13. Juli 2026

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Studie,

Wealth Management

ETF-Gebühren: Hohe Aufmerksamkeit, geringe Wirkung bei Privatanlegenden

Kaum ein Argument wird im ETF-Geschäft so häufig genannt wie die tiefen Produktgebühren. Seit ihrer Einführung in den 1990er-Jahren stehen börsengehandelte Indexfonds für eine einfache, transparente und kostengünstige Geldanlage. Doch wie gebührensensibel handeln Schweizer Anlegende tatsächlich? Die ETF-Anlegerstudie Schweiz der Hochschule Luzern zeigt: Zwischen Wahrnehmung und Realität besteht eine erhebliche Lücke.[1]

Von Dr. Brian Mattmann, Prof. Dr. Karsten Döhnert, Prof. Dr. Jürg Fausch und Angelo Gattlen

Dass Gebühren einen wesentlichen Einfluss auf den Anlageerfolg haben, ist seit Langem bekannt. Bereits Elton, Gruber, Comer und Li (2002) zeigten anhand des ersten grossen US-ETFs, dass Managementgebühren einen wesentlichen Teil der Renditeabweichung gegenüber einem Index erklären. Weil ETFs in der Regel einen Index passiv nachbilden, benötigen sie kein aufwendiges Research und verursachen meist vergleichsweise tiefe Verwaltungskosten.

Anlegende unterschätzen Gebührenvorteil von ETFs

Bereits geringe Unterschiede bei den jährlichen Gebühren können sich über lange Anlagezeiträume deutlich auswirken, der Zinseszinseffekt verstärkt diesen Einfluss. Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Finanzen.ch hat die Kosten von ETFs in der Schweiz untersucht. Die Studie zeigt ein Kernproblem: Schweizer Anlegende überschätzen die Kosten von ETFs massiv (Abbildung 1). 58 Prozent der Nicht-ETF-Nutzenden gehen davon aus, dass ein ETF jährliche Gebühren von über einem Prozent verursacht. Und selbst unter den ETF-Anlegenden, die das Produkt aktiv nutzen, schätzt über ein Viertel (28 Prozent) die Kosten auf über ein Prozent. Im Durchschnitt liegen die Kosten Schweizer ETFs bei 0.30 Prozent.

Abbildung 1: Die Kosten von ETFs werden überschätzt, auch von ETF-Anlegern (Die Frage lautete: Wie hoch schätzen Sie die Kosten (Gebühren) eines ETFs?)

Dieser Irrtum ist von Relevanz: Es bedeutet, dass ein wesentlicher Teil der Schweizer Investoren das Ausmass der Kostenvorteile von ETFs – z.B. gegenüber klassischen Anlagefonds – kaum abschätzen kann. Wer glaubt, ein ETF koste ähnlich viel wie ein aktiv gemanagter Fonds, dürfte wenig Anreiz haben, das bestehende Anlageverhalten zu hinterfragen.

Anlegende sind gebührensensibel, können die Gebührenhöhe aber kaum Abschätzen

Interessant ist, dass Schweizer Anlegende den Gebühren von Finanzanlagen durchaus eine ausserordentlich hohe Bedeutung beimessen. Sie werden sogar häufiger als «sehr wichtig» eingestuft als die Rendite oder die Verständlichkeit eines Produkts. Das deklarierte Kostenbewusstsein ist also bei Schweizer Anlegenden sehr hoch. Die Analyse des tatsächlichen Anlageverhaltens zeichnet jedoch ein anderes Bild, wie ein Experiment der ETF-Anlegerstudie 2025 zeigt.

Den Umfrageteilnehmenden wurde ein fiktives Anlageprodukt präsentiert, das eine durchschnittliche Jahresrendite von rund 7 Prozent erzielt – analog dem Schweizer Aktienindex SMI. Während die eine Hälfte der Befragten eine Gebühr von 0.25 Prozent für das Anlageprodukt ausgewiesen wurde, sah die andere Hälfte eine Gebühr von 1.75 Prozent. Das Resultat ist beachtlich (Abbildung 2): Bei den ETF-Anlegenden war die Zustimmung zum teureren Produkt deutlich geringer (92 Prozent Zustimmung bei tiefer Gebühr vs. 54 Prozent Zustimmung bei hoher Gebühr, linke Grafik). Bei den Nicht-ETF- Anlegenden hingegen war die Zustimmung nahezu unverändert (76 vs. 68 Prozent, rechte Grafik). Die Gebührenhöhe spielt für diese Gruppe also kaum eine Rolle für den Investitionsentscheid.

Abbildung 2: Investitionsbereitschaft in Abhängigkeit von der Gebührenhöhe

Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen dem deklarierten Kostenbewusstsein und dem tatsächlichen Anlageverhalten eine sehr deutliche Diskrepanz besteht: Zwar weisen Schweizer Anlegende den Kosten eine hohe Bedeutung zu, doch können rund zwei Drittel der Schweizer Finanzanlegerschaft die Höhe von Finanzgebühren kaum einschätzen. Das führt dazu, dass selbst sehr hohe Produktgebühren deren Anlagebereitschaft kaum beeinflussen. Ein Grund dürfte darin liegen, dass Finanzgebühren – meist in Prozent quotiert – für viele Privatanlegende schwer einzuordnen sind. Bei dieser Gebührendarstellung fehlt vielen Anlegenden eine Vergleichsbasis, was eine realistische Einschätzung von Gebühren erschwert.

Fazit

Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 zeigt, dass Schweizer Anlegende Gebühren zwar eine hohe Bedeutung beimessen, deren tatsächliche Höhe jedoch häufig falsch einschätzen. Insbesondere Nicht-ETF-Anlegende überschätzen die Kosten von ETFs deutlich und unterschätzen damit einen zentralen Vorteil dieser Anlageform. Gleichzeitig zeigt sich, dass hohe Gebühren ihre Investitionsbereitschaft nur geringfügig beeinflussen, obwohl Gebühren als wichtiges Entscheidungskriterium genannt werden.

Für Anbieter von ETFs bedeutet dies, die Kostenstruktur verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Denn der Schweizer ETF-Markt bietet Wachstumspotenzial: Erst 31 Prozent der hiesigen Anlegenden investieren in ETFs. Für den ETF-Vertrieb sind Wissensvermittlung sowie eine verständliche Produktkommunikation entscheidend, um Vertrauen und Kaufbereitschaft zu erhöhen.

Literatur

Elton, E. J., Gruber, M. J., Comer, G., & Li, K. (2002). Spiders: Where Are the Bugs? The Journal of Business, 75(3), 453-472.

[1] Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 präsentiert die erste umfassende Analyse zum Anlageverhalten und Wissensstand von Schweizer Anleger in Bezug auf ETFs. Sie liefert einen fundierten Überblick über dieses dynamisch wachsende Anlagesegment. Finanzen.ch hat die Studie bei der HSLU beauftragt. Dazu wurde vom 29. April bis 8. Mai 2025 mit dem Schweizer Marktforschungsinstitut intervista eine repräsentative Umfrage unter 3’460 Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt. Die Repräsentativität bezieht sich auf Alter, Geschlecht und Sprachregion. Die Studie ist digital auf der Webseite der HSLU sowie in einer webbasierten Version auf Finanzen.ch verfügbar.

Ausblick: Am 21. Oktober wird die ETF-Anlegerstudie 2026 publiziert. Bei Fragen geben die Studienautoren gerne Auskunft.

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