5. Mai 2026
Regionalbanken und Sparkassen,
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) hat in Zusammenarbeit mit e.foresight zum sechsten Mal untersucht, wie hoch der Digitalisierungsgrad von 47 in der Schweiz tätigen Retailbanken und Digitalbanken im Privatkundengeschäft ist. Dabei wurden 145 verschiedene Faktoren berücksichtigt, um digitale Funktionalitäten, Dienstleistungen und Produkte zu analysieren. Im Blog fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und stellen die 15 digital führenden Banken der Schweiz vor.
Ob eine Retailbank als «digital» gilt oder nicht, hängt oft davon ab, wer die Einschätzung vornimmt und nach welchen Massstäben dies untersucht wird. Solche Urteile sind oftmals wenig transparent und dadurch schwer vergleichbar. Die vorliegende Studie wurde bereits zum sechsten Mal durchgeführt (vgl. Vorjahresstudien 2025, 2024) und basiert auf einem transparenten Kriterienkatalog, der objektive und vergleichbare Ergebnisse ermöglicht. Gleichzeitig wird sie laufend anhand von Teilnehmer-Feedback und dem digitalen Wandel im Finanzsektor weiterentwickelt.
Die wichtigsten Erkenntnisse in 2 Min 32 Sec
Vorgehen
Zu diesem Zweck hat das IFZ gemeinsam mit dem Innovations-Think-Tank e.foresight der Swisscom im Februar 2026 insgesamt 42 Retailbanken und 5 Digitalbanken mittels eines detaillierten Fragebogens untersucht. Analysiert wurde, welche digitalen Funktionalitäten, Produkte und Dienstleistungen im Privatkundensegment angeboten werden. Angebote für Firmenkunden wurden dabei bewusst ausgeklammert. Ziel der Analyse ist es, eine objektiv nachvollziehbare Grundlage für den Vergleich der Banken zu schaffen.
Die entsprechende systematische Erfassung von Funktionalitäten, Produkten und Dienstleistungen wurde in zwölf Themenblöcke «Funktionalitäten auf Website & generelle Serviceangebote», «E-Banking», «Mobile Banking», «Touchpoints und Kundeninteraktion», «Finanzieren», «Anlegen und Vorsorgen», «Zahlen», dem «Digitalisierungsgrad in der Filiale», «Bank-nahe Dienstleistungen», dem Einsatz von «Data Science/Analytics und Machine Learning», der «Automatisierung und Prozesseffizienz», und dem Einsatz von verschiedenen «Technologien» eingeteilt. In Abbildung 1 sind die zwölf Themenblöcke ersichtlich. Die Anzahl der abgefragten Funktionalitäten pro Block ist jeweils in den Boxen unten rechts ersichtlich.

Abbildung 1: Messkonzept und Anzahl untersuchte Elemente pro Themenblock
Die Anzahl der analysierten Faktoren hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 138 auf 145 erhöht. Es gab zudem einige Veränderungen im Fragebogen. Es wurden 13 neue Funktionen aus den Bereichen E-Banking und Mobile-Banking hinzugefügt. Die grösste thematische Neuerung gegenüber dem Vorjahr ist die dezidierte Berücksichtigung des Themas Fraud, das über die bestehenden Themenblöcke hinweg integriert wurde. Aufgrund der hohen Abdeckung von mehr als 85 Prozent und/oder des Teilnehmerfeedbacks wurden 6 Funktionalitäten aus dem Vorjahr gestrichen.
Somit sind die Ergebnisse dieses Jahres nicht direkt mit denen des Vorjahres vergleichbar.
Wie in den Vorjahren stand ausschliesslich die Verfügbarkeit digitaler Funktionalitäten im Mittelpunkt der Analyse. Qualität und Nutzererlebnis («User Experience», UX) der untersuchten Angebote wurden bewusst ausgeklammert. Gleiches gilt für technische Grössen wie die Performance von Webseiten oder E-Banking sowie für schwierig messbare Faktoren wie die «digitale Kultur» oder die «Agilität der Organisation». An einzelnen Stellen wurde jedoch bewusst differenzierter befragt, etwa zum Headcount im Bereich Data Analytics oder zur Anzahl eingesetzter RPAs.
Wir vertreten nach wie vor die Ansicht, dass eine breite Abdeckung von Funktionalitäten eine gute Bewertungsgrundlage darstellt, denn Kundinnen und Kunden erwarten für unterschiedliche Situationen jeweils passende digitale Lösungen (vgl. Blog-Artikel zur Studie). Dass die Kundschaft dabei sehr situationsspezifisch vorgehen, zeigt auch unsere kürzlich publizierte Studie zum Kanalverhalten bei Kreditkartenproblemen (vgl. hier).
Um den Digitalisierungsgrad im Privatkundengeschäft der einzelnen Banken miteinander zu vergleichen, wurden zwei Werte berechnet.
Der Maximalwert beträgt 145 Punkte (ungewichtete Variante) respektive 16.26 Punkte (gewichtete Variante) und wäre erreicht, wenn alle in dieser Studie untersuchten Funktionalitäten, Produkte und Dienstleistungen von einer Bank angeboten würden. Nachfolgend zeigen wir auf, wie nahe die in der Schweiz tätigen Banken diesem Maximalwert kommen und wo noch Potenzial besteht.
Welches ist die digitalste Schweizer Retailbank im Privatkundengeschäft? Die Ranglisten
Die ersten vier Plätze bleiben unabhängig vom Messansatz unverändert (vgl. Abbildung 2). Die UBS verteidigt ziemlich souverän die Spitzenposition, gefolgt von der Migros Bank und dem VZ Depotbank auf den Plätzen zwei und drei. PostFinance, die sich im Vorjahr stark verbessert hatte, behauptet auch in diesem Jahr Rang vier.
Zu den Aufsteigern zählt die Valiant Bank, die ihren Aufwärtstrend der letzten Jahre fortsetzt und sich in beiden Rankings auf Rang 7 vorarbeitet.
Die LUKB verbessert sich jeweils um einen Platz und landet im gewichteten Ranking unter den Top 5 – hier behauptet sie sich knapp vor der Banque Cantonale Vaudoise.
Die stärkste Verbesserung innerhalb der Top 15 verzeichnet die LLB, die im gewichteten Ranking gleich vier Plätze gutmacht und auf Rang 11 springt.
Aus dem nicht gezeigten Verfolgerfeld hervorzuheben ist die Alpha Rheintal Bank, die sich um beachtliche 16 Plätze auf Rang 25 verbessert.
Als erstmalige Teilnehmerin schafft es Swissquote auf Anhieb in die Top 15 und belegt in beiden Rankings den 9. Platz. Bei den Kantonalbanken zeigen sich die Thurgauer Kantonalbank und die Aargauische Kantonalbank stabil und legen im ungewichteten Ranking je einen Platz zu.
Die grössten Rückschritte verzeichnen Raiffeisen (zwei resp. einen Platz), die St. Galler Kantonalbank (4 Plätze im gewichteten Ranking), die Banque Cantonale de Genève (jeweils zwei Platzverluste) und die Hypothekarbank Lenzburg (jeweils einen Platzverlust).
Nicht mehr unter den Top 15 zu finden ist die Zürcher Kantonalbank: Sie belegt nun den 16. Rang im ungewichteten Ranking und wurde aus der Spitzengruppe verdrängt.
Wie ersichtlich wird, variieren die einzelnen Ränge zwischen den beiden Messmethoden leicht. Die grundsätzliche Aussagekraft wird durch die Gewichtung der einzelnen Themenblöcke aber nicht bedeutend verändert.

Abbildung 2: Rangliste der digitalsten Retailbanken der Schweiz (linke Tabelle: ohne Gewichtung, rechts: gewichtete Rangliste)
Das Subranking Mobile Banking
Mobile Banking ist zentral und gewinnt weiter an Bedeutung. Entsprechend haben wir ein separates Subranking mit 88 erhobenen Funktionalitäten erstellt: An der Spitze liegen unverändert UBS, Migros Bank, VZ Depotbank und PostFinance, gefolgt von Revolut auf Rang fünf und Swissquote auf Rang sechs. Auffällig ist auch die Positionierung von weiteren Digitalbanken. Neon (Rang 13) und Yuh (Rang 15) liegen ebenfalls in den Top 15, was zeigt, dass Digitalbanken in ihrem Kerngeschäft Mobile Banking im Durchschnitt bereits mehr Funktionalitäten als viele traditionelle Banken anbieten und schon heute in der Spitzengruppe angekommen sind.

Abbildung 3: Rangliste Mobile Banking in der Schweiz (basierend auf 88 angegebenen Funktionalitäten)
Rankings der einzelnen Themenblöcke
Wir haben zusätzlich noch weitere Sub-Rankings für die oben vorgestellten Themenblöcke erstellt. Nachfolgend zeigen wir Ihnen einige selektierte Erkenntnisse daraus:
Generelle Entwicklungen & Vorjahresvergleich
43 der 47 untersuchten Banken nahmen bereits im Vorjahr teil. Die nachfolgenden Ergebnisse beziehen sich auf die Entwicklung dieser 43 Banken im Rahmen eines Vorjahresvergleichs.
Funktionsumfang und Auffälligkeiten bei Funktionalitäten
Neben dem Gesamtranking lohnt sich ein genauerer Blick auf die Ebene der einzelnen Funktionalitäten. Besonders aufschlussreich ist dabei die Verteilung im Mobile-Banking und E-Banking.
Fazit
Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Resultate können folgende Konklusionen gezogen werden:
PS: Wir möchten diese Untersuchung auch in Zukunft regelmässig durchführen, damit wir die Entwicklungen der einzelnen Banken und des gesamten Finanzplatzes besser beurteilen können. Gerne nehme ich hierfür auch weitergehendes Feedback (fehlende Funktionalitäten, etc.) entgegen (andreas.dietrich@hslu.ch).
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