29. Juni 2026

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Kryptoanlagen in der Schweiz 2026: Wer investiert, wer zögert – und was Banken daraus lernen können

Kryptoanlagen haben in der Schweiz in den letzten Jahren spürbar an Bedeutung gewonnen. Was lange als Nischen- und Spezialthema galt, ist heute in der Mitte der Anlegerschaft angekommen: Rund 18 Prozent der Befragten halten aktuell Kryptoanlagen, und allein im vergangenen Jahr kamen schätzungsweise 140'000 Investorinnen und Investoren hinzu. Gleichzeitig bleibt die Mehrheit der Bevölkerung skeptisch. Vor diesem Hintergrund analysiert die vorliegende Studie die Erfahrungen, Einstellungen und das Anlageverhalten von Schweizer Anleger:innen.

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich, Dr. Denis Bieri, Dr. Patric A. Huber, Dr. Reto Rey, Serge Kaulitz und Martin Meier

Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1’772 Personen aus der Deutsch-, Französisch- und Italienischschweiz, die vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ gemeinsam mit der Luzerner Kantonalbank im Februar und März 2026 durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse zeichnen mehrere interessante Erkenntnisse. So erweist sich beispielsweise nicht Alter, Geschlecht oder Einkommen, sondern die bisherige Anlageerfahrung als wichtigster Treiber künftiger Investitionen in Kryptoanlagen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Vertrauen für viele Anlegerinnen und Anleger wichtiger ist als der Preis. Für Finanzinstitute ergeben sich daraus Chancen insbesondere bei der Vermittlung vertrauenswürdiger Informationen und der Vereinfachung der Abwicklung und Überwachung von Transaktionen und Anlagen.

Im Folgenden fassen wir die zentralen Erkenntnisse entlang von sechs Thesen zusammen.

These 1: Kryptoanlagen haben den Sprung aus der Nische geschafft, sind aber noch nicht im Mainstream angekommen

In unserer Stichprobe halten 18 Prozent der Befragten aktuell Kryptoanlagen (siehe Abbildung 1), weitere 8 Prozent waren früher investiert. Damit liegt der Anteil aktueller Anleger:innen rund zwei Prozentpunkte höher als 2025 (16 Prozent) und deutlich über dem Wert von 2024 (11 Prozent). Hochgerechnet entspricht dies rund 140’000 zusätzlichen Investor:innen im letzten Jahr. Gleichzeitig überwiegen in der Gesamtbevölkerung weiterhin Skepsis und Zurückhaltung. Ein erheblicher Teil der Befragten hält einen (erneuten) Einstieg in Kryptoanlagen innerhalb der nächsten zwei Jahren für unwahrscheinlich. Anders präsentiert sich die Situation jedoch bei Personen, die bereits Kryptoanlagen besitzen: Knapp 60% können sich vorstellen, in den kommenden zwei Jahren weitere Kryptoanlagen zu erwerben.

Abbildung 1: «Steigende Anzahl an Personen, die in Kryptoanlagen investiert sind» – Vergleich mit vergangenen Umfragen

Quelle: HSLU & PostFinance, Crypto-Anlagen in der Schweiz (2024); HSLU und LUKB, Anlegen und Vorsorgen in der Schweiz (2025); HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026).

These 2: Das Interesse an Kryptoberatung durch die eigene Bank ist substanziell

Das Interesse an einer Kryptoberatung durch die eigene Bank ist beachtlich: 15 Prozent der Befragten würden eine solche Beratung «eher» oder «sehr wahrscheinlich» in Anspruch nehmen (siehe Abbildung 2). Hochgerechnet auf die Schweiz entspricht dies einem Potenzial von mehreren Hunderttausend bis rund einer Million Personen. Das Interesse für eine entsprechende Beratung ist dabei ungleich verteilt: Gen Z (27 Prozent) und Millennials (21 Prozent) zeigen ein deutlich höheres Interesse als die Gen X (9 Prozent) oder die Babyboomer-Generation (6 Prozent). Der stärkste Einflussfaktor ist die bisherige Kryptoerfahrung – 34 Prozent der aktuell investierten Personen würden eine Beratung nutzen, gegenüber 23 Prozent der früher investierten und 9 Prozent der nie investierten Personen. Die Beratung zu Kryptoanlagen durch Banken spricht damit vor allem jüngere und bereits investierte Kund:innen an.

Abbildung 2: Grosse Zahl an Interessenten einer Beratung zu Kryptoanlagen.

Quelle: HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026), n = 1’772.

These 3: Bankvertrauen schlägt Preissensitivität

Kryptoanleger:innen wünschen sich günstige, funktionale und intuitiv bedienbare Lösungen, gewichten bei der konkreten Anlageentscheidung jedoch den Anbieter stärker als den Preis. In der direkten Abfrage stehen bei aktuell investierten Personen grundlegende Leistungsmerkmale digitaler Finanzdienstleistungen im Vordergrund – insbesondere einfache Überwachung der Anlagen, intuitive Bedienbarkeit der App sowie unabhängige Informationen und Research. In einem Entscheidungsexperiment mit zufällig variierten Depotprofilen relativiert sich die Bedeutung des Preises jedoch deutlich: Eine Verdoppelung der jährlichen Gebühr von 0.6 auf 1.2 Prozent hat kaum Einfluss auf die Anlageentscheidung. Entscheidend ist hingegen der Anbieter: Bei der Kantonalbank legen die Befragten im Median 31 Prozent eines hypothetischen Gewinns an, bei Coinbase nur 21 Prozent – eine Differenz von rund 10 Prozentpunkten zugunsten des etablierten, vertrauten Anbieters. Kryptoanlagen werden damit weniger als exotisches Spezialthema, sondern als reguläres Finanzprodukt mit hohen Erwartungen an Effizienz, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit wahrgenommen.

These 4: Nicht Alter, nicht Einkommen: Erfahrung ist der stärkste Treiber künftiger Kryptoinvestitionen

Wer bereits investiert ist, bleibt mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit engagiert. Frühere und insbesondere nie investierte Personen zeigen sich hingegen deutlich zurückhaltender. Alter und Geschlecht erklären dabei weniger als oft angenommen. Eine vertiefte Regressionsanalyse bestätigt dies: Während das einfache Modell mit ausschliesslich demografischen Merkmalen lediglich 17 Prozent der beobachteten Streuung der Investitionsbereitschaft erklärt, steigt die Erklärungskraft im erweiterten Modell mit Erfahrung und Risikobereitschaft auf 42 Prozent. Den stärksten Einfluss hat der aktuelle Besitz von Kryptoanlagen: Auf einer Skala von 1 («sicher nicht») bis 7 («ganz sicher») liegt die Anlagebereitschaft aktueller Anleger:innen rund zwei Stufen höher als bei Personen, die nie investiert haben. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen wird in der vertieften Analyse weitgehend durch die Risikobereitschaft überlagert – und auch wenn der Generationenunterschied relevant bleibt, ist er nicht der eigentliche Treiber. So weisen aktuell investierte Boomer eine höhere erneute Investitionsbereitschaft auf als ehemals investierte Millennials (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Investitionsbereitschaft nach Anlageerfahrung und Alter Quelle: HSLU Kryptoanlagen -Studie (2026); Skala 1 = «sicher nicht» bis 7 = «ganz sicher», Mittelwert 2.67.

These 5: Marktzyklen prägen das Kryptoanlageverhalten in der Schweiz massgeblich

Der Einstieg in Kryptoanlagen erfolgt häufig prozyklisch in Haussephasen, was das Risiko ungünstiger Einstiegszeitpunkte und späterer Verluste erhöht. Neue Krypto-Engagements konzentrieren sich insbesondere auf Phasen starker Bitcoin-Kursanstiege – etwa während der Hausse 2020/2021 sowie im ETF-getriebenen Aufschwung 2024/2025. Bemerkenswert ist, dass Anleger:innen, die in den Haussen 2020 und 2024 erstmals in Kryptoanlagen investiert haben und heute noch investiert sind, 26 Prozent aller aktuellen Anleger:innen ausmachen (siehe Abbildung 4). Ausgeprägte Bärenmarktphasen treten hingegen seltener als Einstiegszeitpunkte auf. Dies deutet darauf hin, dass viele Anleger:innen nicht antizyklisch in Schwächephasen einsteigen, sondern vor allem prozyklisch in Phasen steigender Kurse und erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit.  Dies zeigt sich auch in der Ergebnisbilanz: Aktuelle Krypto-Halter:innen berichten mit 57 Prozent deutlich häufiger von Gewinnen als ehemalige Investor:innen (43 Prozent). Dies deutet auf einen sogenannten «Survivorship Bias» hin. Erfolgreiche Anleger:innen bleiben investiert, während Personen mit realisierten Verlusten den Markt eher verlassen.

Abbildung 4: Wann stiegen Schweizer Anleger:innen ein? Erstinvestition nach Jahr und Bitcoin-Kurs

Quelle: HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026), Aktuell n = 298, Früher n = 140; Bitcoin-Jahresendkurse.

These 6: Für Banken liegt die Chance in vertrauensstiftender Information und einfacher Umsetzung

Nicht-Investor:innen werden vor allem durch Wissenslücken, fehlendes Interesse und mangelndes Vertrauen vom Einstieg abgehalten. Erfahrene Anleger:innen hingegen legen in erster Linie Wert auf tiefe Gebühren, eine einfache Bedienung und eine verlässliche Abwicklung (siehe Abbildung 5). Die wichtigsten Gründe gegen eine Investition sind fehlendes Wissen («Ich weiss zu wenig»: 51 Prozent der nie investierten Personen), mangelndes Interesse und hohe Wertschwankungen. Bankbezogene Hürden wie fehlende Beratung oder ein unzureichendes Produkteangebot spielen demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle.

Bei bereits investierten Personen stehen hingegen funktionale Leistungsmerkmale im Vordergrund wie eine einfache und verständliche Überwachung der Anlagen, eine intuitive Bedienbarkeit sowie unabhängige Informationen und Research, die für rund zwei Drittel der Befragten wichtig sind.

Abbildung 5: Gründe gegen eine Investition in Kryptoanlagen

Quelle: HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026), n = 1’772.

Fazit

Kryptoanlagen haben den Sprung aus der Nische geschafft, werden in der Schweizer Bevölkerung jedoch weiterhin unterschiedlich beurteilt. Die Studie zeigt, dass für ein zukünftiges Engagement nicht Alter oder Geschlecht ausschlaggebend sind, sondern vor allem die bisherige Erfahrung mit Kryptoanlagen. Das Interesse an Kryptoberatung durch Banken ist grösser als oft angenommen. Zwar würde nur eine Minderheit der Bevölkerung ein entsprechendes Angebot nutzen, hochgerechnet entspricht dies jedoch mehreren Hunderttausend potenziellen Kund:innen. Besonders hoch ist das Interesse bei jüngeren Generationen und Personen mit bestehender Kryptoerfahrung. Für Banken ergibt sich daraus die Chance, ein klar definiertes Kundensegment mit Beratungs- und Informationsangeboten rund um Kryptoanlagen anzusprechen. Gleichzeitig erfordert ein solcher Ausbau hohe Standards bei Compliance, Fachkompetenz und Beratungsqualität.

Eine Zusammenfassung in Form eines Videos

Hinweis

Die dargestellten Analysen und Ergebnisse sind nicht als Grundlage für konkrete Investitionsentscheidungen bestimmt und ersetzen weder eine individuelle fachliche noch eine rechtliche oder regulatorische Prüfung. Die Daten basieren auf einer repräsentativen Online-Befragung von 1’772 Personen (18+) aus der Deutsch-, Französisch- und Italienischschweiz, Erhebungsperiode Februar/März 2026. Die Studie wurde vom IFZ der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit der Luzerner Kantonalbank erstellt.

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