12. März 2026

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FinTech in der Schweiz und Liechtenstein: KI gewinnt an Bedeutung

Die Anzahl der FinTech Unternehmen in der Schweiz und Liechtenstein hat 2025 leicht zugenommen. Gleichzeitig verschiebt sich der technologische Fokus hin zu daten- und KI-basierten Lösungen. Zu diesem Schluss kommt die neue IFZ FinTech Studie 2026 der Hochschule Luzern.

Von Prof. Dr. Thomas Ankenbrand, Dr. Denis Bieri, Joël Ettlin, Angelo Gattlen, Dr. Patric A. Huber und Dr. Jovana Milojevic

Direkt zum Download der FinTech Studie

Per Ende 2025 wurden in der Schweiz und Liechtenstein insgesamt 529 FinTech-Unternehmen gezählt (siehe Abbildung 1). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von vier Prozent. Seit 2015 ist die Anzahl der FinTech-Unternehmen, mit Ausnahme eines leichten Rückgangs im Jahr 2021, nahezu kontinuierlich angestiegen und hat sich im betrachteten Zeitraum mehr als verdreifacht. Gleichzeitig fallen die jährlichen Zuwächse in den vergangenen Jahren geringer aus als in früheren Wachstumsphasen. Die Entwicklung wird zunehmend durch gleichzeitige Markteintritte und Marktaustritte geprägt: Unternehmensgründungen, Liquidationen, Fusionen und strategische Neuausrichtungen halten sich in einem Gleichgewicht.

Diese Entwicklung deutet auf eine neue Phase des FinTech-Ökosystems hin. Nach früheren Jahren starken Wachstums rücken Konsolidierung, Spezialisierung und technologische Repositionierung der Geschäftsmodelle stärker in den Vordergrund. Regional bleibt die FinTech-Aktivität weiterhin konzentriert, wobei Zürich seine Position als grösster Standort behauptet. Gleichzeitig zeigt sich bei FinTech-Unternehmen, die in den vergangenen fünf Jahren gegründet wurden, eine zunehmende Bedeutung des Standorts Zug. Diese Entwicklung spiegelt sich in einer überdurchschnittlichen Wachstumsrate der Anzahl der dort ansässigen FinTech-Unternehmen wider. Damit baut Zug seine Rolle als spezialisierter Technologie-Hub, insbesondere im Bereich der Distributed-Ledger-Technologie, weiter aus.

Abbildung 1: Übersicht über den Schweizer und Liechtensteiner FinTech-Sektor

Künstliche Intelligenz wird zur dominierenden Technologie

Die technologische Zusammensetzung des FinTech-Sektors hat sich im Jahr 2025 sichtbar verändert. Datenanalyse, Big Data und Künstliche Intelligenz stellen erstmals die grösste Technologieklasse dar und überholen damit Prozessdigitalisierung sowie Distributed-Ledger-Technologie (siehe Abbildung 2, rechte Grafik). Der Bedeutungsgewinn der Künstlichen Intelligenz ist dabei nicht nur auf neue Unternehmensgründungen zurückzuführen. Vielmehr haben zahlreiche bestehende FinTech-Unternehmen ihre technologischen Schwerpunkte in Richtung daten- und KI-basierter Anwendungen weiterentwickelt. Dies deutet darauf hin, dass KI zunehmend als Weiterentwicklung bestehender digitaler Geschäftsmodelle verstanden und in bestehende Lösungen integriert wird. Die Entwicklung reflektiert die wachsende Nutzung datengetriebener Anwendungen, automatisierter Entscheidungsprozesse sowie generativer KI in Finanzdienstleistungen. Gleichzeitig bleibt die Distributed-Ledger-Technologie insbesondere im Bereich der Finanzinfrastruktur weiterhin von Bedeutung.

Auf Ebene der Geschäftsbereiche entwickelte sich Infrastruktur erstmals zum grössten Produktsegment, noch vor Investment Management (siehe Abbildung 2, linke Grafik). Dies unterstreicht den Trend, dass FinTech-Unternehmen technologische Grundlagen für etablierte Finanzinstitutionen bereitstellen, anstatt direkt Endkundendienstleistungen anzubieten. Die wachsende Bedeutung von Infrastruktur-Lösungen zeigt, dass FinTech-Unternehmen oftmals als Technologieanbieter im Hintergrund agieren. Innovation verschiebt sich damit hin zur technologischen Modernisierung bestehender Finanzinstitutionen.

Abbildung 2: Anteil der FinTech-Unternehmen nach Jahr sowie nach Produktbereich (linke Grafik) und Technologiekategorie (rechte Grafik)

Globale B2B-Strategien als Merkmal des FinTech-Marktes

Der FinTech-Sektor in der Schweiz und Liechtenstein bleibt weiterhin stark auf Business-to-Business-Geschäftsmodelle und internationale Märkte ausgerichtet. Die Mehrheit der Unternehmen adressiert primär institutionelle Kunden und ist auch grenzüberschreitend tätig, was den exportorientierten und infrastrukturlastigen Charakter der regionalen FinTech-Innovation unterstreicht. Endkundenorientierte Geschäftsmodelle machen einen kleineren Teil des Ökosystems aus und sind zudem deutlich stärker auf den heimischen Markt fokussiert. Parallel zu dieser Entwicklung hat sich auch die Monetarisierung in den vergangenen Jahren in Richtung technologiegetriebener Ertragsmodelle verschoben: Insbesondere Software-as-a-Service (SaaS) hat sich über die Zeit als häufigster Ansatz etabliert und reflektiert die wachsende Bedeutung skalierbarer Softwarelösungen als zentrale Wertschöpfungsquelle im FinTech-Sektor (siehe Abbildung 3). Provisionsbasierte Erlösmodelle (Commission), die traditionell ein zentrales Ertragsmodell etablierter Finanzinstitutionen darstellen, bilden weiterhin das zweithäufigste Ertragsmodell im FinTech-Sektor und haben sich in den vergangenen Jahren auf einem weitgehend stabilen Niveau eingependelt.

Abbildung 3: Anteil der FinTech-Unternehmen nach Erlösmodell und nach Jahr

Gute Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich, aber sinkende Venture-Capital-Dynamik

Der FinTech-Standort Schweiz behauptet seine starke internationale Position im globalen Wettbewerb der Finanztechnologiezentren. Im IFZ FinTech Hub Ranking zählt die Schweiz, vertreten durch Genf und Zürich, weiterhin zu den weltweit führenden Standorten und positioniert sich mit diesen beiden Hubs direkt hinter dem führenden FinTech-Zentrum Singapur. Allerdings ist die Venture-Capital-Aktivität gegenüber früheren Spitzenjahren rückläufig (siehe Abbildung 4). Diese Entwicklung zeigt sich zwar auch auf globaler Ebene, fällt jedoch für die Finanzzentren Schweiz und Liechtenstein auf. Die zugrunde liegenden Ursachen sind bislang nicht eindeutig erklärbar und eröffnen ein Feld für zukünftige Forschung und vertiefte Analysen.

Abbildung 4: Venture-Capital-Aktivität im FinTech-Sektor in der Schweiz und Liechtenstein nach Jahr

Evolution statt Disruption prägt die technologische Transformation

Die technologische Transformation der Finanzzentren Schweiz und Liechtenstein scheint überwiegend evolutionär statt disruptiv zu verlaufen. Vergangene Entwicklungen deuten darauf hin, dass neue Technologien in Finanzinstituten primär schrittweise integriert werden, anstatt bestehende Strukturen grundlegend zu verändern. Effizienzkennzahlen Schweizer Banken haben sich in den vergangenen Jahren verbessert: Geschäftsvolumen, gemessen an der Bilanzsumme und den verwalteten Vermögen, wuchsen stärker als die entsprechenden Kosten. In welchem Ausmass diese Effizienzgewinne auf FinTech-Innovationen zurückzuführen sind, lässt sich zwar nicht eindeutig bestimmen. Die Trends legen jedoch nahe, dass Finanzinstitute auf kontinuierliche Innovation setzen und technologische Fortschritte in enger Zusammenarbeit mit IT- und Technologieanbietern implementieren.

Was ist FinTech?

FinTech ist die Abkürzung für Finanztechnologie und umschreibt technologiebasierte Lösungen für innovative digitale Produkte, Dienstleistungen und Prozesse in der Finanzbranche. FinTech-Lösungen verbessern, ergänzen oder ersetzen bestehende Finanzdienstleistungen.

IFZ FinTech Study 2026

Die Hochschule Luzern publiziert jährlich die «IFZ FinTech Study». Die Studie bietet bereits zum elften Mal eine umfassende Übersicht zum Schweizer FinTech-Sektor. Die Studie wurde durch die Unterstützung von Finnova, Finstar, Inventx, dem Kanton Zug, SFTI / Swiss FinTech Innovations, SIX, und der Zürcher Kantonalbank ermöglicht. Hier können Sie die Studie herunterladen.

Die dargestellten Analysen, Modelle, Softwareelemente oder Szenarien sind nicht als Grundlage für konkrete Investitions-, Organisations-, Compliance- oder sonstige Entscheidungen bestimmt. Sie ersetzen weder eine individuelle fachliche noch eine rechtliche oder regulatorische Prüfung. Entscheidungen, die auf diesen Inhalten beruhen, bedürfen einer eigenständigen Beurteilung unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände. Dieses Dokument enthält Informationen aus Quellen, die als zuverlässig angesehen werden, jedoch übernimmt die Hochschule Luzern keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Dies gilt auch für die Ergebnisse von KI-Tools, die bei der Erstellung dieses Dokuments situationsbedingt zum Einsatz kamen.

Wir danken unseren Forschungspartnern für ihre wertvolle Unterstützung:

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