25. März 2024

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Kompetenzen der Anlageberater in der Schweiz

Von Dr. Tatiana Agnesens und Ersilia Perpignano

Die Finanzmärkte und Finanzinstrumente werden zunehmend komplexer, wodurch auch die Anforderungen an Anlageberater kontinuierlich steigen. Seit Januar 2020 müssen sich in der Schweiz tätige Anlageberater in ein von der FINMA bewilligtes Kundenberaterregister eintragen lassen. Diese Eintragungspflicht stellt sicher, dass die Anlageberaterinnen und Anlageberater hinreichende Kenntnisse über die Verhaltensregeln des FIDLEG und das notwendige Fachwissen zur Anlageberatung besitzen. Derzeit gibt es drei von der FINMA zugelassene Registrierungsstellen, wobei die Registrierungsstelle der BX Swiss AG mit über 4‘500 Registrierungen marktführend ist. Somit verfügt das Kundenberaterregister der BX Swiss AG über einen einzigartigen Datensatz, der unter anderem die demografischen Charakteristika, die Fachkenntnisse, den beruflichen Hintergrund, die absolvierten Aus- und Weiterbildungen, sowie die Tätigkeitsfelder der Anlageberater umfasst. Basierend auf diesem Datensatz hat Ersilia Perpignano in ihrer Masterarbeit die aktuellen und zukünftigen Kompetenzen der Schweizer Anlageberater analysiert. In unserem heutigen Blog fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse ihrer Arbeit zusammen.   

Der typische Anlageberater in der Schweiz

Der typische Anlageberater in der Schweiz, basierend auf den über 4’500 analysierten Registereinträgen, ist männlich (81%). Rund die Hälfte (48%) der registrierten Anlageberaterinnen und Anlageberatern stammen aus der Generation X (1965-1980). Weitere 38% gehören zur Generation Y (1981-1996). Das Durchschnittsalter eines typischen Anlageberaters liegt somit bei knapp 45 Jahren. Des Weiteren zeigen die Daten, dass die registrierten Anlageberaterinnen und Anlageberater mehrheitlich (80%) ausserhalb der Finanzzentren (Zürich, Basel, Genf, Lausanne) wohnhaft sind. Daher lässt sich kein Zusammenhang zwischen dem Beruf im Finanzbereich und der Tendenz, in einem Finanzzentrum zu leben, feststellen.

Ausserdem zeigen die Daten, dass 36% der registrierten Anlageberater Schweizer sind, während die restlichen 64% aus dem Ausland stammen. Unter den ausländischen Anlageberatern machen 20% Deutsche, 9% Briten, 6% Franzosen und 4% Italiener aus. Eine grosse Mehrheit der registrierten Anlageberater (96%) ist bei einem Finanzdienstleister angestellt. Lediglich 4% sind selbstständig. Interessanterweise konnten in den Daten über 1’000 verschiedene Bezeichnungen der beruflichen Funktionen der registrierten Personen festgestellt werden.

Abbildung 1: Demographische Faktoren der registrierten Anlageberater (n=4’586)

Ausbildungen und Kompetenzen der Schweizer Anlageberater

Um ins Beraterregister eingetragen zu werden, müssen die Anlageberater ihre Ausbildungsdiplome, abgeschlossenen Weiterbildungen und Zertifikate beilegen. Mithilfe des Datensatzes der BX Swiss AG konnten somit die am häufigsten absolvierten Ausbildungen erfasst werden. Abbildung 2 zeigt die Einteilung der von den Anlageberatern erworbenen Diplome nach Schwerpunkten. Deutlich wird, dass der Grossteil der erworbenen Diplome im Bereich der Regulierungen und Verhaltensregeln des FIDLEG (49%) liegt. Regulierungen sind ein Bestandteil der Tätigkeit eines Anlageberaters, und deren Kenntnisse müssen kontinuierlich aktualisiert und erweitert werden. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass die Schweizer Anlageberater die Bedeutung von Regulierungen erkennen und bestrebt sind, das erforderliche Fachwissen zu erlangen. Es wird erwartet, dass dieser Anteil in Zukunft weiter steigen wird.

Des Weiteren gab eine grosse Mehrheit der registrierten Anlageberater (86%) an, ein Weiterbildungsprogramm im Bereich Anlageberatung abgeschlossen zu haben. Unter Weiterbildungen werden beispielsweise Programme wie Certificate of Advanced Studies (CAS), Diploma of Advanced Studies (DAS), Master of Advanced Studies (MAS) oder andere spezifische Weiterbildungen verstanden.  

Abbildung 2: Diplome der registrierten Anlageberater nach Schwerpunkt (n=4’586)

Mithilfe der angegebenen Diplome und Zertifizierungen der registrierten Beraterinnen und Berater konnten die erworbenen Kompetenzen festgelegt werden, die zur Erstellung des Kompetenzprofils (Abb. 3) der Schweizer Anlageberater beigetragen haben. Die Kompetenzen wurden in vier Gruppen unterteilt: technische Kompetenzen, soziale Kompetenzen, Führungskompetenzen und die so genannten «T-förmige» Kompetenzen. Unter technischen Kompetenzen versteht man die Expertise und die Kenntnis rund um Regulierungen, das Anlegen, Finanzen und Wirtschaft. Zu sozialen Kompetenzen gehören die Beratungskompetenz sowie die Kommunikationsfähigkeit. Führungskompetenzen umfassen ethische Verfahren, Vertrauensbildung mit der Kundschaft und Managementfähigkeiten. Die Idee hinter T-förmige Kompetenzen ist, dass Fachleute sowohl über eine breite Palette von allgemeinen Fähigkeiten und Wissen (die horizontale Linie des „T“) als auch über spezifische Fachkenntnisse oder Fähigkeiten (die vertikale Linie des „T“) in einem bestimmten Bereich verfügen sollten. Einige der erworbenen Diplome, die zur Entwicklung von T-förmigen Kompetenzen beitragen, umfassen fachspezifische und anspruchsvolle Themen. Daher gehören zu den entwickelten Kompetenzen die Spezialisierung und das Verständnis von komplexen Systemen.

Die Analyse der angegebenen Diplome und Zertifikate hat ergeben, dass alle registrierte Anlageberater über technische Kompetenzen verfügen, gefolgt von Führungskompetenzen (81%), T-förmigen Kompetenzen (38%) und sozialen Kompetenzen (25%). Diese Reihenfolge ist in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3: Das Kompetenzprofil der Schweizer Anlageberater

Fazit: Empfehlungen an die Schweizer Anlageberater

Um zukünftig weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Schweizer Anlageberaterinnen und Anlageberater ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln. In einem Markt, der zunehmend komplexer und dynamischer wird, ist es entscheidend, sich als Finanzdienstleister zu differenzieren. Die geringe Anzahl von Schweizer Anlageberatern mit T-förmigen Kompetenzen zeigt, dass es in dieser Kompetenzgruppe noch Entwicklungsbedarf gibt. Dies bedeutet, dass die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit, die Anpassungsfähigkeit in komplexen Situationen und eine Offenheit für neue Themen und Erfahrungen dazu beitragen können, T-förmige Kompetenzen zu entwickeln und sich von der Konkurrenz abzuheben. Darüber hinaus gewinnen Kompetenzen, die mit relevanten Trends in der Investmentbranche in Verbindung stehen, an Bedeutung. Dazu gehören Kenntnisse im Bereich nachhaltiger Anlagen sowie die Fähigkeit, KI-basierte Tools effektiv zu nutzen und in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Für weitere Informationen zu diesem Thema sehen Sie folgendes YouTube-Video.

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