6. Oktober 2014

Digitalisierung

meetinvest: Erste Social Media Plattform für die (Schweizer) Finanzwelt

Erst kürzlich hat die Meldung für Schlagzeilen gesorgt, dass die Credit Suisse ein „Facebook für Reiche“ plant, auf welchem Nutzer Inhalte auf der Plattform teilen und sich mit anderen Nutzern direkt oder in Gruppen zu ihren persönlichen Anlage-Interessen austauschen können. Ebenfalls gibt es seit rund 1.5 Jahren die Plattform eamXchange, eine Business Plattform der Credit Suisse für unabhängige Vermögensverwalter, auf der Ideen und Meinungen mit Kollegen sowie Credit Suisse Experten diskutiert werden können.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Erst kürzlich hat die Meldung für Schlagzeilen gesorgt, dass die Credit Suisse ein „Facebook für Reiche“ plant, auf welchem Nutzer Inhalte auf der Plattform teilen und sich mit anderen Nutzern direkt oder in Gruppen zu ihren persönlichen Anlage-Interessen austauschen können. Ebenfalls gibt es seit rund 1.5 Jahren die Plattform eamXchange, eine Business Plattform der Credit Suisse für unabhängige Vermögensverwalter, auf der Ideen und Meinungen mit Kollegen sowie Credit Suisse Experten diskutiert werden können. Mit meetinvest ist seit dem 1. Oktober nun eine Plattform live, welche auf private Personen abzielt, die sich fürs Anlegen interessieren und darüber hinaus den Austausch mit interessierten Personen suchen. Geschäftssitz von meetinvest ist in Baar.

Mission und Unternehmenszweck von meetinvest

Die Mission von meetinvest ist es, den „Menschen die Möglichkeit zu geben, wie ein Experte zu investieren und sich mit anderen gleichgesinnten Leuten auszutauschen“. Der Unternehmenszweck ist angegeben mit „Betrieb eines sozialen Online-Netzwerks miteinander verbundener und nicht verbundener Investoren aus der ganzen Welt, welche in jegliche Arten von Vermögensarten investieren und über das Netzwerk Informationen austauschen können. Der Betrieb beinhaltet die Zurverfügungstellung von Resultaten gängiger publizierten Anlagestrategien (…).“

Aktieninvestitionen wie die Legenden…

Das derzeitige Herzstück dieser Social Media Finanz-Plattform ist eine Stock Selection und Backtesting Anwendung, welche Investoren aufzeigt, in welche Aktien sie investieren könnten, um die Anlagestrategien erfolgreicher Investment-Experten kopieren zu können. Ein sogenanntes „Stock-Picking Instrument“ filtert täglich rund 68‘000 Aktien auf Bloomberg nach den verschiedenen Kriterien von 18 Strategien von zwölf Investment-Ikonen. Als Nutzer kann man diejenigen Unternehmen heraussuchen, welche die entsprechenden Filterkriterien erfüllen. Dabei werden nicht die tatsächlich gekauften Aktien dieser Experten aufgezeigt, sondern es werden jene Titel angezeigt, welche die Kriterien der Experten erfüllen. Man sieht also „nur“, welche Titel zur Anlage-Philosophie der entsprechenden Experten passen. Mir persönlich hat dieses innovative Angebot aber einige interessante Ideen für mögliche Aktieninvestments gegeben. Handeln kann man auf meetinvest allerdings nicht.

meetinvest II market leaders und portfolio
Abbildung 1: Titel, welche für Westeuropa (Filter) auf die Market Leader Strategie von James O’Shaughnessy passen (und Verteilung bei einer Investition von USD 100‘000)

Gruppenfunktionen und Following/Followers

Nutzer können die Plattform auch verwenden, um sich mit anderen Menschen aus der ganzen Welt über ihre Anlage- oder auch Sammlerinteressen auszutauschen. Basierend auf dem bewährten Newsfeed Konzept von Facebook können Nutzer auch auf meetinvest verschiedene Beiträge teilen. Als Nutzer kann man die entsprechende Neuigkeit als „Helpful“ bezeichnen, was der Funktion von Facebook’s „Like“-Button entspricht.
Ebenso gibt es auf meetinvest die klassische following/follower-Funktion (ähnlich wie bei Twitter, d.h. keine klassischen Freundesanfragen mit Rückbestätigung).
Gebildet werden können auch Gruppen mit gemeinsamen Interessen. Diese können sich danach zu spezifischen Themen austauschen.

meetinvest IV FEED pixel
Abbildung 2: Newsfeed auf meetinvest (Followers wurden für diesen Printscreen verpixelt)

Die Beurteilung

Grundsätzlich finde ich den Ansatz von meetinvest interessant und ich sehe auch Potenzial in dieser Idee. Sie spricht nicht nur Fachleute, sondern auch einfache und kleine Investoren an. Damit sie auch wirklich erfolgreich wird, benötigt sie jedoch nebst qualitativ hochstehenden Beiträgen auch aktiv unterhaltene Gruppen mit einem gewissen Mass an Moderation.

Positiv ist, dass das Angebot (derzeit) noch kostenlos und werbefrei ist. Der Registrierungsprozess ist einfach und schnell. Da die Ideen und der Aufbau relativ stark an Facebook und Twitter angelehnt sind, findet man sich schnell zurecht. Für innovativ und spannend halte ich auch die Idee mit den Investment-Strategien und den daraus resultierenden Stock Pickings. Die Hintergründe zu den Strategien sind interessant und ein schönes „nice to have“.

Auf der anderen Seite sehe ich auch verschiedenes Verbesserungspotenzial:

  • Die Strategiefunktion ist zwar interessant, bietet aber meines Erachtens noch Ausbaupotenzial. So ist diese derzeit nur auf Aktien ausgelegt. Es wäre hier sicherlich sinnvoll, dass das Anlageuniversum in einem späteren Schritt auch noch auf andere Anlageklassen ausgeweitet wird.
  • Ebenso wäre es wünschenswert, dass auch die individuelle Allokation von Mitteln bzw. die individuelle Zusammenstellung von Portfolios aufgezeigt werden könnten. Derzeit kann man sein eigenes individuelles Portfolio nicht mit seinen Followers teilen oder diskutieren.
  • Was zurzeit noch fehlt ist mobile Website (vgl. früherer Artikel auf diesem Blog zum Thema mobile Webseiten bei Schweizer Banken), d.h. eine geräteabhängige Optimierung des Webseiten-Designs (sog. Responsive Design). Aus meiner Sicht ist es gerade für ein solches Produkt wie meetinvest speziell wichtig, eine auf das Mobile optimierte Website anzubieten. Wie oben schon erwähnt, existiert die Seite aber erst seit dem 1. Oktober. Das entsprechende Projekt kann auch noch später angegangen werden. Ebenso ist offenbar eine App Version auf das nächste Jahr geplant.
  • Momentan gibt es in der Umsetzung noch kleine Schönheitsfehler (Glossar nicht alphabetisch; Grafik „Hypothetische Performance“ ohne Zeitachse; bei der Personensuche findet man auch sich selbst; Darstellung der Strategien finde ich derzeit noch eher unübersichtlich). Diese kleinen Fehler werden jedoch sicherlich bald ausgemerzt. Ich bin sehr gespannt, wie diese Idee aufgenommen wird. Der Erfolg steht und fällt mit interessanten Beiträgen und Benutzern. Ebenso wird es sicherlich herausfordernd sein, als neue und neutrale Plattform ohne renommierten Partner aus der Industrie einen hohen Bekanntheitsgrad aufzubauen. Sofern die kritische Grösse aber erreicht wird, hat meetinvest durchaus Chancen, eine bedeutende Social Media Plattform rund um das Thema Investments zu werden.

Ich bin sehr gespannt, wie diese Idee aufgenommen wird. Der Erfolg steht und fällt mit interessanten Beiträgen und Benutzern. Ebenso wird es sicherlich herausfordernd sein, als neue und neutrale Plattform ohne renommierten Partner aus der Industrie einen hohen Bekanntheitsgrad aufzubauen. Sofern die kritische Grösse aber erreicht wird, hat meetinvest durchaus Chancen, eine bedeutende Social Media Plattform rund um das Thema Investments zu werden.

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EBENFALLS INTERESSANT: IG, EIN CFD-BROKER, IST SEIT HEUTE EBENFALLS IN DER SCHWEIZ AKTIV.

Hierzu konnte ich mit dem CEO ein kurzes schriftliches Interview führen:

1. Die IG Bank S.A. in Genf tritt ab sofort als Dienstleisterin auf dem Markt auf. Worauf kann sich der Schweizer Kunde freuen?

Wir sind ein hoch reguliertes Unternehmen, das in London der wohl strengsten Aufsicht weltweit untersteht und dort auch an der Börse kotiert ist. Weltweit betreut IG über 126 000 Kunden. Mit IG Bank S.A. haben wir in der Schweiz nun eine Tochtergesellschaft eröffnet mit dem Ziel, unseren Kundenstamm zu pflegen und auszubauen. Kunden von IG profitieren von spannenden Dienstleistungen. So konnten sie beispielsweise auf dem Graumarkt Alibaba-Anteile schon handeln, bevor der IPO stattgefunden hat. Sie werden von unserer Angebotsvielfalt und tiefen Kosten überrascht sein.

2. Sie sind für die IG Gruppe schon in vielen Ländern unterwegs gewesen: Wie schätzen Sie den Markt in der Schweiz ein?

Ich war schon in England, Spanien und Singapur tätig. Die Unterschiede sind nicht derart gross. Wir bieten unseren Kunden Seminare an – dort zeigen wir ihnen wie sie unsere Lösungen am wirksamsten nutzen können. Auch aktuelle Chart-Analysen und Videos ergänzen die Dienstleistungen. Wichtig ist doch, dass man auch sachkundige Kunden hat. Gerade in einem Niedrigzinsumfeld kann man mit unseren CFD’s effizient auf steigende und fallende Kurse traden; auf über 10 000 Produkten.

3. Wie ist das jüngste Kundenverhalten?

Über 30% der Transaktionen werden heute über mobile Geräte wie iPhone und iPads abgewickelt. Unsere Kunden profitieren von der IT-Kompetenz in unserem Haus und haben die Möglichkeit, mit verschiedensten Endgeräten zu traden. Für die fortlaufende Entwicklung innovativer Technologien sorgen mehr als 500 Mitarbeitende unserer IT-Abteilung. In diesem Bereich zählen wir zu den führenden Anbietern weltweit.

Danke für das Interview. Viel Erfolg!

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29. September 2014

Allgemein,

Hypothekargeschäft

Wirkt der antizyklische Kapitalpuffer? Die Sicht der Banken

Der antizyklische Kapitalpuffer (AZP) wurde auf Antrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Februar 2013 durch den Bundesrat aktiviert. Seit Ende September 2013 müssen Banken in der Schweiz 1% und seit Ende Juni 2014 sogar 2% mehr Eigenmittel für Kredite auf inländische Wohnliegenschaften hinterlegen.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Der antizyklische Kapitalpuffer (AZP) wurde auf Antrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Februar 2013 durch den Bundesrat aktiviert. Seit Ende September 2013 müssen Banken in der Schweiz 1% und seit Ende Juni 2014 sogar 2% mehr Eigenmittel für Kredite auf inländische Wohnliegenschaften hinterlegen. Wie bereits in einem früheren Artikel festgehalten, hat sich das Wachstum der Hypothekarausleihungen in dieser Periode verlangsamt und die Immobilienpreise scheinen sich langsam zu stabilisieren. Dies jedoch (alleine) auf die Aktivierung des AZP zurückzuführen, wäre sicherlich zu einfach.

Mittels einer nicht repräsentativen Umfrage bei 16 Banken hat Gökan Tercan, Bachelorstudent an der Hochschule Luzern, die Sicht der Banken auf die Wirkung des AZP untersucht.

Die Kurzzusammenfassung der Ergebnisse:

  • Lediglich ein Bankenvertreter sieht einen starken Einfluss des AZP auf die Eigenmittel und die Eigenkapitalquote. Acht Personen beobachten einen geringen Einfluss und sieben Personen sehen keinen Einfluss.
  • Bis auf eine Person sieht niemand einen Einfluss des AZP auf die Hypothekarzinssätze.
  • Sämtliche Umfrageteilnehmer sehen keinen Einfluss des AZP auf die Zinsmarge.
  • Alle Umfrageteilnehmer sind sich einig, dass der AZP keinen Einfluss auf die Kreditablehnungsquote hat.

Weitere Erkenntnisse aus den Interviews mit Bankenvertretern:

  • Die Umsetzung der neuen Regelung im Bereich des AZP hat gemäss den Angaben der Bankenvertreter nur einen sehr geringen Aufwand verursacht (v.a. Anpassung im System).
  • Der AZP hat bei den untersuchten Banken keinen Einfluss auf das Pricing. Insofern wurden in der Regel auch die Kunden nicht proaktiv über diese regulatorischen Veränderungen informiert.
  • Der AZP und dessen Wirkung überzeugen die interviewten Bankenvertreter nicht. Sie sehen geeignetere Massnahmen zur Dämpfung des Hypothekarmarkts, beispielsweise im Bereich der Vorschriften zum harten Eigenkapital oder im Bereich der verstärkten Amortisationspflichten.
  • Pensionskassen und Versicherungen sind den Regelungen vom AZP nicht unterworfen, was von den meisten Bankenvertretern als nicht fair und wettbewerbsverzerrend betrachtet wird.
  • Die Banken rechnen nicht damit, dass der AZP weiter erhöht wird. Nur ein Experte geht davon aus, dass dieser bald das Maximalniveau von 2.5% erreicht.

Die Umfrage zeigt auf: Die befragten Banken stehen dem AZP, beziehungsweise dessen Wirkung, kritisch gegenüber. Ob und wie stark dieser tatsächlich die Entwicklungen im Hypothekarmarkt beruhigt, muss sich erst noch zeigen. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass der AZP nur ein Puzzle-Stein verschiedener Regulierungen ist, welche im Hypothekarmarkt erlassen wurden. Nicht zu unterschätzen ist auch die psychologische Wirkung: Die zahlreichen Warnungen der SNB scheinen ernst genommen zu werden und die Kreditvergabe scheint bei einigen Banken etwas vorsichtiger geworden zu sein.

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22. September 2014

Allgemein,

Digitalisierung,

Grossbanken,

Kantonalbanken,

Kundenorientierung,

Raiffeisenbanken,

Regionalbanken und Sparkassen,

Vertriebsmanagement

Verfügbarkeit von mobilen Webseiten – ein Vergleich bei 50 Schweizer Retail Banken

Immer mehr Personen nutzen das Internet nicht nur stationär an einem Desktop-PC, sondern auch mobil auf Tablets und Smartphones. Die unterschiedlichen Bildschirmformate der einzelnen Geräte verlangen eine geräteabhängige Optimierung des Webseiten-Designs („Responsive Design“). Darunter versteht man die automatische Anpassung einer Webseite und deren Inhalte an die Eigenschaften des zugreifenden Endgeräts.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Christoph Duss

Immer mehr Personen nutzen das Internet nicht nur stationär an einem Desktop-PC, sondern auch mobil auf Tablets und Smartphones. Die unterschiedlichen Bildschirmformate der einzelnen Geräte verlangen eine geräteabhängige Optimierung des Webseiten-Designs („Responsive Design“). Darunter versteht man die automatische Anpassung einer Webseite und deren Inhalte an die Eigenschaften des zugreifenden Endgeräts. Eine Homepage für Desktop-PCs sollte anders gestaltet sein als jene für Smartphones, da Desktop-PCs unter anderem eine höhere Auflösung und mehr Plug-Ins zur Verfügung stehen. Aus diesem Grunde hat sich in den vergangenen Jahren der Trend durchgesetzt, auf unterschiedliche Endgeräte zugeschnittene Versionen von Webseiten zu erstellen, um die Benutzerfreundlichkeit auch auf mobilen Geräten zu gewährleisten.

Wie bereits in früheren Beiträgen diskutiert (siehe z.B. Digitales Anlagegeschäft – Trends und Ideenanstösse), können sich auch Banken der laufenden Digitalisierung nicht entziehen. Die Webseite einer Bank gilt als eines der wichtigsten und meist verwendeten Instrumente in der digitalen Kunden-Bank-Interaktion und sollte dem Kunden alle gesuchten Informationen in einer schnellen und übersichtlichen Weise zur Verfügung stellen. Die Erstellung einer mobilen Webseite für portable Endgeräte kann deshalb als sehr visible Massnahme zur Schärfung des digitalen Auftritts einer Bank erachtet werden.

Mobile Webseiten bei Schweizer Retail Banken

Aus diesem Grunde haben wir uns entschieden, die Verfügbarkeit von mobilen Webseiten bei den 50 grössten Schweizer Retail Banken (gemessen an der Bilanzsumme 2013) zu analysieren. Die entsprechenden Überprüfungen haben wir in der zweiten September-Woche durchgeführt. Es gilt zu beachten, dass die Qualität der mobilen Webseiten, d.h. welche Funktionen diese bieten und welche Informationen darauf zu finden sind, nicht Teil dieses Vergleichs war.

Wie die Untersuchung gezeigt hat, wird das Thema mobile Webseite bei Schweizer Retail Banken unterschiedlich angegangen. Knapp zwei Drittel (30 Institute) aller untersuchten Banken verfügt über eine mobile Webseite. Bei den restlichen Instituten (20 Banken) wird man auf die traditionelle Homepage geleitet, was vielfach Darstellungsprobleme mit sich bringt – insbesondere Textgrösse und -länge sind auf Smartphones problematisch.

verfügbarkeit I

Abbildung 1: Anteil Banken mit mobiler Webseite (Quellen: Webseiten der 50 grössten Schweizer Retail Banken)

Als Gegenargument zur Erstellung einer mobilen Webseite wird oft die Verfügbarkeit einer App aufgeführt. Mobile Webseite und App können jedoch nicht als perfekte Substitute betrachtet werden, sondern sollten komplementär angeboten werden. Während eine App typischerweise klassische und oftmals repetitive Banking-Aufgaben abdeckt (z.B. Kontostand überprüfen, Zahlungen tätigen), wird die Webseite vielfach zur Beschaffung von allgemeinen Informationen über das Institut und deren Produkte verwendet (z.B. Öffnungszeiten, Filialnetz, Zinsen).

Die Nutzung einer App ist nur dann möglich, wenn diese mit dem verwendeten Betriebssystem kompatibel ist. Die Mehrheit der Apps wurde für Apple-Geräte (über den iTunes Store) und für Android-Geräte (z.B. über den Google Play Store) programmiert. Benutzer von weniger verbreiteten Geräten, wie z.B. Blackberry oder Windows Phone, werden somit vielfach aussen vor gelassen.

Wie sich gezeigt hat, bietet die Mehrheit jener Banken ohne mobile Webseite als Alternative eine App an. Nur acht Institute verfügen weder über eine mobile Webseite noch über eine App. Auch hier ist zu erwähnen, dass die Qualität der Apps bzw. welche Funktionen diese bieten, nicht Teil dieser Untersuchung war. Wie bei mobilen Webseiten sind auch hier Unterschiede bei den verfügbaren Funktionen zu erwarten.

verfügbarkeit II

Abbildung 2: Auflistung aller untersuchten Schweizer Retail Banken, sortiert nach Bilanzsumme 2013 (Quellen: Banken-Webseiten, iTunes Store)

Inhalte einer mobilen Webseite

Neben der Verfügbarkeit stellt sich auch die Frage nach den Inhalten einer mobilen Webseite. Aufgrund der eingeschränkten Darstellungsmöglichkeiten auf Tablets und Smartphones lässt sich eine grafische sowie textliche Vereinfachung der Inhalte kaum vermeiden. Oberstes Ziel einer mobilen Webseite sollte ein einfacher und schneller Zugriff auf die wichtigsten Informationen mit einem portablen Gerät sein. In jedem Fall sollte die Bank ihre Inhalte den spezifischen Kundenbedürfnissen anpassen – eine Analyse der meistaufgerufenen Webseiten ihrer traditionellen Homepage kann erste Hinweise darauf geben.

Fazit

Die Einführung von mobilen Webseiten bei Schweizer Retail Banken kann noch lange nicht als Standard angesehen werden – nur knapp zwei Drittel der 50 untersuchten Institute unterhält eine mobile Webseite. Das oftmals genannte Gegenargument, dass eine App als Ersatz genüge, greift zu kurz, da mobile Webseite und App keine perfekten Substitute, sondern eher als komplementär zu betrachten sind. Der Aufbau von mobilen Webseiten ist abhängig von den angebotenen Informationen und Diensten nicht ganz günstig. In Anbetracht der grossen und zunehmenden Bedeutung der Online-Suche über das Smartphone sind wir aber der Überzeugung, dass dies eine sinnvolle Investition ist.

PS: Auch das IFZ und die Hochschule Luzern haben derzeit noch keine mobilen Webseiten. Ab dem 1. November 2014 werden aber auch wir soweit sein.

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15. September 2014

Allgemein,

Veranstaltungen

IFZ Retail Banking Konferenz 2014: Retail Banking Schweiz – auf zu neuen Ufern?

Referenten und Themen:

Roger Von Mentlen, Leiter Privatkunden UBS Schweiz:
Die Strategie der UBS im Retail Banking.

Niklaus Santschi, CEO Payment Services Six Group:
Die Zukunft des Zahlungsverkehrs in der Schweiz.

Prof. Dr. Nils Hafner, Hochschule Luzern-Wirtschaft:
Digitale Vertriebsstrategien.

Alois Vinzens, CEO Graubündner Kantonalbank
Erfolgsrezept der Graubündner Kantonalbank.
Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Referenten und Themen:

Roger Von Mentlen, Leiter Privatkunden UBS Schweiz:
Die Strategie der UBS im Retail Banking.

Niklaus Santschi, CEO Payment Services Six Group:
Die Zukunft des Zahlungsverkehrs in der Schweiz.

Prof. Dr. Nils Hafner, Hochschule Luzern-Wirtschaft:
Digitale Vertriebsstrategien.

Alois Vinzens, CEO Graubündner Kantonalbank
Erfolgsrezept der Graubündner Kantonalbank.

Markus Boss, CEO Regiobank Solothurn AG und Geschäftsführer des Esprit Netzwerkes:
Das Überlebenskit von (kleinen) Regionalbanken.

Prof. Dr. Andreas Dietrich, Hochschule Luzern – Wirtschaft:
Vorstellung der IFZ Retail Banking Studie.

Als Teilnehmer des Seminars erhalten Sie zudem die Ergebnisse der rund 180-seitigen IFZ Retail Banking-Studie 2014.

Unsere Retail Banking-Studie konzentriert sich in diesem Jahr auf fünf Schwerpunkte:

  • Der erste Teil befasst sich mit den Kommunikationsstrategien von Schweizer Retail Banken sowie Thesen zum Einfluss der Digitalisierung auf die Entwicklung der Geschäftsmodelle von Retail Banken in der Schweiz. Die Resultate basieren auf einer Umfrage bei 214 Geschäftsleitungsmitgliedern von Schweizer Retail Banken.
  • Der zweite Teil fokussiert auf das Thema Mobile Payment. Aufgrund einer Umfrage bei über 400 Schweizerinnen und Schweizer wird aufgezeigt, wie die Konsumenten Mobile Payment beurteilen und wie hoch die derzeitige Bereitschaft in der Schweiz ist, mittels Smartphone Zahlungen zu tätigen.
  • Der dritte Teil beinhaltet die jährliche Kennzahlen-Analyse von 91 Schweizer Retail Banken. Daraus abgeleitet präsentieren wir die (aus Kennzahlensicht) fünf besten Banken.
  • In einem weiteren Teil befassen wir uns dieses Jahr vertieft mit der Entwicklung des Schweizerischen Hypothekenmarktes.
  • Der fünfte und letzte Teil der Studie befasst sich schliesslich mit der Corporate Governance von 65 Schweizer Retail Banken.

Die Teilnahme an der Konferenz kostet CHF 560.- (inkl. Studie im Wert von CHF 290.-).

Hier finden Sie das Anmeldeformular für die Konferenz (inkl. Studie).

Wenn Sie nur die Studie bestellen möchten, können Sie dies via Mail an ifz@hslu.ch machen. Die Studie wird nach der Konferenz ausgeliefert.

Konferenz-Flyer und Programm

Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Ich würde mich sehr freuen, Sie an dieser Konferenz begrüssen zu dürfen!

sponsoren konferenz

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8. September 2014

Allgemein,

Digitalisierung,

Grossbanken,

Hypothekargeschäft,

Kundenorientierung,

Vertriebsmanagement

Ein erster Einblick in den neuen digitalen Beratungsprozess für Hypothekarfinanzierungen bei der UBS

In der digitalen Welt hat sich die Art und Weise, wie sich Kunden informieren, beraten lassen und entscheiden stark verändert. Die Verfügbarkeit zahlreicher Informationen und die erhöhte Vergleichbarkeit von Angeboten im Internet haben dazu geführt, dass die Kunden besser informiert sind.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

In der digitalen Welt hat sich die Art und Weise, wie sich Kunden informieren, beraten lassen und entscheiden stark verändert. Die Verfügbarkeit zahlreicher Informationen und die erhöhte Vergleichbarkeit von Angeboten im Internet haben dazu geführt, dass die Kunden besser informiert sind. So überrascht es wenig, dass gemäss einer Untersuchung in Deutschland bei Bankprodukten bereits im Jahr 2010 knapp 60% der Kunden ihren Kaufprozess im Internet (Suchmaschinen, Vergleichsportale oder Anbieterseiten) starteten. Auch in der Schweiz starten viele ihre Suche nach einem geeigneten Hypothekarprodukt und -anbieter online.

Für komplexe Produkte gilt: Research Online – Purchase Offline (ROPO)

Bei komplexeren Produkten – und dazu zählt für den Grossteil der Kunden eine Hypothek – werden jedoch auch Grenzen im Verkauf über den Online-Kanal deutlich. Nur wenige Personen können sich vorstellen, den Erwerb einer Hypothek komplett über den Online-Kanal abzuwickeln. Hier besteht in der Regel der Wunsch der Kunden, persönlich mit einem Experten zu reden. Die Grenzen des Produktverkaufs im Internet führen dadurch zum sogenannten ROPO-Effekt: Knapp 50 % der Kunden praktizieren gemäss einer Untersuchung von DB Research (2010) einen “Research Online Purchase Offline“-Prozess. Der Kaufprozess beginnt mit der Analyse im Internet, wird jedoch in der Filiale abgeschlossen. Damit bleibt für erklärungsbedürftigere Bankprodukte die persönliche Beratung ein wesentlicher Pfeiler.

Umsetzung der UBS

An dieser Stelle setzt die (Multikanal-)Strategie der UBS auch in Bezug auf die Beratung für Hypothekarfinanzierungen an. Mit dem neuen, digital unterstützten Beratungsprozess möchte die UBS einerseits den Kunden schon auf der Website spannende(re) Tools zur Verfügung stellen, welche potenzielle Kunden im (online) Research Prozess besser unterstützen. Andererseits soll die Beratungslösung die rund 3‘000 UBS-Retail Kundenberater durch den ganzen Beratungsprozess hindurch – von der Gesprächsvorbereitung bis hin zum eigentlichen Beratungsprozess und der Dokumentenaufbereitung – unterstützen.

Nachfolgend möchte ich aus meiner persönlichen Sicht einige Stärken des Tools und einige mögliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufzeigen:

Stärken

  • Die persönliche Beratung wird durch das Tool mit einem grossen Bildschirm sinnvoll unterstützt. Verschiedene Aspekte der Hypothek können dadurch gut visualisiert werden.
  • Spannend und aus Kundensicht einen Mehrwert generierend sind aus meiner Sicht vor allem die verschiedenen Simulationen. Beispielsweise können Zinsszenarien durchgespielt werden. Diese Informationen basieren auf aktuellen Einschätzungen des UBS Research.
  • Persönlich gut gefallen hat mir der Renovationsrechner. Dies bietet aus meiner Sicht für den Kunden einen Mehrwert, da es unter anderem basierend auf dem Jahrgang der Liegenschaft aufzeigt, wie hoch welche Renovationskosten über die nächsten 70 Jahre sein werden
  • Auf der Website der UBS werden den Kunden spannende Tools aus dem Beratungsprozess in einer „Light Version“ zur Verfügung gestellt. Detailliertere Informationen und zusätzliche Tools werden im persönlichen Kundengespräch verwendet.
  • Eine Übersicht der finanziellen Verpflichtungen (z.B. Restbetrag der Hypothek) bei Pensionierung ist mit einem einfachen Klick ersichtlich
  • Abhängig vom Kundenprofil und der Tragbarkeit werden andere, individuelle Lösungsvorschläge angeboten (Hypotheken-Mix; siehe Abbildung 3)
hypothekenmix
Abbildung 3: Lösungsvorschlag Hypotheken-Mix mit Wahlmöglichkeiten Stabil, Ausgewogen, Marktorientiert.
  • Wichtig aus meiner Sicht ist auch die Modularität des Tools: Der Kunde muss nicht durch einen vorgegebenen und somit fixen Prozess hindurchgezwungen werden. Stattdessen kann man je nach Kundenwunsch und Gesprächsverlauf auch nur einzelne Aspekte aus dem Prozess im Beratungsgespräch einsetzen.
  • Der Hypothekarprozess ist direkt in das Kernbankensystem eingebunden, die Dokumentation wird automatisch erstellt.
  • Persönlich gefällt mir die Darstellung der meisten Ansichten sehr gut. Das Design des Beratungsprozesses ist im gleichen Stil wie das Online Banking (vgl. Printscreens oben)

Weiterentwicklungsmöglichkeiten

  • Ein Ziel vieler Beratungsprozesse ist es, die Interaktion mit dem Kunden zu erhöhen. Mit dem derzeit vorhandenen Tool (in der heutigen Form) ist dies allerdings nur sehr begrenzt gegeben, da es sich um eine Desktop Lösung handelt, die vom Kundenberater bedient wird. Ob ein möglicherweise in einer späteren Version eingesetztes Tablet hier Abhilfe schaffen kann, ist aus meiner Sicht aber auch nicht ganz klar. Ich kenne diesbezüglich aber auch die Pläne der UBS nicht.
  • Der Prozess ist in seiner derzeitigen Form in erster Linie für Standardprozesse geeignet. Komplexere Hypothekenfinanzierungen können mit dem aktuellen Tool nicht oder nur teilweise abgebildet werden. Wiederholen sich solche komplexere Themen aber regelmässig, könnte man solche Aspekte sicherlich in das Tool einbauen.
  • Die UBS zeigt in verschiedenen Bereich Bestrebungen, ein konsequenteres Omnichannelling umzusetzen. Durch das Prinzip des Omnichannel-Vertriebs soll die ununterbrochene Fortsetzung von Verkaufsvorgängen über verschiedene Kanäle ermöglicht werden. Wenn also beispielsweise ein Kunde die Online-Tools auf der Webseite benutzt, sollten wenn möglich die gleichen Informationen im Beratungsgespräch in der Filiale nicht noch einmal aufgenommen werden müssen. Bei der konsequenten Umsetzung des Omnichanneling ist daher aber auch der Aspekt der Datenschutzfrage wichtig. Wichtig erscheint mir hier, dass Kunden selber entscheiden können, ob und welche Daten der Bank zur Verfügung stehen. Derzeit sind aber die Online- und Offline-Kanäle bei der UBS im Bereich des Hypothekarprozesses (wie auch bei allen anderen Banken) noch nicht optimal verknüpft. Bestrebungen sind hier aber offenbar im Gang, dies zu verbessern.
  • Die UBS verfolgt das Ziel, einen ganzheitlichen Beratungsansatz zu verfolgen. Dies ist erst teilweise erreicht. In Zukunft und durch die Neugestaltung anderer Beratungsprozesse wird dies aber weiter verbessert (z.B. Verknüpfung Finanzierung und Vorsorge-Bereich).

Fazit

Insgesamt finde die Weiterentwicklung der digitalen Strategie bei der UBS – und im konkreten auch der neue Beratungsprozess im Hypothekargeschäft – sehr gut. Aus meiner Sicht geht die UBS hier einen Weg, dem bald auch andere Banken folgen werden. Derzeit weiss ich nur von Clientis Banken, der Bank Zimmerberg und der Schwyzer Kantonalbank, welche ihre Kunden mit der Lösung eVoja von Swisscom einen ähnlichen simulierten und visualisierten Beratungsprozess zur Verfügung stellen. Über diese Lösung werde ich in einem späteren Artikel berichten.

Einen kurzen Film zum Produkt finden Sie hier.

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Denis Ochsenbein

9. September 2014

Raiffeisen bietet für Renovationen zur Steigerung der Energieeffizienz ebenfalls einen simulierten und visualisierten Beratungsprozess an, dies als Anmerkung zum Artikel.

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3. September 2014

Allgemein

Swisscom steigt mit Software-Lösung in Crowdfunding Markt ein – eine Einschätzung

Die Swisscom lanciert gemäss Medienmitteilung von heute eine Unternehmenslösung für Crowdfunding. Basierend auf der Plattform von wemakeit entwickelt Swisscom eine Software, die Unternehmenskunden und karitativen Organisationen die Erstellung einer Crowdfunding Plattform ermöglichen soll. Somit soll es gemäss Angaben von Swisscom möglich sein, auf einfache Weise einen Crowdfunding Marktplatz zu eröffnen.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Prof. Dr. Simon Amrein

Die Swisscom lanciert gemäss Medienmitteilung von heute eine Unternehmenslösung für Crowdfunding. Basierend auf der Plattform von wemakeit entwickelt Swisscom eine Software, die Unternehmenskunden und karitativen Organisationen die Erstellung einer Crowdfunding Plattform ermöglichen soll. Somit soll es gemäss Angaben von Swisscom möglich sein, auf einfache Weise einen Crowdfunding Marktplatz zu eröffnen. Die IT-Lösung kann dabei von der Swisscom bezogen werden.

Crowdfunding als attraktiver Markt

Wie wir im IFZ Crowdfunding Monitoring angedeutet haben, ist das Volumen am Schweizer Crowdfunding Markt im letzten Jahr mit CHF 12 Millionen gesammelten Geldern noch bescheiden. Gleichzeitig haben wir der Finanzierung von kommerziellen, karitativen oder kulturellen Projekten via Internet ein grosses Potential eingeräumt (mehr dazu im IFZ Crowdfunding Monitoring). So rechnen wir im laufenden Jahr mit einer Verdoppelung der Volumen. Insofern ist es nicht überraschend, dass ein Grossunternehmen in diesem Markt aktiv wird und Position bezieht. Es ist jedoch zu beachten, dass die Swisscom primär die Rolle eines Technologielieferanten einnehmen wird. Zwar kommunizierte das Unternehmen gleichzeitig eine Kooperation mit wemakeit – die Softwarelösung soll jedoch allen offen stehen.

Wen hat die Swisscom als Kunden im Fokus?

Als attraktive Kunden dürfte die Swisscom insbesondere Finanzdienstleister im Fokus haben. Aus verschiedenen Gesprächen wissen wir, dass sich derzeit einige Banken mehr oder weniger intensiv mit dem Thema Crowdfunding und möglichen strategische Handlungsoptionen auseinandersetzen. Durch die einfache Bereitstellung von Technologie und Know-how durch die Swisscom dürften sich die Eintrittsschwellen für Banken dabei deutlich senken. In diesem Zusammenhang werden wir auch in der am 20. November erscheinenden IFZ Retail Banking Studie aufzeigen, dass mehrere Banken spürbare Konkurrenz durch das Crowdfunding erwarten.

Denkbar sind neue Plattformen in den Bereichen P2P-Lending, Crowdsupporting oder eventuell auch Crowdinvesting. Ebenso möglich sind aber auch Plattformlancierungen von in der Schweiz bisher noch nicht vorhandenen Formen des Crowdfunding. Dazu gehören beispielsweise die Finanzierung von kleineren Unternehmenskrediten oder Investitionen in Immobilien via Internet.

Spenden- und Sponsoringbereich vor dem Schritt in das digitale Zeitalter

Ein weiterer Bereich, der aus unserer Sicht künftig massiv von einem „Technology-Push“ profitieren könnte, ist der Spendenbereich. Im Jahr 2012 wurden von Schweizerinnen und Schweizer ca. CHF 1.6 Milliarden gespendet. Ein beträchtlicher Teil dieser Spenden dürfte in Zukunft auch über das Internet abgewickelt werden. Interessanterweise war Swisscom in diesem Bereich bereits in Vergangenheit bei Grossaktionen wie zum Beispiel „Jeder Rappen zählt“ im Hintergrund als Technologielieferant präsent. Hier ergeben sich beträchtliche Synergien. Die Plattformtechnologie dürfte aber auch für die Koordination von Sponsoring von Grossunternehmen spannend sein.

Der Markt bleibt dynamisch

Das Engagement von Swisscom unterstreicht aus unserer Sicht das Potenzial von Crowdfunding als Finanzierungsinstrument von Projekten. Zwar waren bisher bereits Technologieprovider von Plattform-Lösungen am Schweizer Markt präsent. Der Eintritt von Swisscom ist jedoch insofern bemerkenswert, als dass ich zum ersten Mal ein Grossunternehmen für das Nischenthema interessiert. Wir sind gespannt, ob das neue Angebot von Swisscom dem Crowdfunding in der Schweiz den Durchbruch ermöglicht.

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Swisscom startet Crowdfunding Plattform | Land der Erfinder – Das Schweizer Magazin für Innovationen

8. September 2014

[…] spannen wemakeit und Swisscom zusammen. Auf Basis der von wemakeit entwickelten Software baut Swisscom eine Crowdfunding Plattform auf, die Unternehmenskunden als Software-as-a-Service (Saas) angeboten wird. Unternehmen und […]

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25. August 2014

Allgemein,

Hypothekargeschäft

Die noch offene Wirkung des antizyklischen Kapitalpuffers

In einem Gastbeitrag beleuchtet Christian Steiner die Wirkung des antizyklischen Kapitalpuffers (AZP) auf das Wachstum der hypothekarisch besicherten Ausleihungen von Banken. Was bei der Betrachtung der Zahlen klar wird: Das Wachstum schwächt sich ab. Die Frage ist, ob dies auf den AZP zurückzuführen ist oder nicht – gibt es doch eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die auf die Vergabe von Hypotheken wirken.Mehr Informationen

In einem Gastbeitrag beleuchtet Christian Steiner die Wirkung des antizyklischen Kapitalpuffers (AZP) auf das Wachstum der hypothekarisch besicherten Ausleihungen von Banken. Was bei der Betrachtung der Zahlen klar wird: Das Wachstum schwächt sich ab. Die Frage ist, ob dies auf den AZP zurückzuführen ist oder nicht – gibt es doch eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die auf die Vergabe von Hypotheken wirken. Der Artikel dient als erste Auslegesordung des Themas. In einem zweiten Artikel werden wir in den nächsten Wochen auf die Meinungen der Banken zur Wirkung des AZP eingehen. Basierend auf einer Umfrage bei den Banken hat sich gezeigt, dass aus Bankensicht der Einfluss dieser Eigenmittelregulierung auf die Hypothekenvergabe nur beschränkt vorhanden ist.

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Von Christian Steiner*, Absolvent MAS Risk Management Hochschule Luzern – Wirtschaft

In der Medienmitteilung vom 13. Februar 2013 hat die SNB ihren Antrag an den Bundesrat zur Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers bekannt gegeben. Zu erfüllen war der Puffer ab dem 30. September 2013 und richtet sich auf die Hypothekarkredite zur Finanzierung von Wohnliegenschaften in der Schweiz. Grundlage dazu bietet Artikel 44 der Verordnung über die Eigenmittel und Risikoverteilung für Banken und Effektenhändler (ERV), welcher die Aktivierung des AZP von maximal 2.5% vorsieht um, (lit. a) die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors gegenüber den Risiken eines übermässigen Kreditwachstum zu stärken oder (lit. b) einem übermässigen Kreditwachstum entgegenzuwirken. Die Begründung der Nationalbank, für den Antrag den sektoriellen AZP zu aktivieren und auf 1% festzulegen, bezieht sich vor allem auf die Stabilisierung des Bankensystems.

Ein halbes Jahr nach der Einführung des AZP wurde am 23. Januar 2014 durch die SNB mitgeteilt, dass die Erhöhung der Pufferanforderung auf 2% per 30. Juni 2014 in Kraft trete. Als Begründung nannte sie eine weitere Verschärfung der Ungleichgewichte auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt für Wohnliegenschaften.

Wachstum der Hypothekarforderungen geht zurück

Ein Blick auf die Wachstumsrate der inländischen Hypothekarforderungen zeigt (Abbildung 1), dass das inkrementelle Wachstum seit der Einführung des AZP leicht zurückgegangen ist. Ebenso hat sich die annualisierte Wachstumsrate reduziert und liegt nun deutlich unter der Trendlinie.

Wachstum Hypo
Abbildung 1: Wachstumsrate Hypothekarforderungen (3 Monate geglättet), (Quelle: Bankenstatistisches Monatsheft SNB, eigene Darstellung)

Es gilt zu berücksichtigen, dass in der Wachstumsrate nicht nur die Wohnbauhypotheken, sondern alle inländischen Hypothekarforderungen enthalten sind.

Stagnierende Immobilienpreise

Neben dem Hypothekarwachstum ist der Immobilienpreisindex ein ebenso wichtiger Indikator, um die Wirksamkeit des AZP aufzuzeigen. Der Index, welcher von der SNB quartalsweise berechnet wird, ist seit 2008 um mehr als 20% gestiegen. Seit dem dritten Quartale 2013 stagniert er jedoch (vgl. Abbildung 2).

Zinsen
Abbildung 2: Entwicklung Immobilienpreisindex und Hypothekarzinsen (Quelle: Bankenstatistisches Monatsheft SNB, eigene Darstellung)

Die Abbildung 2 zeigt ebenfalls die Entwicklung der durchschnittlichen Hypothekarzinsen von variablen (blau) und festverzinslichen (rot) Kreditabschlüssen. Während die Zinskurve der variablen Hypotheken sich seitwärts bewegt, sind die Zinssätze für Festhypotheken seit Mitte 2009 leicht gesunken. Seit der Aktivierung des AZP sind beide Durchschnittszinssätze leicht zurückgegangen.

Viele Faktoren können Hypothekarforderungen und Immobilienpreise beeinflussen

Aus der Analyse ist abzuleiten, dass sich die Situation auf dem Immobilienmarkt zwar nicht merklich verbessert hat, aber die Wachstumsraten der Hypothekarausleihungen eine sinkende Tendenz aufweisen. Die Immobilienpreise hingegen haben sich stabilisiert. Ob diese Korrekturen auf die alleinige Wirkung des antizyklischen Kapitalpuffers zurückzuführen sind, lässt sich nur schwer beurteilen. Denn es gibt eine Vielzahl von nationalen Entwicklungen, welche ebenfalls eine dämpfende Wirkung auf das Geschehen im Immobilienmarkt haben könnten. Die Zweitwohnungsinitiative kann sowohl zu einem Preisschub bei Zweitwohnungen als auch zu Preiseinbussen bei Erstwohnungen führen. Ebenfalls unklar ist, ob die Preise aufgrund der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative bereits reagiert haben. Indes ist sich die SNB sicher, dass die revidierte und die neue Selbstregulierung der Schweizerischen Bankiervereinigung SBVg im Bereich der Kreditvergabe eine positive Wirkung auf die Entwicklung im Immobilienmarkt hat.

Fazit

Es ist unschwer zu erkennen, dass es eine Vielzahl von Stellschrauben gibt, die bewegt werden können, beziehungsweise sich nur indirekt beeinflussen lassen. In Anbetracht dessen – und weil das Instrument des AZP bislang einzig in der Schweiz eingesetzt wird sowie noch praktisch keine Erfahrungswerte vorhanden sind – müsste es in der Tendenz zurückhaltend eingesetzt werden. Was die Effekte der Erhöhung des antizyklischen Puffers auf 2% sind, wird sich zeigen. Auch SNB-Direktionsmitglied Fritz Zurbrügg bemerkte kürzlich in einem Interview mit der SonntagsZeitung, dass die Wirkung dieser neuen Massnahme derzeit noch ungewiss sei (SonntagsZeitung, 06.07.2014).

Was bedeutet nun der AZP für die Banken in der Schweiz? Bis jetzt konnten die meisten Institute die erhöhten Eigenmittelanforderungen dank ihrer soliden Kapitalisierung gut erfüllen. Doch bei weiterhin ansteigenden Ausleihungen wird vermehrt Kernkapital aufgenommen werden müssen, um die geforderte Eigenmittelquote zu erfüllen. Dies kann sich bei gewissen Retail Banken möglicherweise negativ auf die Rentabilität niederschlagen.

*Der Autor: Christian Steiner (1981) studierte Betriebsökonomie an der Berner Fachhochschule. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von der Berner Kantonalbank (1997-2008) über die Valiant Bank (2008-2014) zur Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA. Zurzeit absolviert er den Studiengang MAS Risk Management an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Quellen und Hinweise

Kommentare

3 Kommentare

Matthias Hautle

27. August 2014

Das das Hypothekarwachstum sich verlangsamt hat und die Immoblienpreise "stabiler" geworden sind, dass wissen wir. Wie gross der Anteil des AZK in dieser Entwicklung (wenn überhaupt!) ist, kann ich auch nach dem Lesen dieses Artikels auch nicht besser abschätzen. Aus der Praxis gesprochen glaube ich aber ehrlich gesagt kaum, dass der AZK einen wirklichen Einfluss auf die Kreditvergabe hat und andere Faktoren viel mehr zur Wachstumsverlangsamung beitragen. Ausserdem fehlt mir eine Analyse, wieso der AZK überhaupt das Wachstum bremsen sollte - Sie schreiben ja selber, dass die Banken grossmehrheitlich genügend kapitalisiert sind. Selbst wenn die Kunden-Margen aufgrund des allenfalls teureren Eigenkapitals eher gestiegen sind: Die Zinsen sind in den letzten 12Monaten deutlich gesunken und somit sind die Kredite für die Hypothekarnehmer ingesamt sogar noch günstiger geworden.

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Prof. Dr. Andreas Dietrich

27. August 2014

Besten Dank für Ihren Kommentar. Wie hoch der Einfluss des AZP tatsächlich ist, bzw. ob es wirklich einen gibt ist aus unserer Sicht nicht klar. Der Gastbeitrag von Christian Steiner ist eine erste Auslegeordnung und als Start eine gute Übersicht. Für eine detailliertere Analyse der Treiber von Immobilienpreisen und der Hypothekenvergaben bedürfte es aber detailliertere wissenschaftliche Untersuchungen. Auch ist es wohl für eine Beurteilung schlicht noch zu früh. Wir werden übrigens bald auch einen Artikel veröffentlichen, der die Meinungen der Banken zum AZP zusammenfasst. Diese stehen der Wirkung des AZP ebenfalls eher kritisch gegenüber.

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Roman

26. August 2014

Ein sehr interessanter Beitrag zum Zusammenhang von Immobilienpreisen und Hypotheken. Gut zu wissen, dass der Kapitalpuffer eine tatsächliche Wirkung auf Hypotheken und den Immobilienmarkt hat.

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18. August 2014

Allgemein,

Hypothekargeschäft

Islands Banken- und Finanzkrise – Tiefer Fall und wundersame Erholung

Mit gut 320‘000 Einwohnern und einem Bruttoinlandprodukt in der Höhe von rund CHF 13 Mrd. ist Island weltweit eines der kleinsten Länder, weist jedoch eines der höchsten BIPs pro Kopf aus. Der hohe Wohlstand der kleinen, exportorientierten Nation kann insbesondere auf die Fischerei sowie den florierenden Tourismus zurückgeführt werden.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Christoph Duss

Mit gut 320‘000 Einwohnern und einem Bruttoinlandprodukt in der Höhe von rund CHF 13 Mrd. ist Island weltweit eines der kleinsten Länder, weist jedoch eines der höchsten BIPs pro Kopf aus. Der hohe Wohlstand der kleinen, exportorientierten Nation kann insbesondere auf die Fischerei sowie den florierenden Tourismus zurückgeführt werden. Bis zur Krise in 2008 hatte auch der Finanzsektor zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Deregulierung des Finanzsektors

Nach der Jahrtausendwende begann die isländische Regierung, den Finanzsektor grundlegend zu reformieren und zu deregulieren. Diese Lockerungen ermöglichten es den isländischen Banken einerseits aggressiver auf dem einheimischen Hypothekarmarkt aufzutreten. Andererseits expandierten sie stark im Ausland, insbesondere in Skandinavien, aber auch in den USA, UK und im restlichen Europa.

Als Konsequenz davon wuchsen die Vermögenswerte der Banken innerhalb von wenigen Jahren auf das Zehnfache des BIPs an, den Grossteil davon in Fremdwährungen notiert. Dabei finanzierten die isländischen Banken ihre Expansion hauptsächlich über den internationalen kurzfristigen Geldmarkt und weniger über langfristige Kundeneinlagen. Erst nach Intervention des IMF wurde langsam begonnen, vermehrt auf Kundeneinlagen abzustützen. Um insbesondere ausländische Sparer anzulocken, wurde mit hohen Zinssätzen geworben (siehe Abb. 1).

Kaupthing
Abb.1: Inserat der Schweizer Tochtergesellschaft der Kaupthing Bank

Parallel dazu erhöhte sich auch die Verschuldung der isländischen Haushalte kontinuierlich. Diese konnten sich im Zuge der steigenden Häuserpreise und der vorteilhaften Wechselkurse zu immer günstigeren Konditionen verschulden. Auf ihrem Höchststand vor Ausbruch der Krise betrug die private Verschuldung (Haushalte und Banken kombiniert) das Sechsfache des isländischen BIPs.

Der tiefe Fall

Im Herbst 2008 hatten die Pleite von Lehman Brothers und der damit verbundene Vertrauensverlust einen massiven Liquiditätseinbruch auf den internationalen Geldmärkten ausgelöst. Die isländischen Banken verloren dadurch ihre Hauptrefinanzierungsquelle und konnten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Aufgrund der schieren Grösse dieser Verpflichtungen konnte auch die isländische Nationalbank nicht als Lender of Last Resort einspringen, da dies ihre Mittel bei weitem überstiegen hätte. Anfang Oktober mussten die drei grössten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir Insolvenz anmelden, wobei zu diesem Zeitpunkt Forderungen von über USD 85 Mrd. ausstehend waren.

Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie z.B. den USA, Irland oder die Schweiz, verzichtete der isländische Staat darauf, seine insolventen Banken per Bail-out zu retten. Stattdessen wurden diese unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und ausschliesslich die inländischen Kundenguthaben durch die Einlagensicherung gedeckt. Ausländische Kreditoren werden sich im Zuge der immer noch andauernden Abwicklung vermutlich mit Bruchteilen der ursprünglichen Forderungen zufrieden geben müssen.

Zur Stützung seiner Wirtschaft konnte Island aufgrund seiner unabhängigen Währungs- und Geldpolitik als weitere Massnahmen Kapitalverkehrskontrollen einführen und die isländische Krone abwerten (im Verlaufe von 2008 hat die Krone rund zwei Drittel ihres Wertes verloren). Die Bankinsolvenzen einerseits und die weiteren Massnahmen anderseits hatten massive Folgen für die isländische Wirtschaft. Innerhalb eines Tages verlor die isländische Börse rund zwei Drittels ihres Wertes (siehe Abb. 2). Im Verlaufe des Folgejahres stieg die Arbeitslosenquote von den historischen 1-2% auf rund 9% und die Inflation erhöhte sich auf 18%.

aktienindex
Abb. 2: Entwicklung des ICEX Aktienindex von September bis Dezember 2008

Letztlich gewährte der IMF zur Unterstützung der Erholung der isländischen Wirtschaft Darlehen in der Höhe von USD 2.1 Mrd., welche an ein dreijähriges Restrukturierungsprogramm geknüpft waren. Zusätzlich sicherte eine Gruppe nordischer Länder zusammen mit Polen weitere USD 2.5 Mrd. zu.

Die wundersame Erholung

Nach dem massiven Einbruch der Wirtschaft in 2008 fokussierte sich Island in den darauffolgenden Jahren auf die Wiederherstellung seiner langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Durch die Abwertung der Krone wurden Islands Exporte günstiger und das Land wurde für ausländische Besucher attraktiver – insbesondere der Fischfang und der Tourismus trugen massgeblich zur Erholung bei.

Im Rahmen der Abwicklung der insolventen Banken wurden die inländischen Kunden und Aktivitäten in neu gegründete Banken ausgegliedert. Beispielsweise firmiert Kaupthing heute unter dem Namen Arion Banki, während Glitnir seinen früheren Namen Islandsbanki angenommen hat. Des Weiteren hat die isländische Regierung zur Entlastung der Haushalte einen Teil deren Hypothekarschulden erlassen, indem die bestehende Indexierung zur Inflationsrate rückwirkend aufgehoben wurde und Pensionsgelder zur Rückzahlung steuerfrei bezogen werden können.

Nach negativem BIP-Wachstum in 2009 und 2010 expandierte die isländische Wirtschaft in 2011 erstmals wieder um 2.5% (siehe Abb. 3). Die Arbeitslosenquote hat sich auf rund 4% halbiert und die Inflation bewegt sich im unteren einstelligen Prozentbereich. Für 2014 und 2015 erwartet die OECD ein BIP-Wachstum von 2.7%, respektive 3.2%.

BIP bis 2015 island
Abb. 3: Quartalsweise Veränderung des annualisierten BIP

Aufgrund der besser als erwarteten Erholung konnte sich Island früher als antizipiert an den Kapitalmärkten refinanzieren und einen Teil der IMF-Darlehen bereits vor dem vereinbarten Termin zurückbezahlen.

Auch die isländischen Banken arbeiten nach der erfolgreichen Restrukturierung wieder nachhaltig. Die Bilanzsumme des Banksektors hat sich auf das Zweifache des isländischen BIPs reduziert (in der Schweiz beträgt dieses Verhältnis rund 5x). Im Frühling 2013 hat die Arion Banki eine Anleihe bei internationalen Investoren platziert, was als Zeichen für zurückkehrendes Vertrauen gewertet werden kann. Auch die Islandsbanki hat seit Anfang 2013 erfolgreich mehrere Commercial Papers emittiert.

Verursacher der Krise mit Haftstrafen

Als eines der wenigen Länder hat Island die angeblichen Verursacher der Krise zur Verantwortung gezogen und angeklagt. Der damalige Premierminister Geir Haarde wurde im April 2012 teilweise schuldig gesprochen, die weiteren Regierungsmitglieder nicht bzw. ungenügend über die Probleme der isländischen Banken informiert zu haben. Im Dezember 2012 wurden zwei Manager von Glitnir wegen Betrugs zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt. Vier Geschäftsleitungsmitglieder von Kaupthing wurden im Dezember 2013 wegen Betrugs und Marktmanipulation zu drei- bis fünfjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Prozess gegen die ehemaligen Landsbanki-Manager ist zurzeit noch im Gange.

Island, quo vadis?

Für den isländischen Staat gab es wegen der Grösse des Finanzsektors nie die Option, seine Banken mit einem Rettungspaket zu unterstützen. Das umgesetzte Massnahmenpaket (Abwicklung der Banken, Kapitalverkehrskontrollen, Abwertung der isländischen Krone) erwies sich im Nachhinein als schmerzlichen, jedoch richtigen Weg und ermöglichte eine schnelle Genesung. Noch sind nicht alle Massnahmen abgeschlossen – eine Lockerung der Kapitalverkehrskontrollen in naher Zukunft scheint wegen der Angst vor einer massiven Kapitalflucht unwahrscheinlich. Um jedoch langfristig wieder ausländisches Kapital anzuziehen und Investitionen finanzieren zu können, bedingt es freie Kapitalmärkte und zurückgewonnenes Vertrauen in die isländische Wirtschaft. Die Rückkehr zur Normalität wird vermutlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

puffin landing
Abb. 4: Island scheint bald wieder Boden unter den Füssen zu haben (Landender Puffin, aufgenommen in der Nähe von Bakkagerði; Foto: Andreas Dietrich)

Kommentare

3 Kommentare

Christoph Duss

20. August 2014

Besten Dank für Ihre Beiträge. In der Tat haben die internationalen Kreditoren der isländischen Banken einen Grossteil ihrer Forderungen abschreiben müssen. Die laufenden Verhandlungen um die teilweise Rückzahlung der Forderungen (in der Zwischenzeit mehrheitlich von Hedge Funds aufgekauft) verlaufen nur zögerlich, da zur Rückführung eine Ausnahme von den bestehenden Kapitalverkehrskontrollen gefordert wird. Die Schweizer Sparer wie auch die Einlagensicherung, welche zwischenzeitlich CHF 28 Mio. zur Verfügung stellen musste, wurden jedoch bereits Mitte 2009, also weniger als ein Jahr nach dem Konkurs der Kaupthing Bank, vollständig ausbezahlt.

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nils reimelt

18. August 2014

Meiner Meinung nach kann von einer wundersamen Erholung nicht wirklich gesprochen werden. Auch finde ich, sieht man vor Ort Spuren der Krise. z.B. die Strasse vom Flughafen in Keflavik nach Reykjavik ist nicht fertig und wird so komisch kurvig zum Ende hin, weil kein Geld da ist. In Portugal habe ich mehrere Artikel gelesen, die Island als Vorbild sehen, um aus der Krise zu kommen, weil Island im Gegensatz zu Portugal eine eigene Währung hat, die als Instrument eingesetzt werden kann. Allerdings hat die Isländische Krone stark gelitten und sich seit 2007 nicht erholt: http://www.xe.com/currencycharts/?from=ISK&to=EUR&view=10Y Für weitere Abwertungen wird der Spielraum immer geringer. Dieser Umstand hat die Bitcoin-ähnliche Währung Aurora auf den Plan gerufen: http://auroracoin.org/whyiceland.php Ein Ansturm auf den Icelandic Krona-Ersatz ist bisher jedoch ausgeblieben.

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alexander saheb

18. August 2014

tja, das klingt ja gut, ist aber wohl leider keine Blaupause für anderswo. wobei, die Vorstellung in der schweiz wäre die ubs unter staatliche Zwangsverwaltung gekommen und herr ospel wäre zu 1-2 jahren haft verurteilt worden hat schon ihren reiz. aber die isländischen banken haben sich vor allem im Ausland refinanziert: den grossen verlust haben also "unbekannte dritte" auf deren missliche lage hier nicht näher eingegangen wird. Somit hat sich island auf deren rücken saniert, während in Europa (und der schweiz ) den Staaten und steuerzahlern diese rolle zugefallen ist.

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11. August 2014

Allgemein,

Veranstaltungen

IT-Kosten- und Qualitätsmanagement bei Banken

Wie müssen wir die IT, ihre Kosten und Qualität in Zukunft managen um auch in Zeiten mit wachsenden Kundenbedürfnissen und kleineren Margen erfolgreich Finanzdienstleistungen anbieten zu können? Wo lassen sich Einsparungen realisieren ohne die Substanz zu gefährden? Was können wir diesbezüglich von Industrieunternehmen und innovativen Bankinstituten lernen?… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Dr. Urs Blattmann

Wie müssen wir die IT, ihre Kosten und Qualität in Zukunft managen um auch in Zeiten mit wachsenden Kundenbedürfnissen und kleineren Margen erfolgreich Finanzdienstleistungen anbieten zu können? Wo lassen sich Einsparungen realisieren ohne die Substanz zu gefährden? Was können wir diesbezüglich von Industrieunternehmen und innovativen Bankinstituten lernen?

Diese und eine Vielzahl weiterer Fragen werden wir anlässlich der Veranstaltung ‚IT-Kosten und Qualitätsmanagement‘ mit ausgewählten Referenten und Vertretern namhafter IT-Provider und -Dienstleistern diskutieren und zukunftsorientierte Lösungsansätze erarbeiten.

Die Veranstaltung findet am Dienstag 9. September am IFZ in Zug statt.

Sie hat folgenden Inhalt:

Programm Seminar Urs

Es würde uns freuen, wenn wir Sie an der Veranstaltung begrüssen dürfen!

Prof. Dr. Andreas Dietrich, IFZ
Dr. Urs Blattmann, Geschäftsführer Swiss Benchmarking

Zur Anmeldung gelangen sie hier

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4. August 2014

Digitalisierung,

Vertriebsmanagement

Schweizer Banken und Big Data

Mittels einer nicht repräsentativen Umfrage bei 30 Banken aus der Deutschschweiz ist Fabienne Huber in ihrer Bachelorarbeit den Fragen nachgegangen, wie Big Data Technologien bei Schweizer Banken aktuell eingesetzt werden. Zudem wurden die Banken zu ihrer Einschätzung in Bezug auf die Zukunft von Big Data Analytics (der eigentliche Prozess der Datenanalyse wird oft auch Data Mining genannt) befragt.… Mehr Informationen

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Prof. Dr. Simon Amrein

Mittels einer nicht repräsentativen Umfrage bei 30 Banken aus der Deutschschweiz ist Fabienne Huber in ihrer Bachelorarbeit den Fragen nachgegangen, wie Big Data Technologien bei Schweizer Banken aktuell eingesetzt werden. Zudem wurden die Banken zu ihrer Einschätzung in Bezug auf die Zukunft von Big Data Analytics (der eigentliche Prozess der Datenanalyse wird oft auch Data Mining genannt) befragt. Zu beachten ist, dass praktisch sämtliche Banken die Big Data Analytics betreiben, bisher aber noch keine Informationen von Social Media Kanälen integrieren.

Einige interessante Ergebnisse möchten wir im Rahmen dieses Blogs kurz zusammenfassen:

  • Sieben Banken wenden heute bereits Big Data Technologien an. Neun Banken befassen sich zumindest mit Big Data Technologien und planen somit diese in Zukunft einzusetzen. Die anderen Banken setzen derzeit noch keine Big Data Technologien ein. Bei einigen Banken könnte das Thema aber an Relevanz gewinnen, da sich ihre (externen) IT Provider mit diesem Thema auseinandersetzen.
  • Die beiden wichtigsten Anwendungsbereiche von Big Data Technologien im Kernbereich „Marketing/F&E“ sind die Generierung von Cross-Selling Vorschlägen sowie die Entwicklung einer optimierten Kundensegmentierung. Big Data wird hingegen derzeit nur sehr beschränkt im Zusammenhang mit der Customer Retention (bspw. Berechnung einer Abgangswahrscheinlichkeit) oder der Erarbeitung innovativer Produkte (bspw. Erarbeitung von sinnvollen Product Bundlings) eingesetzt.
  • Vor allem im Bereich der Customer Retention, der Verbesserung bestehender Produkte und im Bereich einer weiteren und besseren Kundensegmentierung sehen verschiedene Banken in den nächsten 2-3 Jahren ein grosses und brachliegendes Potenzial, welche sie besser zu nutzen gedenken.
  • Big Data wird heute insbesondere im Bereich der Risikoabschätzung und Betrugsvorbeugung eingesetzt. Vor allem im Bereich der Verbesserung der Erkennung von Betrugsversuchen (z.B. Kreditkartenbetrug, Datendiebstahl) durch die Anwendung von Big Data Analytics sind einige Banken heute schon aktiv. Zu beachten ist, dass lediglich Banken befragt wurden. Es ist anzunehmen, dass Verfahren zu Erkennung von Betrugsversuchen bei Kartenanbietern sehr verbreitet sind.
  • Derzeit sind hauptsächlich die IT-Abteilungen mit dem Big Data Thema beschäftigt. Die Geschäftsleitungen sind derzeit eher wenig involviert in dieser Thematik.
  • Big Data ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Die drei grössten Herausforderungen sind aus Bankensicht der Datenschutz, der Aufbau von Know-how und die Integration der neuen Technologien. Der Datenschutz ist für 81% der befragten Banken eine grosse oder mittelgrosse Herausforderung. Das Entwickeln der entsprechenden Fachkenntnisse für Big Data Analytics stellt sogar für 94% der Banken eine grosse oder mittelgrosse Herausforderung dar.

Herausforderung Datenschutz

Grundsätzlich bieten Big Data Technologien bei Banken die Möglichkeit, Kosten zu optimieren und Erträge zu steigern (bspw. durch Cross-Selling). Ebenfalls besteht die Chance, individuell auf die Bedürfnisse von Kunden eingehen zu können (Stichwort „mass customization“). Diese kommerziellen Perspektiven sind für die Banken von Vorteil. Für den einzelnen Kunden könnte dies aber auch bedeuten, dass er seine Datenhoheit verliert. Besonders in Ländern, wo der Datenschutz einen hohen Stellenwert hat, sind daher Big Data Projekte eine grosse Herausforderung. Ein Blick auf einige Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB’s) von Schweizer Banken zeigt, dass sich einige Banken das Recht zusichern lassen, Kundendaten mit technischen Mitteln auszuwerten. Teilweise ist sogar explizit davon die Rede, dass dies der „Auslösung von Betreuungshinweisen“ und der „Unterbreitung von bedürfnisgerechten Angeboten“ dient.

Grenzen von Big Data

Big Data Technologien führen trotz der Fülle von Daten nicht dazu, dass die Kenntnisse über den Kunden vollkommen sind. Auch die Tatsache, dass datengetriebene Analysen mit neuen, bisher noch nicht benutzten Datensätzen angereichert werden können, macht diese Ergebnisse nicht per se präziser. Die Bewertung und Interpretation der verschiedenen Daten sowie die Herstellung von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Aktivitäten bleiben ja schlussendlich immer noch dem Menschen überlassen.

Big Data auf die Spitze getrieben – Beispiel aus Singapur

Trotz zahlreicher Datenschutzbedenken gibt es bereits interessante (und für uns auch etwas befremdliche) Beispiele einer möglichen Umsetzung von Big Data Analytics. Eine der grössten Banken Asiens, die DBS Bank in Singapur, hat zum Ziel, dass ihre Kunden die Kreditkarten so oft wie möglich benutzen. Zudem möchte die Bank den Kunden zur richtigen Zeit und am richtigen Ort attraktive Angebote unterbreiten. Bei der DBS Bank hat der Kunde einen imaginären persönlichen Concierge, der weiss, wo der Kunde ist, was er macht und an was er interessiert ist. Beispielsweise weiss die Bank, dass der Kunde gerne Designer Schuhe mag (die Kreditkarten Abrechnung gibt Auskunft darüber…). Die Bank verfügt zudem über einen Retail Partner in diesem Bereich. Läuft der Kunde nun am Geschäft des Retail Partners der Bank vorbei, kann die Bank dem Kunden eine Nachricht mit folgendem Inhalt zusenden: Sie erhalten 10% Rabatt, wenn Sie in den nächsten 20 Minuten bei Retailer X etwas mit ihrer DBS Kreditkarte einkaufen (weitere Informationen finden Sie hier).

Solche Szenarien und Entwicklungen, die eher an Science Fiction Filme erinnern (bspw. Minority Report), mögen aus heutiger (Schweizer) Sicht befremdlich und sogar angsteinflössend wirken. Big Data kann aber wie oben erwähnt auch in anderen Bereichen eingesetzt werden, in welchen solche offensiven Aktionen nicht vonnöten sind. Wir sind der Überzeugung, dass es durchaus Einsatzmöglichkeiten gibt, die sowohl für Banken und Kunden einen Mehrwert generieren und sich mit Herausforderungen wie dem Datenschutz vereinbaren lassen.

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