3. August 2026

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Künstliche Intelligenz für unabhängige Vermögensverwalter: Status Quo und Herausforderungen in der Umsetzung

Künstliche Intelligenz (KI) hat innerhalb kurzer Zeit auch bei unabhängigen Vermögensverwaltern stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Doch wie weit ist ihre Anwendung bereits fortgeschritten? Und sind die Unternehmen organisatorisch und technisch bereit, KI systematisch einzusetzen? Unsere aktuelle Studie geht diesen Fragen nach. Im Zentrum stehen der Einsatz von KI entlang der Wertschöpfungskette von EAMs, der aktuelle Stand der Nutzung, die organisatorische Bereitschaft sowie wahrgenommene Potenziale und Hindernisse.

Von Dr. Tatiana Agnesens und Prof. Dr. Manfred Stüttgen

Auf dem Markt werden unterschiedliche Bezeichnungen für unabhängige Vermögensverwalter verwendet. In diesem Blog-Beitrag verwenden wir den Begriff External Asset Managers (EAMs). EAMs verwalten Finanzvermögen und Anlagen im Auftrag ihrer Kundinnen und Kunden, ohne die Vermögenswerte selbst zu verwahren.

An der strukturierten Online-Befragung nahmen insgesamt 41 EAMs teil. Ergänzend wurden neun qualitative Interviews mit EAMs und ihren Beratern geführt. Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine explorative Studie handelt.

Grosses Interesse an KI, aber noch wenig systematische Umsetzung

Die Ergebnisse zeigen zunächst eine grosse Offenheit gegenüber künstlicher Intelligenz. 49 Prozent der befragten EAMs geben an, KI bereits in ausgewählten Prozessen einzusetzen. Weitere 39 Prozent prüfen konkrete Einsatzmöglichkeiten oder planen entsprechende Initiativen. Lediglich 12 Prozent haben das Thema zwar diskutiert, verfolgen gegenwärtig aber keine konkreten Vorhaben. Kein einziges Unternehmen gibt an, weder Pläne noch Interesse an einer zukünftigen KI-Nutzung zu haben.

Abbildung 1: Aktuelle Position der EAMs bezüglich künstlicher Intelligenz (N=41)

Als wichtigste Motivation für KI-Nutzung nennen die EAMs mögliche Effizienzsteigerungen (93% der befragten EAMs). Das übergeordnete Ziel besteht häufig darin, mehr Zeit für die persönliche Betreuung der Kundinnen und Kunden zu gewinnen.

Dass sich alle befragten EAMs in irgendeiner Form mit KI beschäftigen, bedeutet allerdings noch nicht, dass KI bereits breit in den Unternehmen verankert ist. Die Interviews zeigen vielmehr, dass der aktuelle Einsatz häufig punktuell und wenig systematisch erfolgt. Mitarbeitende testen beispielsweise öffentlich verfügbare Anwendungen, nutzen KI-Assistenten für einzelne Aufgaben oder sammeln erste Erfahrungen mit spezialisierten Lösungen.

Die strategische Bedeutung von KI wird höher eingeschätzt als die eigene Umsetzungsfähigkeit

Obwohl sich die meisten Unternehmen bereits mit KI beschäftigen, sind wichtige Voraussetzungen für einen breiteren Einsatz noch nicht überall vorhanden. 83 Prozent der befragten EAMs stimmen der Aussage zu, dass KI für ihr Unternehmen eine strategische Chance darstellt. Auch die technischen Grundlagen werden positiv beurteilt: 66 Prozent sind der Ansicht, dass ihre bestehende IT-Infrastruktur grundsätzlich die Integration von KI-Lösungen erlaubt.

Bei der konkreten organisatorischen Umsetzungsfähigkeit fallen die Einschätzungen jedoch deutlich zurückhaltender aus. Nur 41 Prozent der Unternehmen verfügen nach eigener Einschätzung über genügend interne Fachkenntnisse, um mit KI zu arbeiten. Ebenfalls lediglich 41 Prozent geben an, klare Verantwortlichkeiten und Prozesse für die Einführung entsprechender Lösungen definiert zu haben.

Die grösste Schwachstelle liegt bei den Daten. Nur 27 Prozent der befragten EAMs beurteilen ihre Daten als ausreichend strukturiert und qualitativ geeignet für den Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Das Thema Budget bleibt ambivalent. Zwar geben 56 Prozent der befragten EAMs an, grundsätzlich bereit zu sein, Mittel für KI-Pilotprojekte bereitzustellen. Die Interviews zeigen jedoch, dass viele Unternehmen weiterhin vorsichtig sind. Häufig ist unklar, wie hoch die erforderlichen Investitionen tatsächlich ausfallen und wie sich der wirtschaftliche Nutzen eines Projekts messen lässt. Während die Kosten unmittelbar sichtbar sind, bleiben mögliche Effizienz- und Qualitätsgewinne oft schwer zu quantifizieren.

Abbildung 2: Bereitschaft der EAMs zur Einführung von künstlicher Intelligenz (N=41)

Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass weniger das Interesse an KI als vielmehr die unternehmensinterne Bereitschaft zum Engpass werden könnte. Zudem sorgen sich die EAMs um die Sicherheit der Kundendaten: 85 Prozent der Befragten nennen Datenschutz- und Vertraulichkeitsbedenken als wichtigste Hürde für den Einsatz von KI.

In den Interviews wurde deshalb der Bedarf an systematischer Weiterbildung häufig hervorgehoben. Dabei geht es nicht nur darum, den Mitarbeitenden die Möglichkeiten von KI zu vermitteln. Ebenso wichtig sind Kenntnisse über Risiken, Datenschutz, die Zuverlässigkeit der Ergebnisse und den verantwortungsvollen Umgang mit vertraulichen Informationen.

Fazit: Vermögensverwalter brauchen eine strategische Auslegungsordnung, nicht aber isolierte Werkzeuge

Künstliche Intelligenz ist bei den Schweizer EAMs angekommen. Die Anwendung erfolgt zurzeit jedoch häufig unsystematisch und ist noch nicht in die bestehenden Prozesse und Systeme integriert.

Gleichzeitig schätzen die EAMs die strategische Bedeutung von KI deutlich höher ein als ihre eigene Umsetzungsfähigkeit. Vor allem bei der Datenqualität, den internen Fachkenntnissen und der Festlegung klarer Verantwortlichkeiten besteht Handlungsbedarf. Wer KI über einfache Experimente hinaus nutzen möchte, benötigt daher nicht in erster Linie zusätzliche Tools, sondern eine klare Strategie und einen realistischen Umsetzungsplan.

Detaillierte Ergebnisse können in der Studie eingesehen werden.

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