26. Mai 2026
Die neue IFZ Studie Bank-IT und Sourcing zeigt zum einen die Entwicklung des Outsourcings bei Schweizer Retailbanken und die sich daraus ergebenden Konsequenzen auf und analysiert zudem in zwei Schwerpunktthemen die digitale Transformation der Kernprozesse sowie das Datenmanagement als Grundlage für diese Transformation. Im heutigen Blogbeitrag fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zum Outsourcing zusammen und geben einen Ausblick auf die Studienergebnisse in den Schwerpunktthemen.
Die bereits achte Auflage der IFZ Studie Bank-IT und Sourcing wird anlässlich des IFZ Forums Bank-IT vom 9. Juni 2026 vorgestellt (hier der Link zur Veranstaltung und Anmeldung, es hat noch freie Plätze).
Die Studie basiert auf einer Umfrage, welche 43 der 88 angeschriebenen Führungskräfte von Schweizer Retailbanken beantwortet haben. Zudem wurden ergänzende Interviews zu den Schwerpunktthemen durchgeführt.
Die Bedeutung von Outsourcing steigt weiter – allerdings nicht in der Kundenberatung
Die Antworten der teilnehmenden Banken zeigen, dass sich Banken über ihre Kernkompetenzen im Klaren sind. Übereinstimmend antwortet demnach der überwiegende Teil der Banken, dass ihre Kernkompetenz im Bereich der Kundenberatung liegt. Wie in den Vorjahren sehen das fast alle Banken in den Bereichen Finanzieren (100 %) bzw. im Bereich Basisdienstleistungen (98 %) so. Die Kundenberatung im Bereich Anlegen & Vorsorge ist auch für 88 % der Banken eine der Kernkompetenzen. Somit bestätigt sich erneut der Fokus der Banken auf die Beratung an der Kundenschnittstelle. Demnach ist es konsequent und nachvollziehbar, dass Banken in Bereichen wie der Beratung sehr wenig auslagern und diese Leistungen fast vollständig intern erbringen. Lediglich bei Beratung im Sinne des Kundenservice/Callcenters geben 31 % der befragten Banken an, Dienstleistungen ganz oder teilweise auszulagern. Die Mehrheit (64 %) setzt aber auch hier auf interne Leistungserbringung.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Banken in anderen Bereichen, wie Druck & Versand, Informatik oder interne Revision weiterhin in hohem Mass auf Outsourcing setzen. Dort, sowie in vielen weiteren Bereichen, bleiben Auslagerungen wichtig. Im Ausblick auf die nächsten drei Jahre gehen die meisten Banken hier von einer Beibehaltung oder sogar Steigerung des Auslagerungsteils aus. Die grössten Erhöhungen des Outsourcinggrads planen die Banken in den Bereichen Zahlungsverkehr (+16 %), Informatik (+14 %) sowie Compliance/Risikomanagement (+14). Eine Reduktion des bestehenden Outsourcings ist eher die Ausnahme (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Geplante Auslagerungen von Banken
Multi-Sourcing ja, aber meist mit weniger als fünf IT-Providern
Es zeigt sich auch, dass die Anzahl der Banken, die mit mehr als zehn Anbietern zusammenarbeiten, von 19 % auf 24 % gestiegen ist. Im Bereich der Informatik hingegen arbeiten 63 % der befragten Banken mit weniger als 5 Anbietern zusammen (vgl. Abbildung 2). Gerade kleinere Banken setzen demnach häufig auf wenige IT-Partner, vermutlich im Wesentlichen um klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sowie ein einfacheres Management der Sourcingpartner sicherzustellen. Die Folge sind hier gewisse Klumpenrisiken und Abhängigkeiten, die bewusst adressiert werden müssen. Gefragt nach den Herausforderungen des IT-Sourcing antworten 56 % der Banken allerdings, dass die Anzahl der Provider nur eine geringe oder keine Herausforderung darstellt. Sehr grosse oder grosse Herausforderungen sehen Banken hingegen vor allem in der Höhe der Kosten (98 %) sowie der Einhaltung der regulatorischen Anforderungen (88 %).

Abbildung 2: Anzahl der Anbieter im Outsourcing
Ausblick auf die Ergebnisse der Studienschwerpunkte
Die beiden Schwerpunkte der diesjährigen Studie sind die (digitale) Transformation der Kernprozesse – unterstützt durch Sourcing – sowie das Datenmanagement als notwendige Basis dafür. Bei den Kernprozessen lag der Fokus auf den Prozessen Zahlungsverkehr und Kreditgeschäft. Die beiden Kernprozesse weisen sowohl im Hinblick auf das Sourcing als auch auf den Reifegrad der digitalen Transformation deutliche Unterschiede auf.
Im Zahlungsverkehr ist der Automatisierungs-, Digitalisierungs- und Outsourcinggrad vergleichsweise hoch. Die Abwicklung und Überwachung von Zahlungstransaktionen wird von 65 % der teilnehmenden Banken ganz oder teilweise ausgelagert. Noch höher ist der Auslagerungsgrad im Financial Messaging (SIC, Swift usw.); hier überschreitet dieser die Marke von 80 %.
Im Kreditgeschäft hingegen, insbesondere im Hypothekargeschäft, sind der Automatisierungs-, Digitalisierungs- und Outsourcinggrad deutlich tiefer. Relevante Tätigkeiten wie Kreditratings, Bilanzanalyse oder Kreditabwicklung sind nur bei 7 bis 16 % der Banken ganz oder teilweise ausgelagert. Der grösste Teil dieser Prozessschritte wird demnach intern erbracht. Aufgrund des Umstandes, dass 79 % der befragten Institute die Kreditabwicklung als Kernkompetenz betrachten, ist dies nachvollziehbar. In Anbetracht der fortschreitenden digitalen Transformation und der Möglichkeiten, die sich in diesen Bereichen auch durch KI ergeben, könnte sich dies aber zunehmend nachteilig auswirken. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass der Grossteil der Banken (74 %) weiterhin angibt, dass die Bedeutung der Automatisierung und Industrialisierung von Prozessen steigt.
Die Ergebnisse zeichnen somit ein unterschiedliches Bild für die Kernprozesse von Banken. Die zu den Schwerpunkten zusätzlich geführten Interviews mit Expertinnen und Experten geben weitere Einblicke in den Stand der Automatisierung/Digitalisierung sowie den Einsatz von KI. Die Experteneinschätzungen helfen auch, die Herausforderungen in der digitalen Transformation der Kernprozesse besser zu verstehen und künftige Entwicklungen präziser abschätzen zu können. Abschliessend lässt sich festhalten, dass Outsourcing an Bedeutung gewinnt, jedoch nicht pauschal, sondern selektiv. Zudem zeigt die Studie, dass für die digitale Transformation und den Einsatz von KI, wie auch für das Sourcing, eine gute Datenbasis eine unabdingbare Voraussetzung ist. Es konnten wichtige Erkenntnisse zum Stand der Datenqualität bei Banken und sinnvolle Massnahmen für Verbesserungen identifiziert werden.
Fazit
Zusammenfassend sind die Autoren der Meinung, dass das Sourcing für Retailbanken ein zentrales strategisches Instrument bleibt. Gerade in Bereichen wie der Informatik und im Kernprozess Zahlungsverkehr nimmt der Outsourcinggrad auf einem hohen Niveau nochmals zu. In anderen Kernprozessen wie dem Hypothekar- oder Anlagegeschäft gehen die Autoren von einer kontinuierlichen Zunahme von Auslagerungen aus, um die Chancen der digitalen Transformation sowie die Möglichkeiten der KI, effizienter nutzen zu können.
Die detaillierten Ergebnisse zu den Schwerpunktthemen sowie weitere Erkenntnisse aus den Bereichen Bank-IT und Sourcing werden am 09. Juni 2026, anlässlich des IFZ Bank-IT Forums, in Zürich präsentiert. Zusammen mit weiteren Referenten wird das Thema vertieft und diskutiert (hier der Link zur Veranstaltung und Anmeldung, es hat noch freie Plätze).
Ein herzliches Dankeschön gilt unseren Platinsponsoren Finnova, KPMG und Swisscom sowie dem Goldsponsor isolutions, deren Unterstützung die Studie erst möglich gemacht hat.
Möchten Sie die Themen mit uns vertiefen? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf thomas.fischer@hslu.chund urs.blattmann@hslu.ch
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