25. Juli 2019
Wie hat sich der Online-Hypothekarmarkt Schweiz 2018 entwickelt?
Für die aktuelle Studie über den Online-Hypotheken-Markt wurden sämtliche 22 Marktteilnehmer um Daten angefragt. 16 Anbieter haben uns ihre Daten vertraulich zur Verfügung gestellt. Zu den Volumina von den restlichen sechs (kleineren) Anbietern wurden Schätzungen von verschiedenen Experten vorgenommen. Dies ermöglicht es uns, einen repräsentativen Gesamtüberblick über die Entwicklungen und das Marktvolumen in der Schweiz aufzuzeigen.… Mehr Informationen
Für die aktuelle Studie über den Online-Hypotheken-Markt wurden sämtliche 22 Marktteilnehmer um Daten angefragt. 16 Anbieter haben uns ihre Daten vertraulich zur Verfügung gestellt. Zu den Volumina von den restlichen sechs (kleineren) Anbietern wurden Schätzungen von verschiedenen Experten vorgenommen. Dies ermöglicht es uns, einen repräsentativen Gesamtüberblick über die Entwicklungen und das Marktvolumen in der Schweiz aufzuzeigen. Zusätzlich wurde eine Umfrage bei Schweizer Hypothekarnehmern durchgeführt, welche aufzeigt, ob und weshalb sich Hypothekarkunden für eine Online-Hypothek entscheiden und welche Gründe dagegensprechen.
Unterschiedliche Geschäftsmodelle
Nicht alle Marktteilnehmenden verfolgen dieselben Geschäftsmodelle. Während gewisse Online-Plattformen beispielsweise lediglich Informationen (bspw. zu den aktuellen Zinssätzen) zur Verfügung stellen, um im Anschluss gegen eine Gebühr Leads zu vermitteln, bieten andere Anbieter ihren Nutzern die Möglichkeit, die Hypothek auch online abzuschliessen. In unserer Studie unterscheiden wir daher zwischen Online-Hypotheken im engeren und im weiteren Sinne. Eine Online-Hypothek im engeren Sinne kann direkt auf dem digitalen Kanal abgeschlossen werden, während bei einer Online-Hypothek im weiteren Sinne der Antragsprozess teilweise oder vollständig digital abgewickelt werden kann, der Abschluss aber nicht digital erfolgt.
Entwicklung der Volumina
Wie Abbildung 1 aufzeigt, sind die Volumina für Neuabschlüsse von Online-Hypotheken im Jahr 2018 weiter angestiegen. Die Wachstumsrate fällt jedoch tiefer aus als noch in den Vorjahren. Während das Volumen im Jahr 2017 gegenüber 2016 sprunghaft auf über CHF 3.4 Mia. um 43 Prozent angestiegen ist, wurde im Jahr 2018 mit rund CHF 3.7 Mia. noch 8 Prozent mehr Volumen online initiiert respektive abgeschlossen. Im Vergleich zu der Wachstumsrate des Kreditvolumens der privaten Haushalte der Banken in der Schweiz, welche seit Jahren bei rund 2.5-3 Prozent liegt, verzeichnen Online-Hypotheken aber weiterhin überproportionale Wachstumsraten. Für das Jahr 2019 gehen die Anbieter von einem weiteren und wieder grösseren Wachstumsschub aus. Die CHF 4 Mia. Grenze an neu abgeschlossenen Online-Hypotheken sollte gemäss diesen Schätzungen deutlich überschritten werden.

Der Marktanteil von Online-Hypotheken 2018 im Verhältnis zum gesamten in diesem Jahr umgesetzten Marktvolumen (Neuabschluss und Verlängerungen/Ablösungen) beträgt rund 2.34 Prozent (Annahme: Jährlich werden rund 20 Prozent des Hypothekarvolumens verlängert resp. neu abgeschlossen).
Interessant ist, dass sich die Vermittler in diesem Markt einen deutlich höheren Marktanteil verschafft haben als die Banken. Weiter können interessante Entwicklungen zu den initiierten Volumen von Hypotheken im engeren und weiteren Sinne festgestellt werden. Während bis ins Jahr 2016 noch mehr Hypotheken im engeren Sinne abgeschlossen wurden, überwiegen seit 2017 die initiierten Online-Hypotheken (ohne Online Abschluss) im weiteren Sinne.
Gründe für oder gegen Online-Hypotheken
Wie beurteilen Kunden das Angebot von Online Hypotheken? Können Sie sich vorstellen, künftig online Hypotheken zu verlängern oder gar neu abzuschliessen?
Im Rahmen einer Online-Umfrage, bei welcher 291 Bankkunden (davon 221 mit laufender Hypothek) teilgenommen haben, konnten einige interessante Erkenntnisse rund um diese Fragestellungen gewonnen werden:
- 57 Prozent der 291 Umfrageteilnehmenden können sich vorstellen, zukünftig eine Hypothek online abzuschliessen. 94 Prozent dieser Personen können sich einen Online Abschluss vor allem bei einer Verlängerung der Hypothek vorstellen. 31 Prozent dieser Personen geben an, gegebenenfalls auch eine Neuhypothek über den Online-Kanal abzuschliessen.
- Positiv hervorgehoben werden bei Online Hypotheken die Einfachheit des Vorgehens (72%), günstigere Konditionen (62%), die Zeitersparnis (61%) und die Flexibilität der Antragsstellung (56%).
- Als Gründe gegen eine Online-Hypothek wird häufig der Aspekt der Bedeutung des persönlichen Kontakts zum Berater genannt. Weiter sehen einige Personen einen eingeschränkten Verhandlungsspielraum beim Abschluss über den Online-Kanal (38%) oder haben Sicherheitsbedenken (23%).
Ausblick
Der Markt für Online-Hypotheken wächst trotz der jüngsten Wachstumsverlangsamung deutlich stärker als der gesamte Hypothekenmarkt. Obwohl diese Online-Möglichkeiten aber bereits seit mehr als 7 Jahren existieren, ist der entsprechende Marktanteil per Ende 2018 mit rund 2.3 Prozent noch immer eher tief. Unter Berücksichtigung der «strengeren» Definition einer Online-Hypothek (Online-Hypothek im engeren Sinne mit Online Abschluss) liegt der Marktanteil gar bei nur 0.85 Prozent.
Da immer mehr Finanzinstitute einen digitalen Kanal anbieten, ist aber auch in der nahen Zukunft mit einem anhaltenden Wachstum im zweistelligen Prozentbereich zu rechnen. Wir gehen dabei von einer weiterhin evolutionären Entwicklung aus.
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung der Hypothekenvermittler. Deren bisherige Entwicklung ist eindrücklich. Die Marktanteile sind aber noch immer viel geringer als beispielsweise in Deutschland. Auf die weitere Entwicklung darf man entsprechend auch hier gespannt sein.
PS: Das Thema Online-Hypotheken wird neben vielen anderen Themen auch ausführlich im Rahmen des CAS Digital Banking diskutiert. Der nächste Start ist am 6. Februar 2020. Mehr Infos finden Sie hier.
PPS: Die detaillierten Auswertungen und Analysen dieser Studie erhalten exklusiv e-foresight-Kunden und die an der Umfrage teilnehmenden Institute. Für Fragen wenden sie sich direkt an e-foresight: sophie.bayley@swisscom.com.
15. Juli 2019
Das Raiffeisen Stadt-Café – Visitenkarte, Beratungszone und Kundenbindungsinstrument
Das Thema der „Beraterbank“ beschäftigt die Raiffeisenbank Region Burgdorf schon eine ganze Weile. So waren die Burgdorfer 2015 die erste Bank der Schweiz mit einem „virtuellen Empfang“. So konnten auch Kleinstfilialen kundenorientiert betrieben werden. Nun sollte auch der Hauptsitz umgestaltet werden.… Mehr Informationen
Das Thema der „Beraterbank“ beschäftigt die Raiffeisenbank Region Burgdorf schon eine ganze Weile. So waren die Burgdorfer 2015 die erste Bank der Schweiz mit einem „virtuellen Empfang“. So konnten auch Kleinstfilialen kundenorientiert betrieben werden. Nun sollte auch der Hauptsitz umgestaltet werden. Dabei entstand die Idee zur Integration eines Cafés quasi „Bottom-up“ auf einem der jährlichen Innovationsworkshops der Bankleitung mit allen Mitarbeitern. Traditionell wird am Ende eines solchen Workshops über alle entstandenen Ideen abgestimmt und das Café bekam die meisten Stimmen. Gleichzeitig bestand glücklicherweise eine langjährige Beziehung zum Betreiber des Land-Cafés in Hasle bei Burgdorf. Dieser wollte als Pächter auch ein Café in der Stadt Burgdorf betreiben. Eine ideale Ausgangssituation also für beide Seiten. „Wir sind Bänker, keine Gastwirte“ bringt es Marc Guggenbühler auf den Punkt. So wurde Ende 2018 das Projekt in Angriff genommen und im Januar 2019 konnte das „Raiffeisen Stadt-Café“und die neue Eingangshalle der Raiffeisenbank eröffnet werden.

Betritt man die Bank fällt auf, dass die RB Burgdorf zwar auf alle klassischen Bankschalter verzichtet hat und es Bargeld nur noch am Automaten gibt. Jedoch setzt man auch nicht auf einen „Welcome Manager“, der in der Kundenhalle selektiv Kunden anspricht. Stattdessen riet der beauftragte Architekt zu einem klar erkennbaren Kundenempfangsmitarbeiter, der in einem kleinen „Empfangshäuschen“ alle eintreffenden Kunden begrüsst und als Anlaufstelle für alle Anliegen rund um die Bank dient. Je nach Anliegen des Kunden wird dieser dann in ein Beratungszimmer oder in das Stadt-Café begleitet, um sich dort mit einem Berater zu treffen.
Genau dieser Schritt zur „Beratung im Café“ fiel den Beratern jedoch zunächst schwer, wie Guggenbühler weiter ausführt. Inzwischen hat sich das junge Team der Raiffeisenbank jedoch daran gewöhnt. „Bei uns entscheidet der Kunde, wo er beraten werden will“ gilt dabei als Credo. Der Mitarbeiter ist mit seiner Infrastruktur dabei höchst flexibel. Sein wichtigstes Arbeitsinstrument ist dabei ein Tablet-Computer und WLAN Abdeckung gibt es in der Bank wie im Café. Wenn es um den Austausch sensibler Kundendaten geht, wird quasi immer das Beratungszimmer vorgezogen.
Natürlich musste der Umbau erst einmal den Kunden erklärt werden. So wurden nach der Eröffnung im Januar alle 13’000 Kunden der Bank angeschrieben und zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Das freute natürlich auch den Pächter Markus Aebi, der so sein öffentlich zugängliches Stadt-Café schnell einer grossen potenziellen Kundschaft vorstellen konnte. Und das scheint gut funktioniert zu haben, denn die Burgdorfer sind vom Café sehr angetan und besuchen dieses auch, um mittags oder abends eine Kleinigkeit zu Essen. Tagesmenü, Kuchen oder Glacé werden zwischen 9 und 19 Uhr und am Freitag sogar bis 22 Uhr gerne bestellt. So sind die 42 Innenplätze plus 35 Plätze auf der Aussenterrasse im Sommer gut gefüllt. Das sieht der Vorsitzende der Bankleitung auch als Erfolg: „Schliesslich wollten wir die Bahnhofstrasse hier in Burgdorf auch etwas beleben.“
Wegen der längeren Öffnungszeiten musste das Sicherheitskonzept der RB Burgdorf stark angepasst werden, führt der Hauptzugang zum Café doch nach wie vor durch die Kundenhalle der Bank. Doch das sorgt für Nähe und Vertrauen und zeigt auch das Engagement der Bank für Burgdorf, wie Marc Guggenbühler erklärt. Schliesslich nutzen schon erste Vereine das Café für ihre jährliche Generalversammlung. Und auch das hier durchgeführte regelmässige „Gewerbe-Apéro“ der Bank zeigt die symbiotische Verbindung zwischen Raiffeisenbank und dem „Raiffeisen Stadt-Café“. In der Augustausgabe wird auch das deutsche Fachmagazin „Bank Objekte“ über den Umbau berichten.
Für Marc Guggenbühler gibt es aber noch einen weiteren positiven Aspekt für seine RB Region Burgdorf. „Im Marketing brauchten wir dringend ein neues Thema. 2016 wurden wir die erste CO2 neutrale Bank der Schweiz. Darüber haben wir jahrelang unser Marketing definiert. Nun haben wir mit dem Stadt-Café ganz andere neue Möglichkeiten für „Good-News“.
Fazit:
Das Raiffeisen Stadt-Café bringt die RB Region Burgdorf wesentlich näher zu ihren Kunden. Beratungen können auch in wesentlich ungezwungener Atmosphäre stattfinden, das Café dient der Bank und Vereinen oder Firmen als Veranstaltungsraum und trägt so zur Kundenbindung bei. Der Platz wird so wesentlich effektiver genutzt als in der Schalterhalle zuvor. Gleichzeitig trägt die Raiffeisenbank so zur Belebung der Bahnhofstrasse in Burgdorf bei und erhält so einen „wertigeren“ Platz in der Wahrnehmung ihrer Kunden.
Wenn Sie sich für derartig neue Kundenbindungskonzepte für Banken interessieren, ist unser neuer „CAS Sales und Marketing im Banking“ für Sie sicher spannend. Der Kurs startet am 5. September 2019 an unserem neuen Campus Zug-Rotkreuz. Melden Sie sich noch heute an, es sind noch wenige Plätze verfügbar!
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8. Juli 2019
Trends im Banking an der Money 20/20
Die Finanzmesse «Money 20/20» wurde ins Leben gerufen, um einen Raum zu schaffen, wo sich technologische Innovationen und die klassische Finanzindustrie treffen und neue Ideen, Lösungen und Geschäftsmodelle diskutiert und weiterentwickelt werden können. An der diesjährigen Veranstaltung in Amsterdam standen die Themen «Innovationen», «Geschäftsmodelle» und «Open Banking» im Zentrum der Diskussionen und der Präsentationen.… Mehr Informationen
Die Finanzmesse «Money 20/20» wurde ins Leben gerufen, um einen Raum zu schaffen, wo sich technologische Innovationen und die klassische Finanzindustrie treffen und neue Ideen, Lösungen und Geschäftsmodelle diskutiert und weiterentwickelt werden können. An der diesjährigen Veranstaltung in Amsterdam standen die Themen «Innovationen», «Geschäftsmodelle» und «Open Banking» im Zentrum der Diskussionen und der Präsentationen. Daneben wurden auch Themen wie Blockchain, Artificial Intelligence und Cyber Security behandelt. An den Ständen der Aussteller hingegen stand das Thema Payment im Vordergrund. Dass grosse Player wie Amazon oder PayPal auf dieses Thema setzen und auf diese Weise in den klassischen Bankenmarkt eindringen wollen, erstaunt nicht. Dass aber auch viele mittlere und kleinere Firmen ihre ‘ausgezeichneten’ Lösungen in diesem Bereich vorstellten und den Bank schmackhaft machen wollten, hat aber doch einigermassen verwundert. Dies umso mehr als in den Referaten verschiedentlich die Ansicht geäussert wurde, dass mit dem Zahlungsverkehr nicht mehr das grosse Geld verdient werden könne.

Amazon Pay und eine neue Kommerzplattform von PayPal
Amazon will seine dominierende Stellung im Internethandel dazu nutzen, auch im Zahlungsverkehr Fuss zu fassen, um auch in diesem Bereich weltweit eine führende Stellung einnehmen zu können. Das Angebot am Stand von Amazon Pay war denn auch spezifisch auf Händler ausgerichtet, um diese von den Vorteilen des neuen Angebots überzeugen zu können. Die Frage, ob ein Bankkonto mit Amazon Pay verbunden werden könnte, konnte man uns leider nicht beantworten.
PayPal geht den umgekehrten Weg: Ausgehend von einer starken Stellung im Zahlungsverkehr will PayPal nun eine eigene Handelsplattform einrichten, um in der Wertschöpfungskette den Händler schon vor dem Zahlungsprozess abholen zu können. Es dürfte spannend sein zu verfolgen, ob es dem Unternehmen gelingen wird, eine echte Alternative zu Amazon und anderen bereits etablierten Handelsplattformen zu schaffen.
N26 und BigPay
Ein Highlight der Veranstaltung waren zweifellos die Präsentationen von N26 und BigPay. Während N26 als Bank, welche in vielen europäischen Ländern aktiv ist und bereits über rund 3 Mio. Kunden verfügt, hierzulande schon eine gewisse Bekanntheit geniesst, dürfte BigPay bisher nur wenigen aufgefallen sein. Dieses Institut wurde 2018 in Malaysia vom Betreiber einer asiatischen Fluggesellschaft gegründet, deren Erfolg darauf basiert, den innerasiatischen, grenzüberschreitenden Flugverkehr einfach und günstig anzubieten. Die Übertragung dieser Idee auf das Banking ist auch die Geschäftsidee von BigPay, welche es weltweit innert einem Jahr bereits unter die Top 5 der Finanzapplikationen geschafft hat.
Interessant ist, wie sich die Geschäftsmodelle der beiden Challenger-Banken gleichen: Beide wollen grenzüberschreitend tätig und sehr günstig sein, um so die nötige Masse an Kunden zu gewinnen. Ausserdem versprechen beide ein Banking, das den Kunden Spass macht und die beste digitale User-Experience ermöglicht. Des Weiteren wollen beide vollständige Transparenz anbieten.
Während BigPay sich vorerst auf den asiatischen Raum fokussiert, hat N26 konkrete Pläne, um in den USA und in Brasilien mit Tochtergesellschaften Fuss zu fassen. Die Vision ist es, die erste globale Retailbank zu bauen. Dabei ist man bestrebt, eine Balance zwischen den Neugründungen und dem Ausbau des bestehenden Geschäfts – es wird eine Verdoppelung der Kundezahlen in Europa anvisiert – zu finden. Zweifellos ein anspruchsvolles Unterfangen.
Open Banking
Viel wurde auch über Open Banking und PSD2 gesprochen. Die Erkenntnisse in England, wo mehr als ein Jahr Erfahrung mit der Öffnung der Kundenschnittstelle gesammelt wurde, sind jedoch bislang ernüchternd: Es hat sich noch nicht viel bewegt. Sei es, weil einzelne Banken die offene Schnittstelle noch immer mit einem grossen ‘time lag’ bedienen und so eine konsolidierte Sicht für den Kunden zur Geduldsprobe wird; sei es, weil Kunden noch zu wenig um ihre neuen Rechte wissen. Interessant waren jedoch Hinweise von Regulatoren, dass man es nicht bei der Öffnung von Banken bewenden lassen wolle, sondern dass Telekom-Unternehmen und andere Firmen folgen sollen. So soll eine völlig offene Wirtschaft geschaffen werden, wo letztlich der Kunde entscheidet, wem er seine Daten zur Verfügung stellt.
Dass sich dieses Modell längerfristig durchsetzen wird, scheint unbestritten; dass es bis dahin aber noch ein langer Weg ist, lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Für Banken in der Schweiz dürfte das Thema spätestens dann aktuell werden, wenn sich die erste Bank zur Öffnung entschliesst und ihren Kunden, statt einem eigenen Online Banking im Verbund mit europäischen Banken eine Plattform anbietet, die dem Kunden eine Gesamtsicht über seine finanzielle Situation und beispielsweise einfache Zahlungen in EUR ermöglicht. Es lohnt sich deshalb, schon heute die entsprechenden Analysen vorzunehmen und die eigenen Handlungsoptionen zu bewerten.
Denkanstösse für Schweizer Banker
Aus der Vielzahl von Eindrücken lassen sich auch einige wichtige Erkenntnisse gewinnen, die für Schweizer Finanzinstitute von Relevanz sein können. Bezüglich den Geschäftsmodellen von N26 und BigPay muss man sich zunächst fragen, ob die hiesigen Banken bisher die Bedürfnisse der Kunden nach Einfachheit, Transparenz und günstigen Gebühren zu wenig konsequent adressiert haben und wie dies in Zukunft verbessert werden könnte. Viel grundsätzlicher ist die Frage, ob in Zukunft die grossen Plattformen von Google, Amazon und anderen Playern den Markt beherrschen werden und wie dieser Herausforderung begegnet werden kann. Ist es zielführend, dass jede Bank ihr eigenes Online Banking optimiert oder sollten im Sinne von Open Banking dem Kunden nicht neue, auch grenzüberschreitende Plattformen angeboten werden, welche neben Finanzdienstleistungen auch andere Bereiche beinhalten, die dem Kunden das Leben einfacher machen? Nach meiner Einschätzung bieten sich derzeit gute Möglichkeiten für Schweizer Banken, die Zukunft aktiv zu gestalten. Die strategische Diskussion und die Umsetzung der entsprechenden Massnahmen sollte aber mit einer gewissen zeitlichen Dringlichkeit verfolgt werden.
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1. Juli 2019
Die neue e-Lounge der Bank CIC im Test
Das Online- und zunehmend auch das Mobile-Banking entwickeln sich neben dem Filialgeschäft zu tragenden Säulen des Privatkunden- und Firmenkundengeschäfts. Es ist davon auszugehen, dass Bankkunden zukünftig einen noch grösseren Anteil ihrer Geschäfte via Online- und Mobile Banking erledigen werden. Entsprechend ist es zentral, dass diese Kanäle in Bezug auf das Design, die Funktionalitäten und die Performance sehr gut abschneiden.… Mehr Informationen
Das Online- und zunehmend auch das Mobile-Banking entwickeln sich neben dem Filialgeschäft zu tragenden Säulen des Privatkunden- und Firmenkundengeschäfts. Es ist davon auszugehen, dass Bankkunden zukünftig einen noch grösseren Anteil ihrer Geschäfte via Online- und Mobile Banking erledigen werden. Entsprechend ist es zentral, dass diese Kanäle in Bezug auf das Design, die Funktionalitäten und die Performance sehr gut abschneiden. Ebenso ist zu hoffen, dass künftig vermehrt Interaktionen und zusätzliche Produktabschlussmöglichkeiten über das Online und Mobile Banking möglich sind.
Die heutige Situation der Bank CIC
Die Bank CIC ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Crédit Mutuel und hat ihren Sitz in Basel. Per 31. Dezember 2018 wies sie ein Bilanzvolumen von CHF 9.3 Milliarden aus, verwaltete CHF 6.4 Milliarden Kundengelder und beschäftigte 394 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Obschon das E-Banking bereits heute von grosser Bedeutung ist, erfüllt die bis vor kurzem aktive E-Banking Version der Bank CIC nur die rudimentärsten Anforderungen an eine solche Lösung und hatte entsprechend einen dringenden Anpassungsbedarf. Gemeinsam mit der Firma ti&m hat die Bank CIC eine komplett neue digitale Lösung gebaut, welches auch einige interessante Funktionen inkludiert. Das Projekt wurde im Herbst 2017 gestartet und ist derzeit in der «Friends and Family»-Phase. Das Online Banking bei der Bank CIC heisst «eLounge».
Die wichtigsten Funktionalitäten
Die interessantesten Funktionalitäten der eLounge sind aus meiner Sicht die folgenden:
- Aktienempfehlungen direkt im Portfolio eingebunden: Interessant finde ich die Möglichkeit, dass man sich die CIC-Einschätzungen zu gehaltenen Aktientitel einblenden lassen kann (siehe Abbildung 1). Dadurch kann man jederzeit sehen, welche Titel des derzeitigen Portfolios eine «Kauf», «Hold» oder «Verkaufs-Empfehlung» haben.

- Vertrags-Archiv: Ebenfalls spannende finde ich das Vertragsarchiv für Privatkunden und Firmenkunden. Im entsprechenden Archiv erhält der Kunde jederzeit Zugang zu allen gültigen Verträgen. Die derzeit gültigen aber bereits in der Vergangenheit abgeschlossenen Verträge wurden hierfür allesamt für den Kunden archiviert. Es ist meines Wissens das erste umfassende digitale Vertragsarchiv von Schweizer Banken für Firmenkunden und Privatkunden (die Credit Suisse beispielsweise bietet ein solches Archiv nur für Leasing-Verträge an). Gemäss unserer Studie «Digitales Firmenkundengeschäft» entspricht das Angebot eines digitalen Vertragsarchivs in Bezug auf die Digitalisierung dem grössten Kundenbedürfnis im Segment der Firmenkunden.
Neben den Verträgen werden auch sämtliche künftigen Korrespondenzen im Archiv abgelegt.

- Benutzer-Verwaltung für Privatkunden und Firmenkunden. Wenig spektakulär erscheint auf den ersten Blick die Möglichkeit der eLounge Benutzerverwaltung für Unternehmens- und Privatkunden. Mit dieser Möglichkeit können bei Firmenkunden unter anderem die Mitarbeiter-Rechte (z.B. Erfassung und Änderung von Zeichnungs- und Zugriffsrechten) auf sehr einfache Art und Weise und pro Konto von der Unternehmung selber eröffnet und bewirtschaftet werden. Statt wie bisher über den Postweg neue oder ausgeschiedene Mitarbeiter zu melden und neue Zeichnungsberechtigungen für einzelne Mitarbeiter anzufordern, kann die Unternehmung dies selbstständig im Online Banking machen. Sie erhält dadurch Transparenz über die Berechtigungssituation. Ebenso kann (z.B. temporär) einem Familienmitglied oder einem Freund/Freundin Zugriff auf ein einzelnes Konto gewährt werden, um z.B. Zahlungen während der Ferien freizugeben. Aus meiner Sicht führt dies zu einer klaren Win-Win Situation: Die Bank verringert ihre Prozesskosten (der Kunde übernimmt die Arbeit selber, viel manuelle Arbeit auf Seiten der Bank entfällt), während der Kunde sein Problem einfacher und schneller regeln kann (Convenience). Ähnliche Lösungen für Firmenkunden haben auch UBS oder Credit Suisse schon installiert. Im Gegensatz zu den beiden Grossbanken können bei der Bank CIC aber zusätzlich die Rechte von Privatpersonen angepasst werden (z.B. Zahlungsfreigabe während Ferien, etc.) und scheint die Lösung etwas unkomplizierter zu sein.
- Vereinfachung beim Belegscanner: Als kleine Verbesserung gegenüber den meisten existierenden Lösungen kann der Belegscanner in der mobilen App betrachtet werden. Bei der Lösung der Bank CIC können zuerst mehrere Rechnungen nacheinander fotografiert werden. Die entsprechende Freigabe der Rechnungen erfolgt danach erst am Schluss.

Weitere Aspekte der eLounge, welche man aber auch in mehreren anderen E-Bankings finden kann:
- Personalisiertes Dashboard: Der Kunde kann anhand verschiedener Widgets seine Startseite selber zusammenstellen. Zusätzlich existieren drei Standard-Dashboards. Das Dashboard ist so entwickelt, dass man die Menu-Leiste eigentlich nur selten brauchen sollte. Die wichtigsten Informationen hat man auf einen Blick und sämtliche Transaktionen und Freigaben können via Dashboard ausgelöst werden.
- Das Portfolio von Beratungskunden wird automatisch täglich überwacht (Health Check). Allfällige Verletzungen von entsprechenden Regeln werden dem Kunden über den von ihm gewünschten Kanal (Mail, SMS, Push Notification oder mit einer Nachricht innerhalb der e-Lounge) inklusive Verkaufsempfehlungen mitgeteilt. Beim Kauf eines Fonds oder eines strukturierten Produkts wird geprüft, ob das Anlageinstrument für den Kunden in Bezug auf Marktzulassung und hinsichtlich steuerlicher Auswirkungen geeignet ist. Im Gegensatz zu den in diesem Bereich besten Lösungen werden derzeit aber noch keine konkreten alternativen Anlagevorschläge automatisiert erstellt (ist als weiterer Ausbauschritt aber vorgesehen). Positiv finde ich auf der anderen Seite, dass die Health Check Verletzungen direkt zum Kunden gelangen.
- Zahlungs-Assistent: Der Zahlungs-Assistent umfasst – ähnlich wie man das von anderen Banken bereits kennt – alle Arten von Zahlungen. Der Kunde muss nicht mehr wählen, ob er einen roten oder orangen Einzahlungsschein vor sich hat. Er kann zusätzlich (und diese Funktion ist nicht bei allen E-Banking verfügbar) auch nur Stichworte eingeben (z.B. «Miete»), um alte Zahlungen wieder zu finden. Für die e-Bill Rechnungen hingegen wird der Kunde – anders als bei UBS oder der Zürcher Kantonalbank – auf eine andere Seite weitergeleitet.
- Dem Kunden wird jeweils ein «Trade of the week» empfohlen, was grundsätzlich eine gute Idee ist. Leider ist der Vorschlag derzeit noch nicht personalisiert und entsprechend unabhängig vom bereits existierenden Portfolio, der Risikobereitschaft oder den Präferenzen des Kunden.
- Transaktions-Limiten können selber gesetzt werden. Entsprechend kann das Sicherheitsbedürfnis individuell angepasst werden.
Fazit
Die neue E-Banking Lösung der Bank CIC gefällt mir optisch gut. Sie hat – ausser dem digitalen Vertragsarchiv – zwar keine speziell neuen Funktionen drin. Der Funktionalitätsumfang ist für den ersten Release aber schon ziemlich gross. Zudem sind weitere interessante Aspekte geplant. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen beispielsweise 3a-Konti in der e-Lounge online eröffnet werden können. Eine Einführung der digitalen elektronische Signatur oder digitalen ID wird geprüft. Hingegen hat man sich gemäss Sandra Marugg, Leiterin Business Development bei der Bank CIC, derzeit bewusst noch gegen eine Personal Finance Management (PFM) oder eine Business Finance Management (BFM)-Lösungen entschieden.
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Andre
2. Juli 2019
Cool, Design à la Microsoft Office365/Azure Portal
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24. Juni 2019
Rückblick auf die IFZ-Konferenz «Innovationen im Banking»
Einführung, Prof. Dr. Andreas Dietrich, Hochschule Luzern
- Andreas Dietrich wies darauf hin, dass Digitalisierung kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Banken seien hier unterschiedlich und vor allem unterschiedlich schnell unterwegs. Die Digitalisierung werde die Bank aber noch sehr lange beschäftigen.
- Ein mögliches Problem sei dabei, dass die bestehende IT-Architektur vieler Banken ein rasches Umsetzen der strategischen Ziele verhindere oder verlangsame.
Einführung, Prof. Dr. Andreas Dietrich, Hochschule Luzern
- Andreas Dietrich wies darauf hin, dass Digitalisierung kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Banken seien hier unterschiedlich und vor allem unterschiedlich schnell unterwegs. Die Digitalisierung werde die Bank aber noch sehr lange beschäftigen.
- Ein mögliches Problem sei dabei, dass die bestehende IT-Architektur vieler Banken ein rasches Umsetzen der strategischen Ziele verhindere oder verlangsame. Entsprechend solle man sich stärker mit der IT-Themenstellung auseinandersetzen, damit die Strategieziele auch entsprechend erreicht werden können.
- Daneben stelle Andreas Dietrich den Crowdfunding Monitor der Hochschule Luzern vor.
Business Analytics wird zum Business Case – zwei Beispiele
Datengetriebenes Marketing bei der Credit Suisse: Andrea Bargetzi
- Andrea Bargetzi gab einen Einblick in das Thema Data Analytics bei der Credit Suisse.
- Im Vergleich zu den meisten FinTech Unternehmen verfügt die CS über sehr viele Daten zu ihren Kunden. Dieser «Wissensvorsprung» wurde lange Zeit aber kaum erschlossen. Erst seit dem Jahr 2017 rückte das Thema Analytics stärker in den Vordergrund und wurden erste Anwendungsfälle getestet. Ein erstes Resultat des verstärkten Fokus im Bereich Analytics ist die personalisierte Website, welche wir bereits im Blog vorgestellt haben.
- Ein weiteres interessantes Projekt läuft derzeit im Bereich der «Predictive Analytics». Durch dieses Tool soll bereits vor einer Publikation eruiert werden, wie gross der Erfolg der geplanten Publikationen sein wird.
Implementierung Use Case Data Analytics bei der LUKB: Guido Hauser
- Die Luzerner Kantonalbank hat verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Data Analytics geprüft und sich schliesslich entschieden, einen ersten Anwendungsfall im Bereich der Potenzialerkennung zu testen. Mittlerweile hat die LUKB auch ein «Recommender System» im Einsatz.
- Mit diesem Projekt wurden Kunden mit hohem Fremdbank-Vermögen mittels Machine Learning identifiziert und kontaktiert. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.
- Das Projekt für die Erkennung von Kunden mit hohen Vermögen bei anderen Banken wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ durchgeführt.
Plattformen für Hypotheken – drei Beispiele
UBS Atrium – Innovative Hypothekenfinanzierungen für Institutionelle Investoren: Markus Kuster
- UBS Atrium ist eine Plattform für institutionelle Investoren, welche in Hypotheken für Renditeliegenschaften investieren möchten. Die Plattform wurde auf dem Blog hier im Detail vorgestellt.
- Bislang wurden über die Plattform 230 Finanzierungen mit einem Volumen von CHF 975 Millionen abgewickelt.
- Nur bei vier Transaktionen wählte der Geldnehmer nicht den günstigsten offerierten Zins.
- Nahezu alle 230 Hypotheken wurden durch einen der aktuell sieben Partner finanziert. Die UBS führte lediglich zwei Finanzierungen selber durch.
- Es werden nur Projekte berücksichtigt, in welche die UBS auch selber investieren würde. Der Credit Officer weiss dabei nicht, ob er einen Finanzierungsantrag für die UBS Bilanz oder für die Plattform bearbeitet. Wird das Projekt aufgeschaltet, gibt die UBS als erster Kreditgeber ein Gebot ab.
- Etwa zwei Drittel der auf der Plattform gestellten Finanzierungsanfragen konnten tatsächlich befriedigt werden. Im laufenden Jahr wurden gar 90 Prozent der Anträge finanziert.
- Aus Sicht der UBS spielt die Kannibalisierung keine allzu bedeutende Rolle, da vermehrt auch langfristige Hypotheken über die Plattform abgewickelt werden, welche die UBS gar nicht anbieten würde.
Credit Exchange AG – das Ökosystem des Schweizer Kreditmarkts: Hanspeter Ackermann und Andrea Canonica
- Das heutige Hypothekargeschäft in der Schweiz läuft insgesamt noch sehr ähnlich ab wie jenes vor dreissig Jahren. Der ehemalige CEO der Bank Coop (heute: Bank Cler) Hanspeter Ackermann will dies mit der im Jahr 2017 gegründeten CredEx ändern und Hypothekarkunden direkt mit institutionellen Kreditgebern verbinden (nach dem Vorbild einer Aktienbörse).
- Der Fokus liegt auf Wohnliegenschaften. Über die Plattform sind verbindliche Offerten in Echtzeit möglich. Die Beratungskompetenz der Banken soll unangetastet bleiben.
- Credit Exchange ist eine gemeinsame Initiative der Clientis Zürcher Regionalbank (ab 2020 Bank avera), Swisscom, Mobiliar und Vaudoise. Die strategischen Partner sind EY, Umbricht sowie additiv. Zudem wird auch mit der Kreditfabrik der Glarner Kantonalbank sowie mit den drei Immobilienbewertern Fahrländer, IAZI und Wüest Partner zusammengearbeitet.
- Seit Ende 2018 ist die Plattform online, welche als White Label Lösung angeboten wird. Andrea Canonica zeigt am Beispiel der Vaudoise die Ansicht und den Prozess eines institutionellen Kreditgebers. Wichtig ist, dass die Kundenschnittstelle bei der jeweiligen Bank oder Versicherung bleibt.
- Mittelfristig soll die Plattform auch einen Sekundärmarkt für Hypotheken ermöglichen.
Valuu – die neue Hypoplattform am Markt: Thomas Jakob, Valuu
- Die Hypothekenvermittlungsplattform von PostFinance ist seit Januar 2019 live. Valuu ist in einem ähnlichen Marktsegment wie MoneyPark, Hypoguide oder HypoPlus aktiv.
- Valuu wird als Mobile-App für iOS und Android angeboten und verhilft dem potenziellen Hypothekarschuldner zu einer Offerte in Echtzeit. Valuu prüft die Eingaben auf Vollständigkeit und leitet diese anonym an den «Offerierer» weiter
- Die ersten 100 Tage verliefen so.
- Nach 150 Tagen verzeichnet Valuu 270’000 Besucher, 23’000 Downloads und 2’300 Registrierte User, wovon gut ein Drittel in weniger als 12 Monaten eine Finanzierung benötigt.
- Momentan arbeitet Valuu mit 11 Finanzierungspartnern zusammen. Mit rund 20 weiteren potenziellen Partnern ist man aktuell in Kontakt.
- Die bei der Lancierung mittels App mögliche Immobiliensuche wurde vorübergehend eingestellt. Erste Erfahrungen zeigten, dass die Kunden dieses gegenüber etablierten Marktteilnehmern etwas abgespeckte Angebot nicht geschätzt haben. Daher wird Valuu diese Funktion überarbeiten.
- Nebst Wohnliegenschaften werden seit 17. Juni auch Renditeliegenschaften finanziert. Bezüglich Marktregion hat sich Valuu vorerst auf die Deutschschweiz konzentriert. Valuu wird nun aber auch im Tessin und der Westschweiz ausgerollt.

Innovationen im Private Banking – JB Digital Advisory Suite: Peter Stampfli, Julius Bär
- Innerhalb von nur 11 Monaten hat Julius Bär dank agiler Organisationsform mit bis zu 100 Mitarbeitern, verteilt in Zürich und Belgrad, die Digital Advisory Suite (DiAS) entwickelt (siehe auch unseren Blog dazu).
- DiAS hilft sehr stark in der Kundenberatung, wobei einerseits regulatorische Anforderungen (MiFID und äquivalent) in den Prozess eingebunden und damit aus Kundenberatersicht vereinfacht wurden. Gleichzeitig wurden auch verschiedene Prozesse automatisiert. Dadurch sollen die Kundenberater mehr Zeit für ihre Kunden haben.
- Ein interessantes Element von DiAS ist die Bereitstellung von massgeschneidertem Investment Content. Unterstützt durch Analytics sollen die Kundenberater ihren Kunden gezieltere und personalisiertere Anlagevorschläge unterbreiten. In diesem Bereich ist man noch in der Anfangsphase. Auch die Kunden-App wird derzeit erst in der Beta-Phase getestet.
Anwendungsmöglichkeiten für Virtual und Augmented Reality im Banking: Stefan Jeker, Raiffeisen
- Stefan Jeker hinterfragt das generelle Warten, bis sich Technologien etabliert haben. Das RAI Lab experimentiert daher frühzeitig auch mit Augmented und Virtual Reality und sucht damit innovationsfördernde Arbeitsmethoden.
- Beispiel für ein Versuchsprojekt ist CasAugmented. Damit wird das Finden, Besichtigen und Einrichten einer Immobilie eine Erfahrung zwischen Realität und digitalisierter Visualisierung. Auch praktische, bereits verfügbare Elemente wurden berücksichtigt, wie beispielsweise der Zugang zu einer Wohnung mittels Smart Lock.
- Ebenfalls Mitglied des RAI Lab ist RAIffi, ein von SoftBank hergestellter Roboter, bekannt unter dem Namen Pepper.
SAVE THE DATE: Am Mittwoch, 13.11 2019 findet wieder die Retail Banking Konferenz statt (13.15-18.00 Uhr). Zusätzliche Infos finden Sie hier.
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17. Juni 2019
Private Debt gewinnt in der Schweiz an Bedeutung
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Der Markt für nicht-öffentlich gehandelte Fremdkapitalfinanzierungen hat in den letzten Jahren vermehrt an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Hochschule Luzern untersuchte zum ersten Mal umfassend und systematisch die Bedeutung sowie das Potenzial von Private Debt in der Schweiz.… Mehr Informationen
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Der Markt für nicht-öffentlich gehandelte Fremdkapitalfinanzierungen hat in den letzten Jahren vermehrt an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Hochschule Luzern untersuchte zum ersten Mal umfassend und systematisch die Bedeutung sowie das Potenzial von Private Debt in der Schweiz. Für Geldnehmende stellt Private Debt eine alternative Finanzierungsquelle zur klassischen Bankfinanzierung dar. Aus Sicht von Geldgebenden bietet sich Private Debt als interessante Anlageklasse an.
Private Debt – eine Definition
Gemeinhin existieren für den Begriff «Private Debt» verschiedene Definitionen. Im weitesten Sinne umfasst Private Debt jegliche Fremdkapitalfinanzierung von Unternehmen über einen nicht öffentlich gehandelten Markt. Darin eingeschlossen sind daher im weitesten Sinne alle Formen von Bankkrediten, Darlehen durch Nicht-Banken, Schuldscheindarlehen, Spezialfinanzierungen, Konsumkredite, private Immobilienfinanzierungen etc. Im Gegensatz zum öffentlichen Markt sind Private-Debt-Instrumente typischerweise illiquid. Deshalb beabsichtigen die Geldgebenden üblicherweise, das Engagement bis zum Ende der Laufzeit aufrecht zu erhalten. Im Weiteren fehlen meist öffentliche Marktpreise für diese Instrumente. Häufig wird der Begriff Private Debt in einem engeren Sinne verstanden und beschränkt sich – wie auch im Rahmen der vorliegenden Studie – auf nicht börsengehandelte Fremdfinanzierungen von Unternehmen durch Nicht-Banken.
Marktvolumen in der Schweiz beträgt rund drei Milliarden Franken
Zahlenerhebungen in einem nicht-öffentlichen Markt sind schwierig. Basierend auf zahlreichen Interviews mit relevanten Marktakteuren entwickelten die Autoren eine Klassifizierung des Schweizer Marktes (vgl. Abbildung 1). Das Volumen des Private Debt-Marktes beträgt schätzungsweise etwa drei Milliarden Franken. Einzelne grössere Private-Equity-Transaktionen haben einen starken Einfluss auf die Volumina von Private Debt. Die Autoren beobachten aber auch zahlreiche kleine Transaktionen, zum Beispiel im Bereich Crowdlending, welche ebenfalls zum Anstieg beitragen. Auch international verzeichnet der Private Debt-Markt ein hohes Wachstum. Das aktuell weltweit in Private Debt-Fonds angelegte Volumen wird auf über USD 750 Mrd. geschätzt. Allein im Jahr 2018 wurden schätzungsweise mehr als USD 100 Mrd. neues Kapital aufgenommen.

Private Debt: Nischenmarkt mit Potenzial für neue Geschäftsmodelle
Verglichen mit den Kreditvolumen von Banken oder öffentlichen Fremdkapitalmärkten bewegt sich der Private Debt-Markt in der Schweiz weiterhin in einer Nische. Banken werden für Schweizer KMU weiterhin die klar wichtigsten Kreditanbieter bleiben. Trotzdem werden insbesondere Finanzierungen über digitale Plattformen weiter hohe Wachstumsraten aufweisen. Grosses Potenzial sehen die Autoren auch bei Geschäftsmodellen, welche die Vorteile von klassischen Bankfinanzierungen mit solchen von Online-Plattformen verbinden. Solche Plattformen werden auch den Einbezug von Fonds und institutionellen Investoren in die Finanzierung von Krediten für Unternehmen ermöglichen. Insbesondere die Vielfalt des Kreditangebots für Unternehmen in der Schweiz wird dadurch in der Schweiz zunehmen.
Bereitschaft für Investitionen in Private Debt ist vorhanden
In der Studie wurde ebenfalls die Bereitschaft von institutionellen Investoren untersucht, in Private Debt zu investieren. Aktuell sind Investoren unterschiedlich stark in die Anlageklasse Private Debt investiert. Die Anleger erhoffen sich mit den Investitionen in entsprechende Anlagen erstens höhere Renditen zu erzielen, zweitens gute Anlagen im längeren Laufzeitensegment zu tätigen und drittens Diversifikationseffekte zu erwirken. Die bisherigen guten Erfahrungen sind denn auch der Grund dafür, dass die Bereitschaft zu einer Erhöhung der Allokation in Private Debt vorhanden ist. Dennoch gilt es wie bei anderen Investitionen die jeweiligen Risiken zu bedenken und einen effizienten Zugang zu passenden Anlagemöglichkeiten aufzubauen.
Private Debt Studie – 2019
Die Private Debt-Studie der Hochschule Luzern wurde unterstützt durch die Schwyzer Kantonalbank und Remaco.

Kommentare
2 Kommentare
Philipp
19. Juni 2019
Verständnisfrage zum Chart; Kategorie mit höchstem Finanzierungsvolumen ist > CHFm 250. Ihre Schätzung für neues jährliches Volumen beträgt CHFm 100 bis CHFm 600. Wie kommt es zur Untergrenze von CHFm 100, wenn das Charakterisierungsmerkmal > CHFm 250 lautet? Sind dies Erweiterungen von bestehenden (> CHFm 250) Finanzierungsvorhaben?
Prof. Dr. Andreas Dietrich
19. Juni 2019
Vielen Dank für die Frage. Dies sind lediglich ungefähre jährliche Durchschnittswerte. Je nach Marktlage gibt es nicht jedes Jahr eine Transaktion, weshalb die jährliche Spannweite etwas tiefer gewählt wurde.
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.
11. Juni 2019
Digital Onboarding bei KMU: Wie gut funktioniert das bei der Credit Suisse?
Die FINMA hat mit ihrem Entwurf des Rundschreibens „Video- und Online-Identifizierung“ am 21. Dezember 2015 die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen im Finanzbereich über digitale Kanäle geschaffen. Am 3. März 2016 hat sie grünes Licht für die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen zwischen Kunde und Bank mittels Video- und Online-Identifizierung gegeben.… Mehr Informationen
Die FINMA hat mit ihrem Entwurf des Rundschreibens „Video- und Online-Identifizierung“ am 21. Dezember 2015 die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen im Finanzbereich über digitale Kanäle geschaffen. Am 3. März 2016 hat sie grünes Licht für die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen zwischen Kunde und Bank mittels Video- und Online-Identifizierung gegeben. In der Zwischenzeit haben sich 17 Banken in der Schweiz diese Möglichkeit zu Nutze gemacht hat. Beinahe alle nutzen das Digital Onboarding bislang aber nur für Privatkunden.
Onboarding und KMU
Zahlreiche Banken möchten das KMU Geschäft ausbauen. Dies erfordert aber auch Investitionen in nutzenstiftende digitale Angebote. Der Kontoeröffnungs-Prozess schafft den ersten Eindruck, den ein Unternehmenskunde von einer Bank und ihren Dienstleistungen bekommt. Es lässt sich heute aber feststellen, dass die aktuellen Onboarding-Prozesse für KMU bei fast allen Banken ineffizient sind. Papierbasierte Prozesse und eine fehlende Automatisierung verhindern, dass KMU-Kunden rasch über das Konto verfügen können. Die Dauer des Kontoeröffnungs-Prozesses des Kunden variiert abhängig von der Bank. Insgesamt kann man aber festhalten, dass der Prozess vom ersten Kontakt bis hin zur für den Kunden nutzbaren Bereitstellung der Konti (zu) lange dauert.
Als meines Wissens erste Bank in der Schweiz hat die WIR-Bank im November 2016 ein vollintegriertes digitales Onboarding für KMU lanciert. Seit Mitte 2017 können Kapitaleinzahlungskonti für die Gesellschaftsgründung bei der Credit Suisse online eröffnet werden. Seit Ende 2017 ist die Online-Eröffnung einer neuen Bankbeziehung für Einzelgesellschaften möglich – und seit Sommer 2018 können auch Unternehmenskunden in der Rechtsform von Aktiengesellschaften oder GmbH den Kontoeröffnungs-Prozess komplett digital durchführen (siehe Abbildung 1).
Der Prozess bei der Credit Suisse
Auf den detaillierten Onboarding-Prozess werde ich nicht eingehen. Ich möchte aber nachfolgend auf die aus meiner Sicht wichtigsten, respektive interessantesten, Aspekte eingehen:
- Das System ist direkt an das Handelsregister angebunden. Kunden müssen also nur Daten eingeben, die nicht öffentlich zugänglich sind. Gleichzeitig ist diese Anbindung ans Handelsregister auch aus Qualitäts- und Compliance-Gründen (Daten des Systems können nicht manipuliert werden) durchaus vorteilhaft.
- Neben der Wahl des Bankpakets (z.B. Business Easy oder Startup Easy Paket) können individuell weitere Produkte ausgewählt werden.
- Die zeichnungsberechtigten Personen müssen im Rahmen des Prozesses definiert werden. Einerseits kann ein Import aus dem Handelsregister erfolgen. Andererseits können weitere Personen manuell hinzugefügt werden. Relevant ist dies insbesondere für die Bestimmung, welche Personen in der Unternehmung welche Berechtigungen erhalten (z.B. Zugang zum Online Banking; Zugang zu Salärinformationen, etc.; vgl. Abbildung 2)
- Das Erreichen einer hohen Onboarding-Effizienz für KMU ist keine leichte Aufgabe. Das Onboarding ist für Unternehmensprozesse in der Regel komplexer als für Privatkunden, da bei (Transaktionen von) KMU oft die Zustimmung von mehr als einer Person innerhalb des Unternehmens erforderlich ist. Gemäss einer Studie aus den USA muss für eine Kontoeröffnung bei etwa 75 Prozent der kleinen Unternehmen mehr als eine Person unterschreiben. Daher ist es zentral, dass der Onboarding-Prozess jederzeit gespeichert und später wieder aufgenommen werden kann.
- Die Videoidentifikation für den digitalen Kontoeröffnungs-Prozess bei der Credit Suisse wird durch die Swisscom vorgenommen. Möglich ist die Videoidentifikation von Montag bis Samstag jeweils von 8.00 bis 22.00 Uhr.
- Abhängig von der Komplexität des KMU kann der digitale Kontoeröffnungs-Prozess für KMU derzeit in etwa 15 bis 30 Minuten durchgeführt werden. Der Prozess dauert also etwas länger als derjenige für Privatpersonen. Die Geschwindigkeit in Minuten ist für KMU im Gegensatz zu den Privatpersonen aber wohl kein entscheidender Punkt. Die Flexibilität in Bezug auf den Eröffnungsprozess und die verschiedenen detaillierten Zusatzoptionen im Prozess scheinen relevanter. Zudem ist zu berücksichtigen, dass KMU-Kunden aus Compliance-Sicht oftmals komplexer sind als Privatpersonen.
- Den Abschluss beim Digital Onboarding wird über die elektronische Signatur vorgenommen. Die Signatur erfolgt auch über Swisscom
- Bis der Bank Account dem Kunden zur Verfügung steht, dauert es bei einem einfachen Fall ca. zwei Tage und bei einem komplexeren Fall eine Woche. Dies ist eine grosse Verbesserung gegenüber der heutigen Situation – aber gleichzeitig scheint mir auch klar, dass hier noch immer ein beträchtliches Verbesserungspotenzial besteht.
Nutzung von Digital Onboarding von KMU bei der Credit Suisse und bei der WIR Bank
Für diesen Blog-Artikel wurden mir von der Credit Suisse die folgenden Daten zur Verfügung gestellt:
- Mehr als 90 Prozent (!) der neuen Gewerbekunden (Umsatz bis zu 7.5 Mio. CHF pro Jahr) nutzen heute den rein digitalen Kontoeröffnungs-Prozess.
- Auch bei den grösseren Unternehmenskunden (mit einem Jahresumsatz von mehr als 5 Mio. CHF) nutzen rund zwei Drittel der Neukunden den digitalen Onboarding-Prozess.
Zu berücksichtigen in der obigen Statistik ist, dass ein Unternehmen, welches für den Eröffnungsprozess in eine Credit Suisse-Filiale geht, an einen Firmenkundenberater in der Filiale oder ins Business Center übergeben wird. In der Regel wird den Kunden danach ein Link zum Self-Onboarding zur Verfügung gestellt. Der entsprechende Fall gilt auch als «Digital Onboarding».
Nichtsdestotrotz überraschen diese Zahlen. Im Bereich der Privatkundenfristet fristet das Digital Onboarding nämlich bei den mir bekannten Banken noch immer ein Nischendasein und sind diese relativen Zahlen im tiefen einstelligen Prozentbereich.
Auch bei der WIR Bank sind die Zahlen im Bereich der KMU übrigens erstaunlich hoch. Gemäss Angaben von Claudio Gisler, Leiter Marketing und Produkte, nutzen bei der WIR Bank rund 50 Prozent der Firmenkunden das Self-Onboarding. Von diesen wiederum macht rund die Hälfte das Video-Ident Verfahren. Die interne Bearbeitungszeit habe sich dadurch von total rund 2 Stunden auf rund 30 Minuten reduziert.
Fazit
Die Credit Suisse hat sich in den vergangenen Monaten vor allem im Bereich des digitalen Firmenkundengeschäfts stark entwickelt. Vor diesem Hintergrund ist auch die digitale Kontoeröffnung für KMU ein weiteres, aber wichtiges Mosaik-Steinchen in der Gesamtstrategie hin zu einem auch digitalen Partner für ihre rund 100’000 KMU-Kunden. Zentral ist das Digital Onboarding auch in Anbetracht der Credit Suisse-Strategie, sich stärker zu öffnen und in Ökosystemen zu agieren. Die Zusammenarbeit mit Klara beispielsweise (u.a. Nachfrage von KMU nach einem Online Kredit, welche über die Plattform Klara zur Credit Suisse gelangt) oder anderen potenziellen Partnern funktioniert eigentlich nur dann, wenn der Kunde nicht zu einem Kanalwechsel gezwungen wird.
Des Weiteren hilft das Digital Onboarding Angebot, die Compliance-Risiken etwas zu reduzieren, die (digitalen und analogen) Prozesse intern zu verbessern und die Effizienz zu erhöhen. Auch die Kunden erwarten zunehmend, dass sie Modifikationen, Kontoeröffnungen und auch Produkteröffnungen online machen können.
Sinnvoll scheint mir auch der Weg der Credit Suisse, sich in einem ersten Schritt auf die zahlreicheren und weniger komplexen KMU-Fälle zu fokussieren. Ich erwarte, dass ein solches Angebot später auch für komplexere und international tätige Grosskunden zur Verfügung stehen wird.
PS: Für die Konferenz «Innovationen im Banking» am 18. Juni hat es nur noch 4 Tickets! Anmeldung via diesem Link
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3. Juni 2019
Performance von Schweizer Robo Advisors
Eine Studie von Morningstar (2015) definiert Robo Advisors als Tools, welche automatisierte und zu einem gewissen Grad massgeschneiderte strategische Asset Allokationen direkt dem Retail-Endkunden anbieten. Robo Advisory im engeren Sinne umfasst dabei typischerweise drei wesentliche Schritte. Erstens wird das Risikoprofil des Anlegers mit einem Online-Fragebogen ermittelt.… Mehr Informationen
Eine Studie von Morningstar (2015) definiert Robo Advisors als Tools, welche automatisierte und zu einem gewissen Grad massgeschneiderte strategische Asset Allokationen direkt dem Retail-Endkunden anbieten. Robo Advisory im engeren Sinne umfasst dabei typischerweise drei wesentliche Schritte. Erstens wird das Risikoprofil des Anlegers mit einem Online-Fragebogen ermittelt. Darauf basierend baut ein Algorithmus ein diversifiziertes Portfolio aus – zumeist – günstigen ETFs und/oder Index Fonds auf. Drittens wird das resultierende Portfolio laufend überwacht und allenfalls auf seine Ziel-Allokation zurückgeführt (Rebalancing), um dem Risikoprofil des Kunden zu entsprechen. Obwohl diese Definition eher passives investieren impliziert, setzen manche Anbieter auch aktive Strategien um.
Der Schweizer Robo Advisor Markt besteht aktuell aus 13 Anbietern. Neben FinTech Start-Ups gehören dabei auch einige in der traditionellen Vermögensverwaltung oder im Online Brokerage tätige Unternehmen zu den Anbietern. Mit verwalteten Vermögen von etwa CHF 300 Mio. im Jahr 2018 bleibt der Schweizer Robo Advisor Markt dabei weit hinter den Marktführern aus den USA (Vanguard mit ca. USD 115 Mia. oder Charles Schwab mit ca. USD 33 Mia.) zurück.
Das Leistungsversprechen der Robo Advisor
Im Leistungsangebot positionieren sich Robo Advisor zwischen der traditionellen Vermögensverwaltung einerseits und dem Online-Brokerage andererseits. Im Vergleich zur traditionellen Vermögensverwaltung soll der Endkunde von niedrigen Mindestanlagevolumina, einer hohen Transparenz und vor allem tiefen Kosten profitieren.
Tatsächlich liegen die Mindestanlagevolumina mit zumeist nur wenigen tausend Franken deutlich unterhalb der CHF 100’000 bis CHF 1 Mio. der traditionellen Vermögensverwaltung. Dem Transparenzversprechen hingegen werden Schweizer Robo Advisor bis dato nur bedingt gerecht. Während die Kosten zumeist detailliert ausgewiesen werden, haben die potenziellen Kunden – besonders vor Vertragsabschluss – nur selten Zugang zu (Live‑)Performance Daten, den eingesetzten Produkten, der strategischen Asset Allokation oder vertrauensbildenden Kennzahlen wie verwaltete Vermögen oder Anzahl an Nutzern.
Obwohl die Kosten im Vergleich zur traditionellen Vermögensverwaltung tatsächlich tiefer sind, ist das Angebot der Schweizer Robo Advisor sowohl im internationalen Vergleich, als auch gegenüber der Alternative des reinen Online-Brokerage noch vergleichsweise teuer. Mit durchschnittlichen Vermögensverwaltungsgebühren von ca. 0.68% p.a. (exkl. Wertschriftenverwahrung, Transaktionen und Produktkosten) liegen die Robo Advisor zwar deutlich unter den von moneyland.ch ausgewiesenen Vermögensverwaltungsgebühren für die traditionelle Vermögensverwaltung; von Grössenordnungen wie in den USA (0.36% p.a.) ist der Schweizer Robo Advisory Markt jedoch noch ein Stück weit entfernt (vgl. Abbildung 1).

Performance vor und nach Kosten
Während Robo Advisor vor allem mit tiefen Kosten werben, argumentieren klassische Vermögensverwalter unter anderem auch über eine höhere Performance durch hochwertige, aber eben auch teurere Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Neben den Kosten selbst sollte daher vor allem die Performance nach Kosten ein relevantes Entscheidungskriterium für den Endkunden sein.
Aufgrund der mangelnden Transparenz – sowohl in der klassischen Vermögensverwaltung, als auch im Robo Advisory Markt – sowie der erst kurzen Live-Phase der Schweizer Robo Advisor, ist ein klassischer Vergleich der Live-Performance schwierig. Um dennoch einen Performance-Vergleich nach Kosten zu ermöglichen, haben wir die Modellportfolios eines klassischen Schweizer Robo Advisors über einen Zeitraum von 2000-2018 repliziert und mit Strategiefonds von führenden Schweizer Anbietern verglichen.
Konkret haben wir dazu Portfolios mit monatlichem Rebalancing für verschiedene Risikoprofile (tief, mittel, hoch) und damit verschiedene Aktienquoten (0-25%, 25-50%, >50%) simuliert und diese mit Strategiefonds mit äquivalenten Aktienquoten verglichen (vgl. Abbildung 2). Dabei gilt es zu beachten, dass ein solcher Vergleich weder die Umsetzungseffizienz der Robo Advisor, noch allfällige Veränderungen der strategischen Allokation über verschiedene Marktphasen hinweg abbilden kann. Umgekehrt ist auch bei der klassischen Vermögensverwaltung damit zu rechnen, dass im Vergleich zu den hier verwendeten Strategiefonds noch weitere, teilweise versteckte Kosten anfallen.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Robo Advisor Portfolios im Zeitraum 2000-2018 je nach Risikoprofil nach Kosten um bis zu 2% p.a. besser rentiert haben als vergleichbare Strategiefonds. Die Renditeunterschiede nehmen dabei mit wachsendem Risiko zu. Dies lässt sich unter anderem auch darauf zurückführen, dass die Gesamtkosten der Strategiefonds von einem risikoarmen Fonds zu einem risikoreichen Fonds des gleichen Anbieters um bis zu 0.84% zunehmen, jene der Robo Advisor jedoch weitgehend unabhängig vom Risikoprofil sind. So liegen die Gesamtkosten des von uns evaluierten Robo Advisors zwischen 0.64% beim niedrigem Risiko und 0.68% bei hohem Risiko, jene der Strategiefonds hingegen zwischen 0.99% bei niedrigem Risiko und 1.97% bei hohem Risiko.
Vergleicht man nun die Rendite vor Kosten, so verschwindet nicht nur das Gefälle zwischen niedrigem und hohem Risiko, sondern weitgehend auch der Renditeunterschied zwischen Robo Advisor Portfolios und Strategiefonds insgesamt (vgl. Abbildung 3). Der Renditevorteil der Robo Advisor – sofern dieser sich auch in Live-Mandaten bestätigen sollte – ist also vor allem in Kostenvorteilen begründet.

Klassische Robo Advisor, welche sich allein auf passive Bausteine verlassen, können die Rendite des Endkunden also vor allem durch tiefere Kosten steigern. Dies geht natürlich für den Anbieter zu Lasten der Marge. Innovative Anbieter könnten hingegen auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz einsetzen, um für den Anleger eine Mehrrendite zu generieren zu versuchen. Die Schweiz generell und auch die Hochschule Luzern sind sehr aktiv im Bereich der Forschung zur künstlichen Intelligenz. Ausgewählte Anwendungen hierzu zeigen wir Ihnen gerne an unserem nächsten IFZ FinTech Forum vom 12. Juni 2019.
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27. Mai 2019
Schweizer Crowdfunding Volumen übersteigt erstmals eine halbe Milliarde Franken
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Der jährlich erscheinende Crowdfunding Monitor der Hochschule Luzern wird bereits zum sechsten Mal veröffentlicht. Auch im Jahr 2018 stieg das Marktvolumen auf neue Rekordwerte: 516.6 Millionen Franken wurden im Jahr 2018 über Schweizer Crowdfunding-Plattformen vermittelt.… Mehr Informationen
Hier können Sie die Studie herunterladen
Der jährlich erscheinende Crowdfunding Monitor der Hochschule Luzern wird bereits zum sechsten Mal veröffentlicht. Auch im Jahr 2018 stieg das Marktvolumen auf neue Rekordwerte: 516.6 Millionen Franken wurden im Jahr 2018 über Schweizer Crowdfunding-Plattformen vermittelt. Im Vorjahr lag der Wert noch bei CHF 374.5 Millionen Franken. Seit der Entstehung von Crowdfunding in der Schweiz wurden über diese alternative Finanzierungsform Projekte im Umfang von knapp 1.1 Milliarden Franken finanziert.
Wachstum bleibt hoch
Im Jahr 2017 war noch ein grosser Wachstumssprung von 192% verzeichnet worden. Mit einer Zunahme um 38% bleibt der Anstieg im Jahr 2018 zwar immer noch hoch, ist aber doch deutlich zurückgegangen. Die grössten Wachstumstreiber im Jahr 2018 waren die Finanzierung von KMU mittels Crowdlending sowie Investitionen in Immobilien über Crowdinvesting.
Das Crowdfunding in der Schweiz lässt sich in vier Bereiche unterteilen: Crowdsupporting / Crowddonating, Crowdinvesting, Invoice Trading und Crowdlending. Im Bereich Crowdlending wurden Kredite im Umfang von 261.9 Millionen Franken (+40%) finanziert. Im Crowdinvesting erreichten die Investitionen 204.9 Millionen Franken (+52%). Beim Crowdsupporting/Crowddonating wurden Projekte mit über 25.6 Millionen Franken unterstützt (-12%, siehe Abbildung 1).

Crowdfunding entfernt sich immer mehr von der Grundidee
Die ursprüngliche Idee von Crowdfunding war es, durch die Mobilisierung einer grossen Anzahl von Personen ein Projekt zu finanzieren. Studienautor Prof. Dr. Andreas Dietrich weist darauf hin, dass insbesondere im Crowdlending viele Kredite nicht mehr von einem Schwarm, sondern von einem einzelnen professionellen Investor finanziert werden. «Die Bedeutung von Privatpersonen wird dadurch geringer. Ähnliche Entwicklungen können wir auch bei der Finanzierung von Start-ups im Crowdinvesting feststellen.» Die Bedeutung von professionellen Investoren wird in Zukunft noch weiter zunehmen und kann dem Gesamtmarkt zu einem weiteren Wachstumsschub verhelfen.
Im Bereich Crowdsupporting und Crowddonating ist der Schwarmgedanke weiterhin zentral. Die Projekte werden noch vorwiegend von verschiedenen Privatpersonen finanziert. «Wir rechnen aber damit, dass auch hier zukünftig immer mehr Firmen und Stiftungen mit den Plattformen zusammenarbeiten werden», so Dietrich.
Crowdsupporting ist für den Sport- und Kulturbereich wichtig
Das Volumen im Crowdsupporting ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. In Bezug auf die Anzahl Kampagnen resultierte aber ein Wachstum von sieben Prozent. Besonders populär ist die Kategorie Sport, wo insgesamt 568 Projekte mit einem Umfang von 5.4 Millionen Franken finanziert wurden. Soziale Projekte wurden mit 3.1 Millionen Franken gefördert und in den Bereich Musik flossen 2.3 Millionen Franken. Ebenfalls sehr erfolgreich waren Projekte mit kommerzieller Ausrichtung, bei welchen Crowdfunding als Vorverkaufskanal für Produkte genutzt wird. Das Volumen belief sich in diesem Bereich auf 5.3 Millionen Franken.
Schweiz gehört zu den grösseren Crowdfunding-Märkten
Betrachtet man die Crowdfunding-Volumen pro Kopf im internationalen Vergleich, so gehört die Schweiz zu den relevanteren Märkten weltweit. Auch in absoluten Zahlen hat der Schweizer Markt – trotz dem im Vergleich kleinen Heimmarkt – ein durchaus beachtliches Volumen erreicht. Der Rückstand auf die führenden Märkte in Grossbritannien und den USA wird zwar nur schwer aufzuholen sein. In Kontinentaleuropa wird die Schweiz aber auch weiterhin vergleichsweise hohe Volumen aufweisen. Das Crowdfunding-Volumen pro Einwohnerin und Einwohner liegt in der Schweiz bei 61 Franken (2017: 45 Franken). Damit ist der Markt in der Schweiz verhältnismässig deutlich grösser als derjenige der Nachbarländer (vgl. Abbildung 2).

(Daten: IFZ [Schweiz] und Market Reports University of Cambridge/Judge Business School)
Ausblick: Crowdfunding wächst weiter
Für das Jahr 2019 gehen die Studienautoren davon aus, dass das Gesamtvolumen erneut im zweistelligen Prozentbereich wachsen wird. Insgesamt wird mit einem Volumen zwischen CHF 700 und 900 Millionen gerechnet. Dieses Volumen wird vor allem unter den bestehenden Plattformen aufgeteilt. Der Eintritt neuer Plattformen in den Markt scheint derzeit eher unwahrscheinlich.
Crowdfunding Monitor Schweiz – 2019
Crowdfunding Monitor Schweiz – 2019
Der «Crowdfunding Monitor Schweiz» wird vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern – Wirtschaft mit Unterstützung der Schweizer Crowdfunding Plattformen jährlich durchgeführt. Folgende Plattformen haben die Studie in Form von Daten unterstützt: 100-days, 3circleFunding, acredius, Advanon, bedoo, Cashare, Creditfolio, CreditGate24, creditworld, Crowd4Cash, Crowdhouse, Crowdli, Crowdpark, Foxstone, Funders, I believe in you, I care for you, investiere, Lend, Lendico, Lendora, Lokalhelden, Progettiamo, Projektstarter, Raizers, Splendit, SIG Impact, Swisslending, Swisspeers und wemakeit. Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit.
ENGLISH VERSION
Swiss crowdfunding volume exceeds half a billion Swiss francs for the first time
CHF 516.6 million were raised via Swiss crowdfunding platforms in 2018. Compared to the previous year, the volume increased by a further 38 per cent. Switzerland has thus developed into one of the largest crowdfunding markets in continental Europe. This is shown by the results of the latest crowdfunding monitor from the Lucerne University of Applied Sciences and Arts.
You can download the study here
The Lucerne University of Applied Sciences and Arts’ annual Crowdfunding Monitor has been published for the sixth time. The market volume rose to new record levels in 2018: 516.6 million Swiss francs were raised via Swiss crowdfunding platforms in 2018. In the previous year, the figure lay at CHF 374.5 million. Since the establishment of the first crowdfunding platform in Switzerland, projects worth almost CHF 1.1 billion have been financed with this alternative form of financing.
Growth remains high
In 2017 large growth of 192% was still recorded. With an increase of 38%, though the expansion in 2018 is still high, it has declined significantly. The biggest growth drivers in 2018 were the financing of SMEs through marketplace lending and investments in real estate through equity-based crowdfunding.
Crowdfunding in Switzerland can be divided into four areas: reward- and donation-based crowdfunding, equity-based crowdfunding, invoice trading, and marketplace lending (crowdlending, see box for details). In the marketplace lending segment, loans amounting to 261.9 million Swiss francs (+40%) were financed. In equity-based crowdfunding, investments reached 204.9 million Swiss francs (+52%). In reward- and donation-based crowdfunding, projects were supported with over 25.6 million Swiss francs (-12%, see figure 1).

Crowdfunding is moving away from its original concept
The original idea of crowdfunding was to fund a project by mobilising large numbers of people. The author of the study, Prof. Dr. Andreas Dietrich, points out that especially in marketplace lending many loans are no longer financed by a large number of investors but by a single professional investor. „This reduces the importance of private individuals. We can also see similar developments in the financing of start-ups in equity-based crowdfunding.“ The importance of professional investors will continue to grow in the future and can help the market as a whole to achieve further growth.
In the area of reward- and donation-based crowdfunding, the mobilisation of private individuals continues to be central. The projects are still predominantly financed by various private persons. „We expect, however, that more and more companies and foundations will cooperate with platforms in this sector in the future,“ says Dietrich.
Crowdsupporting is important for the sports and cultural sector
The volume of reward- and donation-based crowdfunding declined slightly compared to the previous year. However, the number of campaigns grew by seven percent. The sports category is particularly popular, with a total of 568 projects financed by a total of 5.4 million Swiss francs. Social projects were supported with 3.1 million Swiss francs and music with 2.3 million Swiss francs. Projects with a commercial focus, in which crowdfunding is used as an advance sales channel for products, were also very successful. The volume in this area amounted to 5.3 million Swiss francs.
Switzerland is one of the larger crowdfunding markets
Looking at crowdfunding volumes per capita in an international comparison, Switzerland is one of the more relevant markets worldwide. Even in absolute numbers, the Swiss market – despite its comparatively small domestic market – has reached a considerable volume. It will be difficult to catch up with the leading markets in Great Britain and the USA. In continental Europe, however, Switzerland will continue to show comparatively high volumes. The crowdfunding volume per inhabitant in Switzerland is 61 francs (2017: 45 francs). In relative terms, this makes the Swiss market much larger than that of its neighbouring countries.

(Data: IFZ [Switzerland] and Market Reports University of Cambridge/Judge Business School)
Outlook: Crowdfunding continues to grow
For the year 2019, the study authors assume that the total volume will see continued growth in the double-digit percentage range. A total volume between CHF 700 and 900 million is expected. This volume will be distributed primarily among the existing platforms. At the moment, new platforms seem unlikely to enter the market.
You can download the study here.
The „Crowdfunding Monitor Switzerland“ is conducted annually by the Institute for Financial Services Zug IFZ of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts with the support of the Swiss crowdfunding platforms.
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20. Mai 2019
100 Tage Valuu von PostFinance – erste Erkenntnisse
Valuu ist eine Geschäftseinheit innerhalb der PostFinance und vermittelt seit der Lancierung der mobilen Applikation im Januar 2019 Angebote für die Finanzierung von Wohneigentum. Potenzielle Immobilienkäufer starten ihre Anfrage dabei (bislang) nicht am Computer, sondern über die Valuu-App. Die App beginnt mit der Abfrage des Bedürfnisses: neue Hypothek abschliessen oder Hypothek verlängern.… Mehr Informationen
Valuu ist eine Geschäftseinheit innerhalb der PostFinance und vermittelt seit der Lancierung der mobilen Applikation im Januar 2019 Angebote für die Finanzierung von Wohneigentum. Potenzielle Immobilienkäufer starten ihre Anfrage dabei (bislang) nicht am Computer, sondern über die Valuu-App. Die App beginnt mit der Abfrage des Bedürfnisses: neue Hypothek abschliessen oder Hypothek verlängern.

Basierend auf den Kundenbedürfnissen werden danach konkrete Offerten in der App angezeigt. Interessanterweise sind am Stichtag 11. Mai 2019 für das ausgewählte Objekt in Zürich gewisse Banken ähnlich teuer wie Pensionskassen oder die Axa Versicherung (vgl. Abbildung 2).

Der Markt für Hypothekenvermittler kann in den vergangenen drei Jahren über teilweise eindrückliche Wachstumsquoten berichten. Gemäss einer Umfrage des IFZ können es sich zwar noch immer rund drei von vier der befragten Personen nicht vorstellen, die Hypothek über einen Vermittler abzuschliessen. Das bedeutet aber auch, dass es sich bereits 24 Prozent der Befragten vorstellen können, die Hypothek über einen Vermittler abzuschliessen.
Erste Fakten zur bisherigen Nutzung von Valuu
Thomas Jakob, Leiter der Valuu-Plattform, hat mir für diesen Blog einige erste Fakten zu Valuu zur Verfügung gestellt:
- Die App wurde bislang – und das finde ich für die ersten 100 Tage eine durchaus beachtenswerte Zahl – 15’000 Mal heruntergeladen.
- Registriert haben sich bislang eine vierstellige Anzahl Personen.
- Die Plattform konnte auch bereits im tiefen zweistelligen Bereich Abschlüsse verzeichnen.
- Aktuell hat Valuu 11 Kreditgeber als Partner. Auf Bankenseite sind derzeit die Credit Suisse, die Glarner Kantonalbank, die Berner Kantonalbank, die WIR Bank, die Baloise Bank SoBA, die Bank EKI, die Bank SLM und die Raiffeisenbank Belalp-Simplon als potenzielle Kreditgeber aufgeführt. Auf der anderen Seite konnte Valuu mit der Axa auch ein Versicherungsunternehmen und mit den Pensionskassen der SBB und der Post auch zwei Pensionskassen als potenzielle Finanzierungspartner gewinnen. Thomas Jakob erwartet weitere Partner noch in diesem Jahr.
- Bislang sind vor allem die Angebote der beiden Pensionskassen oder der Versicherung von den Kunden gewählt worden. Dies erstaunt nicht, da die Kunden im Moment zu langjährigen, festverzinslichen Hypotheken tendieren und Versicherungen und Pensionskassen bei Hypotheken mit langjährigen Laufzeiten derzeit attraktive Angebote unterbreiten.
- Die Volumina der bisher abgeschlossenen Hypotheken sind tendenziell etwas tiefer als bei einer Schweizer Durchschnittshypothek. Dies ist aber durchaus nachvollziehbar, da bislang vor allem Ablösungen finanziert wurden.
- Valuu hatte sich im Vorfeld auf sehr viele persönliche Anfragen der Hypothekarkunden vorbereitet. Effektiv hat aber keiner der Kunden, der bis heute abgeschlossen hat, während des Prozesses angerufen. Etwas salopp ausgedrückt: Entweder kommen die Leute mit der App zurecht und haben Vertrauen in einen digitalen Abschluss – oder sie spielen etwas herum und verlassen die App dann wieder.
Wer sind die bisherigen Kunden?
Noch haben nicht allzu viele Kunden bei Valuu abgeschlossen. Das erste Bild, das man aber zeichnen kann, ist wie folgt:
- Bislang schliessen vor allem Kunden ab, die ihre Hypothek verlängern respektive ablösen möchten.
- Personen die Neuhypotheken abschliessen, zeigen zwar offenbar viel Aktivität auf der Plattform, sind dann aber zögerlich beim Abschliessen.
- Die Kunden, die bisher abgeschlossen haben, sind zinssensitiv (wählen also in der Regel immer den günstigsten Vorschlag) und meist in guten Bonitätsklassen.
- Geographisch hat Valuu vor allem im Mittelland Abschlüsse gemacht.
- Bisher haben ausschliesslich Männer über Valuu einen Hypothekarvertrag abgeschlossen. Die Frauen sind bisher nur als Solidarhafterinnen erschienen.
Was sind die nächsten Schritte?
Nach den ersten Erfahrungen, plant Valuu nun die folgenden nächsten Schritte:
- Die App ist in einem ersten Schritt nur mobil angeboten worden. Für mich wenig überraschend im Bereich von Hypotheken, gibt es aber auch einige Kunden, die eine «Desktop-Version» bevorzugen. Daher wird Valuu in absehbarer Zeit auch eine Web-Lösung zur Verfügung stellen.
- Ebenso gab es offenbar einige kritische Kundenfeedbacks rund um die Einfachheit in der Handhabung beim Abschluss von Hypotheken. Valuu ist daher daran, das Kundenerlebnis auf der App zu verbessern. Durch ihre monatlichen Release-Zyklen kann sie auch ziemlich schnell Anpassungen vornehmen.
Fazit
Mit Valuu verfolgt PostFinance das Ziel, neue, zinsunabhängige Ertragsquellen zu erschliessen und das Geschäft als Vermittlerin von Hypotheken zu erweitern. Der Geschäftsansatz basiert dabei auf einem klassischen Vermittlungs- und Provisionsmodell.
Die Lösung ist erst seit rund vier Monaten auf dem Markt und muss zuerst noch stärker im Markt bekannt gemacht werden. Durch den PostFinance-Brand hat Valuu hier aber sicherlich eine gute Ausgangslage. Die oben beschriebenen ersten Entwicklungen würde ich als «wie erwartet» bezeichnen.
Aus meiner Sicht ist derzeit auch nicht die entscheidende Frage, von welchem Hypothekenvermittler Valuu Marktanteile gewinnen kann. Es ist aus meiner Sicht klar, dass der Kuchen im Bereich der Hypothekenvermittler insgesamt wachsen wird, wodurch schlussendlich alle Vermittler profitieren können. Ganz generell kann man feststellen, dass weitere Bewegung in den Vermittler-Markt kommt. So hat beispielsweise die Valiant angekündigt, ab Mitte 2019 (zunächst nur in der Ostschweiz) für ihre Privatkunden ein Vergleichsangebot im Hypothekargeschäft zu lancieren. Bei einer Hypothekarberatung bei Valiant werden Interessierte verschiedene Offerten erhalten, auch solche von anderen Anbietern wie Pensionskassen oder Versicherungen. Die entsprechende Marktentwicklung bleibt also spannend.
PS: Diese und weitere spannende Geschäftsmodelle werden anlässlich der Konferenz «Innovationen im Banking» am 18. Juni präsentiert. Es hat derzeit noch 22 Tickets. Anmeldung via diesem Link
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