systeme mit überprüfbaren Sicherheitsmechanismen verbinden. Daran forschen wir im Bereich «Physical AI».

Wie reagieren Menschen auf die neuen Roboter-Kollegen?

Manche fürchten, dass Roboter ihre Arbeit ersetzen. Andere stört, dass Kameras und Sensoren laufend Daten erfassen. Neue Robotersysteme funktionieren im Betrieb nur, wenn Mitarbeitende ihnen vertrauen können. Dafür müssen sie wissen, was die Roboter leisten und wo ihre Grenzen liegen.

Vertrauen entsteht nicht von selbst. Unternehmen müssen die Mitarbeitenden früh einbeziehen und offen informieren. Sie sollten ihnen zeigen, welchen konkreten Nutzen die Systeme im Arbeitsalltag bringen.

Wir müssen uns fragen, was wir Robotern überlassen wollen.

Was ist das verrückteste Szenario, das eintreffen könnte?

Mein Regelungstechnik-Professor träumte früher davon, dass eines Tages ein humanoider Roboter morgens in den Garten geht, eine gelbe Rose pflückt und sie seiner Frau überreicht.

Später haben wir an der EPFL darüber philosophiert, ob man einen Roboter überhaupt noch einfach abschalten darf, wenn er ein hohes Mass an Autonomie erreicht. Was, wenn er sich selbst und seine Umgebung zunehmend versteht? Könnte ein solches System sogar ein Bewusstsein für das eigene Abschalten ausbilden? Vor rund 25 Jahren klang das noch stark nach Science-Fiction. Heute wirken solche Fragen deutlich weniger fern.

Vielleicht wird das sichere Abschalten künftig zu einer festen Anforderung bei der Entwicklung von Robotern.

Wie viel Science-Fiction wird gerade Wirklichkeit?

Viele Technologien, die damals noch weit entfernt schienen, sind heute verfügbar oder in greifbare Nähe gerückt. Damit geht es nicht mehr nur darum, was technisch machbar ist. Wir müssen auch klären, welche Sicherheitsmechanismen und ethischen Regeln solche Systeme brauchen. Vielleicht wird das sichere Abschalten künftig sogar zu einer festen Anforderung bei der Entwicklung von Robotern.

Die spannendere Frage ist für mich deshalb nicht nur, was Roboter künftig können. Wir müssen uns auch fragen, was wir ihnen überlassen wollen. Soll selbst eine romantische Geste wie das Überreichen einer Rose automatisiert werden?

Ein Buch, das mich in diesem Zusammenhang beschäftigt, ist Max Tegmarks «Leben 3.0». Ich empfehle es immer wieder – obwohl ich es selbst nicht zu Ende lesen konnte. Einige der beschriebenen Zukunftsszenarien fand ich schlicht zu bedrückend.

Tegmarks «Leben 3.0»: Welche Zukunft wollen wir mit KI?

In «Leben 3.0» verbindet der Physiker Max Tegmark wissenschaftliche Erkenntnisse mit möglichen Zukunftsszenarien der KI. Er fragt, was geschieht, wenn künstliche Intelligenz Fähigkeiten erreicht, die jene des Menschen übertreffen.

Das Buch beschreibt Chancen, aber auch beunruhigende Szenarien – bis hin zu einer sogenannten Superintelligenz. Im Zentrum steht die Frage, wie Menschen dafür sorgen können, dass fortgeschrittene KI der Menschheit nützt. Mehr dazu in unserem Beitrag «Sieben Bücher über KI, die du gelesen haben musst.»

Wenn wir über das künftige Zusammenleben von Menschen und Robotern sprechen, tauchen schnell Bilder aus Filmen auf. Vielleicht steuern Roboter eines Tages Raumschiffe auf dem Weg zum Mars. Oder sie kämpfen gegeneinander wie in «Terminator».

Nehmen die Roboter künftig an der Besprechung vor Schichtbeginn teil? Geben wir ihnen Namen?

Was bedeuten aktuelle Fortschritte jenseits von Science-Fiction für die Praxis?

Da interessiert mich vor allem die Produktion. Können wir Embodied AI nutzen, um mit flexiblen Robotern günstiger und zugleich vielseitiger zu produzieren?

Eine grosse Chance sehe ich darin, KI und Robotik so zu verbinden, dass Roboter nicht nur repetitive Aufgaben übernehmen, sondern auch zu kreativen Werkzeugen werden. Ein Beispiel ist das Projekt «Gaud-AI» von Anastasiia Dubinkina und Vojtěch Mareček an der HSLU. Dabei setzt ein Roboter Keramiksplitter zu neuen Fliesenelementen zusammen, während KI beim Entwurf der Muster hilft. So entstehen Wandverkleidungen für Bäder oder Pools – und zerbrochene Keramik erhält im Sinn der Kreislaufwirtschaft ein neues Leben.

Roboter können nicht nur repetitive Aufgaben übernehmen, sondern auch zu kreativen Werkzeugen werden.

Kreislaufdesign mit KI und Robotik: Im HSLU-Projekt «Gaud-AI» werden ausrangierte Keramikstücke digital erfasst, mit KI zu Mustern angeordnet und von einem Roboterarm platziert. So zeigt das Projekt, wie Abfall im Kreislaufdesign zum Ausgangsmaterial für Neues werden kann.

Solche Beispiele zeigen, wie sich die Rolle von Robotern verändern kann. Sie führen nicht mehr nur vorgegebene Arbeiten aus, sondern werden flexibler in Arbeitsprozesse eingebunden. Und wie sieht dann die kurze Besprechung vor Schichtbeginn aus? Nehmen die Roboter daran teil? Geben wir ihnen Namen? Ich bin gespannt, welche Formen der Zusammenarbeit und Akzeptanz wir in den nächsten Jahren entwickeln.

Was geschieht, wenn wir Robotern menschliche Eigenschaften zuschreiben?

Das passiert schnell, sobald Roboter mit uns sprechen, auf uns reagieren oder sich menschenähnlich bewegen. Menschen beginnen dann, den Systemen Eigenschaften zuzuschreiben, die sie nicht tatsächlich besitzen.

In Japan gibt es Ansätze, Roboter stärker in soziale Zusammenhänge einzubinden. Sie können etwa als Kolleginnen und Kollegen gedacht werden oder bestimmte Aufgaben in einem Arbeitsteam übernehmen. Das kann den Umgang mit ihnen erleichtern. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass wir daraus nicht auf Gefühle, Verständnis oder eigene Absichten schliessen.

Eine gute Zusammenarbeit braucht Vertrauen – aber kein falsches Bild davon, was die Maschine ist.

Für mich ist deshalb wichtig, dass Menschen wissen, was ein Roboter tatsächlich kann und wo seine Grenzen liegen. Eine gute Zusammenarbeit braucht Vertrauen – aber kein falsches Bild davon, was die Maschine ist.

Was sollte die HSLU in Ihrem Fachbereich konkret anpacken?

KI verändert, wie wir lernen, prüfen und arbeiten. In der Robotik zeigt sich das besonders deutlich: KI-Modelle müssen nicht nur in Simulationen funktionieren, sondern auch auf echter Hardware und in der realen Welt.

Dafür brauchen wir praxisnahe Testumgebungen. Studierende sollen KI-Modelle auf humanoiden Robotern, Drohnenflotten und Cobots einsetzen. Cobots sind Roboter, die direkt mit Menschen zusammenarbeiten. In der realen Welt treffen diese Systeme auf Hindernisse, wechselndes Licht, Menschen oder andere unerwartete Situationen. Genau daran zeigt sich, ob ein Modell zuverlässig funktioniert.

Im AI Robotics Lab erforschen wir deshalb, wie KI-gestützte Roboter künftig sicher und verlässlich arbeiten. Damit unterstützen wir Schweizer Unternehmen dabei, neue Robotersysteme zu entwickeln und einzusetzen.

Welches Szenario halten Sie persönlich für realistisch? 

Der Einsatz von Robotern wird sich vor allem dort ausweiten, wo er sich für Unternehmen wirtschaftlich lohnt. Cobots arbeiten heute bereits direkt mit Menschen zusammen. Bisher geschah das aber oft in klar begrenzten Einsatzfeldern.

Neue Robotersysteme werden flexibler. Unternehmen könnten sie dadurch leichter für wechselnde Aufgaben einsetzen. Das wäre besonders für KMU interessant, bei denen sich klassische Industrieroboter häufig nicht rechnen.

Gleichzeitig wächst möglicherweise die Abhängigkeit von grossen Anbietern cloudbasierter KI-Dienste. Dann stellt sich auch die Frage, wer Daten, KI-Modelle und technische Infrastruktur kontrolliert.

Cloud-KI: Wenn ein Teil der Intelligenz ausserhalb des Roboters läuft

Ein Roboter muss seine KI nicht vollständig auf dem Gerät ausführen. Er kann Daten über das Internet an einen Cloud-Dienst senden, der sie verarbeitet. So können auch kleinere Unternehmen leistungsfähige KI nutzen, ohne selbst grosse Rechenanlagen oder eigene KI-Modelle zu entwickeln.

Gleichzeitig entsteht eine Abhängigkeit vom Anbieter: Er stellt Rechenleistung, technische Infrastruktur und möglicherweise sogar Modelle bereit. Unternehmen müssen deshalb klären, welche Daten die Cloud verarbeitet, wo sie gespeichert werden und wie leicht sie den Anbieter wechseln können.

Die grosse Frage lautet deshalb: Wird Robotik so flexibel und erschwinglich, dass deutlich mehr Unternehmen sie sinnvoll einsetzen können?

Gibt es ein Missverständnis über Ihr Fachgebiet, das Sie gerne korrigieren möchten?

Ein häufiges Missverständnis ist, dass ein Roboter mit KI im Grunde nur ein Chatbot in einem «Blechkörper» sei. Das greift zu kurz. Wenn KI mit robotischer Hardware zusammenkommt, entstehen neue Möglichkeiten – aber auch neue Herausforderungen. Ein Roboter muss seine Umgebung räumlich erfassen, Bewegungen planen und zuverlässig steuern.

Ein Roboter mit KI ist nicht einfach ein Chatbot im «Blechkörper».

Ein Chatbot kann eine falsche Aussage erzeugen und sie später korrigieren. Bei einem Roboter kann ein Fehler unmittelbare Folgen haben. Es kann gefährlich werden, wenn ein humanoider Roboter einen falschen Schritt plant, ein Cobot einen ungeeigneten Bewegungsweg wählt oder ein Greifvorgang misslingt.

Deshalb forschen wir am AI Robotics Lab daran, KI-gestützte Cobots so zuverlässig zu machen, dass Unternehmen sie sicher in der Produktion einsetzen können.

Zum Weiterdenken: Diese Zukunftsbilder betreffen uns alle. Welche Chancen und Risiken sollten wir heute diskutieren, damit technologische Entwicklungen verantwortungsvoll gestaltet werden?

Redaktionelle Verantwortung: Gabriela Bonin
Illustration Aufmacherbild: Simon Gast
Veröffentlicht am: 2. September 2026

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