11. Dezember 2023

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Rückblick auf die IFZ Retail Banking Konferenz 2023

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich, Dr. Simon Amrein, Reto Rey, Mariam Naseri und Jonas Omlin

Bereits zum 12. Mal haben wir am 23. November die IFZ Retail Banking Konferenz durchgeführt. Neben den Resultaten aus der IFZ Retail Banking-Studie standen zahlreiche spannende Präsentationen von internationalen und Schweizer Banken sowie von FinTechs zu strategischen Themen sowie «Open Banking», «Mobile Payments», «Generation Alpha & Z» sowie «Nachhaltigkeit» im Mittelpunkt. Die wichtigsten Aussagen fassen wir nachfolgend zusammen.

Retail Banking Studie 2023

Prof. Dr. Andreas Dietrich, IFZ

Eine Zusammenfassung der Retail Banking-Studie 2023 finden Sie hier.

Nachfolgend einige Impressionen von der Konferenz:

Die Strategie der Zürcher Kantonalbank im Retailgeschäft

Florence Schnydrig Moser, Leiterin Private Banking Zürcher Kantonalbank

  • Bis zum Jahr 2030 plant die ZKB signifikante Investitionen in ihr Filialnetz an allen über 50 Standorten, trotz des deutlichen Rückgangs der Frequenzen in den Filialen und an den Bancomaten. Die Pilotstandorte in Stettbach und Winterthur, die seit etwa zwei Jahren bestehen, setzen auf eine filialübergreifende Konzeptänderung. Hier liegt der Fokus auf „Begegnungen“, wobei klassische Schalteranlagen und bedientes Bargeld nicht mehr angeboten werden. Beratungsgespräche können beispielsweise auch in der offenen Cafeteria stattfinden, und bisher zeigt sich, dass Diskretionsfragen (wie z.B. bei Hypothekarberatungen) kein Problem darstellen. Von zunehmender Bedeutung sind bei der ZKB auch Video-Beratungen (Remote Sales Advice).
  • Ein weiterer strategischer Investitionsschwerpunkt liegt auf der Beratung. Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre ist die operative Einführung eines neuen CRM-Systems geplant, das die Beratung und Betreuung „effektiver“ gestaltet, um den Beraterinnen und Beratern mehr Zeit für die Interaktion mit der Kundschaft zu ermöglichen. Zudem wird in die Förderung der «Selbstbedienung» im Beratungsprozess investiert. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Unterstützung der Kunden im Bereich der Nachlassplanung im Online-Banking (vgl. der Blog-Artikel dazu). In der Planung befinden sich ähnliche Lösungen für die Risikovorsorge und die Pensionierungsberatung.
  • Angesprochen auf den Kundenzuwachs nach der CS-Übernahme durch die UBS zeigt sich Florence Schnydrig Moser zurückhaltend. Sie erklärt, dass einige „Neukunden“ bereits durch attraktive Angebote erfolgreich zur Rückkehr zur CS/UBS bewogen wurden.
  • Die digitale Säule 3a ist dank des Angebots der App Frankly kontinuierlich gewachsen (wir haben 2020 und 2021 darüber berichtet). Nach rund 3.5 Jahren liegt das Volumen bei etwa CHF 2 Milliarden. Nach der Erweiterung in den Freizügigkeitsbereich besteht möglicherweise die Aussicht, zukünftig eine digitale Anlagelösung in Frankly zu integrieren.

Die Strategie der LLB in der Schweiz

Dr. Gabriel Brenna, Group CEO LLB

  • Die LLB hat sich in den letzten zehn Jahren erfolgreich entwickelt. Das Geschäftsvolumen wurde nahezu verdoppelt, das Konzernergebnis beinahe verdreifacht. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen rund 1’160 Vollzeitmitarbeitende in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich.
  • Bis 2026 werden CHF 100 Millionen in die digitale Transformation investiert. Ein zentrales Ziel ist es, die «end-to-end» Effizienz zu steigern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Digitalisierung des Beratungsprozesses.
  • Die LLB investiert weiter in das Filialnetz und setzt auf neue Standorte für Wealth Management und das Firmenkundengeschäft in Zürich und St. Gallen (dabei wurde aber auch entschieden, die Marke «Bank Linth» nicht mehr weiterzuführen). Wachstumschancen sieht die LLB im Bereich Private Banking, dem Firmenkunden sowie dem Geschäft mit externen Vermögensverwaltern. Zudem plant die Bank für 2024 den Aufbau von Filialen in Düsseldorf, Frankfurt sowie München.

Building radicant – Die Reise zur ersten digitalen Nachhaltigkeitsbank der Schweiz»

Roland Kläy, Co-CEO Radicant

  • Radicant ist eine Smartphone-Bank, die sich auf nachhaltige Vermögensverwaltung nach den Kriterien der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDG) konzentriert. Das „Radicant-Projekt“ wurde im Jahr 2021 ins Leben gerufen. Innerhalb von zehn Monaten erhielt Radicant erfolgreich eine Banklizenz, wobei die Muttergesellschaft BLKB unterstützend tätig war. Aktuell zählt Radicant etwa 100 Mitarbeitende, wobei die Mehrheit von ihnen in der IT tätig ist.
  • Die App ging im Oktober 2023 live, der Onboarding-Prozess soll weniger als fünf Minuten dauern (wir berichteten hier). Angeboten werden diskretionäre Vermögensverwaltungs-Mandate (aktiv) ab CHF 1’000.
  • Gegenwärtig sind rund zwei Drittel der Kundschaft von Radicant männlich.

Payment and Beyond: Alltagsvereinfachung durch TWINT

Markus Kilb, CEO Twint

  • Zurzeit verzeichnet Twint eine Nutzerzahl von über fünf Millionen Menschen. Im Bereich des mobilen Bezahlens schätzt Kilb den Marktanteil auf etwa 80 Prozent. Besonders stark ist das Wachstum im stationären Handel (Point of Sale, POS).
    Im Jahr 2022 wurden via Twint 386 Millionen Transaktionen abgewickelt. Für das laufende Jahr wird nochmals eine signifikante Steigerung erwartet.
  • Im Bereich des Bezahlens stehen den Kundinnen und Kunden von Twint jeden Tag beziehungsweise bei jeder Zahlung mehrere Optionen zur Verfügung (z.B. Bargeld, Karte, PayPal, Apple Pay, etc.). Somit ist die Weiterentwicklung der Angebote für die Kundenbindung wichtig.
  • Twint arbeitet aktuell an vielen Erweiterungen der App im Bereich «Beyond Payment». Dazu gehören beispielsweise Funktionen wie das ticketlose Ein- und Ausfahren in Parkhäusern oder die Tank-Funktion, bei der durch eine direkte Freischaltung in der TWINT-App getankt werden kann. Zudem hat Twint in Zusammenarbeit mit Swiss Billing (Cembra) auch das Angebot „Später Bezahlen“ (auch bekannt als Buy now, pay later oder BNPL) eingeführt.

smoney – your buddy in finance: strategischer Fokus auf junge Kunden am Beispiel der Stadtsparkasse Düsseldorf

Robin Nehring, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung, Stadtsparkasse Düsseldorf

  • Die zehnt-grösste Sparkasse Deutschlands hat – wie viele ihrer Peers – einen hohen Marktanteil im Geschäftsgebiet. Bei den 18-25-Jährigen beträgt dieser 57 Prozent. Gleichzeitig ist bei dieser Altersgruppe die Abwanderungsrate relativ hoch.
  • Die Sparkasse Düsseldorf lancierte deshalb im Jahr 2020 einen Ideenwettbewerb und fragte Jugendliche, wie sie sich modernes Banking vorstellen. Daraus entstand die Marke «smoney», welche Nehring als «Kundenaktivierungskonzept» bezeichnet. Eines der zentralen Elemente ist der «smoney Hub». Es handelt sich dabei um einen physischen Standort, welcher eher aussieht wie ein Event-Raum oder ein Kaffee als eine Bankfiliale ist. Im Hub finden zahlreiche Anlässe statt. Kundinnen und Kunden können sich aber auch von den sogenannten «smoney-buddys» (voll ausgebildete Beraterinnen und Berater unter 27 Jahren) beraten lassen.
  • Neben den Anlässen betreibt «smoney» auch sehr erfolgreich Kanäle auf Tiktok, Youtube und Instagram, wo täglich zwei Videos hochgeladen werden. Auf TikTok verzeichnet smoney bereits fast 300’000 Follower. Das Ziel besteht darin, das Finanzwissen der Zielgruppe zu aktivieren und zu stärken.
  • Der Fokus liegt auf der Bindung junger Bestandskunden, die im Allgemeinen eine tiefe Bindung zur Bank aufweisen. Durch smoney konnte die Abwanderungsrate (Churn) in diesem Kundensegment auf ein Prozent gesenkt werden. Die Marke „smoney“ soll jedoch nicht nur für die Kundschaft attraktiv sein, sondern auch (potenzielle) Arbeitnehmer ansprechen. In den kommenden fünf Jahren werden etwa 30 Prozent des Personals bei der Sparkasse aufgrund von Pensionierungen ausscheiden. Daher ist ein effektives Branding bei jungen Menschen von entscheidender Bedeutung. Im Bereich der Bewerbungen für Lehrstellen hat smoney bereits zu einem deutlichen Anstieg geführt.

Lehren und Erfolgsfaktoren für Open Finance Projekte im deutschen Markt – Insights aus einem Jahr wallis.integrate

Leon Merx, CEO Wallis

  • Wallis ist eine Einheit innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe, welche sich aus 360 eigenständigen Instituten zusammensetzt. Diese entscheiden eigenständig über ihre eigenen Angebote. Eine Hauptaufgabe von Wallis besteht nicht nur in der Entwicklung des Ökosystems, sondern auch im Vernetzen von Akteuren und der Förderung von Open Finance innerhalb der Deutschen Sparkassen
  • Aktuell beschäftigt Wallis rund 40 Mitarbeitende, bis Ende 2024 wird ein Wachstum auf 70 Personen erwartet. Es sind derzeit etwa 30 Kooperationen in Vorbereitung. Aktuell verfügt Wallis über eine Einschätzung von mehr als 200 FinTech-Unternehmen, welche jeweils weltweit «gescoutet» werden.
  • Einer der bisher erfolgreichsten Anwendungsfälle liegt im Bereich „Multibanking“ für Firmenkunden.

Open Banking Use Case in der Schweiz – das Beispiel von acrevis/Kaspar&

Kornelius Birrer, Leiter Vertriebssteuerung acrevis, Jan-Philip Schade, Co-Founder Kaspar&

  • Kaspar& und acrevis sind eine Kooperation eingegangen. Kundinnen und Kunden von acrevis können in nur wenigen Minuten ihr acrevis-Konto mit dem Anlageuniversum von Kaspar& verbinden. Hierfür brauchen sie aber eine separate App (Whitelabel-Produkt von Kaspar&).
  • Gemäss Birrer steht die Stärkung der Kundenbeziehung im Fokus. Dies sei umso wichtiger, da die Frequenz der Kundenkontakte abgenommen habe. Mit der Kooperation steht für acrevis aber nicht nur die Bindung bestehender Kundinnen und Kunden im Fokus, sondern auch die Gewinnung von Neukundinnen und Neukunden.
  • Für Schade von Kaspar& ist in dieser Zusammenarbeit das Upselling in verschiedene Produktkategorien zentral. Er sieht die Position von Kaspar& als eine Art «Twint» fürs Anlegen / Investieren.

Sneak Preview: Die digitalsten Banken im Firmenkundengeschäft der Schweiz: Zusammenfassung und Ausblick

Prof. Dr. Andreas Dietrich, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Andreas Dietrich erläutert die wichtigsten Erkenntnisse aus der neuen Studie zum Thema «Die digitalsten Banken im Firmenkundengeschäft in der Schweiz». Die Resultate finden Sie hier.

Studienbestellung

Die 240-seitige «IFZ Retail Banking-Studie 2023» kostet 290 Franken und kann unter ifz@hslu.ch bestellt werden. Sammelbestellungen kosten ab 3 Exemplaren CHF 240.- pro Exemplar, ab 5 Exemplaren CHF 190.- und ab 10 Exemplaren CHF 140.- CHF pro Exemplar. Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis.

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