6. Juli 2015
Andere Retail Banking Institute,
Digitales Anlegen in der Schweiz: VZ Finanzportal erreicht bereits 1.5 Milliarden Schweizer Franken
An dieser Stelle habe ich bereits einige Male über die Entwicklungen im Bereich des digitalen Anlegens Artikel verfasst. So habe ich zum Beispiel über den Investomat, die Anlagemöglichkeiten bei Swissquote oder auch über die gemeinsam mit der Swisscom verfasste Studie „Digitales Anlegen“ berichtet.… Mehr Informationen
An dieser Stelle habe ich bereits einige Male über die Entwicklungen im Bereich des digitalen Anlegens Artikel verfasst. So habe ich zum Beispiel über den Investomat, die Anlagemöglichkeiten bei Swissquote oder auch über die gemeinsam mit der Swisscom verfasste Studie „Digitales Anlegen“ berichtet. Fast vergessen geht dabei, dass VZ bereits im Herbst 2010 ein erstes reines Online-Produkt lanciert hat. Dabei handelte es sich um ein Säule 3a Konto, gekoppelt mit einer Investition in Exchange Traded Funds (ETFs). Ein Jahr später lancierte VZ zudem ein reines Investitionsprodukt, ebenfalls basierend auf ETF. Das passive Anlegen mit ETF ist aber nur eine von mehreren digitalen Anlagedienstleistungen von VZ. Daneben wird beispielsweise auch ein Trendsystem angeboten, das regelbasiert ein Portfolio je nach Marktsituation umschichtet. Diese drei Varianten – Säule 3a, reine Investition via ETFs, sowie regalbasiertes Investieren – werden im Folgenden etwas näher betrachtet.
Gemeinsam ist allen drei Varianten, dass der Kunde jederzeit kostenlos eine persönliche Beratung beiziehen kann, sofern die Beratung im Zusammenhang mit dem Anlageprodukt steht („Hybrides Modell“). Gleichzeitig nutzen gewisse Kunden das Angebot aber auch rein online. Die Produkte werden regelmässig im Rahmen von kostenlosen Workshops in der VZ Finanzportal Lounge vorgestellt. Die entsprechenden Räumlichkeiten sind den Apple Shops nachempfunden worden und in Abbildung 1 ersichtlich.
Das Angebot im Bereich der Säule 3a und im klassischen Anlagemodell
Grundsätzlich basiert das Angebot für die Säule 3a auf vier Standardstrategien mit Aktienanteilen von 15, 25, 35 und 45 Prozent. Das VZ sorgt dafür, dass die Aufteilung über die Zeit eingehalten wird. Dieses sogenannte Rebalancing wird auch im klassischen Anlagemodell ausserhalb der Säule 3a angeboten. Da stehen fünf Anlegerprofile mit Aktienanteilen zwischen 20 und 85 Prozent zur Auswahl. Sollen beispielsweise Aktien 50 Prozent des Wertschriftendepots ausmachen und fällt ihr Anteil durch Kursschwankungen unter 38 Prozent, wird das Depot automatisch so umgeschichtet, dass wieder die Hälfte auf Aktien entfällt. Gleichzeitig sind aber auch individualisierte(re) Strategien ohne Aufpreis möglich. So können Benutzerinnen und Benutzer innerhalb von vorselektionierten ETFs ein Portfolio individuell gestalten. Im Bereich Aktien Schweiz stehen beispielsweise fünf verschiedene ETFs zur Verfügung (siehe Abbildung 2). Ebenso kann die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen individuell zusammenstellt werden. Obwohl diese Möglichkeit noch attraktiv scheint, tauschen nur 20% der Nutzerinnen und Nutzer einzelne ETFs aus oder passen die Gewichtungen der Anlageklassen an.

Die Kosten für dieses eher simple Tool betragen 0.68% gekoppelt mit einem Säule 3a-Konto und 0.55% für ein normales Anlagemodell mit dem klassischen Rebalancing und Risk Profiling, ähnlich wie man das vom Investomaten oder von TrueWealth kennt. Hinzu kommen wie üblich noch die externen Kosten der ETF von durchschnittlich rund 0.4%, welche direkt über deren Kurs abgerechnet werden. Für das Anlegen ausserhalb der Säule 3a gilt eine minimale Investitionssumme von CHF 10‘000.
Die ganze Abwicklung geschieht in der Regel über das Internet. Anleger können sich jedoch unabhängig vom Anlagemodell telefonisch oder persönlich in einer VZ-Niederlassung Rat holen. Dort wird auch bedient, wer gänzlich ohne Internet auskommen möchte. Die Möglichkeit der Beratung ist dann aus meiner Sicht auch der bedeutendste Unterschied im Geschäftsmodell verglichen zu den reinen Online-Angeboten von TrueWealth oder vom Investomat. Insgesamt würde ich daher das Angebot des VZ im Bereich der hybriden Geschäftsmodelle einordnen.
Das regelbasierte Vermögensverwaltungsmandat
Spannend finde ich persönlich vor allem auch die regelbasierte Vermögensverwaltung des VZ. Die Transaktionen bei diesem System sind nicht per se zeitpunktgebunden, sondern investiert wird stets basierend auf sogenannten „Trendsignalen“. Das entsprechende Trendsignal liefert jeweils entsprechende Kauf- und Verkaufszeitpunkte. Anleger, die sich daran orientieren, suchen also nicht unbedingt nach unterbewerteten Titeln, sondern folgen einem laufenden Trend. Sie kaufen einen Titel, der sich in einem bereits etablierten Aufwärtstrend befindet und gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt, weil die Faktoren, die den Kurs in der Vergangenheit positiv beeinflusst haben, dem Titel weiterhin Schwung verleihen (Trendkontinuität).
Dieses regelbasierte Modell des VZ kostet abhängig vom Anlagevolumen zwichen 0.7% und 1.5% und ist damit deutlich teurer als die rein passiven Anlagestrategien. Die zusätzlichen Kosten werden vor allem begründet mit einem höheren Transaktionsvolumen (ca. 25 Transaktionen pro Jahr im Gegensatz zu durchschnittlich 1-2 Transaktionen im einfachen Modell) und dem sophistizierteren Anlagemodell. Auch hier erfolgt die Umsetzung des Anlagekonzepts aber mit kostengünstigen ETF. Die Frage ist schlussendlich, ob man mit dem regelbasierten Vermögensverwaltungs-Mandat ein (langfristiges) Alpha gegenüber dem klassischen Anlagemodell von 1 Prozent generieren kann, um die entsprechenden Mehrkosten zu decken. In den letzten 4 Jahren war dies gemäss Marc Weber, CEO VZ Depotbank, der Fall. Der Erfolg lässt sich aber wohl vor allem auch dadurch erklären, dass es in den letzten Jahren sehr starke Trends gab. Das schlimmste Szenario für das regelbasierte Vermögensverwaltungsmandat gemäss der VZ-Logik wären keine Trends oder nur Seitwärtsbewegungen, welche entsprechend keine (oder viel zu viele) Trendsignale auslösen. In einem solchen Markt würde das Alpha vermutlich nicht erreicht.
Aktuell sind von den über CHF 1.5 Milliarden Anlagevolumen im VZ Finanzportal rund 70 Prozent regelbasiert angelegt und 30 Prozent im klassischen Modell sowie in Säule 3a-Produkten.
Fazit
Das VZ Finanzportal deckt die Bedürfnisse einer breiten Anlegerkategorie. Einerseits bietet das Anlegen und Sparen mit ETF eine eher günstige, übersichtliche und auch invididualisierbare Lösung. Andererseits steht mit dem regelbasierten Vermögensverwaltungsmandat auch eine interessante Alternative zu traditionellen Modellen zur Verfügung. Spannend finde ich das Angebot des VZ auch, weil es den klassischen Robo Advisor mit dem Aspekt der Beratung verbindet – ein Geschäftsmodell, welches für viele Banken aus meiner Sicht erfolgsversprechend sein könnte. Ein Manko ist aus meiner Sicht derzeit noch das fehlende Mobile Angebot. In diesem Bereich ist das VZ derzeit noch wenig entwickelt. Gemäss Marc Weber hat man dieses Manko aber erkannt und wird auch in diesem Bereich bald Fortschritte erzielen.
29. Juni 2015
Rückblick auf die Konferenz „Innovative Angebote im Retail Banking“
Einführung
Prof. Dr. Andreas Dietrich, Hochschule Luzern-Wirtschaft
- Die Digitalisierung findet aktuell in allen wichtigen Dienstleistungsbereichen statt. In den für Banken zentralen Bereichen „Finanzieren“, „Sparen“, „Anlegen“ und „Bezahlen“ – sind bereits verschiedene innovative und digitalisierte Angebote zu finden. Diese standen dann auch an im Zentrum dieser Konferenz.
Einführung
Prof. Dr. Andreas Dietrich, Hochschule Luzern-Wirtschaft
- Die Digitalisierung findet aktuell in allen wichtigen Dienstleistungsbereichen statt. In den für Banken zentralen Bereichen „Finanzieren“, „Sparen“, „Anlegen“ und „Bezahlen“ – sind bereits verschiedene innovative und digitalisierte Angebote zu finden. Diese standen dann auch an im Zentrum dieser Konferenz.
- Banken sind sich den Chancen und Gefahren durch das Aufkommen von neuen Technologien und Produkten teilweise bewusst.
a) Beispielsweise gehen gemäss einer IFZ Studie Entscheidungsträger von Schweizer Retail Banken davon aus, dass in fünf Jahren jährlich Hypotheken in der Höhe von rund CHF 12 Milliarden online verlängert werden.
b) Etwas mehr als die Hälfte rechnet damit, dass sich Mobile Payment in den nächsten 5 Jahren durchsetzen wird. Die andere Hälfte zweifelt am Erfolg dieser neuen Bezahlmethode.
Crowdfunding – nun auch bei Banken
Prof. Dr. Andreas Dietrich (IFZ); Andreas Pages (Swisscom); Christoph Loeb (BLKB)
- Basierend auf dem Crowdfunding Monitoring des IFZ habe ich den Schweizerischen Markt vorgestellt (Studie, siehe www.hslu.ch/crowdfunding)
- Die Volumen des Schweizerischen Crowdfunding Markt sind immer noch gering. Im letzten Jahre wurden in der Schweiz 1‘078 Projekte finanziert mit einem Gesamtvolumen von CHF 15.8 Mio.
- Die Basellandschaftliche Kantonalbank hat in Zusammenarbeit mit der Swisscom als erste Bank eine Crowdsupporting Plattform lanciert (http://www.miteinander-erfolgreich.ch/).
- Gemäss Christoph Loeb von der BLKB ist das erste Halbjahr von miteinander-erfolgreich.ch gut verlaufen. Es wurden 15 Projekte mit einem Finanzierungsvolumen von etwas mehr als CHF 100‘000 erfolgreich finanziert. Jedoch hat sich auch gezeigt, dass sowohl das erfolgreiche Aufbauen wie auch das Führen einer solchen Plattform viel personalintensiver ist als erwartet.
- Einige weitere Fakten
a) 83% der Projekte wurden erfolgreich finanziert.
b) Pro Tag werden etwas weniger als CHF 700 für Projekte auf der Plattform überwiesen.
c) 2‘700 registrierte User sind auf der Plattform. - Noch vor den Herbstferien will die BLKB die schweizweit erste Crowdlending Plattform für KMU’s lancieren. Auf der Plattform sollen Kredite bis CHF 100‘000 vermittelt werden, wobei die Zinsfestsetzung im Auktionsverfahren ablaufen wird. Die BLKB wird bewusst selber kein Kreditrating festlegen. Der Mindest-Investitionsbetrag beträgt CHF 5‘000.
Mobile Payment – Entwicklungen und Angebote
René Hägeli (ZKB); Thierry Kneissler (CEO TWINT)
- René Hägeli berichtete über den erfolgreichen Start von Paymit. Unter der Federführung von SIX Payment Services haben ZKB und UBS als erste Banken das Mobile Payment System am 26. Mai eingeführt.
- Bei der ZKB ist Paymit in der Mobile Banking App integriert und wurde in den ersten 20 Tagen bereits 3‘000 Mal aktiviert. Insgesamt wurde Paymit gegen 50‘000 Mal heruntergeladen.
- Es ist geplant, dass bei Paymit im kommenden Jahr der Bereich eCommerce ergänzt wird. Ebenso kann Paymit möglicherweise bald darauf auch im Handel eingesetzt werden.
- In den nächsten Wochen live gehen wird TWINT (Geplant: August). Im Gegensatz zu Paymit wird TWINT von Beginn weg auch im e-Commerce und im Handel (Point-of-sale) eingesetzt werden können. (u.a. bei Coop, Interdiscount, SBB, SV Restaurants).
- Das Modell von TWINT umgeht bewusst die Kreditkartenindustrie. Um unabhängig vom Endgerät (Android vs. iPhone) zu sein, wird auf eine Zahlungs-Technologie über Bluetooth gesetzt. Damit verbunden sind aber natürlich zusätzliche Kosten für neue Geräte am POS.
Digitales Anlegen – Anlegen der Zukunft? Zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle
Andreas Kubli (UBS Schweiz); Andreas Kern (CEO Wikifolio)
- Andreas Kubli stellte UBS Advice, das digitale Wealth Management Modell der UBS vor. Die Bank stützt sich dabei traditionell auf die Optimierung von Risiko und Rendite. Automatisiert werden jede Nacht 650‘000 Portfolios analysiert.
- Nur 13% aller Investoren mit UBS Depots schlagen die UBS Investment Mandate aus einer Risk/Return-Perspektive. 17% aller Portfolios haben ein etwa ähnliches Risk/Return-Profil. Insofern ist die UBS überzeugt, dass sie mit ihrem Ansatz für die meisten Investoren einen echten Mehrwert generieren kann. Mehr zum UBS Advice finden Sie hier.
- Eine alternative Variante des „Digitalen Anlegen“ bietet das Social Trading Unternehmen wikifolio. Gemäss dem Referat des Gründers und CEO, Andreas Kern, wurden seit dem Start im 2012 bereits mehr als EUR 400 Mio. via Strategien auf Wikifolio investiert. Eine Hürde in der Schweiz ist derzeit noch das fehlende Angebot von Zertifikaten in CHF. Zudem ist man derzeit daran, ähnlich wie in Deutschland, auch unabhängige Vermögensverwalter zu „akquirieren“. Ich habe bereits im März ausführlich über dieses Angebot berichtet.
Digitalisierung bei Kantonalbanken
Hanspeter Rhyner (CEO Glarner Kantonalbank), Lukas Camenzind (Schwyzer Kantonalbank)
- Hanspeter Rhyner hat die 4 „–omat“ Produkte der GLKB vorgestellt. Neben dem hypomat, der bereits seit längerer Zeit sehr erfolgreich ist, war auch der Start des investomat sehr erfreulich. Etwas schwieriger scheint es, Kunden durch einen höheren Zins auf dem Spargeld zu einem Wechsel zu bewegen. Entsprechend ist die Entwicklung des Kontomat bisher unter den Erwartungen geblieben.
- Mit e-hypo.ch hat die SZKB ebenfalls eine Online-Hypothek im Angebot. Lukas Camenzind ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. Verbesserungspotenzial sieht er vor allem im Backoffice-Bereich, wo die derzeitigen Prozesse noch immer manuell erfolgen.
- Sowohl die SZKB als auch die GLKB geben an, dass durch ihre Online Hypotheken nur etwa 10% der eigenen Hypotheken kannibalisiert werden.
- Die Schwyzer Kantonalbank arbeitet derzeit an verschiedenen Projekten im Bereich der Digitalisierung. Neben einem stark ausgebauten Kunden-Webportal, wird sich auch der Beraterarbeitsplatz verändern. Sehr zufrieden ist man mit dem Einsatz der interaktiven Bankberatung eVoja.
Einige Impressionen:

Ausblick
Am Nachmittag des 19. November 2015 findet wieder die IFZ Retail Banking Konferenz 2015 in Zug statt. Auch in diesem Jahr werden sich hochkarätige Referenten aus der Retail Banking-Branche praxisnah zu den derzeit grössten Herausforderungen äussern und Sie herzlich zur Diskussion einladen. Ebenso werden die Resultate der diesjährigen IFZ Retail Banking Studie veröffentlicht.
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22. Juni 2015
Wer möchte eigentlich einen Kredit über Crowdfunding?
Unsere Analysen basieren auf sämtlichen von der Firma Cashare zwischen 2008 und 2014 vermittelten Darlehen. Die Daten wurden uns anonymisiert zur Verfügung gestellt.
Starkes Wachstum seit 2012
Gemessen an den im Jahr 2014 finanzierten Kampagnen ist Crowdlending wie auch in den beiden Vorjahren in der Schweiz noch die kleinste Kategorie im Crowdfunding.… Mehr Informationen
Unsere Analysen basieren auf sämtlichen von der Firma Cashare zwischen 2008 und 2014 vermittelten Darlehen. Die Daten wurden uns anonymisiert zur Verfügung gestellt.
Starkes Wachstum seit 2012
Gemessen an den im Jahr 2014 finanzierten Kampagnen ist Crowdlending wie auch in den beiden Vorjahren in der Schweiz noch die kleinste Kategorie im Crowdfunding. Mit einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr erzielte sie jedoch von allen Crowdfunding-Formen das höchste Wachstum im Jahr 2014. Begünstigend für diesen Erfolg dürfte auf der Investorenseite unter anderem das tiefe Zinsumfeld und die Suche nach attraktiven Renditen gewirkt haben. Auf der Schuldnerseite verhalfen Cashare die weiterhin eher hohen Zinssätze der führenden Kleinkreditanbieter Marktanteile zu gewinnen. Geographisch betrachtet ist das Thema Crowdlending in gewissen Regionen noch wenig vertreten. Abbildung 1 zeigt auf, woher die Darlehensnehmer stammen. Die Grösse der Kreise widerspiegelt die Summe aller bisher aufgenommenen Darlehen nach der Postleitzahl der Schuldnerinnen und Schuldner.
Auffällig ist die starke Konzentration in den Regionen Basel, Zürich sowie in der Zentralschweiz. Stark untervertreten sind die Kantone Graubünden, Wallis, Genf und Tessin. Einwohner in einigen, vorwiegend ländlichen, Kantonen waren bisher noch gar nicht im Crowdlending als Darlehensnehmer aktiv.
Darlehensprofil
Nicht nur regional, sondern auch unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind teilweise starke Unterschiede zu erkennen. Ein typischer Darlehensnehmer (bzw. Darlehensnehmerin bei etwa einem Viertel der Kredite) lässt sich wie folgt charakterisieren:
- Das Durchschnittsalter der Darlehensnehmer beträgt 38 Jahre
- Ein Fünftel hatte bei Darlehensabschluss mindestens ein Kind unter 16 Jahren
- In Ehe lebende Personen sind mit 37 Prozent verhältnismässig untervertreten, beträgt doch deren Anteil 54 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung.
- Ebenfalls untervertreten sind Wohneigentümer (19 Prozent) und Frauen (24 Prozent).
- In Bezug auf die Verteilung der Nationalitäten ist das Abbild in etwa repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung. 71 Prozent der Darlehensnehmer waren Schweizer, während 29 Prozent der Darlehensnehmer keinen Schweizer Pass besassen.In der Schweiz betrug der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung zwischen 2008 und 2013 durchschnittlich 22 Prozent.
Aufgrund der Altersverteilung der Darlehensnehmer kann festgestellt werden, dass Crowdlending zurzeit noch vorwiegend eine Angelegenheit der technologieaffinen Generation Y ist (vgl. Abbildung 2). 60 Prozent aller seit 2008 vermittelten Darlehen gingen an unter 40-jährige Personen. Über 60-jährige waren lediglich in 4 Prozent der erfolgreichen Projekte Darlehensnehmer.
Entwicklung der Darlehenssummen und Zinssätze
Ein typisches Darlehen, welches in den letzten sieben Jahren via Cashare vergeben wurde, lässt sich folgendermassen beschreiben:
- Darlehenssumme: CHF 12’170
- Zinssatz: 9.8 Prozent
- Laufzeit: 2.7 Jahre
Doch wie haben sich diese Werte zwischen 2008 und 2014 entwickelt? Das steigende Vertrauen in die Plattform Cashare und damit auch das Crowdlending widerspiegelt sich nicht nur in den Wachstumszahlen, sondern auch in der Möglichkeit, grössere Darlehenssummen zu vermitteln. Dies fördert nicht nur Skalenerträge seitens der Plattform in Bezug auf einmalige Aufwände für Kreditprüfung und -abwicklung, sondern steigert auch die Attraktivität für Darlehenssuchende. Es können so auch grössere Projekte finanziert werden, was den Kreis der potenziellen Darlehenssuchenden erweitert.
In den Jahren 2008 und 2009 lag der Durchschnitt aller vermittelten Darlehenssummen bei CHF 4’129, respektive CHF 3’465. Seit 2011 liegt dieser Wert über CHF 13’000. Im Jahr 2014 betrug er rund CHF 16’581. Drei Viertel aller erfolgreichen Projekte wiesen im vergangenen Jahr Darlehensbeträge von CHF 7’348 und mehr auf. Auffallend ist, dass vermehrt höhere Darlehensbeträge nachgefragt resp. finanziert werden. Ebenso kann festgestellt werden, dass sich die Zinssätze in den vergangenen sechs Jahren reduziert haben. Der durchschnittliche Zinssatz hat sich in diesem Zeitraum von 12.5 auf 8.9 Prozent verringert. Es gilt dabei aber zu beachten, dass dieser unter anderem vom allgemeinen Zinsniveau sowie von der Bonität der Darlehensnehmer abhängt. Auffällig ist auch, dass sich die Streuung der Zinssätze reduziert hat: Die Hälfte der 2014 vergebenen Darlehen befand sich in einem Zinsband zwischen 7.7 und 9.9 Prozent, während der tiefste Wert bei 3.5 Prozent lag. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der durchschnittliche Zinssatz zwar leicht an. Gleichzeitig ging aber die Bonität der Darlehensnehmer gemessen an dem um rund 14 Prozent tieferen Nettoeinkommen zurück.
Fazit
Der Markt für Crowdlending befindet sich in der Schweiz noch in einem sehr frühen Stadium. Ausländische Märkte, insbesondere die USA, Grossbritannien und Deutschland sind hier deutlich weiter. Gleichzeitig zeigen unsere Analysen auf, dass Crowdlending für Investoren aufgrund der bisher niedrigen Ausfallraten und der vergleichsweise hohen Renditen eine interessante neue Anlageklasse ist. Insofern erstaunt es nicht, dass die Anzahl der potenziellen Kreditgeber in den vergangenen Jahren deutlich stärker angestiegen ist als die Anzahl der Kreditnehmer. Gewisse Kredite werden dadurch innerhalb kürzester Zeit finanziert. Gleichzeitig haben sich die durch das Auktionsverfahren festgelegten Zinssätze in den vergangenen Jahren reduziert. Blickt man ins Ausland, so erkennt man rasch das grosse Potenzial, welches in diesem Markt steckt. Es ist daher zu erwarten, dass auch Cashare und weitere in diesem Markt aktive Marktteilnehmer den Wachstumspfad fortsetzen können und von den weiteren Entwicklungen profitieren.
Weiterführende Informationen zum Thema Crowdlending und zur Entwicklung des Crowdfunding Marktes Schweiz finden Sie unter dem folgenden Link zu unserem Crowdfunding Monitoring.
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16. Juni 2015
Digitalisierung nun auch im Firmenkundengeschäft – die Pläne der UBS
Der typische erste Schritt einer Digitalisierungsstrategie im Bankenbereich erfolgt in der Regel im hoch standardisierten Retail Banking Segment. In einem zweiten Schritt – und nicht zuletzt durch den Druck einiger neuer Marktplayer – haben einige Banken auch Digitalisierungsprojekte im Wealth Management unternommen.… Mehr Informationen
Der typische erste Schritt einer Digitalisierungsstrategie im Bankenbereich erfolgt in der Regel im hoch standardisierten Retail Banking Segment. In einem zweiten Schritt – und nicht zuletzt durch den Druck einiger neuer Marktplayer – haben einige Banken auch Digitalisierungsprojekte im Wealth Management unternommen. Im Bereich des Firmenkundengeschäfts hingegen sind bis anhin (mit Ausnahme einiger Anpassungen im Online Banking) nur wenige Digitalisierungsbemühungen erkennbar. Das überrascht auf den ersten Blick, sind doch diese Kunden aus Bankensicht oftmals strategisch sehr relevant. Auf den zweiten Blick wird aber klar, dass die Standardisierungs-Möglichkeiten im Firmenkundengeschäft infolge der Heterogenität eher gering sind und die Bedürfnisse der verschiedenen Kunden stark variieren. Nichtsdestotrotz hat die UBS – nach dem mobilen Bezahlterminal SumUp – zwei weitere interessante Ansatzpunkte gefunden, wie sie Digitalisierungsmöglichkeiten auch im Firmenkundengeschäft sinnvoll einsetzen kann.
Administration im e-Banking– eine Win-Win-Situation für Kunde und Bank
Wenig spektakulär erscheint auf den ersten Blick die ab Ende Juli 2015 zur Verfügung stehende Möglichkeit der e-Banking Benutzerverwaltung (derzeit noch in der Testphase bei unterschiedlichen Unternehmenskunden). Mit dieser im Online Banking neu geschaffenen Möglichkeit (nur basierend auf einer zusätzlichen vertragsrechtlichen Erklärung aufgeschaltet) können unter anderem die Mitarbeiter-Rechte (z.B. Erfassung und Änderung von Zeichnungs- und Zugriffsrechten) auf sehr einfache Art und Weise von der Unternehmung selber geändert werden. Statt wie bisher über den Postweg neue oder ausgeschiedene Mitarbeiter zu melden und neue Zeichnungsberechtigungen für einzelne Mitarbeiter anzufordern, kann die Unternehmung dies künftig selbstständig im Online Banking machen. Sie erhält dadurch Transparenz über die Berechtigungssituation. Aus meiner Sicht führt dies zu einer klaren Win-Win Situation: Die UBS verringert ihre Prozesskosten (der Kunde übernimmt die Arbeit selber, viel manuelle Arbeit auf Seiten der UBS entfällt), während der Kunde sein Problem einfacher und schneller regeln kann. Oder konkret: In den vergangenen 12 Monaten wurden bei der UBS in den betroffenen Segments-Gruppen der bestehenden Unternehmenskunden insgesamt ca. 11’000 Änderungen von Zugriffsberechtigungen bei bestehenden Mitarbeitern und 14’000 neue Zugriffsberechtigungen für neue Mitarbeitende über den papiergebundenen und handschriftlich unterzeichneten Weg verlangt. Dieser Prozess hat derzeit eine Ausführungszeit von ca. 4-7 Tagen. Mit der Digitalisierung sind diese Administrations-Prozesse sofort und ohne zeitliche Verzögerung möglich. Ebenso können damit bei der UBS Prozesskosten eingespart werden.
Wie ich bereits im letzten Blog geschrieben habe, sehe ich im Bereich des Prozessmanagements durch die Digitalisierung mehrere solcher Optimierungsmöglichkeiten. Insofern halte ich diesen Schritt für sehr sinnvoll – selbst wenn „nur“ schon 25% aller Änderungen oder Neu-Eröffnungen digitalisiert werden.

Buchhaltung 2.0 im Online Banking
Spannend ist auch die angekündigte Zusammenarbeit der UBS mit der in Rapperswil domizilierten Firma easySYS. Dieses Startup bietet eine Cloud-basierte Buchhaltungssoftware an, welche vor allem für Kleinunternehmen entwickelt wurde.
Interessant ist nun, dass das UBS Online Banking mit diesem Cloud-basierten Buchhaltungs-System von easySYS (natürlich nur auf Wunsch des Kunden) verknüpft werden kann und eine bezahlte Rechnung dabei sowohl im UBS Online Banking als auch bei easySYS (dank dem Cloud-System) gleichzeitig verbucht resp. angezeigt wird. Das Internet-Banking wird also mit der Buchhaltung integriert und der Kleinunternehmer muss nicht mehr zwei separate Systeme bedienen. Zusätzlich zur Vereinfachung der administrativen Abläufe wird auch die Sicht des Unternehmers auf seine Liquidität verbessert und zugänglicher gemacht. Ebenso kann der Kunde zum Beispiel auch über das Banken-Login sehen, welche Rechnungen noch immer offen sind. Die Idee und das Angebot sind zwar in der Schweiz neu, in Australien findet man aber bereits eine ähnliche Kooperation. So ist die National Australia Bank, eine der vier grössten Banken Australiens, erst kürzlich eine sehr ähnliche Kooperation mit der Buchhaltungssoftware Xero eingegangen. Wie das Ganze in der Schweiz technisch gelöst wird (Cloud-basiertes System mit Online Banking UBS), wird aber sicherlich im Detail noch zu klären sein (Stichwort: API Technologie). Der Termin für das Roll-out wurde noch nicht bekanntgegeben.
Für wen ist das Angebot spannend?
Die UBS hat gemäss ihrem Geschäftsbericht über 120‘000 Firmenkunden. Das System von easySYS ist aber wohl vor allem für eher kleinere Unternehmungen gedacht, welche die Buchhaltung noch über alte Buchhaltungs-Systeme oder über Excel führen. Ebenso ist das System von easySYS eine Option für neu gegründete Unternehmungen. Insgesamt kann ich mir gut vorstellen, dass ein typischer SumUp Kunde auch von dieser Idee resp. dieser Zusammenarbeit profitieren könnte. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit mit der UBS für alle bestehenden easySYS-User möglicherweise ein Argument dafür, eine neue Beziehung zur UBS aufzubauen oder das UBS-Konto etwas intensiver zu nutzen.
Fazit
Ich begrüsse es sehr, dass nun auch im Bereich des Firmenkundengeschäfts die Digitalisierung verstärkt Einzug erhält. Das Angebot der e-Banking Benutzerverwaltung – man könnte das auch als „Selbst-Administration“ bezeichnen – ist für mich ein kleines, aber feines Beispiel, wie man Prozesskosten sparen kann und der Kunde gleichzeitig davon profitiert. Eine Kollaboration zwischen Buchhaltungs-Systemen und Banken ist nicht ganz neu, aber aus Sicht einiger (kleiner) Kunden sicherlich auch begrüssenswert. Gleichzeitig finde ich es spannend, dass die UBS nach SumUp auch in diesem Bereich wieder mit einem vielversprechenden Startup zusammenarbeitet und nicht selber ein Buchhaltungssystem anbietet. Es ist für mich ein weiteres Beispiel dafür, dass eine Zusammenarbeit sowohl für Banken als auch für Startups gewinnbringend sein kann.
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8. Juni 2015
Wie die Raiffeisenbank den Hypothekarprozess online und offline verknüpft
In der digitalen Welt hat sich die Art und Weise, wie sich Kunden informieren, beraten lassen und entscheiden stark verändert. Die Verfügbarkeit zahlreicher Informationen und die erhöhte Vergleichbarkeit von Angeboten im Internet haben dazu geführt, dass die Kunden besser informiert sind und auch mehr Transaktionen und Dienstleistungen direkt über das Internet abwickeln.… Mehr Informationen
In der digitalen Welt hat sich die Art und Weise, wie sich Kunden informieren, beraten lassen und entscheiden stark verändert. Die Verfügbarkeit zahlreicher Informationen und die erhöhte Vergleichbarkeit von Angeboten im Internet haben dazu geführt, dass die Kunden besser informiert sind und auch mehr Transaktionen und Dienstleistungen direkt über das Internet abwickeln. Bei komplexeren Produkten – und dazu zählt für den Grossteil der Kunden beispielsweise eine Hypothek – werden Grenzen im Verkauf über den Online-Kanal aber deutlich.
Für komplexe Produkte gilt: Research Online – Purchase Offline (ROPO)
Nur wenige Personen können sich vorstellen, den Erwerb einer Hypothek komplett über den Online-Kanal abzuwickeln. Hier besteht in der Regel der Wunsch der Kunden, persönlich mit einem Experten zu reden. Diese Grenzen des Produktverkaufs im Internet in Kombination mit der Online-Informationsgewinnung auf Seiten der Kunden führen zum sogenannten ROPO-Effekt: Knapp 50% der Kunden praktizieren gemäss einer Untersuchung von DB Research (2010) einen “Research Online Purchase Offline“-Prozess. Der Kaufprozess beginnt mit der Analyse im Internet, wird jedoch in der Filiale abgeschlossen. Damit bleibt für erklärungsbedürftigere Bankprodukte die persönliche Beratung ein wesentlicher Pfeiler.
Kundenprozess
Wichtig erscheint mir, dass der Prozess des Kunden durchgängig(er) wird. Das heisst der Prozess sollte unabhängig sein davon, ob er auf einer Website, im eBanking oder in der Filiale startet, welches Endgerät der Kunde nutzen möchte und wie der Abschluss oder die Nachbetreuung stattfinden sollen. Es wird daher je länger je weniger einen von der Bank vordefinierten Standard geben, wie der Kaufprozess wann und wo stattzufinden hat und ab wann zu einer persönlichen Beratung gewechselt wird. Stattdessen entscheidet jeder Kunde selber darüber. Derzeit werden zwar mehrere Kanäle von Banken unterstützt, aber ein Wechsel zwischen ihnen ist prozessseitig (noch) nicht vorgesehen. In der Regel beginnt der Prozess bei einem Kanalwechsel nochmals von vorne. Durch Omni-Channeling soll hier ein Paradigmen-Wechsel stattfinden, bei welchem viel mehr Rücksicht auf einen flexiblen Kundenprozess genommen wird.
Der Ansatz der Raiffeisen-Gruppe
In der Schweiz kenne ich derzeit noch nicht viele Banken, welche die verschiedenen Kanäle, und hier insbesondere das Online Research auf Websites mit der Beratung in der Filiale, verknüpfen. Die meisten Banken stellen zwar auf den Websites Hypothekenrechner und weitere spannende Tools zur Verfügung. Die Daten und Informationen, welchen die Kunden eingeben, müssen in einem späteren Beratungsgespräch aber noch einmal von neuem definiert werden. Die Informationen, die auf den Websites eingegeben werden, fliessen entsprechend noch nicht zur Bank, der Prozess startet in der Filiale wieder von vorne.
Die Raiffeisen Gruppe hat hier aus meiner Sicht einen ersten kleinen, aber interessanten Schritt gemacht, der zwar im derzeitigen Stadium noch alles andere als revolutionär ist, der aber gleichzeitig aufzeigt, wie sich die Verknüpfung von Kanälen künftig entwickeln könnte. In einem ersten Schritt erhält man auf der im November 2014 neu lancierten Hypotheken-Website als (potenzieller) Raiffeisenbank-Kunde anhand der Angaben zu Kaufpreis, Eigenkapital und Jahreseinkommen und basierend auf vier Fragen zum Profil einen persönlichen Finanzierungsvorschlag.
Wichtig ist nun, dass diese Angaben, falls vom Kunden erwünscht, direkt an die Raiffeisenbank weitervermittelt werden können („Angaben als E-Mail senden“). Dadurch wird sichergestellt, dass die Angaben des Kunden im späteren persönlichen Beratungsgespräch wieder aufgenommen werden und nicht noch einmal abgefragt werden müssen. Der Prozess wird also mit Hilfe der übermittelten Daten weitergeführt.
Ebenso ist es möglich, gleich online einen Beratungstermin, respektive einen Vorschlag für einen Beratungstermin zu vereinbaren (siehe Abbildung 2)

Bei den meisten Raiffeisenbanken kann man zudem noch aussuchen, an wen man die Informationen schicken möchte, beziehungsweise mit wem man das Gespräch führen möchte. Man kann somit wählen, ob man seinen Termin lieber mit einem erfahreneren oder jüngeren Kundenberater haben möchte oder ob man lieber eine Kundenberaterin für das Gespräch hat.
Fazit:
Natürlich ist die Weitergabe dieser wenigen Angaben noch nicht der grosse Wurf und auch noch kein eigentliches „Omnichanneling“, da die Kundenangaben (noch) nicht direkt mit dem System der Bank verknüpft sind. Gemäss Roland Altwegg, Bereichsleiter Produkte & Kooperationen bei Raiffeisen Schweiz, wird aber in den nächsten beiden Jahren intensiv daran gearbeitet, diese Daten direkt ins System einfliessen zu lassen. Auch die Anzahl der Fragen und Informationen, welche auf der Website eingegeben werden können, werden deutlich ausgebaut in den nächsten Monaten. Gemäss Altwegg wurde dank dem neuen Angebot auch etwas mehr Traffic auf den Websites verursacht und sind etwas mehr Anfragen reingekommen. Insgesamt war der Effekt bisher aber noch nicht sehr gross.
Trotz dieser Einschränkungen in der Beurteilung des bisher sichtbaren Projektes, ist es für mich ein erstes gutes Beispiel, wie man die Verknüpfung der Kanäle anpacken kann und wie eine entsprechende Logik in den Grundzügen ausschaut. Ich bin überzeugt davon, dass mehrere Banken ihr Prozess-Management noch deutlich verbessern und ausbauen werden und dabei den Fokus verstärkt auf die Verknüpfung der Kanäle setzen werden. Hier gibt es noch viel Arbeit zu leisten.
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1 Kommentare
Wie Raiffeisen den Hypothekarprozess online & offline verknüpft...! - IT.innovation.4U GmbH - Moderne IT Dienstleistungen
9. Juni 2015
[…] https://hub.hslu.ch/retailbanking/2015/06/08/wie-die-raiffeisenbank-den-hypothekarprozess-online-un… […]
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1. Juni 2015
Verdrängt Mobile Payment das Bargeld?
Umschwung bei den Zahlungsmitteln
Internationale Giganten wie Apple und Facebook wollen den Zahlungsverkehr mit Mobile Payment Lösungen revolutionieren. Wobei hier unter Mobile Payment (im engeren Sinn) Bezahlmethoden mittels Mobiletelefon verstanden werden. Dabei unterscheidet man zwischen Nahzahlungen an einem Verkaufspunkt (Point of Sale) und P2P (Peer to Peer) Zahlungen zwischen zwei Personen.… Mehr Informationen
Umschwung bei den Zahlungsmitteln
Internationale Giganten wie Apple und Facebook wollen den Zahlungsverkehr mit Mobile Payment Lösungen revolutionieren. Wobei hier unter Mobile Payment (im engeren Sinn) Bezahlmethoden mittels Mobiletelefon verstanden werden. Dabei unterscheidet man zwischen Nahzahlungen an einem Verkaufspunkt (Point of Sale) und P2P (Peer to Peer) Zahlungen zwischen zwei Personen. Auch in der Schweiz wird innovatives Mobile Payment angeboten. So wurde 2014 Tapit von der Swisscom für das Bezahlen am Point of Sale (Nahzahlungen) oder seit kurzem Paymit der SIX Group mit den Pilotkunden UBS und Zürcher Kantonalbank für P2P Zahlungen lanciert. Ebenfalls am Start ist die PostFinance mit TWINT. Neben diesen internationalen und nationalen Schwergewichten versuchen weitere Finanzdienstleister, Retailer, Telecoms und Startups (in der Schweiz z.B. Mobino, Muume oder Klimpr), sich ein Stück des Zahlungsverkehrskuchens abzuschneiden.
Die Schweiz hat aus zwei Gründen eine gute Ausgangslage für die Einführung neuer Mobile Payment Anwendungen. Erstens verfügt die Schweiz über eine hohe Smartphone-Durchdringung von 69 Prozent. Zweitens ergab eine Umfrage im Rahmen der IFZ-Retailbankingstudie 2014, dass 62 Prozent der befragten Personen Mobile Payment nutzen würden.
Was zeigt uns die Vergangenheit?
Aktuell ist der Zahlungsverkehr in der Schweiz im Wesentlichen zwischen Bank- und Postzahlungen, Debit- und Kreditkarten und Bargeld aufgeteilt, wobei sich die Zahlungen an Verkaufspunkten vor allem auf Debit-, Kreditkarten und Bargeld verteilen.
Die Wahl der Zahlungsmittel veränderte sich in der Vergangenheit langsam und kontinuierlich. Obwohl der bargeldlose Zahlungsverkehr für Konsumenten und Händler verschiedene Vorteile bietet, hält sich das Bargeld nach wie vor als wichtigstes Zahlungsmittel in der Schweiz. 1990 wurden rund 90% des Transaktionsvolumens am Verkaufspunkt mittels Bargeld abgewickelt. In den letzten 25 Jahren haben die Debit- und Kreditkarten einen Teil der Bargeldtransaktionen abgelöst. Aktuell werden aber immer noch rund 60% des alltäglichen Konsums mit Bargeld bezahlt. Mehr Details zeigt die folgende Grafik. Die Transaktionenvolumen der Debit- und Kreditkarten werden aus der SNB Statistik entnommen. Der Bargeldumsatz muss hingegen geschätzt werden, da es keinen direkten Messwert gibt. Dabei werden die Ausgaben aller Schweizer Haushalte für den Endkonsum um verschiedene Ausgaben, wie für Wohnung, Gesundheit, Nachrichtenübermittlung, etc. bereinigt, da diese üblicherweise nicht mit Bargeld bezahlt werden (Daten vom Bundesamt für Statistik). Die verbleibenden Gesamtausgaben minus die Volumen der Debit- und Kreditkarten ergeben den Bargeldumsatz. Die Grafik zeigt die prozentualen Transaktionsvolumen von Bargeld, Debit- und Kreditkarten über die letzten 10 Jahre.

Die Resultate decken sich mit ähnlichen Studien. Die Wahl des Zahlungsmittels entfernt sich stetig und kontinuierlich vom Bargeld, dies aber langsam und nicht disruptiv. Ein weiterer Trend lässt sich aus den SNB Statistiken erkennen: Das durchschnittliche Transaktionsvolumen bei Kredit- und Debitkartenzahlungen hat abgenommen. So lag das durchschnittliche Transaktionsvolumen 2005 für inländische Kreditkarten bei CHF 186 und CHF 83 für Debitkarten. 2014 sank dieser Wert auf CHF 118 für Kreditkarten und CHF 69 für Debitkarten. Im Umkehrschluss heisst dies auch, dass die Anzahl der Transaktionen signifikant zunahm. Dadurch sind entsprechend auch die Transaktionskosten für Händler gestiegen, derweil die Bequemlichkeit für den Konsumenten an Bedeutung gewonnen hat.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Cards’11 Studie der Universität St.Gallen beschreibt, dass die soziodemographische und finanzielle Situation von Konsumenten den Gebrauch von Zahlungsmitteln beeinflusst. Vereinfacht gesagt, steigt die Adaptionsrate für neue Formen mit der Bildung und dem Einkommen. Gleichzeitig sinkt sie mit dem Alter. Allerdings sind die individuellen Einschätzungen der Kosten, Bequemlichkeit, Sicherheit, Anonymität, Verfügbarkeit und Akzeptanz wesentlicher für die Wahl des Zahlungsmittels. Interessant ist auch, dass kontaktlose Karten häufiger eingesetzt werden als traditionelle Karten.
In einer Studie der Deutschen Bundesbank von 2015 geben die Befragten an, dass bei Barzahlung eine bessere Ausgabenkontrolle vorhanden sei. Allerdings sind Personen unter 25 Jahren sehr offen für innovative Zahlverfahren. Es fehlt ihnen derzeit aber noch eine flächendeckende Einsatzmöglichkeit. Ein grosser Einfluss auf das Zahlverhalten wird durch die fortlaufende Verlagerung des Handels ins Internet erwartet. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass viele Kunden über vorfestgelegtes Verhalten bezüglich der Wahl des Zahlungsmittels verfügen, und nicht spontan am Verkaufspunkt entscheiden.
Für einen Tango braucht es zwei
Der Erfolg von Zahlungssystemen hängt stark von Netzwerkeffekten ab. P2P Systeme sind nur bei einer genügend grossen Population interessant. WhatsApp macht alleine keinen Spass und bringt dementsprechend wenig Nutzen. Eine virale, schnelle Verbreitung ist für P2P Systeme zwingend. Bei Nahzahlungssystemen müssen Konsumenten und Händler das gleiche System verwenden.
Wie sieht es im Ausland aus?
Interessanterweise präsentiert sich das Zahlungsverhalten in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Nordische Länder sind auf dem Weg das Bargeld faktisch abzuschaffen. So überrascht es nicht, dass die Danske Bank innerhalb von 18 Monaten 1.6 Millionen Benutzer für ihre Mobile Payment Lösung gewann. Heute nutzt entsprechend bereits jeder dritte Däne das Produkt MobilePay. In Südeuropa dagegen wird immer noch ein Grossteil der Einkäufe bar erledigt. Nochmals anders sieht die Situation in Entwicklungsländern aus, wo ein Grossteil der Bevölkerung keine Bankbeziehung hat. Hier verfügen Mobile Payment Lösungen (häufig mit traditionellen mobilen Telefonen, keine Smartphones) über hohe Wachstumsraten und Marktanteile, da keine bestehenden Infrastrukturen verdrängt und keine neuen aufgebaut werden müssen. So wird in Kenia das Mobiltelefon von zwei Dritteln der erwachsenen Bevölkerung für den Versand von Geld verwendet. Diese Entwicklungen aus Afrika können aber infolge der völlig unterschiedlichen Voraussetzungen nicht auf die Schweiz übertragen werden.
Fazit
Die Vergangenheit zeigt, dass sich das Verhalten der Schweizer Konsumenten bei der Wahl des Zahlungsmittels stetig, aber langsam weg vom Bargeld ändert. Der Substitutionsprozess erfolgte in der Schweiz bis jetzt evolutionär und nicht revolutionär. Es ist daher zu erwarten, dass auch neue Zahlungsmittel, wie Mobile Payment, eher langsam Marktanteile gewinnen werden. Es ist dadurch schwierig, schnell eine minimale kritische Masse zu erreichen, wenn man nicht auf bestehende Systeme aufsetzen kann. Die Fragmentierung des kleinen Schweizer Marktes erschwert das Erreichen dieser kritischen Masse zusätzlich. Daher werden unseres Erachtens Systeme mit einer evolutionären Verbreitungsstrategie erfolgreicher sein.
Die technischen Voraussetzungen bezüglich Durchdringung von Smartphones und kontaktlosen Terminals sind in der Schweiz gut. Effizientes kontaktloses Zahlen ist ein gutes Argument für Konsumenten zum Umsteigen vom Bargeld, insbesondere da die durchschnittlichen Beträge laufend sinken und die Anzahl Transaktionen steigen. Mit elektronischen Geldbörsen auf dem Smartphone ergeben sich weitere Möglichkeiten, Mehrwert für den Anwender zu schaffen. So könnten die Daten direkt für Personal Finance Management Systeme genutzt werden, oder Bonusprogramme von Kundenkarten integriert werden. Die grosse Unbekannte ist der Kampf des Staates gegen das Bargeld im Rahmen der finanziellen Repression. Der Gebrauch von Bargeld könnte eingeschränkt werden, damit Sparer bei Negativzinsen kein Bargeld horten. Dieses unwahrscheinliche Szenario würde die Spielregeln komplett ändern.
PS: Es wird interessant sein, wie Vertreter von TWINT und der Zürcher Kantonalbank (Paymit) an der IFZ Konferenz „Innovative Angebote im Retail Banking“ vom 25. Juni die Diffusionsgeschwindigkeit einschätzen und die zukünftige Entwicklung des Schweizer Marktes für Mobile Payment sehen. Die Konferenz war zwar ausgebucht – infolge von 2 Abmeldungen sind aber wieder 2 Plätze frei geworden. Neben dem Thema Mobile Payment werden u.a. auch Crowdfunding Lösungen für Banken, Digitales Anlegen bei der UBS, die Entwicklungen von hypomat und e-hypo oder Social Trading diskutiert. Anmeldung bitte per Mail an evelyne.gander@hslu.ch.
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1 Kommentare
Beat Stocker
2. Juni 2015
Sehr guter Artikel zum Thema. Als weiteren Treiber der Diffusion von Mobile Payment (z.B. PtP) sehe ich das Lifestyle-Argument und damit verbundene Netzwerkeffekte. Nicht zu unterschätzen; plötzlich wird die Geschichte disruptiv. Ohne Not.
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.
22. Mai 2015
Crowdfunding Monitoring 2015 – Studie zum Schweizer Crowdfunding Markt
Medienmitteilung
Crowdfunding-Markt wächst um 36 Prozent
Vom Kleinkredit für die Hochzeit über die Finanzierung eines jungen Unternehmens bis hin zur Unterstützung eines Kinderbuchprojekts: Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, ist eine Art, um via Internet Geld zu sammeln und zu investieren. Es werden vier verschiedene Crowdfunding-Formen unterschieden (Details siehe Box): Crowdinvesting (Geld gegen Unternehmensbeteiligung), Crowdlending (Geld gegen Zins), Crowdsupporting (Geld gegen Güter/Dienstleistungen) und Crowddonating (keine direkte Gegenleistung).… Mehr Informationen
Medienmitteilung
Crowdfunding-Markt wächst um 36 Prozent
Vom Kleinkredit für die Hochzeit über die Finanzierung eines jungen Unternehmens bis hin zur Unterstützung eines Kinderbuchprojekts: Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, ist eine Art, um via Internet Geld zu sammeln und zu investieren. Es werden vier verschiedene Crowdfunding-Formen unterschieden (Details siehe Box): Crowdinvesting (Geld gegen Unternehmensbeteiligung), Crowdlending (Geld gegen Zins), Crowdsupporting (Geld gegen Güter/Dienstleistungen) und Crowddonating (keine direkte Gegenleistung). Zum zweiten Mal hat das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern diesen Markt hierzulande unter die Lupe genommen und präsentiert die Resultate im «Crowdfunding Monitoring Schweiz 2015». Dafür hat das Forschungsteam die Daten sämtlicher im vergangenen Jahr hierzulande aktiven Plattformen – insgesamt 15 – ausgewertet. In den letzten Monaten sind jedoch noch zahlreiche Marktteilnehmer hinzugekommen. Per Ende April 2015 waren 30 Plattformen mit einer Niederlassung in der Schweiz aktiv, darunter ist mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank seit Ende 2014 eine erste klassische Bank.
Seit 2011 hat sich das Volumen verfünffacht
15.8 Millionen Franken wurden 2014 in der Schweiz durch Crowdfunding vermittelt – 36 Prozent mehr als im Vorjahr, im Vergleich zu 2011 hat sich das Volumen gar verfünffacht. Das vermittelte Geld entfällt auf 1078 Kampagnen, wie die Phase des Geldsammelns bezeichnet wird. «Die eindrücklichen Wachstumszahlen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass die absoluten Beträge immer noch sehr tief sind und der Crowdfunding-Markt in der Schweiz im Vergleich zu den USA oder Grossbritannien nach wie vor in den Kinderschuhen steckt», sagt Finanzprofessor Andreas Dietrich, der die Studie zusammen mit Simon Amrein und mit Unterstützung der Swisscom verfasste. Fast die Hälfte des Gesamtvolumens generierten Crowdsupporting/Crowddonating, 29 Prozent entstammt Crowdinvesting und 22 Prozent Crowdlending. Dabei legten insbesondere die Bereiche Crowdsupporting/Crowddonating und Crowdlending von 2013 auf 2014 massiv zu: um 82 Prozent, respektive 95 Prozent.
Markt für Konsumkredite wächst rasant
Das rasante Wachstum von Crowdlending präsentiert sich im Detail wie folgt: Die vergebenen Konsumkredite nahmen von 1.8 auf 3.5 Millionen Franken zu, die Anzahl Kampagnen stieg von 116 auf 214, wovon alle erfolgreich finanziert wurden. Das überrascht die Studienautoren nicht. «Investitionen in Crowdlending sind bei Anlegern zunehmend beliebt, weil solche Anlagen in den vergangenen Jahren attraktive Renditen bei bisher tendenziell tiefen Risiken versprachen», sagt Dietrich. «So liegt die derzeitige Herausforderung für Crowdlending-Plattformen nicht darin, Kapitalgeber zu finden. Schwieriger ist vielmehr, Kapitalsuchende auf die Plattformen zu bewegen.» Trotz des enormen Zuwachses ist der Crowdlending-Markt aber nach wie vor eine Nische: Das Volumen von 3.5 Millionen Franken ist verschwindend klein im Vergleich zu den knapp 3.9 Milliarden Franken, für welche 2014 im Konsumkreditmarkt neue Kredite abgeschlossen wurden.
Eine Plattform, die hierzulande privaten Kreditnehmern die Geldsuche via Internet ermöglicht, ist Cashare, die erste Crowdfunding-Plattform überhaupt in der Schweiz. Für das Monitoring der Hochschule Luzern hat sie alle Daten zu den vermittelten Darlehen zwischen 2008 und 2014 zur Verfügung gestellt. Deren Analyse ermöglicht eine Charakterisierung der Darlehensnehmer: Ihr Durchschnittsalter ist 38 Jahre, 76 Prozent sind Männer und über zwei Drittel Schweizer, ein Fünftel hat bei Darlehensabschluss mindestens ein Kind unter 16 Jahren, 37 Prozent leben in einer Ehe und 19 Prozent sind Wohneigentümer. 60 Prozent aller seit 2008 vermittelten Darlehen gingen an Personen unter 40 Jahren. Über 60-Jährige waren in vier Prozent der erfolgreichen Projekte Darlehensnehmer. «Diese Altersverteilung zeigt, dass Crowdlending zurzeit noch vorwiegend eine Angelegenheit der technologieaffinen Generation Y ist», sagt Andreas Dietrich.
Beliebte Finanzierungsart für Musikprojekte
Für das Monitoring hat die Hochschule Luzern auch den Bereich Crowdsupporting/Crowddonating genauer angeschaut, der in den vergangenen Jahren konstant gewachsen ist: 2011 wurden noch 300ʼ000 Franken vermittelt, letztes Jahr waren es bereits 7.7 Millionen Franken. 854 von 1434 lancierten Kampagnen konnten damit erfolgreich finanziert werden. Weiter stellt Dietrich fest: «Crowdsupporting und Crowddonating etablieren sich insbesondere im Kulturbereich zunehmend als alternative Finanzierungsart.» So kamen für 216 Musik-, Konzert- und Festival-Kampagnen 2014 knapp 1.5 Millionen Franken zusammen, durchschnittlich also rund 6ʼ850 Franken. Aber auch die Kampagnen, die in Richtung «Technologie, Business, Start-up» gingen, brachten circa 1.5 Millionen Franken ein. Dafür waren aber nur 40 Projekte nötig, für die durchschnittlich 36ʼ600 Franken vermittelt wurden.
Die Zahlen zu Crowdfunding in der Schweiz werden vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Swisscom jährlich erhoben.


Crowdfunding Monitor Schweiz – 2015
Crowdfunding Monitor Schweiz – 2015
Die vier Formen von Crowdfunding
Je nach Gegenleistung, die der Kapitalgeber für seine Investition erhält, werden vier Formen von Crowdfunding unterschieden:
- Crowdinvesting: Ein Start-up sammelt auf diese Weise Kapital für die Umsetzung seiner Geschäftsidee. Als Gegenleistung werden die Investoren am Unternehmenserfolg beteiligt.
- Crowdlending: Bei dieser Form geht es um die Vermittlung von Darlehen zur Finanzierung von Unternehmen oder Privaten. Als Gegenleistung erwarten die Darlehensgeber eine risikogerechte Rendite. Die Projekte, die auf diese Weise finanziert werden, sind sehr unterschiedlich: Ein Familienauto, Hochzeitsvorbereitungen, eine Zahnspange oder ein Start-up.
- Crowdsupporting: Diese Kategorie beinhaltet häufig kulturelle und soziale Projekte sowie Vorhaben aus dem Bereich Sport. Der Investor erhält für seinen Beitrag eine einmalige Gegenleistung: Wer z.B. das Album einer Band mitfinanzieren möchte, bekommt die CD nach deren Produktion kostenlos.
- Crowddonating: Damit lassen sich vor allem soziale, karitative und kulturelle Projekte (z.B. Orchesterkonzerte, Hilfsprojekte einer Non-Profit-Organisation) finanzieren. Die Unterstützungsbeiträge sind reine Spenden, die nicht an eine Gegenleistung geknüpft sind.
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Press Release
Crowdfunding market growing by 36 percent
In 2014, CHF 15.8 million was raised in Switzerland via crowdfunding, while this figure was CHF 11.6 million the year prior, according to the Crowdfunding Monitoring 2015 report issued by the Lucerne University of Applied Sciences and Arts and Swisscom. This strong growth is in particular attributable to massive gains in Crowdlending, reward-based crowdfunding and crowddonating.
From microloans for weddings and funding for a start-up to supporting a children’s book project – crowdfunding is a method of raising and investing funds over the Internet for a variety of projects. Crowdfunding can be divided into four different types (see box for details): Crowdinvesting (money for a share in a company), crowdlending (money for interest), reward-based crowdfunding (money for goods/services) and crowddonating (no direct consideration). The Institute of Financial Services Zug IFZ of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts has analysed the Swiss crowdfunding market for the second time and is presenting its findings in the “Crowdfunding Monitoring Switzerland 2015”. The research team has gathered data from all platforms active in Switzerland in the past year – a total of 15. However, several market participants have entered the scene over the past months. As of the end of April 2015, there were 30 active platforms with an office in Switzerland, including Basellandschaftliche Kantonalbank since late 2014, making it the first bank entering the Swiss crowdfunding market.
Volume increased five times since 2011
In 2014, CHF 15.8 million was raised in Switzerland via crowdfunding – 36% more than the previous year. In comparison to 2011, the volume has increased as much as five times. The funds raised were distributed between 1078 campaigns. „However, the spectacular growth figures should not be permitted to conceal the fact that the absolute amounts are still very low and that the Swiss crowdfunding market is still in its infancy in comparison to the US and the UK,“ says Andreas Dietrich, Professor of Finance, who co-authored the study with Simon Amrein. Reward-based crowdfunding and crowddonating generated nearly half of the total volume, while 29% came from crowdinvesting and 22% from crowdlending. Reward-based crowdfunding/crowddonating and crowdlending in particular experienced massive year-on-year growth rates between 2013 and 2014 – 82 percent and 95 percent, respectively.
Market for consumer loans growing rapidly
The rapid growth of crowdlending is presented in detail as follows: The value of consumer loans raised increased from CHF 1.8 to 3.5 million, with the number of campaigns rising from 116 to 214, all of which were successfully funded. This did not come as a surprise to the authors of the study. „Investments in crowdlending enjoy increasing popularity from investors, because these types of investments have promised attractive returns over the past years while the risks have tended to be rather low so far,“ says Dietrich. „As a result, the current challenge of crowdlending platforms is not finding investors. On the contrary, it is more difficult to get borrowers on the platforms.“ In spite of its enormous growth, the crowdlending market is still a niche. Its volume of CHF 3.5 million is extremely small in comparison to the nearly CHF 3.9 billion in new loans raised on the consumer loan market in 2014.
One platform that enables private borrowers in Switzerland to raise funds over the Internet is Cashare, the first ever crowdfunding platform in Switzerland. Cashare provided all of its data on loans raised between 2008 and 2014 for this year’s crowdfunding report. Analysis of this data enables borrowers to be characterised. Their average age is 38, 76 percent are men and over two thirds are Swiss, one fifth had at least one child under the age of 16 at the time the loan was raised, 37 percent are married and 19 percent are homeowners. 60 percent of all loans raised since 2008 went to people under the age of 40. Four percent of the borrowers in successful projects were over 60 years of age. „This age distribution shows that crowdlending is currently still primarily a fixture of the tech-savvy Generation Y,“ says Andreas Dietrich.
Popular method of funding for music projects
The Lucerne University of Applied Sciences and Arts‘ report also took an in-depth look at reward-based crowdfunding/crowddonating, which has grown non-stop over the past years. CHF 300,000 was raised in 2011, and this figure had already reached CHF 7.7 million last year. 854 of 1434 of the campaigns launched were successfully funded. Dietrich also noted that, „reward-based crowdfunding and crowddonating are increasingly establishing themselves as an alternative method of funding, in particular in relation to cultural projects.“ As a result, nearly CHF 1.5 million was raised for 216 music, concert and festival campaigns in 2014, for an average of around CHF 6850. However, „Technology, business and start-up“ campaigns also brought in approximately CHF 1.5 million. And yet only 40 projects were needed to reach this amount, with an average of CHF 36,000 raised.
The Institute of Financial Services Zug IFZ of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts compiles the Swiss crowdfunding figures annually.


You can download the study here.
The four types of crowdfunding
There are four different types of crowdfunding in Switzerland, categorised according to the consideration that funders receive for their investment:
- Crowdinvesting: Start-ups use this method of raising capital to implement their business ideas. Investors get a share in the company’s profit in return for their investment.
- Crowdlending: Crowdlending enables companies and individuals to access funding by raising loans. In return for their loan, lenders expect a risk-adjusted return on their investment. Very diverse projects are funded in this manner – from family cars and wedding preparations to start-ups.
- Reward-based crowdfunding: This category mostly includes cultural, social and sports projects. Funders receive one-off consideration for their contributions. For example, those who help to fund a band’s album will receive the final CD free of charge.
- Crowddonating: Crowddonating is mainly used to fund social, charitable, cultural, or political projects (e.g. orchestra concerts and aid projects run by non-profit organisations). The contributions are simple donations that are not associated with any consideration.
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18. Mai 2015
Gebührenmodelle im digitalen Anlegen: Ein Vergleich
Um einigermassen sinnvolle Gebührenvergleiche durchführen zu können, wurden in einem ersten Schritt bestehende Anbieter in den Märkten Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und USA basierend auf insgesamt 11 Kriterien in den zwei Dimensionen Sophistizierung und Personalisierung & Unterstützung bewertet und kategorisiert. Damit wird Rücksicht auf die sich teilweise stark unterscheidenden Geschäftsmodelle genommen, welche auch ein unterschiedliches Pricing rechtfertigen.… Mehr Informationen
Um einigermassen sinnvolle Gebührenvergleiche durchführen zu können, wurden in einem ersten Schritt bestehende Anbieter in den Märkten Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und USA basierend auf insgesamt 11 Kriterien in den zwei Dimensionen Sophistizierung und Personalisierung & Unterstützung bewertet und kategorisiert. Damit wird Rücksicht auf die sich teilweise stark unterscheidenden Geschäftsmodelle genommen, welche auch ein unterschiedliches Pricing rechtfertigen. In Abhängigkeit dieser Kategorisierung können anschliessend die Gebühren besser verglichen werden. Zur Berechnung der jährlichen Gebühren haben wir zwischen zwei Musterdepots unterschieden: Ein kleineres Depot mit einem verwalteten Vermögen von 25‘000.– (ein typischer Retail-Kunde) sowie ein grösseres Depot mit 250‘000.– (ein typischer Affluent-Kunde). Um die zwei Dimensionen Sophistizierung und Personalisierung & Unterstützung auf einer Achse abzubilden, wurde der gewichtete Mittelwert aller Kriterien der beiden Dimensionen berechnet. Überdies wurde angenommen, dass das Portfolio eine jährliche Rendite von 5 Prozent erzielt, falls ein Anbieter eine performancebasierte Gebühr erhebt.
Mehrheit der Anbieter setzt auf Modell mit All-in Fees
Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt die Gebühren verschiedener Anbieter aus den vier untersuchten Märkten. Um alle Angebote miteinander zu vergleichen, wurden zusätzlich zu den individuellen Datenpunkten auch Trendlinien eingefügt, welche das Gesamtniveau der Gebühren pro Markt indizieren.
Wie sich bei unseren Marktanalysen gezeigt hat, erhebt die grosse Mehrheit der Anbieter eine fixe jährliche Gebühr in Prozentpunkten (sogenannte All-in Fee), mit welcher alle üblichen Dienstleistungen und Services abgegolten werden. Die Höhe dieser All-in Fee ist teilweise abhängig von der Höhe der verwalteten Vermögen, wobei mit zunehmenden Depotvolumen tiefere Gebühren bezahlt werden müssen. Performancebasierte Gebühren wurden nur in drei Fällen im deutschen Markt (CASHBOARD, United Signals, wikifolio) sowie bei einem Anbieter in der Schweiz (INVESTORY) beobachtet.
Grundsätzlich gilt festzuhalten, dass die verschiedenen Anbieter unterschiedliche Gebührenkomponenten in ihrer All-in Fee einschliessen. Beispielsweise berücksichtigen einige Angebote die Produktkosten (z.B. Stempelsteuern oder sonstige Abgaben) bereits in der All-in Fee, während diese bei anderen Anbietern separat beglichen werden müssen. Eine klare Aufschlüsselung der einzelnen Komponenten der All-in Fees und somit ein 1-zu-1 Vergleich ist jedoch in vielen Fällen aufgrund der beschränkten öffentlichen Informationen nur schwer durchzuführen. Auch wenn sich viele der Anbieter mit dem Versprechen nach kompletter Transparenz rühmen, sollte ein Kunde die einzelnen Kostenkomponenten genau studieren. Schliesslich „fressen“ diese jedes Jahr einen Teil seiner Portfolio-Rendite.
Preis-Leistungs-Verhältnis bei vereinzelten Anbietern zu hinterfragen
Aus Abbildung 1 wird auch ersichtlich, dass die Mehrzahl der untersuchten Anbieter innerhalb oder unter der Trendlinie ihres Marktes liegt. Dies bedeutet, dass die erhobenen Gebühren im Vergleich zur gebotenen Sophistizierung und Personalisierung aus unserer Sicht angemessen erscheinen. Vereinzelte Anbieter liegen jedoch oberhalb der Trendlinie und verlangen somit verhältnismässig zu hohe Gebühren. Wir gehen davon aus, dass diese Anbieter aufgrund des Marktdrucks ihr Gebührenmodell hinterfragen und entsprechende Anpassungen vornehmen werden, um ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen.
Der Schweizer und deutsche Markt sind hinsichtlich der Struktur der Gebühren vergleichbar. Jedoch weist der deutsche Markt tendenziell ein leicht tieferes Gebührenniveau auf. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass weniger sophistizierte Anbieter in den USA & Grossbritannien tendenziell noch tiefere Gebühren erheben als vergleichbare Anbieter in Deutschland und in der Schweiz. Bei den sophistizierten Anbietern ist das Gegenteil zu beobachten. In den USA und Grossbritannien erheben diese Anbieter im Durchschnitt höhere Gebühren als ihre Pendants in der Schweiz und in Deutschland.
Fazit
Unsere Analysen haben gezeigt, dass sich bei den existierenden Anbietern im Bereich des digitalen Anlegens das Gebührenmodell der All-in Fees (fixe jährliche Gebühr in Prozent der verwalteten Vermögen) durchgesetzt hat. Nur wenige Anbieter verfügen über eine andere Gebührenstruktur oder erheben eine performancebasierte Gebühr. Überdies konnte festgestellt werden, dass die Höhe der Gebühren vom Grad der Sophistizierung und der Personalisierung & Unterstützung abhängt und damit die teilweise grossen Unterschiede zwischen den Anbietern zumindest zu einem grösseren Teil nachvollziehbar sind. Vereinzelte Angebote weisen aber auch ein vergleichsweise schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis auf.
Basierend auf diesen Beobachtungen erwarten wir, dass sich die Gebühren (All-in Fees) für weniger sophistizierte und personalisierte Anbieter (Robo Advisors) in der Schweiz im Bereich von 30 bis 70 Basispunkte pro Jahr einpendeln. Für beratungsunterstütztes digitales Anlegen (personalisiertere und i.d.R. auch sophistiziertere Geschäftsmodelle) werden Unternehmen je nach Grad der Sophistizierung und Personalisierung wohl zwischen 70 und 130 Basispunkte verlangen können. Insgesamt werden die entsprechenden Angebote im Bereich des digitalen Anlegens dazu führen, dass der Druck auf die Margen im Anlagegeschäft weiter zunimmt.
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11. Mai 2015
Andere Retail Banking Institute,
Bezahlen für die Bankberatung? Der Ansatz der Baloise Bank SoBa
Konzept und Entwicklung des BIA
Mit der Einführung des Baloise Investment Advice („BIA“) in 2011 hat die Baloise Bank SoBa ihr Geschäftsmodell im Anlagebereich grundlegend überarbeitet. Die Bestimmung der Anlagelösung beginnt bei der Ermittlung des Risikoprofils eines Kunden, wo zwischen dem Anlegerprofil (Risikoappetit und -toleranz), dem Entscheidungsprofil (psychologisches Entscheidungsverhalten) und dem Umsetzungsprofil (Strategie und Instrumente bei der Implementierung) unterschieden wird.… Mehr Informationen
Konzept und Entwicklung des BIA
Mit der Einführung des Baloise Investment Advice („BIA“) in 2011 hat die Baloise Bank SoBa ihr Geschäftsmodell im Anlagebereich grundlegend überarbeitet. Die Bestimmung der Anlagelösung beginnt bei der Ermittlung des Risikoprofils eines Kunden, wo zwischen dem Anlegerprofil (Risikoappetit und -toleranz), dem Entscheidungsprofil (psychologisches Entscheidungsverhalten) und dem Umsetzungsprofil (Strategie und Instrumente bei der Implementierung) unterschieden wird. Bei der Erstellung des Kundenprofils werden dabei neben den traditionellen Risikoaspekten auch Elemente der „Behavioural Finance“ miteinbezogen. In diesem Blog wurde bereits im Mai 2013 schon über dieses Tool berichtet. In der Zwischenzeit hat sich der BIA gemäss Jürg Ritz, CEO Baloise Bank SoBa, und Thomas Egli, Projektleiter BIA, bei den Kunden gut etabliert. So konnten seit 2013 die verwalteten Vermögen um 77% und die Anzahl Mandate um 87% gesteigert werden.
Das neue Pricing-Modell von BIA
Per Januar 2015 hat die Baloise Bank SoBa eine neue und gemäss dem CEO Jürg Ritz sehr mutige Gebührenstruktur für die Anlagelösungen aus BIA eingeführt. Im neuen Gebührenmodell wurden die Courtagen stark reduziert, derweil neu Kosten für Beratungsleistungen erhoben werden. So wurde beispielsweise der Kostensatz für eine Aktientransaktion bis CHF 15‘000.- von 1.10% auf 0.45% mehr als halbiert und die Minimumgebühr von CHF 80 auf CHF 14 reduziert (Handelswährung CHF, ohne Steuern und Abgaben). Im Gegenzug zu den billigeren Transaktionskosten zahlt der Kunde für Beratungsleistungen, welche er im Rahmen seines Mandates in Anspruch nimmt. Dabei ist je nach Paket eine bestimmte Anzahl an Beratungsgesprächen inklusive. Möchte der Kunde mehr Beratungsleistungen beziehen, bezahlt er diese separat.

Wie in Abbildung 1 ersichtlich, bietet die Baloise Bank SoBa neben dem Paket „selfTrade“ (nicht abgebildet; für selbständige Anleger ohne Beratungsbedarf) vier Beratungspakete an. Je nach Paket erhebt sie dabei verschieden hohe Gebühren. Zum Beispiel zahlt ein Kunde des Pakets „Basic“ eine jährliche All-in Gebühr von 0.60%. Diese beinhaltet sowohl die Depotverwaltungskosten, wie auch jährlich vier Kurzberatungen und ein längeres Reviewgespräch. Für die Ausführung von Transaktionen werden die üblichen Courtagen separat belastet. Wählt ein Kunde das Paket „Select“, so sind in der All-in Gebühr von 1.08% p.a. alle Kurzberatungen, zwei Reviewgespräche und 24 Transaktionen pro Jahr inbegriffen. Im Vergleich zum Paket „Basic“ erhält der Kunde für die höhere Gebühr somit mehr Beratungsleistungen, wie auch eine vordefinierte Anzahl an Transaktionen.
Zahlungsbereitschaft der Kunden
Die Herleitung der Höhe der Gebühren wurde unter anderem mithilfe einer Befragung unter bestehenden und potenziellen Kunden verifiziert. Wie in Abbildung 2 zu sehen, waren die Befragten bereit, zwischen 0.32% p.a. und 0.95% p.a. für das Beratungspaket „Basic“ zu bezahlen (untere und obere Preisgrenzen). Die effektiv gewählte Gebühr von 0.60% p.a. liegt zwischen dem optimalen Preis von 0.50% p.a. und dem indifferenten Preis von 0.62% p.a.

In einer kürzlich von der Swisscom und dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ veröffentlichten Studie wurde zudem aufgezeigt, dass die Mehrheit der Retail-Anleger bereit ist, für persönliche Beratung zu bezahlen, falls im Gegenzug die Kosten für die Umsetzung des Anlageentscheids reduziert werden.
Fazit
Mehrere Banken sind derzeit daran, ihre Pricing-Modelle im Anlagegeschäft anzupassen. Generell ist aber festzustellen, dass viele Banken Mühe haben, ihren Kunden Gebühren für Beratungsleistungen zu belasten bzw. diese zu rechtfertigen. Wie die Baloise Bank SoBa und auch unsere Studie jedoch zeigen, sind Kunden durchaus bereit, für Beratungsleistungen zu zahlen, wenn im Gegenzug die Kosten für die Umsetzung des Anlageentscheides reduziert werden (d.h. tiefere Depotverwaltungs- und Transaktionsgebühren). Entsprechend sind wir der Meinung, dass die Baloise Bank SoBa (oder beispielsweise auch die Credit Suisse mit ihrem Modell „Credit Suisse Invest“) mit ihrer neuen Gebührenstruktur im Anlagegeschäft einen Weg einschlägt, welchen wir als zukunftsträchtig fürs (Retail) Banking erachten.
Was uns am Modell gefällt, ist die Idee, dass man das Pricing basierend auf den verschiedenen Stufen der Beratungsintensität und auf Basis des Aktivitätsniveaus der Kunden vornimmt. Abhängig vom Profil bezahlen die Kunden einen faireren Preis als im ansonsten üblichen Modell, in welchem die Beratung – auch von solchen Personen, die keine Beratung benötigen bzw. wünschen – durch Depotkosten und Courtagen quersubventioniert wird. Es ist zudem durch die zunehmende Regulierung sinnvoll, zwischen Kunden, die ausschliesslich selbst handeln, und solchen, die aufgrund einer Beratung handeln, auch vertraglich klar zu unterscheiden.
Gleichzeitig halten wir die Gebühr von 0.60% p.a. im Paket „Basic“ für einen puren „Buy-and-Hold“ Anleger, welcher keine oder nur wenige Transaktionen pro Jahr vornimmt und wenig Beratungsleistungen benötigt, als eher hoch (aber es entspricht offenbar der Zahlungsbereitschaft der Kunden). Dieser wäre unseres Erachtens bei Paket „selfTrade“, welches ohne Beratungskomponente auskommt und dafür eine tiefere Gebühr von 0.24% p.a. erhebt, besser aufgehoben. Sofern ein Kunde sich jedoch bei seinem Berater absichern möchte, ob sein Portfolio bzw. die geplanten Transaktionen zu seinem Risikoprofil passen, kann das Paket „Basic“ trotzdem Sinn machen. Ebenso möchten wir anmerken, dass die Beratungsleistung insgesamt eher indirekt, nämlich über die Depotgebühr als „All-in-Gebühr“, eingepreist wird. Und hier fällt generell auf, dass die Depotgebühr als zentrale Steuerungsgrösse bei vielen Banken je länger je teurer wird. Aus Sicht der Bank ist dies natürlich wünschenswert, da daraus eine stabilere Einnahmequelle resultiert, welche nur marginal von den (volatilen) Handelsaktivitäten der Kunden abhängt. Aus Sicht eines eher passiven „Buy-and-Hold“ Kunden erhöhen sich möglicherweise jedoch die fixen Gebühren im Anlagegeschäft. Gleichzeitig ist es aber sowohl aus Gründen der Einfachheit als auch aus Gründen der Akzeptanz seitens der Kunden möglicherweise der richtige Weg, die Beratungskosten in der Kategorie der Depotgebühren zu subsumieren.
Wir sind gespannt, ob bzw. wann weitere Schweizer Banken den Schritt wagen, für Beratungsleistungen Gebühren zu erheben und damit ein ähnliches Gebührenmodell wie die Baloise Bank SoBa bei ihrem BIA einführen werden.
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6. Mai 2015
Digitalisierung – im Grunde ein Change Projekt
Hier stellt sich die Frage, wie man intern verhindern kann, dass Digitalsierungs-Initiativen vor allem „just another IT Project“ werden. Hindernisse werden nämlich vor allem in den Bereichen „Kultur“ und „Zusammenarbeit“ gesehen. Kein Wunder, denn die digitale Welt eröffnet eine unglaubliche Vielfalt an Diffenzierungsmöglichkeiten. Das… Mehr Informationen
Hier stellt sich die Frage, wie man intern verhindern kann, dass Digitalsierungs-Initiativen vor allem „just another IT Project“ werden. Hindernisse werden nämlich vor allem in den Bereichen „Kultur“ und „Zusammenarbeit“ gesehen. Kein Wunder, denn die digitale Welt eröffnet eine unglaubliche Vielfalt an Diffenzierungsmöglichkeiten. Das zeigt allein die Möglichkeiten beispielsweise von Wikifolio. Jeder kann mit wenig Aufwand seine eigene Anlageidee verwirklichen und Kunden anwerben. Und das macht die Welt schnell und ein Stück weit unkontrollierbar. Kein Wunder, dass in Banken, in denen nichts schnell geht und alles kontrolliert wird, hier – vorsichtig formuliert – kulturelle Vorbehalte herrschen.
Doch wie bringt man die firmeninterne Kultur und die firmenexternen Rahmenbedingungen eines immer schneller, digitaler und differenzierter werdenden Wettbewerbs zusammen. Eine weitere Studie der DB Research skizziert den Wandel der Bank hin zu einem „Digitalen Ökosystem“. Um solch einen „Grossen Wurf“ jedoch umsetzen zu können, empfiehlt sich, derartige Initiativen als Change-Projekt zu verstehen. Um die damit verbundenen notwendigen Schritte und Ideen kurz zu beschreiben, möchten wir ein von uns entwickeltes Modell vorstellen:
- Veränderungen beschreiben
Erster Schritt dieses Modell ist die detaillierte Beschreibung der Veränderung die sich durch die Digitalisierung für die Bank ergibt. Die Frage: Wo wollen wir gesamthaft hin und wie können wir Digitalisierung nutzen, um dem Wettbewerb zu begegnen. Doch was heisst das für den einzelnen Mitarbeiter? Es wird daher neben einem gesamtunternehmerischen Zielbild auch geprüft, welches genau die Veränderungen sind, die sich im Vergleich zum bisherigen Verhalten an einzelnen Touchpoints mit dem Kunden aber auch intern ergeben müssen, um Prozesse schneller und differenzierter zu machen. Dementsprechend werden führbare KPIs definiert, anhand deren die Veränderung für das Management der Bank messbar wird. Wichtig ist es, in dieser Phase das notwendige Sensemaking beim Mitarbeiter zu erzielen. Er muss die Frage nach dem „Warum“ der Veränderung beantworten können. - Unterstützung generieren
In einem zweiten Schritt werden Unterstützer für definierten Veränderungen gesucht und deren Botschaften zur Weisung festgelegt. Ein idealer Machtpromotor ist hier der CEO der Bank. Weiterhin werden für die einzelnen Touchpoints Botschafter der Veränderung involviert. Es ist dabei notwendig, über das Projektteam hinweg weitere Mitarbeiter in der Organisation zu involvieren. Der Einführungsplan soll definieren, welche Mitarbeiter wann genau involviert werden. Ziel dieser Phase ist es durch den Machtpromotor einerseits den notwendigen Veränderungsdruck auf die Mitarbeiter aufzubauen, andererseits aber auch durch ein breites Involvement an allen betroffenen Touchpoints die Veränderung durch Personen greifbar zu machen, um vom etwas abstrakten Begriff der Digitalisierung zum gelebten Kundenerlebnis zu kommen. - Kompetenzen aufbauen
Im dritten Schritt geht es darum, die notwendigen Kompetenzen bei den Mitarbeitern aufzubauen. Nur wenn die Mitarbeiter zu 100% verstanden haben, wie sie dem Anspruch einer digitalisierten Bank durch konkrete Verhaltensweisen gerecht werden können, werden sie die Veränderung akzeptieren. Dies gilt vor allem für die Vernetzung der Bank-Systeme und Prozesse mit denen der Kunden als auch mit denen anderer Anbietern, die dafür sorgen, den Kunden besser kennen zu lernen und ihm einen Zusatznutzen zu liefern. Die Nutzung der SIX- Peer to Peer Zahlungsplattform durch UBS und ZKB zeigt auf, dass Banken nicht alles selber machen können und sollten, um für ihren Kunden erfolgreich zu sein. Das kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn einzelne Mitarbeiter solche Kooperationen anstossen und auch pflegen. Gleiches zeigt die Studie von DB Research in Bezug auf die Generierung von Wissen über den Kunden. - Für Energie sorgen
Gleichfalls gilt es die Mitarbeiter zu sensibilisieren aber auch durch das Angebot an Unterstützung und durch die Abgabe gezielt dafür entwickelter Hilfsmittel zu begeistern. Nur so wird die notwendige positive Veränderungsenergie für die Vorhaben der Digitalisierung erzielt und deren Erfolg erst möglich gemacht. Ziel muss es sein, dass die Veränderung im Verhalten einerseits als notwendig und unausweichbar verstanden wird andererseits aber auch als wertvoll und involvierend „daher kommt“. Das Ziel muss also sein, dass Mitarbeiter durch die Digitalisierung kompetenter werden, das aber auch wissen und stolz darauf sind.
Gesamthaft und das zeigt auch die Diskussion über meinen letzten Blogpost „das digitale Service Center“ verstehen Banken Digitalisierung noch zu wenig als Kulturprojekt und gesamthafte Möglichkeit schneller und differenzierter zu werden. Die Frage dabei ist, ob sich das ändern kann. Selbst bei der Deutschen Bank wird das inzwischen kritisch gesehen.
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memo66
18. Mai 2015
Neben der Digitalisierung hat auch der Telefonverkauf an Bedeutung gewonnen. Telesales von einem Call Center werden immer wichtiger, da spezialisierte Mitarbeiter sich um die Belangen der Kunden bemühen. Der Call Center Schweiz Callexpert bietet beste Lösungen für Telemarketing, Lead Management Adressbeschaffung und Adressqualifizierung an. Der Call Center Zürich ist für zahlreiche erfolgreiche Unternehmen tätig und lässt keine Kundenwünsche offen.
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.






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Werner Zaugg
6. Juli 2015
Das VZ geniesst bereits längerfristig einen sehr guten Ruf bei der persönlichen Beratung. Da ist es nicht verwunderlich, dass Kunden hier auch mehr Vertrauen haben in diese E-Investment Form. Für traditionelle Banken, mit einem in letzter Zeit eher fraglichen Ruf, braucht es da wesentlich mehr als ein "einfaches Anlage-Tool". Ich persönlich stehe nach wie vor dazu, dass die Regulierung der Finanzintermediäre ohne Bankenstatus viel zu streng gehandhabt wird, zumal es sich hier eher um Bankenschutz als Kundenschutz geht (an die Adresse der FINMA). In letzter Zeit wurden auch viel seltener Fälle von schwarzen Schafen bei den freien Finanzintermediären publik. Das spricht sicherlich für die gute Qualität der Selbstregulierung und der Ausbildung der FI. Die elektronischen Tools bergen auch unbekannte Risiken, wie Cyberkriminalität, Cyberwar, und Cyberterrorismus, etc. die in den Risikoauflistungen der Vermögensverwaltungsverträgen erst langsam Einzug finden. Eine persönliche Beratung ziehe ich vor. Ich kann ja immer noch selber entscheiden, welche Papiere ich in meinem Portfolio schlussendlich haben möchte. Obschon sich die elektronische Verarbeitung von heiklen Daten stark entwickelt hat, mahne ich zur Vorsicht und zur Skepsis. Mit einem geringen "Spielkapital" von maximal 5 % des Vermögens, kann der Anleger diese Anlageplattform ausprobieren und später bei Vertrauensgewinn, auch etwas höher gehen. Für die meisten Kleinanleger bleibt aber die persönliche Beratung nach wie vor de bessere Option. Werner Zaugg
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.