20. Juli 2026

AI im Banking,

Analytics,

Künstliche Intelligenz,

Prozessmanagement

Wie sich KI auf Bankmitarbeitende auswirkt und was Banken jetzt tun sollten

Künstliche Intelligenz ist im Schweizer Banking angekommen: Rund drei von vier Finanzinstituten nutzen KI bereits operativ. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Banken KI einsetzen – sondern wie die digitale Transformation mit KI organisatorisch und kulturell innerhalb des eigenen Finanzinstituts zu gestalten ist.

Von Dr. Thomas Fischer und Julian Ventouris

Finanzinstitute experimentieren nicht mehr nur mit einzelnen Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) – sie integrieren KI zunehmend in den Arbeitsalltag: in interne Prozesse, in die Kundenberatung, ins Wissensmanagement und in die Analyse grosser Datenmengen. Damit verschiebt sich die zentrale Frage vom «ob» zum «wie»: Wie lässt sich KI sicher, skalierbar und wirksam in regulierte Bankprozesse überführen? Entscheidend ist dabei, wie Mitarbeitende auf diesem Weg mitgenommen werden. Denn die digitale Transformation mit KI verändert nicht nur Aufgaben und Abläufe, sondern auch Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten innerhalb der Banken.

Das IFZ hat im Auftrag des Schweizerischen Bankpersonalverbands und Eraneos Switzerland AG eine Studie zum Einfluss von KI auf Bankmitarbeitende erstellt. Die zentrale Erkenntnis: KI ist nicht nur ein technologisches Thema, sie verändert Arbeitsweisen, Rollenprofile, Entscheidungsprozesse und Erwartungen an die Führung. Für Banken entsteht daraus eine doppelte Herausforderung: Einerseits gilt es, Effizienzpotenziale zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes zu sichern. Andererseits müssen sie sicherstellen, dass Mitarbeitende nicht verunsichert oder abgehängt werden, sondern KI als Unterstützung verstehen, erleben und aktiv mitgestalten können.

Eine Zusammenfassung im folgenden Video:

KI wird zum Bestandteil des Arbeitsalltags

Der Einsatz von KI in Banken hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbreitet. Während erste KI-Anwendungen häufig auf spezifische Bereiche wie Betrugserkennung, Risikomodelle oder Chatbots beschränkt waren, rücken heute breitere Einsatzfelder in den Vordergrund. Generative KI kann Texte zusammenfassen, Informationen strukturieren, Kundenanfragen triagieren oder sogar selbst bearbeiten und beantworten, interne Dokumente durchsuchen oder Mitarbeitende bei repetitiven Aufgaben entlasten.

Ein Vergleich ausgewählter, typischer KI-Anwendungsfälle bei Banken zeigt eine grosse Übereinstimmung zwischen den Einsatzfeldern von KI in der Schweiz und Europa (vgl. Illustration in Abbildung 1).

Drei Beobachtungen lassen sich hieraus ableiten:

  • KI wird hauptsächlich für die Unterstützung von Mitarbeitenden eingesetzt (mittlerer Bereich der Abbildung).
  • Wenn KI für automatisiert ablaufende Prozesse eingesetzt wird, dann geschieht dies besonders oft im Bereich Transaktionsmonitoring (z. B. im Zahlungsverkehr – in der Abbildung oben rechts).
  • Banken setzen KI erst sehr vereinzelt an der Kundenschnittstelle, zum Beispiel zur autonomen Triagierung bzw. Bearbeitung von Kundenanfragen, ein (in der Abbildung links).

Abbildung 1: KI-Anwendungsfälle bei Banken in der Schweiz und Europa (Mai 2026)

Aus Sicht der Mitarbeitenden sind Effekte aus dem Einsatz von KI deutlich spürbar: Kundenberaterinnen und Kundenberater können schneller auf relevante Informationen zugreifen. Backoffice-Teams können standardisierte Prozesse effizienter bearbeiten. Fachabteilungen können Analysen beschleunigen oder Entscheidungsgrundlagen besser aufbereiten. Es entstehen jedoch gleichzeitig neue Anforderungen und Herausforderungen: Mitarbeitende müssen verstehen, wo KI hilfreich ist, wo ihre Grenzen liegen und welche Verantwortung weiterhin beim Menschen bleibt.

Zwischen Entlastung und Belastung

Verschiedene Studien bestätigen die Annahme, dass KI eine spürbare Entlastung bringen kann. Repetitive Aufgaben werden vereinfacht oder sogar automatisiert. Dadurch werden Routinearbeiten reduziert, sodass mehr Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten, Kundeninteraktion oder Problemlösung bleibt.

Die Forschung zeigt aber auch, dass der Einsatz von KI die Arbeit auch intensivieren kann. Wenn Mitarbeitende durch KI schneller arbeiten, übernehmen sie oft zusätzliche Aufgaben oder müssen ein höheres Tempo aufrechterhalten. Werden mehrere KI-Systeme parallel genutzt, kann dies zu kognitiver Überlastung führen (sogenannter «AI Brain Fry») – mit Folgen für Konzentration, Fehleranfälligkeit und Entscheidungsqualität.

Diese Ambivalenz zeigt, dass die Wirkung von KI entscheidend davon abhängt, wie sie in bestehende Arbeitsstrukturen integriert wird.

Kompetenzen werden zum Schlüssel

Die erfolgreiche Nutzung von KI hängt stark von den Kompetenzen der Mitarbeitenden ab. Dabei geht es nicht nur um technische Fähigkeiten. Natürlich ist ein Basisverständnis von KI wichtig: Wie funktionieren generative oder agentische KI-Systeme grundsätzlich? Welche Arten von Ergebnissen liefern sie? Warum können Fehler, Verzerrungen oder sogenannte Halluzinationen auftreten? Wie nutzt man die Tools richtig und welches Tool für welchen Zweck?

Genauso wichtig sind aber methodische und kritische Kompetenzen. Mitarbeitende müssen die richtigen Fragen stellen, Ergebnisse prüfen und KI-Ausgaben in den fachlichen Kontext einordnen können. Die Verantwortung für ein Ergebnis lässt sich meist nicht an ein System delegieren. Besonders im Banking bleibt menschliches Urteilsvermögen zentral – etwa bei komplexen Kundenbedürfnissen, regulatorischen Einschätzungen oder ethisch sensiblen Entscheidungen.

KI erfolgreich einsetzen: Drei Empfehlungen für Schweizer Banken

Damit Banken das Potenzial von KI nachhaltig nutzen können, reicht es nicht aus, neue Technologien einzuführen. Entscheidend ist, KI so in die Organisation, Prozesse und Kultur einzubetten, dass sie Mitarbeitende befähigt, entlastet und langfristig stärkt.

Daraus lassen sich drei konkrete Handlungsempfehlungen ableiten.

Erstens kann KI die Produktivität und Qualität der Arbeitsergebnisse deutlich erhöhen. Diese Vorteile entstehen jedoch nur, wenn Mitarbeitende motiviert sind, KI zu nutzen, und über das notwendige Know-how verfügen. Finanzinstitute sollten KI deshalb nicht rein technologisch einführen, sondern sie mit offener Kultur, transparenter Kommunikation, Schulungen, bereichsübergreifender Zusammenarbeit und passenden organisatorischen Rahmenbedingungen begleiten.

Zweitens kann KI gezielt dazu eingesetzt werden, Mitarbeitende von repetitiven Routineaufgaben zu entlasten. Dadurch entsteht mehr Raum für anspruchsvollere und interessantere Tätigkeiten. Gleichzeitig darf KI nicht zu zusätzlicher Belastung führen, etwa durch schlecht integrierte Tools, unklare Verantwortlichkeiten oder fehlende Ressourcen in der Einführung. Wichtig sind daher eine sorgfältige Prozessintegration, ausreichende Unterstützung, Qualitätskontrolle, klare Rollen sowie die frühe Einbindung der Mitarbeitenden selbst.

Drittens müssen Banken trotz zunehmender Automatisierung langfristig in Nachwuchs, Aus- und Weiterbildung investieren. Wenn einfache Aufgaben wegfallen, verlieren insbesondere Junior-Profile wichtige Lernfelder, die eine wichtige Basis für erfahrene Fachkräfte sind. Künftig sind weiterhin spezialisiertes Fachwissen und breites Prozessverständnis zentral, um die KI-Ergebnisse überprüfen und KI am richtigen Ort einsetzen zu können. Darüber hinaus wird gezieltes KI-Know-how zur effizienten Bedienung und Weiterentwicklung von KI-Anwendungen benötigt. Zudem sind Re- und Upskilling-Massnahmen für bestehende Mitarbeitende zentral, damit sie mit den veränderten Anforderungen Schritt halten können.

Fazit: KI ist vor allem auch eine Führungs- und Kulturfrage

KI wird das Banking weiter verändern. Die Technologie ist jedoch nur ein Teil der Transformation. Entscheidend wird sein, dass Banken den Wandel so gestalten, dass Mitarbeitende befähigt, eingebunden und weiterentwickelt werden.

Banken, die KI lediglich als technisches Automatisierungsinstrument verstehen, werden das wirtschaftliche Potenzial von KI nicht voll ausschöpfen können.

Banken, die KI hingegen als Chance zur Weiterentwicklung von Arbeit, Kompetenzen und Kundenorientierung begreifen, können einen nachhaltigen Mehrwert schaffen.

Die zentrale Aufgabe lautet deshalb, den Einsatz von KI mit offener Kultur, transparenter Kommunikation, geeigneter Aus- und Weiterbildung sowie echter Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden zu begleiten.

Genau hier entscheidet sich, ob KI sowohl die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes und der einzelnen Institute als auch die Arbeitsqualität und berufliche Zukunft seiner Mitarbeitenden sichern kann.

Hier finden Sie die gesamte Studie zu Einfluss von KI auf Bankmitarbeitende.

Hier finden Sie das Kurz-Video als Zusammenfassung zur Studie.

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