14. September 2026
ETFs gewinnen im Schweizer Anlagegeschäft an Bedeutung. Dabei verändert sich nicht nur, welche Produkte Anleger nutzen, sondern auch, wie sie investieren und wo sie sich über Finanzanlagen informieren. Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 zeigt in diesen Themenbereichen drei zentrale Erkenntnisse: ETFs werden überwiegend als Ergänzung bestehender Portfolios eingesetzt, ETF-Anleger verwalten ihre Anlagen überdurchschnittlich häufig selbst und jüngere Anleger nutzen andere Informationskanäle als ältere. Für Banken und Produktanbieter ergeben sich daraus neue Anforderungen an Angebot, Beratung und Vertrieb.
ETFs ersetzen bestehende Anlageformen bislang nur teilweise. Vielmehr werden sie von den meisten Anlegern als komplementärer Baustein innerhalb eines breiteren Portfolios eingesetzt. 52 Prozent der ETF-Anleger investieren weniger als ein Viertel ihres Anlagevermögens in ETFs, insgesamt halten 78 Prozent höchstens die Hälfte ihres Vermögens in ETFs (Abbildung 1). Reine oder weitgehend auf ETFs ausgerichtete Portfolios bleiben dagegen die Ausnahme. Lediglich 7 Prozent der Anleger weisen einen ETF-Anteil von mehr als 75 Prozent auf.

Abbildung 1: Anteil ETFs in Prozent des Anlagevermögens bei Schweizer ETF-Anlegern (Quelle: ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025)
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das Wachstumspotenzial von ETFs nicht allein in der Gewinnung neuer Anleger liegt. Zusätzlich besteht Potenzial für eine stärkere Integration von ETFs in bestehende Portfolios. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, welche Rolle ETFs im Zusammenspiel mit anderen Anlageformen einnehmen. Für Produktanbieter ergibt sich daraus die Möglichkeit, ETFs gezielt als komplementäre Portfoliobausteine zu positionieren, etwa zur kosteneffizienten Diversifikation, als Kerninvestment oder zur Abdeckung spezifischer Märkte und Anlageklassen.
ETFs werden besonders häufig in selbstverwalteten Portfolios eingesetzt. 64 Prozent der ETF-Anleger verwalten ihre ETF-Anlagen selbst, gegenüber 42 Prozent aller Schweizer Anleger (Dietrich und Agnesens, 2023). Dies zeigt sich auch bei der Anbieterwahl: 49 Prozent der ETF-Anleger nutzen Online-Banken. Unter allen Schweizer Anlegern liegt die Nutzung von Online-Banken dagegen bei lediglich 29 Prozent (Dietrich et al., 2024).
Die Ergebnisse deuten auf eine zunehmende Verlagerung des ETF-Investmentgeschäfts zu digitalen und spezialisierten Anbietern hin. Insbesondere bei selbstverwaltenden Anlegern nimmt die Bedeutung der klassischen Bündelung von Beratung, Produkt und Transaktion bei der Hausbank ab. Anlageentscheidungen und deren Umsetzung erfolgen zunehmend über unterschiedliche Anbieter. Zudem sind ETF-Investoren überdurchschnittlich gebührensensibel. Gleichzeitig besteht bei bisherigen Nicht-ETF-Anlegern Potenzial für Banken: 82 Prozent wurden von ihrer Bank bislang nicht auf ETFs aufmerksam gemacht. Dies ist besonders relevant, da Nicht-ETF-Anleger häufiger älter sind und stärker auf klassische Bankberatung setzen.
Für Banken und andere Produktanbieter ergeben sich damit je nach Kundengruppe unterschiedliche Anforderungen. Bei jüngeren und selbstverwaltenden Anlegern gewinnen wettbewerbsfähige digitale Anlageangebote an Bedeutung. Bei älteren und bisherigen Nicht-ETF-Anlegern bietet die bestehende Beratungsbeziehung Potenzial für eine stärkere Berücksichtigung von ETFs. Eine zielgruppenspezifische Ansprache über die jeweils relevanten Kanäle wird damit zunehmend zum Wettbewerbsfaktor im Anlagegeschäft.
ETF-Anleger sind vergleichsweise jung: 59 Prozent sind jünger als 45 Jahre und die Informationskanäle unterscheiden sich deutlich nach Alter (Abbildung 2). Jüngere ETF-Anleger werden vor allem über Bekannte (38 Prozent), Finanzportale (35 Prozent) und Finanzblogs (34 Prozent) auf ETFs aufmerksam. Bankberater spielen mit 19 Prozent eine geringere Rolle. Bei älteren ETF-Anlegern dominieren dagegen Bankberater (41 Prozent) und Presse (35 Prozent), während Finanzportale mit 33 Prozent ebenfalls relevant sind.

Abbildung 2: Informationskanäle von ETF-Anlegern nach Alterskategorie (Quelle: ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025)
Für Banken und Produktanbieter ergibt sich daraus die Notwendigkeit, ihre Präsenz stärker an den Informationskanälen unterschiedlicher Anlegergruppen auszurichten. Mit der zunehmenden Bedeutung selbstbestimmten und digitalen Investierens wird die Kundenschnittstelle im Investmentgeschäft zunehmend auch ausserhalb der klassischen Bankberatung geprägt.
ETFs gewinnen nicht nur als Anlageprodukt, sondern auch als Bestandteil bestehender Portfolios zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig verändern Selbstverwaltung und digitale Informationskanäle die Art, wie Anleger ihre Anlageentscheidungen treffen und umsetzen. Für Banken und Produktanbieter wird es daher wichtiger, unterschiedliche Anlegergruppen gezielt über die jeweils relevanten Informations- und Vertriebskanäle anzusprechen. Insbesondere digitale Angebote gewinnen dabei weiter an Bedeutung.
Ausblick ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026
Die Ergebnisse der ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 werden am 20. Oktober 2026 im Rahmen der Swiss ETF Awards im KINOKONI in Zürich präsentiert. Die Studie beleuchtet aktuelle Entwicklungen im Schweizer Fondsmarkt auf Basis von Marktdaten und einer repräsentativen Befragung von Schweizer Anlegerinnen und Anlegern. Im Fokus stehen die Entwicklung von ETF-Durchdringung und ETF-Wissen, der Einsatz von ETFs sowie die Informationskanäle und die Rolle von FinFluencern. Weitere Schwerpunkte bilden die Bedeutung und Bekanntheit der Anbietermarken sowie die Verbreitung von ETF-Sparplänen und aktiven ETFs.
Literatur
Dietrich, A., Rey, R., & Amrein, S. (2024). Proprietäre Datenaufbereitung aus der Umfrage: Krypto-Anlagen in der Schweiz – Bekanntheit, Relevanz und Investitionsgrunde. In: Dietrich, A., Amrein, S., Lengwiler, C., & Passardi, M. (Hrsg.) (2024). IFZ Retail Banking-Studie 2024, 65–85.
Dietrich, A., & Agnesens, T. (2023). Digitale Plattformen für die Anlageberatung. Abgerufen am 03.09.2026, von https://hub.hslu.ch/retailbanking/digitale-plattformen-fuer-die-anlageberatung/
Mattmann, B., Döhnert, K., Fausch, J. & Gattlen, A. (2025). ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025. Hochschule Luzern. Abgerufen am 03.09.2026, von: https://www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/ueber-uns/medien/medienmitteilungen/2025/10/22/etf-anlegerstudie-2025/
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