10. Juni 2026
Welche IT-Themen haben bei Schweizer Banken eine hohe Bedeutung - und welche davon werden ausgelagert? Die IFZ Studie Bank-IT und Sourcing 2026 liefert Antworten: Erstmals messen mehr als die Hälfte der befragten Institute der künstlichen Intelligenz eine hohe Bedeutung bei - und ebenso viele wollen KI-Leistungen extern beziehen.
Die bereits achte Auflage der IFZ Studie Bank-IT und Sourcing zeigt auf, dass das Outsourcing bei Schweizer Banken weiter zunimmt (wir haben hier schon darüber berichtet). Zudem ist es nach wie vor so, dass der grösste Teil des Outsourcings die IT betrifft. Da sich in der Informatik derzeit vieles sehr schnell verändert, ist es für einen funktionierenden Markt sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Anbieterseite wichtig zu wissen, wo in Zukunft Dienstleistungen erforderlich sind. Deshalb haben wir Führungskräften von 88 Schweizer Retailbanken angefragt und von 43 Instituten ein Feedback erhalten.
Die Studie in einem kurzen Video zusammengefasst
IT-Themen der nächsten drei Jahre und ihre Bedeutung
Zunächst haben wir die Banker/innen gefragt, welche Bedeutung sie den in Abbildung 1 genannten neuen IT-Themen in den kommenden drei Jahren beimessen.

Abbildung 1: Einschätzung der Bedeutung von IT-Themen in den nächsten 3 Jahren
Die Antworten der teilnehmenden Institute zeigen, dass alle Banken in erster Linie der Cyber Security eine hohe Bedeutung attestieren, wie dies auch in den vergangenen Jahren der Fall war. Das Vertrauen der Kunden, welches in hohem Mass davon abhängt, dass die Kundendaten bei Banken sicher sind, wird also zu Recht sehr ernst genommen. Dies wurde auch an der diesjährigen Konferenz „Innovationen im Banking“ deutlich, wo Deepfakes als wachsende Bedrohung für Banken thematisiert wurden. Zudem sind drei Viertel der Institute (74 Prozent) davon überzeugt, dass die Automatisierung von Prozessen weiterhin eine hohe Bedeutung haben wird. Zwei Drittel der Institute (65 Prozent) erachten im Weiteren die digitale Unterstützung der Kundenberaterinnen und -berater als wichtiges Zukunftsthema.
Die genannten drei Themen waren schon in den letzten Jahren ähnlich hoch bewertet. Deutlich an Relevanz gewonnen hat die Künstliche Intelligenz (KI). Diesem Thema messen in diesem Jahr erstmals rund die Hälfte der Banken (51 Prozent) eine hohe Bedeutung bei, zudem sehen weitere 44 Prozent hier eine mittlere Bedeutung. Trotz gestiegener Relevanz ist KI damit noch nicht auf einem der Top-3 Plätze zu finden. Nach Einschätzung der Autoren liegt dies vor allem an zwei Gründen. Erstens, dass KI insbesondere bei kleineren und mittleren Instituten noch nicht oder nur in geringem Umfang im Einsatz ist. Zweitens, da KI oft als Mittel zum Zweck, zum Beispiel zur Automatisierung von Prozessen oder zur Erhöhung der Cyber Security, eingesetzt wird. Damit ist die KI als eigenes Thema auf Platz vier und gleichzeitig auch in den Top-3 Themen implizit enthalten.
Vor dem Hintergrund der rasch wachsenden Vielfalt und der zunehmenden Spezialisierung in den IT-Themen wird klar, dass die Mehrheit der Banken intern nicht mehr alle Aufgaben selbst meistern kann. Damit stellt sich die Frage, welche Themen primär intern angegangen werden sollen und wo ein Outsourcing vorzuziehen ist.
In welchen IT-Themen suchen Banken externe Unterstützung?
Im Rahmen der Umfrage haben wir die Banken deshalb gefragt, in welchen Themen sie welchen Anteil von Dritten beziehen möchten (Abbildung 2).

Abbildung 2: Anteil des geplanten Drittbezugs von Leistungen in den neuen IT-Themen
Die Ergebnisse zeigen, dass im Bereich mit der höchsten Bedeutung, nämlich Cyber Security, die Banken rund zwei Drittel (65 Prozent) der Aufgaben von Dritten erledigen lassen wollen. In Anbetracht der Tatsache, dass in diesem Bereich ein hohes Spezialwissen erforderlich ist und Sicherheit in der Finanzbranche zu den Hygienefaktoren gehört, ein sehr gut nachvollziehbares Ergebnis. Interessanterweise erreichen danach zwei Bereiche, welche oben bei der Bedeutung (Abbildung 1) nicht in den Top-5 Themen auftauchen, die nächsthöchsten Werte bezüglich Auslagerung: API/Open Banking/Open Finance mit 57 Prozent und e-ID mit 51 Prozent. Aus Sicht der Autoren dürften hier im Wesentlichen dieselben Gründe – Spezialwissen und Hygienefaktor – ausschlaggebend sein.
Ebenfalls 51 Prozent Auslagerungsanteil verzeichnet das Thema KI. Wie die ergänzenden Interviews der Studie zeigen, setzen in diesem Thema vor allem grössere Banken auch auf einen Aufbau von internem Know-how. Zudem geht aus der Studie auch hervor, dass im Zahlungsverkehr KI bereits bei vielen Banken etwa bei der Fraud Detection oder zur Bekämpfung von Geldwäscherei im Einsatz ist, wobei dies mit einem hohen Outsourcinggrad einhergeht. Im zweiten untersuchten Kernprozess, dem Hypothekargeschäft, ist jedoch sowohl der Outsourcingrad als auch der Einsatz von KI sehr niedrig. Es zeigt sich, dass die Banken hier noch mitten in ihren Automatisierungsbemühungen stecken, wo sie erst vereinzelt vollautomatisierte Prozesse umsetzen konnten. Es fehlen hier die nötigen personellen und wohl vielfach auch finanziellen Ressourcen, um die Digitalisierung rascher voranzubringen und den Einsatz von KI konsequent anzugehen.
Damit kann insgesamt festgestellt werden, dass Banken selektiv auslagern. Insbesondere dort, wo es für sie im Hinblick auf die zukünftige Weiterentwicklung der Bank und die Differenzierung am Markt strategisch wichtig erscheint, wird jedoch auch gezielt intern entsprechendes Know-how aufgebaut.
Weiteres Wachstum des Outsourcings
Im Weiteren zeigt die Studie, dass Banken neben einem Wachstum im Bereich IT insbesondere auch in den Bereichen Zahlungsverkehr sowie Risiko & Compliance in einem grösseren Umfang von zunehmenden Auslagerungen ausgehen. Dies erfolgt im Einklang mit der Einschätzung der eigenen Kernkompetenzen durch die Banken: So sehen nur noch 53 Prozent der Institute Risikomanagement als eine Kernkompetenz an (Vorjahr 60 Prozent), während Legal und Compliance von 42 Prozent dazu gezählt wird. Auffallend ist der Rückgang bei der Einschätzung der Abwicklung und Überwachung der Zahlungstransaktionen von 53 auf nun 37 Prozent. Dies im Gegensatz zur Kreditabwicklung, welche nach wie vor mit rund 80 Prozent als Kernkompetenz gesehen wird.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Trend zu einer zunehmend arbeitsteiligen Finanzbranche anhält und das Outsourcing von Retailbanken weiter zunimmt. Im IT-Umfeld ist insbesondere in den Bereichen Cyber Security und Künstliche Intelligenz mit einer grösseren Nachfrage nach externer Unterstützung zu rechnen, aber auch in den Bereichen e-ID und Open Banking/Finance. Insgesamt kommt so die digitale Transformation von Banken weiter voran, allerdings – wie die Sudie zeigt – eher kontinuierlich und mit überschaubarem Tempo.
Die Studienergebnisse zeigen aber auch deutlich, dass die technischen Voraussetzungen für eine vollständige Dunkelverarbeitung etwa von Hypothekarprozessen heute schon vorhanden sind. Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass einzelne Vorreiterinstitute schon in wenigen Jahren über hochautomatisierte Hypothekarprozesse verfügen werden.
Die detaillierten Ergebnisse der IFZ Bank-IT und Sourcing Studie können hier unentgeltlich eingesehen und heruntergeladen werden.
Wir danken unseren Platinsponsoren Finnova, KPMG und Swisscom sowie dem Goldsponsor isolutions für die wertvolle Unterstützung, welche die Studie erst möglich gemacht hat.
Möchten Sie die Themen mit uns vertiefen? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf thomas.fischer@hslu.ch und urs.blattmann@hslu.ch
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